Larmoyanz und Pädagogik im Wikipedianischen Salon

Die beiden Salonherren. Foto: Christina Burger, CC-BY-SA 3.0

“Hereinspaziert meine Damen und Herren, und Willkommen zum ersten Wikipedianischen Salon.” So begrüßte Michael “seine Redseligkeit” Schlesinger die Gäste, die es sich im Kerzenschein bequem gemacht hatten. Am 16. Januar trafen sich gut 20 Wikipedianerinnen, Wikipedianer und andere Interessierte in den neuen Räumen von Wikimedia Deutschland, um der Auftaktveranstaltung des Wikipedianischen Salons beizuwohnen.

Eingeladen hatten das zweiköpfige Wikipedia-Salon-Team: Am Rednerpult moderierte als Conferencier Michael Schlesinger, und von hinten am Beamer glänzte Andreas Paul mit faktischen Einschüben und theoretischen Erwägungen. Beide durchschritten unter dem Titel “Fördert Wikipedia die Lust am Lernen?” leichtgängig das gesamte Themenspektrum zwischen Schule und Wikipedia: Was hat Wikipedia mit wissenschaftlichem Arbeiten zu tun? Kann man Wikipedia trauen? Darf man aus Wikipedia abschreiben? Wie kann ich sehen, ob es ein guter oder ein schlechter Wikipedia-Artikel ist? Sie erläuterten Vandalen, wiesen auf Diskussionsseiten zu Wikipedia-Artikeln hin, und stellten die internen Mechanismen der Qualitätssicherung vor.

Die gut 20 Gäste ließen sich auch vom kleinen Sektempfang nicht abhalten, und verwickelten sich in eine lange, intensive Diskussion, die von der Frage der Motivation in ehrenamtlichen Projekten bis hin zur Existenz oder Nicht-Existenz der Ernst-Thälmann-Insel reichte.

Die Veranstaltungsreihe Wikipedianischer Salon, die ab jetzt in unregelmäßiger Folge stattfinden wird, wird von Community-Mitgliedern aus der Wikipedia und ihren Schwesterprojekten ausgerichtet. Dabei wird sie die Wikipedia und ihre Wirkung auf die Welt aus verschiedenen Perspektiven mit verschiedenen Standpunkten betrachten. Wikimedia Deutschland freut sich, dies organisatorisch unterstützen zu können.

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Stippvisite beim Chapter in Israel

Editathon in der Nationalbibliothek Israel

 

Bei einer privaten Reise nach Israel wollte ich die Gelegenheit nicht auslassen und bei den Kolleginnen und Kollegen  von Wikimedia Israel  vorbeischauen. Genau wie Wikimedia Deutschland hatte auch das israelische Chapter gerade neue Räume bezogen, mit zwei Angestellten und einem großen Communityraum, der für Treffen der Wikimedia-Communitys zur Verfügung steht. Die hebräische Wikip/mediacommunity ist klein, aber sehr aktiv. In der Geschäftsstelle traf ich auch gleich Amos an, einen aktiven Freiwilligen, der mit WikiAir fantastische Fotoflüge für die Bebilderungen der Artikel zu Israel durchführt.  Ein paar Tage vor meinem Besuch hatte außerdem ein Hackathon stattgefunden, bei dem über 70 Freiwillige kamen. Das hat die Teilnehmenden und Wikimedia Israel sehr positiv überrascht. So viel Interesse hatte man bei den “kleinen Communitys” nicht erwartet und zeigt vielleicht welche ganz eigenen Stärken in den israelischen Communitys noch schlummern und sich gerade mit den organisierten Treffen erst entwickeln. Darüber hinaus gibt es von dem Chapter unterstützt und von den Freiwilligen organisiert regelmäßige Touren in die zahlreichen Museen oder an denkmalgeschütze Orte.

Ich durfte dann noch einer Premiere beiwohnen und konnte dort am ersten Editathon der hebräischen Wikipedia teilnehmen und beobachten wie Wikipedianer Dror an der Nationalbiliothek Israel  Wikipedianeulinge anleitete. Dror, langjähriger und gestandener Wikipedianer, war in den letzten 6 Monaten “Wikipedian in Residence” bei der israelischen Nationalbibliothek gewesen und hatte so den Workshop an diesem renommierten Ort möglich machen können. Etwa 30 Menschen waren gekommen, jeder “Newbie” bekam eine Art Buddy, mit dem erste Schritte in der Wikipedia gemeinsam gegangen werden konnten. Vorher gab Dror in einem kurzen Input eine exzellente Übersicht und Einführung in die Wikipedia und ihre Schwesterprojekte. Eine tolle Gelegenheit für mich, die Eigenheiten der hebräischen Wikipedia kennen zu lernen: Der erste Artikel  der hebräischen Wikipedia war “Mathematik”, und die aktive israelische Community in der Region des Nahen Osten hat auch Wikipedien in Minderheitssprachen auf die Beine helfen können, wie z.B. der tscherkessischen Wikipedia , eine in Israel lebende Minderheit, mit bisher nur 2 Autoren, die aber weiter wächst.

 

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10 Jahre Portal Lebewesen

In den sogenannten Redaktionen der deutschen Wikipedia treffen sich die ehrenamtlich Aktiven der Wikipedia eines bestimmten Fachbereichs. Die älteste Redaktion der deutschen Wikipedia ist die Redaktion Biologie, die aus dem Portal Lebewesen hervorging. Sie betreut Artikel zu biologischen Themen, zu Tieren, Pflanzen und anderen Lebewesen, in der Wikipedia.

Die Redaktion Biologie war stets eine der aktivsten Redaktionen der Wikipedia und hat in vielerlei Hinsicht Akzente gesetzt, die weit über das Thema Biologie hinaus bis heute das Erscheinungsbild der deutschen Wikipedia prägten. Ihr Einfluss hat erheblich dazu beigetragen, dass die Wikipedia heute im deutschsprachigen Raum als Qualitätsmedium wahrgenommen wird.

Im Kurier, dem internen Mitteilungsblatt der Wikipedia, veröffentlichte Achim Raschka einen Rückblick auf die letzten 10 Jahre seit Gründung des Portals Lebewesen. Wir freuen uns, den Text redaktionell leicht bearbeitet auch im Wikimedia-Blog veröffentlichen zu können:

Am 1. Januar feierte das Portal:Lebewesen der Wikipedia und damit auch die Wikipedia:Redaktion Biologie ihr 10-jähriges Bestehen  – 10 Jahre, in denen in diesem Bereich sehr viel passiert ist. Am 1. Januar 2004 wurde das Portal Lebewesen und damit wohl auch der Kern der konzentrierten gemeinsamen Arbeit der Wikipedianer, die sich im Bereich der Lebewesen tummeln, aufgebaut. Seitdem hat sich die Redaktion entwickelt, immer mal wieder neue Impulse gesetzt und auch bekommen – vor allem jedoch stetig weitergearbeitet. Mittlerweile betreuen wir einen Artikelbestand von etwa 40.000 Artikeln zu Lebewesen (so viele Artikel gab es damals in der gesamten deutschsprachigen Wikipedia) + einer nicht gezählten Anzahl von Artikeln aus allen möglichen Bereichen der Biologie.

Bradypus. Foto: Stefan Laube (Tauchgurke), gemeinfrei

Das Portal Lebewesen war dabei immer der Kern der Redaktion, die ihren Fokus auch heute noch vor allem der Biodiversität widmet – und hier auch noch lang nicht fertig ist. Schaut man sich allerdings die ältesten Versionen des damals leberwurstpinken Portals an, kann man sich vorstellen, wie grundlegend die Arbeiten damals noch waren – unter den neuen Artikeln am 3. Januar 2004 finden sich beispielsweise Neuanlagen zu den Krokodilen und den Ammoniten, aber auch zum Bacillus anthracis, während unter den noch ungeschriebenen Artikeln noch zahlreiche weitere Großgruppen stehen. Bei den Pflanzen war zum damaligen Zeitpunkt vor allem das „Projekt Lilien“ konzentriert aktiv, bei den Tieren wurden erstmal querbeet Grundlagen gelegt und Artikel zu Mikroorganismen oder Pilzen wurden nur sporadisch eingestreut.

Grundlagenarbeit

Die Krainer Lilie aus der Tscheppaschlucht. Foto: Kurt Kulac, CC-BY-SA 2.5

Doch im Portal ging es von Beginn an nicht nur um Artikelzählereien, vielmehr wurde das Portal Lebewesen sehr schnell zum Kristallisationspunkt der gemeinsamen Arbeit an den Lebewesenartikeln. Die „Lebewesenikis“ trafen sich virtuell auf der Diskussionsseite, um Grundlagen zur Arbeit in ihrem Bereich zu erarbeiten – so entledigte man sich sehr rasch der Relevanzfrage für Arten, indem man einfach von Beginn an alle Arten von Lebewesen als relevant erklärte (nach dem Wikipedia-Artikel zur Artenvielfalt etwa 2 Millionen beschriebene heute lebende Arten, hinzu kommen ungezählte ausgestorbene) und stattdessen ein paar grundsätzliche Richtlinien für die Mindestqualität aufstellte. Um diese zu realisieren, wurde eine portaleigene Qualitätssicherung eingerichtet. Für die Neuen Artikel gibt es ein System der Eingangskontrolle und seit einigen Jahren wird die Qualitätssicherung aktiv durch botgenerierte Wartungslisten unterstützt. Das Portal:Biologie entwickelte sich als Parallelprojekt für Grundlagenartikel – und blieb bis heute leider eher ein Anhängsel.

 Treffen, Literaturstipendium, Bestimmungshilfe, …

Wanderung der Lebewesenikis durch die Elbmarschen: Foto: Mirko Thiessen CC-BY-SA 2.5

Bereits 2006 gab es zum ersten Mal ein Treffen der Biologen in Wien, 2007 setzte sich die Serie auf Helgoland fort und bis heute sind die jährlichen persönlichen Treffen ein regelmäßiges Highlight im Jahreskalender der Redaktion. Neben den unvermeidlichen Diskussionen zur Entwicklung des Bereichs der Biologie und der Wikipedia schlechthin, gehören grundsätzlich Exkursionen zu biologisch interessanten Orten mit langen Wanderungen zum Programm. Im Nachgang eines dieser Treffen entstand 2007 der Vorläufer des heutigen Wikipedia:Literaturstipendiums und zugleich der Wikipedia:Bibliotheksrecherche aus privater Initiative, damals bekannt als „Die lange Anna“. Seit 2011 verfügen wir über ein Fotomikroskop, finanziert und angeschafft als Technikunterstützung von Wikimedia Deutschland. Weitere Initiativen entwickelten sich zur vielgenutzten Bestimmungshilfe für Fotos von Lebewesen oder zum (aktuell wieder laufenden) Wikipedia:Artikelmarathon.. Selbstredend sind die Lebewesenautoren regelmässige Kunden der Kartenwerkstatt, um die Artikel mit Verbreitungskarten auszustatten, und regelmässige und erfolgreiche Teilnehmer des Schreibwettbewerbs.

Quo vadis?

Wer bin ich? – Bestimmungshilfen in der Wikipedia. Foto: Richard Bartz, Munich aka Makro Freak CC-BY-SA 2.5

Kein Rückblick ohne einen Ausblick – so schauen wir auch hier nach vorn auf mindestens weitere 10 Jahre. In der näheren Zukunft werden sich die Mitarbeiter der Redaktion vor allem mit den neueren Errungenschaften der Wikiwelt beschäftigen müssen – so stellt sich ganz aktuell die Frage, wie Wikidata unsere Artikel verändern wird und wie dies auf einem möglichst hohen qualitativen Niveau geschehen kann. Während einzelne Lebewesenikis dies derzeit eher noch kritisch beobachten (u.a. der Autor dieser Zeilen), sind andere bereits hochaktiv in Wikidata unterwegs und es entstehen bereits erste Ideen für zukünftige datenbankgenerierte Abfragen beispielsweise zu Länderfaunen und -floren. Auch die botgenerierten Artikel werden uns beschäftigen – allerdings ist in der deutschsprachigen Wikipedia nicht geplant, dem schwedischen Beispiel der hunderttausendfachen Botanlage von Lebewesenartikeln zu folgen; vielmehr gehen Überlegungen in die Richtung, wie man Bots zur Pflege des Bestandes und auch zur Unterstützung der Autoren einsetzen kann. Mediendateien werden ein weiterer Schwerpunkt der Zukunft sein – angefangen von Bildern der beschriebenen Lebewesen, die in den überwiegenden Fällen fehlen, über Videoaufnahmen, Tonmaterial und Kartenmaterial. Und inhaltlich werden wir uns natürlich um die noch fehlenden zwei Millionen sowie natürlich auch um die bereits bestehenden 40.000 Lebewesenartikel kümmern – Arbeit genug für Generationen von Lebewesenikis. Als Autor dieser Zeilen bedanke ich mich bei allen, die die letzten 10 Jahre aktiv gestaltet und begleitet haben (auf Namen verzichte ich in diesem Artikel bewusst) und freue mich auf die nächsten 10 Jahre der Zusammenarbeit.

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Monatsbericht Dezember 2013

POLITIK UND GESELLSCHAFT

Geteiltes Wissen bei EU-Urheberrechtskonsultation

Die Europäische Kommission hat eine Konsultation zum Urheberrecht in der EU eingeleitet, an der sich bis zum 5. Februar 2014 Verbände, zivilgesellschaftliche Organisationen, aber auch einzelne Private beteiligen können. Zweck der Konsultation dürfte es sein, den Boden für eine umfassende Urheberrechtsreform im Jahr 2014 zu bereiten. WMDE hat im Rahmen der europäischen Aktivitäten (s.u.) und in enger Abstimmung mit der WMF damit begonnen, “Answering Guidelines” zu erstellen, die auch von anderen Organisationen übernommen werden können. Die Veröffentlichung auf einer Plattform der Open Knowledge Foundation ist für die 3. Kalenderwoche vorgesehen.

Acht Chapter unterstützen europäische Politik-Agenda

Bereits im November hatten Vertreter der Free Knowledge Advocacy Group EU in London eine Grundsatzverbeinbarung für die gemeinsame Lobbying-Agenda auf EU-Ebene aufgesetzt. Bis zum Redaktionsschluss dieses Monatsberichts haben bereits acht europäische Wikimedia-Fördervereine diese Erklärung gezeichnet (WMNL, WMSE, WMAT, WMFR, WMCZ, WMIT, WMDE, WMUK). Das Werben um noch mehr Unterstützung wird bis zur Wikimedia-Conference in Berlin unvermindert weitergehen.

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Und zum Jahresende noch ein paar neue Dateien auf Commons

Gestern las ich in einer Zeitung, es sei vielen Menschen ein Kreuz, sich schon wieder an eine neue Jahreszahl gewöhnen zu müssen. Und bevor man sich unter dieses Joch beugt, wählen vielleicht daher viele einen Blick zurück. Gemeinsam haben wir in der Zusammenarbeit mit den Kultur- und Gedächtnisinstitutionen einiges in 2013 geschafft. Im internationalen Diskurs werden diese Institutionen unter dem Akronym GLAM (Galleries, Libraries, Archives and  Museums) zusammengefasst. Die vielen 2013-Projekte der Freiwilligen und von Wikimedia Deutschland wurden in diesem Blog beschrieben. Unter der Kategorie “Kultur” , findet man alle Beiträge . Hier will ich nur auf die Punkte eingehen, die auch im kommenden Jahr noch Bedeutung haben werden. Zum Beispiel wurde im Frühjahr in Kooperation mit dem Deutschen Archäologischen Institut, dem Wikiprojekt:Römischer Limes und Wikimedia Deutschland (WMDE) eine Limeskarte, die Geodaten, Zeitpunkte und Wikipedia-Arikel in verschiedenen Sprachen zur  Grenze des römischen Reiches mit einander vernetzt, erstellt. Aber noch konnte sie nicht in die Wikipedia integriert werden. Die Integration von interaktiven Karten und Apps in die Wikipedia wird auch in 2014 ein Thema bleiben.

On Tour von Braunschweig nach Görlitz

Eine Programmlinie, die ebenfalls in das kommende Jahr weiterführt, ist  “GLAM on Tour”. Klar inspiriert durch die Limeskarte kam es im Sommer zur Zusammenarbeit mit dem Braunschweigischen Landesmuseum (BLM) für die Ausstellung “Die Römer kommen”.   Ohne das Engagement der  Wikipedianer vor Ort wäre aber jede Inspiration eine Träumerei geblieben. So gibt es hunderte neue Fotos und etliche neue Artikel. Besonders erfreulich, die Auszeichnung des Artikels zur Schlacht am Harzhorn, um die die Ausstellung kreist, zum Wikipedia-Artikel des Tages am 30. September. Derzeit laufen die Gespräche für eine erneute Kooperation zur Ausstellung “1914″ im BLM. Auch die Ergebnisse der lokalen Wikipedianer in der Lausitz im Zuge der zweiten “GLAM on Tour” Station in Görlitz können sich sehen lassen. Wir waren zu Gast bei der Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften (OLB). Die OLB unterstützt auch das Folgeprojekt zu den Umgebindehäusern, das im nächsten Jahr im Dreiländereck Polen, Tschechien und Deutschland stattfinden soll. 2014 wollen wir mindestens drei weitere “GLAM on Tour” Stationen organisieren. Der Auswahlprozess läuft. Durch die “Kulturinitiative” im Herbst haben sich sehr viele spannende Kontakte von WMDE-Fördermitgliedern zu GLAM-Einrichtungen aufgetan. Vorschläge sind weiterhin willkommen.

An Bord eines Tankers

Das Format “Wikipedian in Residence” kam 2013 nur einmal zum Tragen. In Zusammenarbeit mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen gelang es erstmals im öffentlich rechtlichen Rundfunk, Mediendateien unter eine Freie Lizenz zu stellen. Es waren vorwiegend Infografiken, die im Zuge des online ZDF-Faktenchecks ausgearbeitet wurden. Mag das manch einem als dürftig erscheinen, so ist damit jedoch ein Präzedenzfall geschaffen worden, der in der Diskussion um die freie Nachnutzbarkeit von Staatlichen Werken nicht zu unterschätzen ist. Wir sind gespannt, ob der schwerfällige Tanker  ZDF zu den Europawahlen 2014 den Faktencheck wieder reaktivieren wird. 2014 sind mögliche  “Wikipedians in Residence” auf den auf der WMDE-Mitgliederversammlung beschlossenen neuen Fonds zur Förderung des Freien Wissens angewiesen. Personen und Institutionen können dort  Projekte zur Förderung vorschlagen. Die Auswahl der Förderprojekte obliegt der Community. Der Fonds verfüg über 250.000 €.Die  Seite wird zur Zeit überarbeitet.

Über die verschiedenen Formen der Zusammenarbeit von GLAMs und WMDE wurde auch auf der Konferenz “Zugang gestalten” Ende November gesprochen. Über 200 Vertreter des GLAM-Bereiches trafen in Berlin zusammen und diskutierten ihre digitale Agenda mit Vertretern der Politik, des Justizwesens und der Zivilgesellschaft. WMDE war einer von siebenVeranstaltern. Die Diskussion wird 2014 fortgesetzt.

Die Junge Union Niedersachsen als Wegbereiterin der Piraten. Schon 1978 nutzte sie gemeinfreie Werke – hier von Peter Paul Rubens das Historienbild “Raub der Töchter Leukippos” – für ihre Werbung. Es sei dahin gestellt, ob viele Frauen sich aufgrund dieses Plakates für die Junge Union bzw. CDU erwärmen konnten. Die Niedersächsin Frau von der Leyen entschloss sich bekanntermaßen erst 12 Jahre später zur Mitgliedschaft. Credit: By CDU [CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

… und noch ein paar neue Dateien

Aber eigentlich ist heute ja noch Weihnachten und daher nun zum Schluss noch eine frohe Botschaft. Lang angekündigt haben wir endlich die von der Konrad Adenauer Stiftung bereitgestellten mehrere Tausend Wahlplakate und ähnliches Material in Wikimedia Commons hochladen können. Wie so oft war mit der freien Lizenzierung nur die Möglichkeit geschaffen worden, die Medien über Wikimedia Commons zu erschließen. Aber das eigentliche Hochladen ist entweder mühevolle Handarbeit oder erfordert eine Programmiertätigkeit- beides kostet Zeit. Die Plakate sind eine Quelle der Zeitgeschichte und damit natürlich für viele Wikipedia-Autoren spannend. Doch die CC-BY-SA-Lizenz erlaubt noch mehr: die Freie Nachnutzung und selbst die Bearbeitung, solange nur der Urheber genannt bleibt. Welche kreativen Köpfe sich von dem Material ansprechen lassen werden?

 

In diesem Sinne Euch und Ihnen allen einen guten Rutsch ins neue Jahr.

 

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Der Umgang mit unseren Nutzerdaten – ein Aufruf

Seit einigen Monaten bewegen regelmäßig Diskussionen zum Thema “Datenschutz und der Umgang in der Wikimedia-Welt damit” die deutschsprachigen Communitys, eine der größten nicht-englischsprachigen Communitys im Wikimedia Movement. Das betrifft insbesondere natürlich Aktive in der Wikipedia, aber auch aus Schwesterprojekten.

Datenschutz ist ein Thema, an dem die deutschsprachige Community seit jeher ein besonderes Interesse hat. Diese spezielle Diskussion allerdings entzündete sich anhand des Tools “Deep User Inspector” auf den Tool Labs, das eine lang respektierte Übereinkunft des Toolservers aushebelte, nach dem personalisierte Daten nur nach einem Opt-In aggregiert verfügbar gemacht werden.

Da derzeit die Wikimedia Foundation ihre Privacy Policy überarbeitet und bis zum 15. Januar um Beteiligung und Diskussion unter Talk:Privacy_policy bat, haben wir gebeten, aus der Community heraus ein Statement zu formulieren. Der hiermit vorgelegte Text wurde zu weiten Teilen von Benutzer:NordNordWest verfasst und von annähernd 120 Aktiven der Wikimedia-Projekte gezeichnet. Er repräsentiert die vielfach in der deutschsprachigen Community vorhandenen Bedenken und Sorgen und ist daher unseres Erachtens geeignet, die Diskussion um diese Themen zu bereichern. Wir danken allen Beteiligten herzlich.

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Wikimedia:Woche 51/2013

Die Wikimedia:Woche ist die wöchentliche Zusammenfassung von aktuellen Nachrichten aus der internationalen Wikimedia-Bewegung. Der gemeinschaftliche Mailing-Newsletter von Freiwilligen und Wikimedia Deutschland wird immer donnerstags in Wikipedia, auf der Mailingliste des Vereins und auch hier im Blog veröffentlicht.

Wir freuen uns außerdem auf eure Themen für die nächste Wikimedia:Woche, die ihr hier eintragen könnt.

Die nächste Ausgabe der Wikimedia:Woche wird erst im Januar erscheinen. Wir wünschen allen Lesenden besinnliche Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr!

Viel Spaß beim Lesen!

 

= Wikimedia:Woche 51/2013 =

Frühere Ausgaben sind archiviert unter:

Die Liste der Beitragenden kann der Versionsgeschichte der jeweiligen Ausgabe im Archiv in der Wikipedia entnommen werden.

Foundation und Organisationen

Grundsatzpapier der Free Knowledge Advocacy Group EU

Vertreter der Free Knowledge Advocacy Group EU haben diesen November in London eine Grundsatzverbeinbarung für ihre Lobbying-Agenda auf EU-Ebene geschrieben. Bislang haben sieben europäische Wikimedia-Fördervereine die Erklärung gezeichnet (WMNL, WMSE, WMAT, WMFR, WMIT, WMDE). Das Präsidium von WMUK hat das Dokument ebenfalls einstimmig angenommen, dort schließt sich allerdings noch eine zweiwöchige Konsultationsperiode in der Community an. Im Hinblick auf die mögliche Aufnahme von Open Access in das Papier blieb es vorerst bei Diskussionen. Einige italienische Wikimedianer hätten sich dieses Feld als vierten Kernbereich gewünscht. Immerhin war Open Access auch in der Community-Umfrage sehr hoch priorisiert worden.

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In eigener Sache: Angelika sagt Danke und auf Wiedersehen


Nun ist es offiziell: Ich werde Wikimedia Deutschland zum Ende des Monats verlassen.
Ich möchte aber nicht einfach von der Bildfläche verschwinden, ohne hier noch einmal Danke zu sagen und mich zu verabschieden.

Gern wäre ich geblieben und hätte weiter an der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wikimedia gearbeitet. Aber die Dinge wurden für mich und andere Kollegen in den letzten Wochen anders entschieden. Schade, aber so ist das Leben manchmal. So habe ich nun Gelegenheit meine Ideen und Energien anderweitig einzubringen.

Ich blicke zurück auf fast drei Jahre Wikimedia. Als ich im März 2011 anfing und das Forschungsprojekt RENDER übernahm, war alles neu und aufregend. Viele tolle Menschen haben mich seither begleitet, mir diese spannende Welt gezeigt und mich zu einem leidenschaftlichen Teil dieser gemacht.
Mit der Neukonzipierung und Umsetzung der Wikipedia Academy 2012 bereiteten wir, meine Kollegen Nicole Ebber, Denis Barthel, ich und ein unglaublich engagiertes Organisationskommittee einen entscheidenden Schritt zur Verbindung beider Welten, der Wissenschaft und Wikipedia sowie ihrer Schwesterprojekte. Diese großartige Veranstaltung sollte die Grundlage für weitere WMDE-Veranstaltungen bereiten, wie in diesem Jahr die beiden großartigen Konferenzen zu OER und Diversität in Wikipedia.

Zusammen mit meinem großartigen Team – Kai Nissen, Johannes Kroll und Gerrit Holz (bis 03/13) – arbeiteten wir in RENDER an Lösungen, die einerseits dem Anspruch der Europäischen Kommission und dem Projektantrag gerecht wurden. Andererseits war immer auch unser Anspruch, wirklich verwendbare, sinnvolle Werkzeuge zu entwickeln, die Menschen in ihrer Arbeit mit der Wikipedia unterstützen. Der kontinuierliche Austausch mit Autorinnen und Autoren, wie z.B. während der RENDER-TC-Tour im Frühjahr diesen Jahres, half uns die Bedürfnisse der Nutzer besser zu verstehen und darauf zu reagieren. Danke für diese spannenden Abende und Diskussionen. Ich habe viel über das menschliche Miteinander und die Wichtigkeit persönlicher Treffen gelernt.

Wir konnten im Herbst 2013 RENDER erfolgreich abschließen und erhielten während der finalen Bewertung vor Vertretern der Europäischen Kommission die Gesamtnote “Exzellent”. Das ist eine sehr gute Grundlage für potentielle kommende EU-geförderte Projekte. Die weitere Betreuung der entstandenen Werkzeuge wird durch meine Kollegen Kai Nissen und Johannes Kroll abgesichert. Fragen oder Anregungen dazu können gerne render@wikimedia.de gerichtet werden.

Mein Wunsch wäre interessierte Nutzer bei zukünftigen Projekten noch früher mit einzubeziehen um bestmögliche Resultate für die Nutzer und die WM-Projekte selbst zu erzielen. Diese und weitere Ideen werde ich nun leider nicht selbst weiterverfolgen können, aber ich weiß meine Vorarbeiten und Konzepte zu neuen Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen bei meinen Kollegen von Bildung & Wissen in guten Händen.

Danke an alle für eine unglaublich bereichernde Zeit. Wir sehen uns bestimmt irgendwo wieder.

Eine schöne Weihnachtszeit und alles Liebe,
Angelika

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Berlin als Vorreiter für Freie Bildungsressourcen?

Sollen Freie Bildungsmaterialien (Open Educational Resources, kurz OER) Teil der Berliner Bildungslandschaft werden? Und wie könnten konkrete Lösungen aussehen? Darüber diskutierte am 9. Dezember der Ausschuss für Digitale Verwaltung, Datenschutz und Informationsfreiheit des Abgeordnetenhauses Berlin. Zu den anwesenden Sachverständigen zählte neben Vertretenden der Schulbuchverlage, iRights, der HTW Berlin und des Philologenverbandes auch Sebastian Horndasch als Vertreter von Wikimedia Deutschland. Ein Sachstandsbericht. [Update 06.01.13: Protokoll steht online]

Thema OER: Alle politischen Farben sind an Bord. Zumindest in Berlin. Foto: Guillermo Viciano CC-BY-SA via flickr.com

Langsam gewinnt das Thema Freie Bildugsressourcen an Fahrt. Im September führten wir mit der OER-Konferenz die erste Großveranstaltung zum Thema in Deutschland durch. Im Herbst startete die EU-Kommission mit Opening Up Education eine Initiative, die die breite Einführung von OER im Bildungsbereich zum Ziel hat. Und in Berlin gibt es jetzt eine Länderinitiative zu OER in Deutschland, die eine reale Chance auf eine praktische Umsetzung hat. Man reibt sich überrascht die Augen: Hier sind nicht nur die Piraten und die Grünen für die Initiative; auch die Fraktionen von CDU und SPD stehen hinter einem Pro-OER-Antrag.

Aber erzählen wir die Geschichte von Beginn an. Den Anfang machten die Piraten. Im März 2013 beantragten sie, dass der Senat die Implementierung von OERs prüfen solle (Drucksache 17/0888). Eine wunderbare Sache, aber für sich noch keine große Nachricht: Piratenanträge werden häufig von der Mehrheit abgeschmettert. Nicht so in Berlin. SPD und CDU reagierten im August mit einem eigenen Antrag zum Thema (Drucksache 17/1130). Dieser enthielt ebenfalls einen Prüfungsauftrag – allerdings verbunden mit einer über den Piratenantrag hinaus gehenden klaren Botschaft:

Der Senat von Berlin wird aufgefordert, das Prinzip von offenen digitalen Bildungsressourcen (sog. „Open Educational Resources“) in der schulischen Bildung umzusetzen.

Ein Satz, der sitzt. Ein vielversprechender Anfang. Leider enthält der Antrag im Weiteren auch aus unserer Sicht kritische Passagen: So nennt er Schulbuchverlage als mit einzubeziehende Partner, nicht aber Zivilgesellschaft und Bildungseinrichtungen. Auch ist zwar die Rede von Creative Commons Lizenzen, nicht jedoch davon, welche genau gewählt werden sollen. Aber beides scheinen lösbare Details zu sein.

Viel Rückenwind für OER: Die Anhörung

Am 9. Dezember nun diskutierte der Ausschuss für Digitale Verwaltung, Datenschutz und Informationsfreiheit des Abgeordnetenhauses über beide Anträge – hier das Protokoll. In unserer Stellungnahme (hier als PDF) forderten wir zweierlei:

1. Durch das Land Berlin kuratierte OER sollten der Open Definition genügen, also sowohl veränderbar sein, als auch eine kommerzielle Nachnutzung zulassen. Wir schlagen dabei CC-BY-SA vor.

2. Zivilgesellschaft und Bildungseinrichtungen sollten in den Beratungsprozess zu OER miteinbezogen werden.

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Wikimedia:Woche 50/2013

Die Wikimedia:Woche ist die wöchentliche Zusammenfassung von aktuellen Nachrichten aus der internationalen Wikimedia-Bewegung. Der gemeinschaftliche Mailing-Newsletter von Freiwilligen und Wikimedia Deutschland wird immer donnerstags in Wikipedia, auf der Mailingliste des Vereins und auch hier im Blog veröffentlicht.

Interessierte sind herzlich eingeladen, bei der Zusammenstellung von interessanten Links und Themen mitzumachen. Bis zum jeweils folgenden Donnerstag wird hier gesammelt.

Viel Spaß beim Lesen!

 

= Wikimedia:Woche 50/2013 =

Frühere Ausgaben sind archiviert unter:

Die Liste der Beitragenden kann der Versionsgeschichte der jeweiligen Ausgabe im Archiv in der Wikipedia entnommen werden.

Foundation und Organisationen

Wikimedia-Community-Logo bleibt ungeschützt

Nach langer Diskussion und Beratung hat das Legal Team der Wikimedia Foundation nun angekündigt, das Wikimedia-Community-Logo (also das Logo, das im Meta-Wiki anstelle des Wikipedia-Puzzleballs oben links angezeigt wird) nicht schützen zu lassen und eine entsprechende Empfehlung ans Board of Trustees auszusprechen.

Kein Nachfolger für Sue Gardner in Sicht

Auf Meta wurde mitgeteilt, dass das bisherige Bewerbungsverfahren um die Nachfolge der Geschäftsführerin der Wikimedia Foundation, Sue Gardner, erfolglos verlaufen ist. Keiner von mehreren hundert Bewerbern, aus denen acht vorausgewählt worden seien, sei letztlich für geeignet gehalten worden.

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