•  

    • expand2012 (88)
    • expand2011 (171)
    • expand2010 (105)
    • expand2009 (84)
    • expand2008 (60)
    • expand2007 (11)

Haifa Tag 3: Das große Finale

Zum Anfang der Zusammenfassung von Tag 3 erlaube ich mir eine kurzes Rückblick auf den Freitag und meinen eigenen Vortrag “Wikipedia and beyond: Incentivizing engagement” (Folien). Darin habe ich einige der Projekte (Zedler-Medaille, WissensWert und Wiki loves Monuments) vorgestellt, mit denen wir Menschen zum Mitmachen motivieren möchten und sie bei der Förderung Freien Wissens unterstützen und begleiten. Auch wenn es keine Raketenwissenschaft ist, dass die Motiviation durch Preise und Geld wohl nicht maßgeblich erhöht werden kann: Viele der kleineren Chapter sind sehr an einem Erfahrungsaustausch interessiert und bekamen in Anschluss an den Vortrag die Gelegenheit, eigene Wettbewerbe vorzustellen und mit dem Publikum zu diskutieren.

Article Feedback Tool

Erik Möller hat in seinem Vortrag zum Article Feedback Tool zunächst die wohl den meisten bekannte und von vielen gefürchtete Grafik “Retention vs. active editiors” gezeigt und deutlich gemacht, wie sehr die Motiviation von (neuen) Autoren, langfristig dabei zu bleiben, mit der Qualität der Inhalte verbunden ist. Da die Hemmschwelle zum Klick auf den Edit-Button für viele Leser zu hoch ist, sucht man andere Wege, um mit diesen in Kontakt zu kommen. Dazu wurde das Article Feedback Tool entwickelt, was zur Zeit in der englischsprachigen Wikipedia getestet wird. Das Tool bittet nicht nur um Bewertung eines Artikels, sondern bietet Lesern erstmalig eine Chance, auf sehr niedrigschwelligem Wege (im Vergleich zur Diskussionsseite) einen Kommentar zu einzelnen Artikeln zu geben.

Was ich sehr beeindruckend fand: Monatlich werden momentan 10 Millionen Bewertungen abgegeben, während die Anzahl der Edits bei “nur” 3,6 Millionen pro Monat liegt. Schöner Schlusssatz von Erik dazu: RELAX: It’s going to be OK!

Wikipedia for World Heritage

Nach der Mittagspause präsentierte Catrin die Kampagne “Wikipedia for World Heritage“. Etwa die Hälfte der Teilnehmer hatte schon von der Aktion gehört, andere fragten im Anschluss nach den Möglichkeiten, selber aktiv zu werden. Beispiele aus Indien, Hong Kong und Italien zeigen mit liebevollen Aktionen ihre Begeisterung für die Idee. Die Präsentation machte nochmal deutlich, dass es uns nicht nur um die Aktion an sich geht, sondern dass wir die Debatte rund um Freies Wissen suchen und beleben wollen. Großes “Hallo” gab es aus dem Publikum, als Catrin die Kriterien für das Welterbe zitierte: “The site represents a masterpiece of human creative genius.”

RENDER, CoSyne und Wikidata

Drei Talks, die ich zwar nicht komplett gesehen habe, aber deren Inhalte sich teils überschneiden und die in manchen Punkten voneinander profitieren können.

Angelika Adam und Denny Vrandecic stellten in “Reflecting knowledge diversity” das RENDER-Projekt vor. Ebenfalls von der EU gefördert ist das CoSyne-Projekt, bei dem es um die automatisierte Synchronisation von Änderungen in verschiedenen Sprachversionen geht. Partner ist unter anderem auch die Deutsche Welle, ein Testballon findet sich auf deren Seite kalenderblatt.de

Viel Applaus erntete auch der Vortrag von Denny Vrandecic und Daniel Kinzler über das neue Wikimedia-Projekt Wikidata. Ich versuche mal, das laienhaft zu beschreiben: Sobald es neue statistische Angaben über die Einwohnerzahl einer Stadt gibt, werden diese Zahlen in jeder Sprachversion des Artikels händisch und nach und nach geändert. Mit Wikidata gibt es einen zentralen Speicherort, auf den alle entsprechenden Artikel in allen Sprachversionen zugreifen und die Zahlen so immer und überall identisch und aktuell sind.

Vieles läuft in den drei Projekten automatisiert, aber einige Schritte können nach wie vor nur von Menschen erledigt werden (Infoboxen im neuen Format, Überpfüfung von Übersetzungen etc.). Hier spielen die vielen Freiwilligen eine großes Rolle, und ein Aspekt zog sich durch die gesamte Konferenz: Definiere genau, wobei du Hilfe brauchst! Je genauer die Freiwilligen auf die Lücken oder nötige Bearbeitung hingewiesen werden, desto höher ist die Aussicht auf Unterstützung.

Abschlussveranstaltung

Wer seinen Abschlusstalk mit diesem Video beginnt, hat das Publikum schon für sich gewonnen (es hat sogar mitgeklatscht!!):

Jimmy Wales hat in seiner Ansprache nochmal Revue passieren lassen, welche Themen aktuell auf den Nägeln brennen. Wikipedia ist mittlerweile so groß, dass es immer schwieriger wird, neue Artikel beizutragen. Die Software ist optimierungsbedürftig und schreckt unerfahrene Nutzer ab, wird aber laufend verbessert. Und es gibt viele, viele Regeln und Prozesse, die neue (und auch einige alte) Nutzer eher vertreiben als halten. Um die Mitarbeit attraktiver zu machen, rief er zu “Simplify, eliminate proceedures, automate” auf und beendete dann unter großem Applaus seine Rede mit “TO THE BEACH”.

Krönender Abschluss einer der (meiner Meinung nach) am besten organisierten Wikipedia-Konferenzen überhaupt war die Party am Strand, wo bis in die Nacht weitere Pläne für die weltweite Bewegung geschmiedet und ausgelassen getanzt wurde.

Erste Fotos und Videos finden sich auf YouTube und Flickr, die Twittersuche nach #wikimania gibt außerdem die persönlichen Eindrücke der Teilnehmer wieder und Google News listet aktuelle Berichte zum Thema.

Ein ganz herzliches Dankeschön an die Organisatoren für ihr wunderbares Engagement, für tolles Essen, eine eindrucksvolle Location, stabiles W-Lan und das freundliche Drum Herum und die Hilfsbereitschaft bei allen Fragen. Ebenso großer Dank geht an alle 650 Teilnehmer aus 56 Ländern, die erneut für den einmaligen Wikimania-Spirit sorgten!

Übrigens: “Making fun of Wikipedia is so 2007.” (Zitat aus Sues Opening Talk.)

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (13 Bewertungen, Durchschnitt: 3,38 von 5)
Loading ... Loading ...

WissensWert-Gewinner veröffentlichen Motivationsfilm für Creative Commons

Im Rahmen unseres Ideenwettbewerbs WissensWert 2010 zur Förderung Freien Wissens wurden von der Community und einer Jury aus 93 Einsendungen acht auserwählt und finanziell unterstützt.

Der Motivationsfilm für Creative Commons von Amadeus Wittwer und seinem Projektteam ist nun online:

Motivationsfilm für Creative Commons from Amadeus Wittwer on Vimeo.

Der Motivationsfilm für Creative Commons ist eine Art Werbefilm für Creative Commons, der Kreativen, Kultur-­ und Medienschaffenden sowie Wissenschaftlern dazu ermuntert, die geschaffenen Inhalte in die kulturelle Allmende einfliessen zu lassen. Im Film wird die Lizenz, die Nutzung und derer Entstehungsgeschichte erläutert.

Dieser Film steht unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Unported Lizenz und übertrifft damit erfreulicherweise sogar die Wettbewerbsvoraussetzung, die Ergebnisse „mindestens“ unter einer CC-BY-SA zu veröffentlichen. Wer also Lust hat, den Film selber vorzuführen, weiter zu geben, ihn zu remixen oder zu übersetzen (hint, hint!) ist herzlich eingeladen, dies zu tun. Herzlichen Glückwunsch ans Filmteam für diese tolle Arbeit!

Mitwirkende
Projektleitung: Amadeus Wittwer www.2hofnarr.ch
Regie&Cut&Animation: Adrian Scherzinger www.edprojects.ch
Illustration: Regina Wittwer www.regains.ch
Ton&Sounds: Alain Stoll www.jectified.com
Sprecherin: Sarah Judith Bürge
Sprecher: Philipp Bürkler
Textkorrekturen: Claude Fankhauser, Dirk Dienel
Übersetzung: Barbara Müller www.fepafrika.ch
Finanzierung: Verein Wikimedia Deutschland e.V.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (16 Bewertungen, Durchschnitt: 3,19 von 5)
Loading ... Loading ...

MediaWiki-Entwickler trafen sich zum Hackathon

Vom 13. bis 15. Mai kamen im Berliner betahaus 70 MediaWiki-Entwickler zum Berlin Hackathon 2011 zusammen. Wikimedia Deutschland war zum dritten Mal Gastgeber dieses internationalen Entwicklertreffens, das dieses Jahr unter dem Zeichen „less talk – more hacking“ stand. Eingeladen waren daneben auch noch 20 Beteiligte des europäischen Wettbewerbs Wiki loves Monuments (Bericht) sowie das Language Committee.

Bugs, Tools und der Parser

Das wahrscheinlich wichtigste Thema auf dem diesjährigen Hackathon war die Entwicklung einer verbesserten Bearbeitungsmöglichkeit für Wikitexte, die es erlaubt, Seiten so zu bearbeiten, wie sie angezeigt werden, oder gar direkt zu verändern, ohne auf eine spezielle Bearbeitungsseite wechseln zu müssen. Um dies zu erlauben, müssen zunächst technische Grundsteine gelegt werden: der Parser, der den Wikitext so umwandelt, dass er angezeigt werden kann, braucht eine Generalüberholung. Gar nicht so einfach, er muss ja all die Millionen von bestehenden Wikiseiten weiterhin verstehen.

Auch sonst werden an der Benutzeroberfläche ständig Verbesserungen vorgenommen. So hat sich zum Beispiel gezeigt, dass die Platzierung der Bearbeiten-Links direkt neben Absatzüberschriften zu einem deutlichen Anstieg von Beiträgen führte. In der deutschsprachigen Wikipedia sind diese Links schon lange direkt neben der Überschrift, in der englischsprachigen Version waren sie bislang immer am rechten Rand untergebracht. Auch über den Umgang mit neuen Autoren wurde gesprochen: so ist es im Augenblick leicht, neuen Mitarbeitern Warnungen und Hinweise zu schicken, Ermutigungen und Hilfe dagegen sind eher selten. Das ist natürlich an sich kein technisches Problem, aber die WikiLove-Extension könnte durchaus helfen, es zu lösen, indem sie es leicht macht, anderen Autoren positives Feedback zu geben.

Für diejenigen, die nicht immer Online sind, wurde an dem Offline-Reader Kiwix gearbeitet. So wurde mit mehreren Probanden eine Studie zur Bedienbarkeit von Kiwix durchgeführt, die zu einer Verbesserung der Benutzerführung führen soll. Daneben wurde die Möglichkeit diskutiert, Kiwix auf dem XO-PC des OLPC-Projektes (One Laptop Per Child) einzusetzen.

Ein weiteres spannendes, wenn auch recht technisches Thema war die Infrastruktur für den Betrieb der Wikipedia. Die Wikimedia Foundation baut gerade einen zweiten Data-Center auf (in Ashburn, Virginia), um Wikipedia und die anderen Wikimedia-Wikis noch stabiler und verlässlicher zu machen. Daneben ging es um die Unterstützung von IPv6 und um den Einsatz von HipHop für PHP, einer von Facebook entwickelten Technologie, die Webseiten deutlich schneller machen soll.

Dankeschön!

Ein herzliches Dankeschön geht zunächst an die Wikimedia Foundation, die mit über 30 Entwicklern nach Berlin gekommen ist, um gemeinsam mit den Volunteers an der Optimierung der Software zu arbeiten. Ganz besonderer Dank gebührt hier Danese Cooper für die ausgezeichnete Moderation und Unterstützung, Guillaume Paumier und Sumana Harihareswara für die professionelle und schnelle Live-Dokumentation (Freitag, Samstag, Parser-Diskussion, Sonntag).

Für den Livestream verantwortlich war Jesse Scott, die Videos stehen auf der Plattform zur Ansicht bereit und werden in den nächsten Tagen auch auf Commons geladen. Die fotografische Dokumentation haben Ralf Roletschek und Tobias Schumann übernommen, das Ergebnis findet sich auf Commons und kann sich durchaus sehen lassen :)

Danke auch an das Team vom betahaus für die ausgezeichnete Betreuung und den sehr angenehmen Aufenthalt. Bei den Teilnehmern kam das Open-End-Hacking besonders gut an, nach dem Abendessen wurde teilweise bis 4 Uhr morgens weiter gearbeitet! Ein großer Dank gebührt natürlich allen, die teilgenommen haben und dazu beigetragen haben, dass diese Veranstaltung so erfolgreich war. Ihr seid toll!

Ein großes Lob auch an die Kollegen von Wikimedia Deutschland, die sich im die Organisation der Veranstaltung gekümmert haben: Ohne Nicole Ebber und Cornelius Kibelka wäre die Veranstaltung nicht möglich gewesen. Danke!

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (12 Bewertungen, Durchschnitt: 3,92 von 5)
Loading ... Loading ...

Wikipedia muss Weltkulturerbe werden! Warum muss Wikipedia Weltkulturerbe werden?

(Click here for English version.) Im Januar 2011 ist Wikipedia 10 Jahre alt geworden. Wir haben uns und vielen anderen die Frage gestellt, was wir im Jubiläumsjahr von Wikipedia machen können, das gleichermaßen die Arbeit der Community würdigt und dabei hilft, zu zeigen, warum Wikipedia viel mehr ist als eine Seite im Netz, auf der es kostenfrei viele gute Infos gibt. Die Diskussion über den Wert von Freiem Wissen und des unermüdlichen Einsatzes vieler 100.000er Freiwilliger, die weltweit gemeinsam an der größten Wissenssammlung der Menschen arbeiten und diese unter Freien Lizenzen der Menschheit zur Verfügung stellen, ist unser Hauptanliegen.

Wir waren dabei auf der Suche nach einer Idee, die sowohl Großes will, bei der Erreichung der Kompass 2020-Ziele und der Ziele aus dem Wikimedia Strategie-Prozess hilft und gleichzeitig viel Aufmerksamkeit schafft. Eine Idee, die das Netz nutzt, um sie weltweit gemeinsam umzusetzen.

Wir haben eine Idee entwickelt, die den globalen Ansatz von Wikipedia aufgreift, die Mitwirkung aller Wikimedia-Chapter ermöglicht und die möglichst öffentlichkeitswirksam sein soll – wir wollen, dass Wikipedia den Status als erstes digitales und weltweites Weltkulturerbe erhält.

Wir haben die Idee auf dem Open Space des Vereins im März vorgestellt und anschließend im WMDE-Chat diskutiert. Wikipedianer, die die Idee spannend fanden, haben eine Projektseite in der Wikipedia angelegt. Und auf der Wikimedia Chapters Conference in Berlin präsentierten wir sie den dort anwesenden Chapter-Vertretern. „That’s a fucking great idea!“ war die erste Reaktion! Im Abspann des Tagesschauberichts über die Konferenz wurde das Projekt als ein Beispiel unserer Arbeit kurz erwähnt. Im April schließlich haben wir die Initiative dann auf der re:publica zum ersten Mal der breiten Öffentlichkeit vorgestellt und die ersten Journalisten berichteten ausführlicher über die Idee – kritisch, aber durchaus positiv. Parallel dazu fand auch auf der Projektseite in Wikipedia eine ausführliche Diskussion statt.

Wikimedia Deutschland versteht sich dabei als Supporter der Idee und möchte die Menschen aus der internationalen Wikipedia-Community und Förderer des Freien Wissens mit der Initiative und bei ihrer Umsetzung unterstützen. Mit einer Plattform für eine weltweite Petition, einem Aktionslogo, Veranstaltungen, Diskussionen online und offline und einer breiten Öffentlichkeitsarbeit. Bei diesen Aktionsformen werden wir ehrenamtlich von Leo Burnett unterstützt, die ebenfalls weltweit tätig sind und auch lokale Wikimedia Chapter unterstützen können.

Wir wissen, dass die Community von der Idee des Freien Wissens und der Wikipedia nicht mehr überzeugt werden muss. Aber wir möchten auch mit der Community gemeinsam an der Zukunft von Wikipedia arbeiten und über zukünftige Chancen und Gefahren für Wikipedia diskutieren. Genauso wichtig ist es uns, die vielen Menschen zu erreichen, die Wikipedia kennen, nutzen, aber noch nicht genau sehen, was sie beitragen können oder wie die größte Wissenssammlung der Menschheit von Freiwilligen aus aller Welt entsteht.

Wer einen Tag lang die bei Wikipedia eingehenden Mails liest oder die Anrufe mitbekommt, die bei uns im Büro auflaufen, wird wissen, was ich meine.

Natürlich gibt es auch Skepsis: Warum wir den Welterbe-Status wollen? Warum wir nach nur 10 Jahren die Wikipedia schützen lassen wollen – sie sei doch noch lange nicht fertig und gar nicht bedroht. Ob nicht das Internet als Ganzes Weltkulturerbe werden müsse? Und warum wir die Community nicht von Anfang an viel stärker einbezogen haben.

Der Status als UNESCO Weltkulturerbe kann uns helfen, weil die Welterbekonvention “das international bedeutendste Instrument [ist], das jemals von der Völkergemeinschaft zum Schutz ihres kulturellen und natürlichen Erbes beschlossen wurde” (unesco.de). 187 Staaten haben das Übereinkommen inzwischen unterzeichnet.

Mit der Unterzeichnung der Welterbe-Konvention verpflichten sich Staaten, das Welterbe zu bewahren, zu schützen, Strategien zu seinem Schutz zu entwickeln und Menschen zu bilden und zu unterstützen, die das Welterbe schützen wollen.

Als es 1972 ausgehandelt wurde, war an von Menschenhand geschaffene digitale Stätten noch nicht wirklich zu denken, als die Formulierung „works of man or the combined works of nature and man” zur Definition von Welterbestätten, die wie Denkmäler und Gebäude als schützenswert bestimmt wurden, entstand. Wikipedia und das dahinter stehende Prinzip ist das Beispiel, wie das Internet Menschen dabei unterstützt, erstmals massenhaft weltweit gemeinsam zusammenzuarbeiten, um das Wissen der Menschheit der ganzen Menschheit zur Verfügung zu stellen und damit ein schützenswertes „Werk von Menschenhand“ zu schaffen.

Es geht nicht darum, die Software, einzelne Artikel oder einen Stand der Artikelsammlung unter den Schutz des Welterbe-Status zu stellen. Es geht um das Prinzip des gemeinsamen Sammelns und Verbreitens Freien Wissens, unter Freien Lizenzen, die jedem die Nutzung erlaubt und ermöglicht.

Damit erfüllt Wikipedia auch noch die inzwischen zusätzlich geschaffenen Kategorien als Weltdokumentenerbe und als immaterielles Welterbe.

Der formale Bewerbungsprozess kann erst begonnen werden, wenn wir einen Staat gefunden haben, der Wikipedia auf seine offizielle Nominierungsliste aufnimmt – und auch nur einmal im Jahr im Februar. Deswegen wollen wir mit einer Petition und einer breiten Diskussion starten, die den formalen Weg unterstützen können.

Neben den formalen Einwänden wird vorgebracht, Wikipedia und insbesondere die deutschsprachige Wikipedia seien doch gar nicht bedroht. Diesen Eindruck kann man haben, wenn man mit einem modernen Computer an einem kostengünstigen Breitband-Internetzugang fast ungehindert auf das ganze Netz zugreifen kann. In dieser privilegierten Situation befinden sich aber bei Weitem nicht alle Menschen.

Freies Wissen und der Zugang zu Freiem Wissen wird auf vielen Ebenen bedroht. Seien es Bestrebungen, die Netzneutralität aufzuheben, Menschen den Zugang zu unzensierten Informationen zu verwehren oder Ansätze, die Freie Nutzung von Inhalten durch Urheberrechtsverschärfungen zu be- oder gar verhindern. Kulturelle, politische und soziale Zugangsschranken, mangelhafte oder nicht vorhandene Lese- und Schreibfähigkeit sind Barrieren, deren Nicht-Abbau den Zugang zu Freiem Wissen überall auf der Welt bedroht.

Dafür muss man nicht in die Ferne schweifen — selbst bei der Europäischen Union diskutieren Arbeitsgruppen freimütig Ideen eines „virtuellen Schengenraums“, bei dem Provider verpflichtet werden sollen, an Knotenpunkten missliebige Inhalte auszusperren. Die Entwicklung eines sogenannten Leistungsschutzrechtes steht im Koalitionsvertrag der in Deutschland regierenden Parteien, das Recht auf einen Internetzugang haben Sozialleistungsbezieher auch 2011 nicht. Die Möglichkeit, (mehr oder weniger) anonym das Netz zu nutzen, wird immer wieder in Frage gestellt.

Es gibt kostenlose Tools von großen Internetunternehmen, die Menschen das gemeinsame Erstellen von Karten ermöglicht – im Gegensatz zu OpenStreetMap ohne die dabei entstehenden Daten unter Freie Lizenzen zu stellen. Was, wenn morgen eine kommerzielle Plattform startet, mit einem viel einfacheren Userinterface, auf der User Wissen sammeln, dass dann nicht allen gehört?

Kann der Welterbe-Status den Zugang zu Freiem Wissen und Wikipedia schützen? Oder werden autoritäre Regimes auch weiterhin nur die Website sehen, zu der sie den Zugang nach Belieben stören können?

Das alles wollen wir diskutieren, dabei zeigen, warum und wie Wikipedia die Potentiale des Netzes für Freies Wissen nutzt und wer die Menschen sind, die das möglich machen – gemeinsam mit der weltweiten Wikimedia-Community und den Förderern Freien Wissens. Und mit dieser Aufklärung über die Bedeutung Freien Wissens wollen wir neue Mitstreiter zum Mitmachen motivieren.

Deswegen: Lasst uns zeigen, warum Wikipedia Weltkulturerbe ist und warum Weltkulturerbe einen guten Platz in der Wikipedia hat. Lasst uns gemeinsam Wikipedia zum Weltkulturerbe machen!

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (34 Bewertungen, Durchschnitt: 3,65 von 5)
Loading ... Loading ...

200.000 EUR für Community-Projekte

Noch keine Millionen, aber satte 200.000 EUR fließen nach einem Beschluss der Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland vom 19. März 2011 in das Community-Projektbudget (kurz CPB) zur Verwirklichung von Ideen aus den Wikimedia-Communitys für die Wikimedia-Projekte.

Aus der Community für die Community

Erstmalig wurde damit ein so umfangreiches Budget bereitgestellt, aus dem Mittel ganz gezielt in Projekte fließen, die aus der Community stammen und durch die Community realisiert werden. Ziel ist, Freies Wissen mit besonderem Schwerpunkt auf die Wikimedia-Projekte zu unterstützen. Nicht nur die Wikipedia soll davon profitieren. Auch den Medienpool Commons, die Quellensammlung Wikisource und andere Schwesterprojekte soll das Community-Projektbudget fördern.

Die sogenannte Millionenliste, auf der durch einen Aufruf eines Wikipedia-Benutzers Southpark bereits eine beeindruckende Anzahl kreativer Ideen zur Förderung gesammelt wurden, lässt erahnen, welches Potential in der Community schlummert. Die Liste kann jetzt zu einer Vorratskammer inspirierender Projektideen werden. Wen hat es beim Überlegen bereits in den Fingern gejuckt, wessen Ideen scheiterten bislang immer am Geld, wer kann aus einer vagen Vorstellung ein Projekt machen? Alle, die dabei nicken, können jetzt loslegen und ihre Projektideen Wirklichkeit werden lassen.

Vergabe der Mittel

Die Empfehlungen für die Projektförderungen trifft ein Budgetausschuss, der sich aus drei von Vereinsmitgliedern gewählten Vertretern des Vereins, drei aus der Community gewählten Vertretern der Wikimedia-Projekte und dem Schatzmeister von Wikimedia Deutschland zusammensetzt. Community und Mitglieder wurden bereits auf die anstehenden Wahlen ab dem 20. April aufmerksam gemacht und aus beiden Gruppen gibt es schon erste Kandidaten. Der Budgetausschuss wird seine Arbeit nach der Wahl schnellstmöglich aufnehmen, denn die erste Runde der Mittelverteilung ist noch für das erste Halbjahr 2011 geplant.

Projektanträge

Und weil das Geld dafür zur Verfügung gestellt wurde, auch ausgegeben zu werden, ein Aufruf an all die Kreativen und die Umsetzer: Baut Luftschlösser oder pflanzt, wie Joseph Beuys sagte, „unmögliche Gärten“. Konkretisiert eure Ideen, kalkuliert eure Kosten und macht daraus tolle Projekte. Anträge für die erste Runde können bis zum 31. Mai 2011 per Mail an cpb@wikimedia.de eingereicht werden.

Auf der Projektseite in der Wikipedia stehen alle Informationen, ein Musterantrag und eine Musterkalkulation erleichtern die Antragstellung.

Eine Community, die etwas so Faszinierendes wie die Wikipedia und ihre Schwestern realisiert, hat die besten Ideen und auch die besten Voraussetzungen dafür, genau diese mit maßgeschneiderten und handgemachten Projekten zu fördern und zu verbessern. Seid mutig!

 

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (11 Bewertungen, Durchschnitt: 4,82 von 5)
Loading ... Loading ...

Rückblick: Wikimedia Conference 2011

Am vergangenen Wochenende waren fast 100 Teilnehmer bei der Wikimedia Conference zu Gast in Berlin. Wikimedia Deutschland hatte Vertreter der internationalen Wikimedia Chapter, des Movement Roles Projektes sowie das Entscheidungsgremium und Angestellte der Wikimedia Foundation zur jährlichen Zusammenkunft in die Beletage der Heinrich-Böll-Stiftung geladen.

Vorbereitung

Bence Damokos von Wikimedia Ungarn war für die Programmgestaltung und Einladung der Teilnehmer verantwortlich. Die logistische Planung und Organisation, Absprache mit Veranstaltungsort, Caterern, Hostel und weiteren Lieferanten übernahm auch in diesem Jahr Nicole, Cornelius kümmerte sich um die Flugbuchungen, Ausstellung der Einladungsschreiben für die visumspflichtigen Besucher und Zusammenstellung der Informationsmaterialien. Zur allgemeinen Erleichterung verhielt sich der Vulkan, der im letzten Jahr für viel Aufregung und Asche gesorgt hatte, auffällig ruhig und der reibungslosen An- und Abreise der Teilnehmer stand nichts im Wege.

Bereits am Donnerstagabend konnten wir einen Großteil der Gäste zur Pre-Registrierung und Begrüßung im baxpax downtown Hostel empfangen. Hier bekamen wir schon einen ersten Ausblick auf das Wochenende: Kaum sitzen ein paar Wikimedianer zusammen, wird sofort an- bis aufgeregt diskutiert, Ideen oder Erfahrungen werden getauscht und Freundschaften geschlossen. Dieser Spirit lässt sich kaum in Worte fassen und beeindruckt uns alle immer wieder aufs Neue.

Um einen kleinen Einblick in die Vielfalt der Themen der Conference zu gewähren, hat Michael die folgende Zusammenfassung für diesen Beitrag erstellt. Die Diskussionen und Ergebnisse der einzelnen Sitzungen wurden wie im letzten Jahr auf den Seiten der Conference im Meta-Wiki ausführlich dokumentiert. Auf twitter lässt sich über die Suche nach #wmcon noch prima nachvollziehen, was die Teilnehmer und Veranstalter in den letzten Tagen beschäftigt hat. Und: Wir waren sogar in der Tagesschau!

Freitag, 25. März 2011

Die erste Session der ersten beiden Tage war für die Kurzvorstellungen der anwesenden Chapter reserviert. Jede Ländervertretung bekam dafür drei Minuten Zeit. Die Präsentationen der einzelnen Länder sind über den Zeitplan zu finden. Die erste inhaltliche Sitzung am Freitag beschäftigte sich mit der Rollenverteilung und Organisation der Gruppen und einzelnen Personen innerhalb der Wikimedia-Bewegung. Es folgte Erik Möllers Präsentation der Editor Trends Study (Dokumentation hier).

In Anlehnung an die Konventionen der Böll-Stiftung versorgte uns der Caterer Iss Kind, iss jeden Tag mit einem rein vegetarischen, köstlichen Buffet. Das sorgte bei manchen Gästen zu Diskussionen, da einige tatsächlich das Fleisch schmerzlich vermissten, konnte die Stimmung insgesamt aber nicht trüben. Jede freie Minute wurde genutzt, um Diskussionen aus vorangegangenen Talks fortzuführen.

Im Anschluss folgten zwei parallele Sitzungen. Catrin und Sebastian stellten in Common Project I die Kampagnenidee „Wikipedia muss Weltkulturerbe werden“ vor, während die Sitzung Volunteer management die Frage diskutierte, wie Ländervertretungen Freiwillige zur Unterstützung der Idee Freien Wissens gewinnen und anhaltend motivieren können. Zum Abschluss des ersten Tages gab es eine weitere Doppelsitzung. Die erste befasste sich mit der engeren Zusammenarbeit zwischen der Wikimedia Foundation und den einzelnen Ländervertretungen. Die zweite war ein Erfahrungsaustausch über die Art und Weise wie Projekte in der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden können.

Die Konferenz selber war nicht-öffentlich; am Freitagabend luden wir alle, die sich mit den Themen Wikipedia, Wikimedia, Freies Wissen oder Freier Kultur beschäftigen, zum gemütlichen Get-Together in die HomeBase Lounge. Hier bot sich die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen, eigene Projekte und Kooperationen zu besprechen oder sich einfach mal von Geist dieser internationalen Bewegung anstecken zu lassen.

Samstag, 26. März 2011


Der Samstag begann mit der Fortsetzung der Kurzvorstellungen aller Teilnehmer. Danach berichteten die Niederlande über den Bilderwettbewerb Wiki loves Monuments. Gleichzeitig befasste sich die Sitzung Chapter revitalization mit dem Problem inaktiver Ländervertretungen.

Der erste Teil des Nachmittags war für verschiedene Arbeitsgruppen reserviert, in denen ohne Vorträge über Themen wie GLAM (galleries, libraries, archives and museums), Bildung oder den Toolserver diskutiert wurde. Nach einer kurzen Zusammenfassung der einzelnen Gruppen begann das letzte Zeitfenster am Samstag. In der Sitzung GLAM outreach gab es Gelegenheit mit Liam Wyatt ausführlich über seine Erfahrung als erster Wikipedian-in-residence zu sprechen. Im anderen Saal tauschten sich die Ländervertretungen und Mitglieder der Wikimedia Foundation über Rechenschaft und das öffentliche Bild der Wikimedia-Organisationen aus.

Für den Abend hatten wir mit Unterstützung von Wikimedia Frankreich eine Bootstour auf der Spree organisiert. Hier bot sich weiterhin die Gelegenheit, die Gespräche des Tages zu vertiefen, Ideen zu konkretisieren und dabei noch ein bisschen von der Stadt zu sehen. Auch hier: Die Gespräche brachen nicht ab, es gibt immer wieder neue und alte Themen, die die internationale Entwicklung und Zusammenarbeit der Chapter so spannend machen.

Sonntag, 27. März 2011

Der letzte Tag der Wikimedia Conference bot nochmals vier Sitzungen an. In Grants ging es um die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, um Fördergelder der Wikimedia Foundation zu erhalten. In der Sitzung zu interner Kommunikation wurde diskutiert, welche Möglichkeiten die internationale Wikimedia-Bewegung für den Austausch über ihre Arbeit hat und welche sie nutzen sollte.

In der Kaffeepause bereitete uns das niederländische Chapter eine süße Überraschung: Zum 5-jährigen Bestehen gab es eine große Geburtstagstorte, die sogar mit dem niederländischen Nationalgericht „Stroopwafels“ geschmückt war und vorzüglich schmeckte!

Die letzten beiden Sitzungen hatten die Themen Professionalisierung durch die Verpflichtung eines ersten Angestellten sowie die Kooperation mit Bildungsanstalten zum Thema.

Danke!

Sehr viele Menschen haben zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen. Ein herzliches Dankeschön geht zunächst an die Heinrich-Böll-Stiftung für den ausgezeichneten Veranstaltungsort und die unkomplizierte, sehr freundliche Kommunikation. Bence hat großartige Arbeit geleistet und ein Programm erstellt, das allen Bedürfnissen gerecht wurde. Die Veranstaltungszentrale und damit Anlaufstelle für alle Fragen und Anliegen vor Ort besetzten Cornelius, Elly, Mathias und Nicole.

Begleitet wurden die Vorträge und Diskussionen durch die beiden Moderatorinnen Anja Krieger und Sabria David. Zur Zeit geben die beiden zusammen mit Bence der Dokumentation auf Meta den letzten Schliff. In diesem Jahr haben wir außerdem Anna Lena Schiller engagiert, die viele der Talks „graphisch dokumentiert“ hat. Die Bilder stehen in Kürze auf Commons bereit, ein Sneak Preview schon hier im Beitrag. Für die Mitschriften danken wir Dirk Ingo Franke, Tim Moritz Hector, Michael Jahn und Julia Kloppenburg. Fotografiert haben Martin Rulsch und Mathias Schindler. Ein Teil der Bilder ist schon auf Commons zu finden, weitere folgen in den nächsten Tagen. Tausend Dank für die tolle Zusammenarbeit!

Finanzielle Unterstützung bekamen wir in diesem Jahr von Wikimedia Frankreich für die Schifffahrt am Samstagabend sowie für die Anreise der Vertreter aus Argentinien, Taiwan, Kenia, Hong Kong, Spanien und Estland. Wikimedia UK unterstützte die Finanzierung der Moderatorinnen, Wikimedia Australien und Polen kamen für die Anreise weiterer Chaptervertreter auf. Weiterer Dank gebührt der Wikimedia Foundation.

Nicht zu vergessen auch der Dank an alle Teilnehmer für die engagierte und überwiegend ehrenamtliche Mitarbeit. Ihr wart grandios! Um nicht zu sagen: Awesome! Und last but not least danken wir dem Vulkan Eyjafjallajökull dafür, dass er in diesem Jahr nicht ausgebrochen ist :)

Für alle Fragen zur Veranstaltung könnt ihr euch gerne an Nicole (nicole.ebber@wikimedia.de) wenden.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (20 Bewertungen, Durchschnitt: 4,25 von 5)
Loading ... Loading ...