Archiv für die ‘Wikipedia’ Kategorie



GLAM in der Wikipedia

Irgendwie begann es im Herbst 2007 mit der Zusammenarbeit von Wikimedia Deutschland mit dem Bundesarchiv. Die Zusammenarbeit zwischen Institutionen und Wikipedia beziehungsweise den Mitarbeitern der Wikipedia wurde auf eine neue Ebene gehoben. und das Schöne – dabei profitierte nicht nur die Wikipedia. Weitere Projekte folgten, so mit der Deutschen Fotothek oder dem Tropenmuseum Amsterdam. In anderen Ländern ging man andere Wege. So wurde im Juni 2010 der Australier Liam Wyatt “Wikipedian in Residence”, also wikipedianischer Mitarbeiter des British Museum in London. Seitdem konnten diverse weitere Projekte durchgeführt werden, insbesondere sind sicher Zusammenarbeiten mit dem Château de Versailles, der British Library, dem Israel Museum, Jerusalem, dem Museum of Modern Art oder der Smithsonian Institution zu nennen. Mittlerweile wurden Projekte unter dem Label “GLAM” auf drei Kontinenten durchgeführt. GLAM steht dabei für “Galleries”, “Libraries”, “Archives” und “Museums”.

Im DACH-Raum, Deutschland, Österreich und der Schweiz, hinken wir der internationalen Entwicklung mittlerweile etwas hinterher. Um diesem Umstand etwas aktiver entgegen zu treten, gibt es seit gestern in der deutschsprachigen Wikipedia ein GLAM-Projekt, das neben den Vereinen Wikimedia Deutschland, Wikimedia Österreich und Wikimedia CH als zentraler Anlaufpunkt sowohl für Interessierte in den Projekten wie auch für Interessierte aus Museen, Archiven und so weiter dienen soll. Packen wir es zusammen an!

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Leonardo Award 2011 für Wikipedia

Foto:Franz Pfluegl/CC-BY-SA
Foto:Franz Pfluegl/CC-BY-SA

Ehrende Aufmerksamkeit von ungewohnter Seite erfuhr Wikipedia am 21. und 22. September in Köln bei der Verleihung des “Leonardo Award für European Corporate Learning”: Diese Auszeichnung für europäische Bildungsprojekte mit Leuchtturm-Charakter wurde stellvertretend für Jimmy Wales an drei Wikipedianer mit Hintergrund im Bereich Bildung und Wissen überreicht. Neben Nando Stöcklin (Schweiz) und Ziko van Dijk (Niederlande) bekam auch ich die Gelegenheit dabeizusein.

Zur Begründung der Auszeichnung hieß es, Wales habe viele Menschen inspiriert, ihre Kreativität aktiv einzubringen und so auch Unternehmen inspiriert, ihre Lernprozesse entsprechend zu verändern. Die dahinterstehende Haltung kollaborativer, ehrenamtlicher und freiwilliger Tätigkeit und die Idee Freien Wissens ist für Unternehmen aber noch immer spürbar ungewohnt. In den Gesprächen rund um die Verleihung wurde deutlich, wie schwierig es für Unternehmen ist, die Phänomene Wikipedia und Freies Wissen vor allem in ihrer sozialen Dimension zu verstehen. Die wichtigste Erkenntnis für mich war, dass Aufklärung und Information über die Grundlagen zu Freiem Wissen und Wikipedia in der Wirtschaft nicht weniger notwendig sind als andernorts. Vielleicht braucht es sie hier sogar mehr, denn die Energien von Unternehmen in der Wikipedia sind oft nicht nur falsch gerichtet, sondern auch besonders groß. Die Frage heisst also nicht, ob man Unternehmen in der Wikipedia haben möchte (haben wir längst), sondern wie man sie adäquat integrieren kann. Für Unternehmen bedeutet es vor allem, den Mut zum Teilen aufzubringen und sich auf partizipative Prozesse einzulassen.

Die möglichen Schnittmengen von Wikipedia und Unternehmen auszuloten und in Diskussionen, Foren und Gesprächen zu thematisieren, das ist eine Aufgabe, die noch viel zu wenig angegangen wird. Die Verleihung dieses Preises ist nicht zuletzt eine Einladung zu einem konstruktiven, aber unumgänglichen und wichtigen Dialog, der für beide Seiten eine Herausforderung darstellen wird. Auf der Wikimania in Haifa hat Christophe Henner von Wikimedia Frankreich sich übrigens bereits Gedanken zu diesem Thema gemacht.

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eLitstip hat Geburtstag – Es geht voran

Zwei Jahre ist es her, das erstmals eine Gruppe von Wikipedianern zur Unterstützung Ihrer Mitarbeit an der Wikipedia Zugriff auf elektronische Literaturdatenbanken erhielt. Seit Herbst 2009 werden im Rahmen einer Kooperation mit BioOne, einem Non-Profit-Unternehmen, Zugänge für Autoren im Bereich Biologie vergeben. Weit über 100 Artikel wurden damit seither angelegt, überarbeitet und verbessert, grob geschätzt rund 200.000 Leser profitierten seither von diesen Verbesserungen. Umso erfreulicher ist es, dass die ursprünglich von BioOne auf eine Laufzeit von 2 Jahren begrenzte Zusammenarbeit um weitere zwei Jahre verlängert wurde und die Zugänge den Autoren der Wikipedia weiterhin bereitstehen werden.

Die Kooperation mit BioOne diente Wikimedia Deutschland als Modell für das sogenannte eLitstip. Das eLitstip ist ein Programm zur weiteren Bereitstellung gruppenweiser Zugänge zu Literaturdatenbanken und 2011 Schwerpunkt des Literaturstipendien-Programms von Wikimedia Deutschland. Nachdem im Lauf diesen Jahres bereits Initiativen aus den Fachbereichen Chemie und Afrikanistik erfolgreich waren, sind es passend zum Geburtstag der Zusammenarbeit mit BioOne erneut Biologen, genauer gesagt Ornithologen, die den nächsten Akzent im eLitStip-Programm setzen: 9 „Ornis“ haben dank der Initiative eines Community-Mitgliedes am gestrigen Tag Zugänge zu „Birds of North America Online“ erhalten, einem Referenzwerk zum Thema nordamerikanischer Vögel.

Wir hoffen, dass dieses “Geburtstagsgeschenk” weitere Autorengruppen ermutigt, mit ihren Wünschen an Wikimedia Deutschland heranzutreten. Mehr Informationen zum eLitstip hier oder direkt unter litstip@wikimedia.de. Wir informieren gern und freuen uns auf die nächsten Anfragen.

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Veranstaltung Wikipedia für Berlin – Berlin für Wikipedia?

Photo: Andreas Praefcke (CC-BY-3.0)

Am morgigen Freitag, den 02. September 2011, wollen wir ab 19 Uhr im Berliner Radialsystem darüber sprechen, wie das Wissen Berlins gesammelt und unter Freier Lizenz der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden kann. Wir erläutern wie Wikipedia funktioniert und welche Rolle das freie Medienarchiv Wikimedia Commons dabei spielt. Wie kann Berlin von Wikipedia profitieren – einem Gemeinschaftsprojekt von Freiwilligen aus aller Welt, die das Wissen der Welt sammeln und frei zur Verfügung stellen? Und wie kommt das Wissen Berlins zu Wikipedia?

Wir sprechen unter anderem über Wiki Loves Monuments und Wikipedia muss Weltkulturerbe werden! Am Gespräch nehmen u.a. teil:
- Hauke Gierow/Stefan Wehrmeyer (Open Knowledge Foundation Deutschland)
- Kilian Kluge (Wiki Loves Monuments)
- Pavel Richter (Wikimedia Deutschland)
- Michelle Thorne (Mozilla Foundation)
- John Weitzmann (Legal Project Lead von Creative Commons Deutschland)
- Dr. Christine Wolf (Landesdenkmalamt Berlin)

Hier noch die Adresse. Kommt zahlreich!

Berlin Agora im
RADIALSYSTEM V
Holzmarktstr. 33
10243 Berlin
Alle weiteren Informationen findet Ihr auf der Seite von Berlin Agora und bei Facebook.

Weitere Veranstaltungen in anderen Städten sollen nach der WikiConvention stattfinden: zum Beispiel in Köln/Bonn, Hamburg und in Süddeutschland. Möchte jemand eine Veranstaltung in einer bestimmten Stadt mit unterstützen? Oder gibt es Orts- bzw. Gästewünsche? Dann bitte einfach kurz Bescheid sagen bitte!

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Umfrage 2011: Wikipedia-Autoren – Wie zufrieden sind sie?

Lang vorbereitet – jetzt ist es soweit: Die Wikipedia-Autorenumfrage 2011 steht unmittelbar bevor.

Anfang Juli startet Wikimedia Deutschland mit Unterstützung der Wikimedia Foundation eine umfangreiche und detaillierte Untersuchung zum Thema der Zufriedenheit von Wikipedia-Autoren. Die durch Manuel Merz realisierte Umfrage setzt eine Vorstudie aus dem Jahr 2009 fort, aus der auf der Wikipedia Academy 2010 bereits überraschende Ergebnisse präsentiert werden konnten (siehe „Wer editiert warum in Wikipedia?“) .

Das Ziel dieser neuen Studie ist es, mehr über die Motivation und die Rollen der Autoren in der Wikipedia zu erfahren. Die zentrale Frage lautet daher: Was motiviert die Autoren der freien Online-Enzyklopädie eigentlich, sich in der Wikipedia zu engagieren und – angesichts momentaner Trends- was hält sie davon ab? Die verschiedenen Autoren-Gruppen mit ihren teils ähnlichen Aufgaben und Rollen werden dabei separat und genau betrachtet, denn nur ein differenziertes Bild der Autorenschaft ermöglicht ihre optimale Unterstützung. Eine wichtige Qualität dieser Umfrage ist dazu der internationale Vergleich: Um diesen zu ermöglichen, findet die Befragung parallel in der deutschsprachigen und in der englischsprachigen Wikipedia statt.

Für Wikimedia Deutschland ist diese Umfrage für die kommende Arbeit insbesondere im Bereich Qualitäts- und Freiwilligenförderung von großer Bedeutung.  Aber auch die Wikipedia-Community selbst kann sich auf spannende und diskussionswürdige Resultate freuen. Erste Zwischenergebnisse der Umfrage werden auf der Wikimania in Haifa vorgestellt, eine ausführliche Zusammenfassung der spannendsten Erkenntnisse steht auf der Wikipedia Academy im Herbst zu erwarten.

„[http://www.purl.org/merz/20101119 Wer editiert warum in Wikipedia?]“
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Wikipedia muss Weltkulturerbe werden! Warum muss Wikipedia Weltkulturerbe werden?

(Click here for English version.) Im Januar 2011 ist Wikipedia 10 Jahre alt geworden. Wir haben uns und vielen anderen die Frage gestellt, was wir im Jubiläumsjahr von Wikipedia machen können, das gleichermaßen die Arbeit der Community würdigt und dabei hilft, zu zeigen, warum Wikipedia viel mehr ist als eine Seite im Netz, auf der es kostenfrei viele gute Infos gibt. Die Diskussion über den Wert von Freiem Wissen und des unermüdlichen Einsatzes vieler 100.000er Freiwilliger, die weltweit gemeinsam an der größten Wissenssammlung der Menschen arbeiten und diese unter Freien Lizenzen der Menschheit zur Verfügung stellen, ist unser Hauptanliegen.

Wir waren dabei auf der Suche nach einer Idee, die sowohl Großes will, bei der Erreichung der Kompass 2020-Ziele und der Ziele aus dem Wikimedia Strategie-Prozess hilft und gleichzeitig viel Aufmerksamkeit schafft. Eine Idee, die das Netz nutzt, um sie weltweit gemeinsam umzusetzen.

Wir haben eine Idee entwickelt, die den globalen Ansatz von Wikipedia aufgreift, die Mitwirkung aller Wikimedia-Chapter ermöglicht und die möglichst öffentlichkeitswirksam sein soll – wir wollen, dass Wikipedia den Status als erstes digitales und weltweites Weltkulturerbe erhält.

Wir haben die Idee auf dem Open Space des Vereins im März vorgestellt und anschließend im WMDE-Chat diskutiert. Wikipedianer, die die Idee spannend fanden, haben eine Projektseite in der Wikipedia angelegt. Und auf der Wikimedia Chapters Conference in Berlin präsentierten wir sie den dort anwesenden Chapter-Vertretern. „That’s a fucking great idea!“ war die erste Reaktion! Im Abspann des Tagesschauberichts über die Konferenz wurde das Projekt als ein Beispiel unserer Arbeit kurz erwähnt. Im April schließlich haben wir die Initiative dann auf der re:publica zum ersten Mal der breiten Öffentlichkeit vorgestellt und die ersten Journalisten berichteten ausführlicher über die Idee – kritisch, aber durchaus positiv. Parallel dazu fand auch auf der Projektseite in Wikipedia eine ausführliche Diskussion statt.

Wikimedia Deutschland versteht sich dabei als Supporter der Idee und möchte die Menschen aus der internationalen Wikipedia-Community und Förderer des Freien Wissens mit der Initiative und bei ihrer Umsetzung unterstützen. Mit einer Plattform für eine weltweite Petition, einem Aktionslogo, Veranstaltungen, Diskussionen online und offline und einer breiten Öffentlichkeitsarbeit. Bei diesen Aktionsformen werden wir ehrenamtlich von Leo Burnett unterstützt, die ebenfalls weltweit tätig sind und auch lokale Wikimedia Chapter unterstützen können.

Wir wissen, dass die Community von der Idee des Freien Wissens und der Wikipedia nicht mehr überzeugt werden muss. Aber wir möchten auch mit der Community gemeinsam an der Zukunft von Wikipedia arbeiten und über zukünftige Chancen und Gefahren für Wikipedia diskutieren. Genauso wichtig ist es uns, die vielen Menschen zu erreichen, die Wikipedia kennen, nutzen, aber noch nicht genau sehen, was sie beitragen können oder wie die größte Wissenssammlung der Menschheit von Freiwilligen aus aller Welt entsteht.

Wer einen Tag lang die bei Wikipedia eingehenden Mails liest oder die Anrufe mitbekommt, die bei uns im Büro auflaufen, wird wissen, was ich meine.

Natürlich gibt es auch Skepsis: Warum wir den Welterbe-Status wollen? Warum wir nach nur 10 Jahren die Wikipedia schützen lassen wollen – sie sei doch noch lange nicht fertig und gar nicht bedroht. Ob nicht das Internet als Ganzes Weltkulturerbe werden müsse? Und warum wir die Community nicht von Anfang an viel stärker einbezogen haben.

Der Status als UNESCO Weltkulturerbe kann uns helfen, weil die Welterbekonvention “das international bedeutendste Instrument [ist], das jemals von der Völkergemeinschaft zum Schutz ihres kulturellen und natürlichen Erbes beschlossen wurde” (unesco.de). 187 Staaten haben das Übereinkommen inzwischen unterzeichnet.

Mit der Unterzeichnung der Welterbe-Konvention verpflichten sich Staaten, das Welterbe zu bewahren, zu schützen, Strategien zu seinem Schutz zu entwickeln und Menschen zu bilden und zu unterstützen, die das Welterbe schützen wollen.

Als es 1972 ausgehandelt wurde, war an von Menschenhand geschaffene digitale Stätten noch nicht wirklich zu denken, als die Formulierung „works of man or the combined works of nature and man” zur Definition von Welterbestätten, die wie Denkmäler und Gebäude als schützenswert bestimmt wurden, entstand. Wikipedia und das dahinter stehende Prinzip ist das Beispiel, wie das Internet Menschen dabei unterstützt, erstmals massenhaft weltweit gemeinsam zusammenzuarbeiten, um das Wissen der Menschheit der ganzen Menschheit zur Verfügung zu stellen und damit ein schützenswertes „Werk von Menschenhand“ zu schaffen.

Es geht nicht darum, die Software, einzelne Artikel oder einen Stand der Artikelsammlung unter den Schutz des Welterbe-Status zu stellen. Es geht um das Prinzip des gemeinsamen Sammelns und Verbreitens Freien Wissens, unter Freien Lizenzen, die jedem die Nutzung erlaubt und ermöglicht.

Damit erfüllt Wikipedia auch noch die inzwischen zusätzlich geschaffenen Kategorien als Weltdokumentenerbe und als immaterielles Welterbe.

Der formale Bewerbungsprozess kann erst begonnen werden, wenn wir einen Staat gefunden haben, der Wikipedia auf seine offizielle Nominierungsliste aufnimmt – und auch nur einmal im Jahr im Februar. Deswegen wollen wir mit einer Petition und einer breiten Diskussion starten, die den formalen Weg unterstützen können.

Neben den formalen Einwänden wird vorgebracht, Wikipedia und insbesondere die deutschsprachige Wikipedia seien doch gar nicht bedroht. Diesen Eindruck kann man haben, wenn man mit einem modernen Computer an einem kostengünstigen Breitband-Internetzugang fast ungehindert auf das ganze Netz zugreifen kann. In dieser privilegierten Situation befinden sich aber bei Weitem nicht alle Menschen.

Freies Wissen und der Zugang zu Freiem Wissen wird auf vielen Ebenen bedroht. Seien es Bestrebungen, die Netzneutralität aufzuheben, Menschen den Zugang zu unzensierten Informationen zu verwehren oder Ansätze, die Freie Nutzung von Inhalten durch Urheberrechtsverschärfungen zu be- oder gar verhindern. Kulturelle, politische und soziale Zugangsschranken, mangelhafte oder nicht vorhandene Lese- und Schreibfähigkeit sind Barrieren, deren Nicht-Abbau den Zugang zu Freiem Wissen überall auf der Welt bedroht.

Dafür muss man nicht in die Ferne schweifen — selbst bei der Europäischen Union diskutieren Arbeitsgruppen freimütig Ideen eines „virtuellen Schengenraums“, bei dem Provider verpflichtet werden sollen, an Knotenpunkten missliebige Inhalte auszusperren. Die Entwicklung eines sogenannten Leistungsschutzrechtes steht im Koalitionsvertrag der in Deutschland regierenden Parteien, das Recht auf einen Internetzugang haben Sozialleistungsbezieher auch 2011 nicht. Die Möglichkeit, (mehr oder weniger) anonym das Netz zu nutzen, wird immer wieder in Frage gestellt.

Es gibt kostenlose Tools von großen Internetunternehmen, die Menschen das gemeinsame Erstellen von Karten ermöglicht – im Gegensatz zu OpenStreetMap ohne die dabei entstehenden Daten unter Freie Lizenzen zu stellen. Was, wenn morgen eine kommerzielle Plattform startet, mit einem viel einfacheren Userinterface, auf der User Wissen sammeln, dass dann nicht allen gehört?

Kann der Welterbe-Status den Zugang zu Freiem Wissen und Wikipedia schützen? Oder werden autoritäre Regimes auch weiterhin nur die Website sehen, zu der sie den Zugang nach Belieben stören können?

Das alles wollen wir diskutieren, dabei zeigen, warum und wie Wikipedia die Potentiale des Netzes für Freies Wissen nutzt und wer die Menschen sind, die das möglich machen – gemeinsam mit der weltweiten Wikimedia-Community und den Förderern Freien Wissens. Und mit dieser Aufklärung über die Bedeutung Freien Wissens wollen wir neue Mitstreiter zum Mitmachen motivieren.

Deswegen: Lasst uns zeigen, warum Wikipedia Weltkulturerbe ist und warum Weltkulturerbe einen guten Platz in der Wikipedia hat. Lasst uns gemeinsam Wikipedia zum Weltkulturerbe machen!

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We want you! – viel zu tun bei Wikipedia und Wikimedia

Achim Raschka hat heute einen schönen Blogbeitrag mit dem passenden Titel „We want you! – viel zu tun bei Wikipedia und Wikimedia“ geschrieben, auf den wir hier gerne hinweisen. Er spricht darin alle an, die mitreden und mitmachen wollen im Netzgeschehen:

Bei Wikipedia, Wikimedia und skillshare laufen gerade jede Menge Diskussionen und Aktivitäten, in denen Meinungen, Ideen und auch Tatkraft gesucht werden. Das Spektrum reicht von Strategieentwicklungen bis zur aktiven Teilnehme an Politiker-Massenfotografieren.

Lesen lohnt sich, mitmachen sicher auch! :)

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Cherchez la femme

Mehr als nur Netbook-Halterinnen, oder: Wer schreibt die Hälfte des Wikipedia-Himmels?

Eine junge Dame in einer deutschen Großstadt wollte sich aus Neugierde den Wikipedia-Stammtisch ansehen. Sie nahm ihre Schwester mit und stieß in einem Lokal auf einen Tisch mit jungen Männern an ihren Laptops.

Offensichtlich entsprach der Empfang nicht dem, was die beiden Damen normalerweise erwarten konnten, zumal sie die einzigen Frauen weit und breit waren. Vielmehr starrten die Männer gebannt auf die Letzten Änderungen, die aktuellen Bearbeitungen in der Wikipedia. Die Haltung der anwesenden Wikipedianer  gegenüber den Bearbeitungen (“Hat wohl keine Ahnung! Den mach ich fertig!”) ermunterte die Damen auch nicht zu fragen, wie man sich denn wohl an der Wikipedia beteiligen könne.

Den Eindruck, den die Wikipedia-Gemeinschaft wohl auf Frauen macht, sprach Foundation-Direktorin Sue Gardner Anfang 2011 in einem Interview an. So stürmte durch den englischsprachigen und bald auch deutschsprachigen Blätterwald die empört-überraschte Erkenntnis: In der Wikipedia schreiben sehr wenige Frauen mit.

Auf der Suche nach den Gründen wurde allerlei herangezogen, wie die Tatsache, dass die Wikipedia-Benutzeroberfläche den “Benutzer” kennt und sexistischerweise nicht die “Benutzerin”. Man gleitet dann schnell in Diskussionen grundsätzlicher Natur über Frauen in der Gesellschaft ab, über biologische oder soziale Faktoren. Die Diskussionsseite von Wikipedia:Kurier gibt einen recht guten Überblick, auch mit Bezug auf vergangene (?) Wikipedia-Streits wie die weiblichen Berufsbezeichnungen als Lemma.

Wir sehen aber, dass viele Benutzeroberflächen keine spezifisch weiblichen Formen verwenden und dass in sozialen Medien der Frauenanteil zuweilen sehr hoch ist. Entscheidend für die geringere Teilnahme von Frauen an der Wikipedia scheinen vor allem zwei Faktoren zu sein:

1. Interesse: Die Leseforschung bestätigt, was jeder Besucher einer Stadtbücherei beobachten kann. Die meisten Frauen werden eher von Romanen angezogen, Männer von Sachbüchern. Es muss sich noch nicht einmal um unterschiedliche Themen handeln, die auf unterschiedliches Interesse stoßen, sondern allein schon um die Herangehensweise.

Als einmal auf der deutschen Wikimedia-Mailinglist ein Neuling mit "fuck you" angesprochen wurde, gab es niemanden, der sich darüber beschwerte. Ein Vorstandsmitglied später dazu: "Ja, das würde ich im realen Leben tatsächlich nicht stehen lassen. Man ist schon ziemlich abgestumpft."

2. Aggressionen: Ein mehr oder weniger großer Teil der Wikipedia-internen Diskussionen wird von verbalen Aggressionen geprägt. Es ist durchaus gängig zu sagen, dass ein Artikel “scheiße” ist, ohne zu berücksichtigen, dass der Artikel einen Autor mit Gefühlen hat. Bekanntermaßen reagieren Frauen auf Gewalt in den Medien deutlich empfindlicher als Männer. Es ist also zu vermuten, dass die Wikipedia-internen Aggressionen weibliche Neulinge mehr abschreckt als männliche, was einen gewissen Filtereffekt hat.

An Punkt 1 dürfte die Wikipedia wenig ändern können. An Punkt 2 schon eher – Anti-Aggressions-Maßnahmen wären zwar für alle Neulinge (und erfahrene Wikipedianer) positiv, aber gerade Frauen würden davon überdurchschnittlich profitieren.

Im Strategieplan der Wikimedia Foundation vom Februar 2011 heißt es: “Eine gesunde Diversität in der bearbeitenden Gemeinschaft unterstützen, indem man den Prozentsatz der weiblichen Bearbeiter auf 25 Prozent verdoppelt [...].” Es mag fraglich sein, ein Ziel zu formulieren, bei dem die vielleicht wichtigsten Faktoren außerhalb der eigenen Möglichkeiten liegen. Man wollte ein “messbares” Ziel haben, das man nach der einen oder anderen Art des Messens dann abhaken kann.

Eine typische Wikipedianer-Sicht will jeden Benutzer gleich behandeln, ohne Ansehen der Person – was in einem Wiki auch nicht unbedingt immer möglich wäre. Das muss nicht ausschließen, in einer konkreten Mentor-Betreuung das Geschlecht eines Neulings bei Bedarf zu berücksichtigen. Letztlich führen die Überlegungen jedoch immer wieder in die Richtung, das Bearbeiten für alle Menschen einfacher und angenehmer zu machen. Vielleicht müsste die Bearbeitungsprozedur an sich einmal auf den Prüfstand.

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Start des Förderprogramms für Wikipedia-Fachtreffen

Es ist stets etwas Besonderes, wenn sich Wikipedia-Autoren treffen. Oft schon über Jahre hat man zusammen gearbeitet und Einiges geleistet. Doch im “wirklichen Leben” begegnet sind sich nur die Wenigsten, oft genug ist man einander auch noch gänzlich unbekannt.

Noch stärker ist das der Fall, wenn sich Mitarbeiter einer Redaktion, eines Portals oder eines Wiki-Projekts (verschiedene Namen für fast dasselbe, nämlich „virtuelle Fachbereiche“ in Wikipedia) treffen. Die direkte Begegnung ohne das Internet mit seinen oft so hinderlichen technischen Beschränkungen ist enorm motivierend und produktiv. Man fachsimpelt, lernt voneinander, löst schnell und einfach Differenzen, arbeitet zusammen und entwirft Ideen für neue Projekte und eine bessere Zusammenarbeit. So manches Fachproblem wird gelöst und von der ersten vagen Idee bis zum fertigen Projekt ist es nicht weit.

Aber solche Treffen sind nicht trivial: die Teilnehmer stammen aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands und seiner Anrainerstaaten und haben zeitlich und finanziell sehr verschiedene Möglichkeiten. So wird ein Treffen eines Fachbereichs schnell eine logistische Herausforderung. Der richtige Ort, die richtige Zeit, alles muss den Ansprüchen möglichst vieler Teilnehmer genügen und entsprechend abgestimmt werden. Noch kniffliger wird es, wenn zum Treffen ein richtiges Programm hinzukommen soll: für so manchen Programmpunkt bedürfte es zusätzlicher Ausstattung, die nicht jedermann zur Verfügung steht.

Weniger Mühsal, mehr Motivation, mehr Teilnehmer, besseres Equipment und professionellere  Organisation – mit Arbeitskraft, Geräten, finanzieller Unterstützung und gern auch mit mehr wird Wikimedia Deutschland ab dem 1. März den Fachbereichen der Wikipedia auf Wunsch zur Seite stehen. Natürlich gilt das nicht nur für die „schreibende Zunft“ der Wikipedianer, sondern auch für Fotografen, Illustratoren, etc. sowie die Communitys anderer Wikimedia-Projekte.

So möchten wir das bisherige Engagement der Community noch stärker unterstützen und dazu beitragen, dass Treffen der Fachbereiche noch öfter stattfinden können. Um die durch sie geleistete Arbeit zu unterstützen und die Qualität von Wikipedia, zu der die Fachbereiche entscheidend beitragen, weiter zu fördern. Wir freuen uns auf Euch und eure Ideen.

Mehr Informationen zum Programm in der Wikipedia.

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10 Jahre Wikipedia – Das Jubiläum in den Medien

Foto: Renate + Roger Rössing

Am 15. Januar feierte Wikipedia 10. Geburtstag. Und die Presse feierte mit. Pünktlich ab Jahresbeginn klingelten die Telefone in der Geschäftsstelle im Akkord. Und wer telefonisch nicht durch kam, schickte seine Anfrage per Email. Insgesamt waren es weit über 150 Emails, die bearbeitet wurden. Die Zahl der Anfragen zu Wikipedia übertraf unsere ohnehin schon großen Erwartungen noch um einiges. Das spricht für den Stellenwert, den Wikipedia heute im Alltag der meisten Menschen hat. Der runde Geburtstag war die perfekte Gelegenheit, die Öffentlichkeit im großen Stil über Wikipedia zu informieren und aufzuklären.

Aufgabe der Pressearbeit ist es, Journalisten und Presseagenturen mit aktuellen Fakten zu versorgen. Aber nicht immer ist es so leicht, dass wir einfach unsere vorbereiteten Facts-Sheets versenden können. Für die meisten Anfragen mussten wir individuell Hintergrundinformationen recherchieren oder aber in persönlichen Gesprächen grundlegend über Wikipedia aufklären. Ein Grund dafür, dass ich nach knapp zwei Wochen kaum noch eine Stimme hatte, waren die vielen sehr ausführlichen Informationsgespräche und Interviews mit den Medienvertretern. Darüber hinaus gab es aber auch gezielte Anfragen für Interviews mit Sebastian Moleski, Pavel Richter oder Jimmy Wales, die es zu koordinieren galt.

Wikipedia-Autoren in den Medien

Eine weitere wichtige Aufgabe war die Vermittlung von Wikipedia-Autoren für Interviews. Unser Interesse -und auch das der Medien- war es, die Menschen hinter Wikipedia zu zeigen. Vorgaben und Wünsche der Medienvertreter zu Alter, Geschlecht, Interessensgebiete, Wohnort, Dauer der Mitarbeit  etc. vermittelten manches Mal den Eindruck, als sei unsere Pressestelle eine Partnervermittlung…. Aber Spaß hat es gemacht! Zahlreiche Autoren haben sich auf unsere Nachfrage hin für Interviews zur Verfügung gestellt – oft unglaublich spontan. Allen, die uns unterstützt haben und für Interviewanfragen zur Verfügung standen, möchte ich hiermit nochmals ganz herzlich danken! Dieser Schritt in die Öffentlichkeit ist keine Selbstverständlichkeit und kann gar nicht genug wertgeschätzt werden. Der tolle persönliche Einsatz war auch der Schlüssel zur Strategie der Öffentlichkeitsarbeit. Denn noch immer gilt: Wikipedia nutzt jeder, aber nur Wenige wissen, wie sie funktioniert und wer dahinter steckt. Die Berichterstattung zum Jubiläum hat vielen Menschen zum ersten Mal gezeigt, dass sich ihre Wissensquelle Nummer eins nicht von alleine pflegt und vergrößert. Die breite Öffentlichkeit ist inzwischen nicht nur erheblich besser über Wikipedia informiert, sie verbindet jetzt auch Gesichter und Stimmen mit dem Projekt. Das baut Vorurteile ab und sorgt für Akzeptanz von Freiem Wissen.

Quantität und Qualität

Ein paar Zahlen, bevor es an die Auswertung geht: Weit über 120 deutsche regionale und überregionale Zeitungen haben über das Jubiläum berichtet. In etwa 30 Radiosendungen bundesweit war Wikipedia Thema. Bildbeiträge wurden von sieben Fernsehsendern ausgestrahlt (jedenfalls sind dass die, die wir mitbekommen haben). Und das alles konzentriert auf wenige Tage! Einen Gesamtüberblick gibt es hier im Pressespiegel – und noch ausführlicher in der Wikipedia hier.

Berichtet haben die großen überregionalen Zeitungen, von FAZ über Süddeutsche Zeitung bis zur ZEIT, die Wikipedia unter anderem ihre Titelseiten und drei bis vier ganze Seiten im Inneteil widmeten. Berichtet haben auch die wöchentlichen Nachrichtenmagazine wie Spiegel, Stern und Focus – online oder gedruckt. In der Tagespresse, egal ob Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt, München usw, wurde ausführlich über Wikipedia berichtet. Die lokale Berichterstattung war in Kombination mit der Zuarbeit von Presseagenturen ebenfalls außergewöhnlich. So erschien der dpa-Artikel Der unerwartete Siegeszug der Wikipedia und die Beiträge zu den kleinen Schwestern der Wikipedia in allein über 40 lokalen Tageszeitungen.

Radiobeiträge, Interviews und Gesprächsforen wurden unter anderem über NDR, SWR, WDR, MDR, HR, BR, Radio Hamburg , Deutschlandradio und Deutschlandfunk gesendet. Auch hier waren Wikipedianer und Wikimedianer im Dauereinsatz. Fernsehbeiträge waren sowohl im öffentlich-rechtlichen als auch im privaten Fernsehen zu sehen. Von den Nachrichtensendungen berichteten die ARD Tagesschau, ZDF heute  sowie Sat.1, rtl,  n-tv und N24. Redaktionelle Beiträge verfassten auch 3sat und das heute journal des ZDF. Wie zeitaufwendig besonders diese Fernsehbeiträge sind, haben auch David Ludwig und Sören Brandes (Wikipedia-Autoren) erfahren. Für den 90-Sekunden Beitrag in den ZDF Nachrichten wurde stundenlang bei ihnen zu Hause gedreht. Aber, dass tagelange Vorbereitungen und intensive Drehs oft nur zu kurzen Einspielungen bei Radio und TV führen, gehört zum Alltag einer Pressesprecherin und lässt sich nicht beeinflussen. Einige  Medien überraschten sogar mit Geschenken: Die ZEIT stellte zum Beispiel extra einen Livestream aktueller Wikipedia-Bearbeitungen online. Glückwünsche zum Geburtstag kamen auch von politischer Seite. Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen gratulierte Wikipedia mit einem längeren Brief auf ihrer Webseite.

Fazit

Dass ein Medienecho dieser Größenordnung fast ausnahmslos positiv ausfällt, ist eine absolute Seltenheit.  Hier und da haben wir Fehler entdeckt und zum Teil auch korrigiert, sind aber angesichts der außergewöhnlichen Menge an Berichten mit der geringen ‘Fehlerquote’ absolut zufrieden. Es wäre schlicht nicht möglich gewesen, wenn dahinter nicht großer Respekt vor der Arbeit aller Wikipedianer stünde.

Das soll es jetzt aber nicht gewesen sein. Wir werden versuchen, durch gezielte Ansprache von Redaktionen über die nächste Monate Themen rund um das Jubiläum immer wieder zu beleben und möchten weitere Medienbeiträge dazu lancieren.

Ich bin froh, dass ich bei diesem enormen Medieninteresse Hilfe hatte. Michael Jahn unterstützt seit November die Öffentlichkeitsarbeit und hilft mir bei der Planung und Durchführung von PR-Aktivitäten wie auch der Produktion von Informationsmaterial, der Erstellung der Vereinszeitung, begleitenden Presseaktivitäten zu den Projekten (Schulprojekt / Silberwissen etc.) und vielem mehr. Leider sind wir noch nicht dazu gekommen, ihn ausführlicher vorzustellen.  Sein Blogbeitrag folgt in Kürze….

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