Archiv für die ‘Freies Wissen’ Kategorie



Ein Mann, ein Ort: Dimitar Dimitrov ist “Wikimedian in Brussels”

1st Wikimedian in Brussels (sailing at Neusiedlersee), Foto: dimi_z, CC-BY-SA 3.0

Wikpedianer sind immer auch Botschafter. Ob sie nun Enzyklopädieartikel erstellen oder Kulturdenkmäler fotografieren – immer repräsentieren sie damit als Individuen zugleich auch die große, gemeinsame Idee: die des Freien Wissens. Manche Wikipedianer beteiligen sich sehr umfassend an den Wikimedia-Plattformen, beraten Hilfesuchende im Support-Team, diskutieren auf Spezialseiten Urheberrechtsfragen oder kommentieren Policy-Richtlinienentwürfe der WMF. Und wieder andere Wikipedianer denken darüber nach, wie man denn die politischen und gesetzgeberischen Voraussetzungen dafür verbessern könnte, dass noch viel, viel mehr kulturelle und staatliche Werke frei verfügbar werden. Ein solcher Botschafter des Freien Wissens ist Dimitar Dimitrov. Er arbeitet im Epizentrum der europäischen Politikmaschinerie, in Brüssel. Und die gute Nachricht ist – er tut dies für uns.

Dimi, so sein bevorzugter Ruf- und Autorenname, kam über verschlungenen Wegen in die belgische Hauptstadt. Seine Biografie, die viel mit Ortswechseln zwischen europäischen Hauptstädten zu tun hat, macht ihn zu einem natürlichen Kosmopoliten. Neben der bulgarischen Muttersprache spricht er auch Englisch und Deutsch fließend, Französisch eignete er sich en passant an. Dies ist auch unerlässlich, um im babylonischen Sprachgewirr der EU-Institutionen zurecht zu kommen und sich Zugänge zu erschließen.

Harte Fragen statt halbgarer Lösungen

Dimi und WMDE fanden durch Zufall zueinander. Während der deutsche Verein gerade seine “Roadmap nach Brüssel” vorlegte, bastelte Dimi bereits im Stillen an einer Seite auf Meta, die in neuer Dringlichkeit darauf hinwies, wie notwendig ein verbessertes Monitorung der Brüsseler Abläufe für den gesamten Wikimedia-Verbund doch sei. Die weitgehende Untätigkeit bei der Urheberrechtsharmonisierung in dieser europäischen Legislaturperiode, die im Ergebnis zu einer ärgerlichen Schutzfristverlängerung und einer halbgaren Lösung für die Nutzung verwaister Werke führte, bedeuteten einen zusätzlicher Antrieb, endlich von der Theorie (“Man müsste mal…”) zur Praxis überzugehen. So kamen wir schnell überein, im April zu einem internationalen Treffen einzuladen, das Dimi hervorragend organisierte und das den Startschuss für die selbsternannte “Free Knowledge Advocacy Group EU” bildete.

Hinter dem Titel verbirgt sich eine virtuelle Gemeinschaft von einigen Wikimedianern aus unterschiedlichen europäischen Ländern, die vornehmlich an politischen Themen arbeiten, die einen direkten oder indirekten Einfluss auf die Rahmenbedingungen unserer Plattformen haben:

  • Wie kann der Unternutzung kultureller Werke durch eine “digitalisierungsfreundlichere” Gesetzgebung begegnet werden?

  • Welche im staatlichen Auftrag erhobenen Daten oder produzierten Dokumente sollte man vom Urheberrechtsschutz ganz ausnehmen?

  • Wie könnte eine für Fotografen leicht nachzuvollziehende Panoramafreiheit aussehen, die noch dazu in allen EU-Mitgliedsländern gleich gehandhabt wird?

  • Gibt es – auch angesichts von PRISM – den Bedarf, Datenschutz als Abwehrrecht gegenüber staatlicher Schnüffelei und kommerzieller Verwertung noch stärker auszugestalten?

  • Wie schärfen wir das allgemeine Bewusstsein für Netz-Intermediäre wie Wikipedia, die von Regulationen mitbetroffen sind, die z.B. auf eine verschärftere Haftung privatwirtschaftlicher Betreiber abstellen?

Diese Fragen – vielleicht abgesehen vom Datenschutz – sind gegenwärtig keinesfalls ganz oben auf der Agenda des Politikbetriebs. Es sind aber UNSERE Anliegen, die wir mittelfristig mit viel Geduld und klugen Aktionen bekannter machen möchten. Dabei ist es unerlässlich, Termine mit Beamten aus Generaldirektionen oder Ausschussvertretern des Europaparlaments wahrzunehmen, Stakeholder-Dialoge zu besuchen und die manchmal sehr komplexe Timeline der legislativen Abläufe im Auge zu haben. Eine der erste Maßnahmen, die Dimi eingeleitet hat, ist deshalb die monatliche Veröffentlichung eines kurzen Monitoring-Berichts auf der Mailingliste advocacy_advisors. Durch solch einen Botschafter, der nicht nur nach Außen agiert, sondern vor allem einen Informationsfluss zwischen Freiwilligen, Chapter-Angestellten etabliert, möchten wir eine bessere Grundlage schaffen, um gemeinsam Positionen zu erarbeiten, die in Brüssel Gehör finden. Dies ist sicherlich ein langer, mühevoller Weg – aber wir freuen uns darauf, ihn gemeinsam mit euch zu beschreiten.

Politische Arbeit ist Informationsverarbeitung

Denn mithelfen und sich einbringen kann wirklich jede/r. Ob man nun als Advocacy Advisor auf der entsprechenden Mailingliste seine Expertise preis gibt, für die inhaltlichen Task Forces Infoflyer erstellt oder in den jeweiligen Monitoring-Dossiers (z.B.: Netzneutralität) hilft, kurze Zusammenfassungen von Reden oder Reports zu schreiben – alles bringt uns voran. Politische Arbeit ist im wesentlichen Informationsverarbeitung und Schreibarbeit.

Daneben würde auch die Programmierung kleiner Tools helfen. Ein benutzerfreundlicher, kollaborativer Kalendar für Meta (mit Google-Funktionalitäten, aber free & open Wikicode) würde die alltägliche Arbeit enorm erleichtern. Auch ein Crawler, der die Mitglieder der jeweiligen Ausschüsse im Europaparlament samt Namen und Emails in Tabellen oder WP-Artikel rüberkopiert, wäre mehr als nur nützlich.

Bei einem jener hochprozentigen Biere, denen man bei einem anständigen Brüsselbesuch kaum ausweichen kann, sprach Dimi scherzhaft aus, was eigentlich der treffendere Name für die EU-Arbeitsgruppe wäre: “Wikimedia European Action System for Enthusiastic Lobbying” (W.E.A.S.E.L). Das Akronym passt wie die Faust aufs Auge. Denn ganz so, wie uns der entsprechende Wikipedia-Artikel den Nager präsentiert, stellen wir uns nämlich die Arbeit der nächsten Jahre vor: beharrlich, geschickt und ohne jede Beißhemmung.

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Unsere Wahlprüfsteine für die Landtagswahlen Bayern und Hessen

Am 15. September wählen die Bürger Bayerns einen neuen Landtag, eine Woche später bestimmen die Hessen zeitgleich zur Bundestagswahl auch die Zusammensetzung ihres Landtages. Beide Länder sind derzeit schwarz-gelb regiert. Beide Bundesländer kommen zusammen auf elf Stimmen im Bundesrat. Gemeinsam gehören sie zu den fünf Bundesländern, die noch nicht über ein Landesinformationsfreiheitsgesetz verfügen (die anderen Bundesländer sind Baden-Württemberg, Niedersachsen und Sachsen).

Seit 2009 verschickt Wikimedia Deutschland bei Bundestags- und ausgesuchten Landtagswahlen Wahlprüfsteine an die antretenden Parteien. Da die Ausgangslage aller drei Landtagswahlen in diesem Jahr vergleichbar ist, haben wir uns darum entschlossen, die zur Landtagswahl in Niedersachsen verschickten Wahlprüfsteine mit minimalen Anpassungen auch an die Parteien in Hessen und Bayern zu schicken.

Alle Parteien, die angekündigt haben, zur Wahl anzutreten, erhalten von uns die Wahlprüfsteine in den kommenden Tagen mit der Bitte um Beantwortung vor dem Wahltermin. Wir werden aus Zeitgründen nicht die Entscheidung der beiden Wahlausschüsse zur finalen Zulassung von Listen abwarten, da den Parteien sonst zu wenig Zeit zur Beantwortung bleibt. Die Wahlprüfsteine bestehen aus fünf Themengebieten (Open Data, Staatliche Werke, Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk, Transparenzgesetz und Freie Lizenzen) mit jeweils zwei Fragen, meist je eine sehr allgemeine und eine sehr konkrete Frage. Die Fragen wurden so ausgewählt, dass sie nicht durch einfaches cut&paste aus dem Wahlprogramm beantwortbar sind.

Dies sind die Wahlprüfsteinfragen für Bayern (und entsprechend Hessen). Wir sind dankbar für last-minute Hinweise auf unklare Formulierungen oder Vorschläge für andere, bessere, passendere Fragen.

I Grundprinzipien eines Open-Data-Portal

Parallel zur Digitalisierung von Verwaltungsvorgängen entwickelt sich unter dem Label “Open (Government) Data” die Praxis der Freigabe von maschinenlesbaren Rohdaten unter freier Lizenz. Diese Daten können in einem neuen Kontext eingesetzt, zum Beispiel in andere Anwendungen integriert werden.

1) Allgemein
Im Bereich Open Government Data hat sich seit 2007 durch die Principles of Open Government (Sebastopol Principles s. http://www.opengovdata.org/home/8principles) ein klarer Kriterienkatalog für die Open Government Data etabliert. Wird das Open-Data-Portal einer bayerischen Landesregierung unter Ihrer Beteiligung diese Kriterien einhalten oder richten Sie den Begriff Open Government Data nach anderen Kriterien aus? Wenn ja, nach welchen?
2) Konkret
Setzen Sie sich dafür ein, dass in Open-Data-Portale der Öffentlichen Hand keine Datensätze aufgenommen werden, die nicht den (insbesondere lizenzrechtlichen) Kriterien von Open Data entsprechen? Wie soll mit solchen Datensätzen stattdessen umgegangen werden?

II Lizenzpolitik staatlicher Werke, die nicht schon wegen §5 UrhG gemeinfrei sind

§5 UrhG stellt klar, dass Gesetze, Verordnungen, Urteile, Erlasse und andere amtliche Werke, die im amtlichen Interesse zur allgemeinen Kenntnisnahme veröffentlicht wurden, gemeinfrei sind. Die Landesregierung verfügt über ihre Ministerien und nachgeordneten Behörden über Nutzungsrechte an urheberrechtlich geschützten Werken, die im Gegensatz zu den amtlichen Werken nach §5 UrhG nicht gemeinfrei sind und inbesondere wegen der sehr restriktiven Formulierung und Auslegung von §5 Abs. 2 nicht von dieser Aufzählung erfasst werden.

3) Allgemein
Werden Sie – z.B. durch Verwendung von freien Lizenzen aus dem Lizenzbaukastensystem Creative Commons – ermöglichen, dass jedermann diese Inhalte legal für beliebige Zwecke nachnutzen kann?
4) Konkret
Wird eine Landesregierung mit Ihrer Beteiligung eine Bundesratsinitiative zur Neuformulierung von §5 UrhG auf den Weg bringen, der das Ziel hat, den Kreis der von §5 UrhG erfassten Werke zu vergrößern?

III Lizenzpolitik im Öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Über staatliche Werke hinaus werden in Deutschland Text- und audiovisuelle Inhalte über die Allgemeinheit finanziert, z.B. im gebührenfinanzierten bzw. (im Fall der Deutschen Welle) steuerfinanzierten Öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Von wenigen Ausnahmen abgesehen stehen diese Inhalte der Öffentlichkeit nur für kurze Zeit und nicht nur Nachnutzung zur Verfügung.

5) Allgemein
Unterstützen sie die Forderung, Inhalte des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks durch Verwendung einer freien Lizenz für jedermann nachnutzbar zu machen? Welche konkreten ersten Schritte auf dem Weg zu einer solchen generellen Lizenzierungspraxis fallen Ihnen dazu ein?
6) Konkret
Wie wird sich eine Landesregierung mit Ihrer Beteiligung um die Abschaffung der Depublikationspflicht öffentlich-rechtlicher Inhalte im Internet bemühen?

IV Ausgestaltung eines künftigen Transparenzgesetzes

Informationsfreiheitsgesetze gewähren jeder Person Zugang zu amtlichen Informationen. Bayern zählt zur Minderheit der deutschen Bundesländer ohne ein Landes-Informationsfreiheitsgesetz.

7) Allgemein
Streben Sie für die kommende Legislaturperiode ein Landesgesetz an, das Bürgern den Zugang zu Informationen in behördlicher Hand ermöglicht? Wenn ja, wie sollen konkret Ausgestaltungen zu folgenden Aspekten erfolgen: a) pauschale Ausnahmen vom Geltungsbereich des Gesetzes nach Themen oder Einrichtungen, b) Kostenstruktur bei der Beantwortung von Anfragen, c) Überprüfungsinstrumente und Rechtsweg bei Verweigerung von Zugangsgewährung, d) Beantwortungsfristen, e) Proaktive Publikationspflichten (Transparenzregister)
8) Konkret
Wird ein bayerisches Informationsfreiheits-, bzw. Transparenzgesetz unter ihrer Mitwirkung eine Klarstellung enthalten, die analog zum §10 Abs. 3 Hamburger Transparenzgesetz die Nachnutzungsrechte von freigegebenen Informationen für jedermann gewährleistet?

V Arbeit mit Werken unter Freier Lizenz

Rechteinhaber von urheberrechtlich geschützten Werken können diese unter einem Lizenzmodell verfügbar machen, das Dritten die Nachnutzung zeitlich und räumlich unbeschränkt zu beliebigen Zwecken ermöglicht. Wenn die Rechteinhaberin das Land Bayern ist, ist eine Freigabe von geschützten Inhalten grundsätzlich auch ohne Änderung des Landesrechts möglich. Zusätzlich kann bei künftigen Inhalteerstellungen eine Freigabe der Inhalte von Tag 1 an beschlossen werden.

9) Konkret
Wird sich eine Landesregierung unter Ihrer Beteiligung am Modellversuch des Landes Nordrhein-Westfalen zur Schaffung von Lehr- und Lernmitteln für Schulen unter freien Lizenzen beteiligen, um auch solche Inhalte für das Land Bayern verfügbar zu machen?
10) Konkret
Befürworten Sie die Freigabe von Luftbildern und Orthofotos der Bayerischen Landesvermessung unter Lizenzen, die jedermann die freie Nachnutzung dieser Inhalte ermöglicht? Welches konkrete Lizenzmodell bevorzugen Sie?

 

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Wikipedianer gehen in Braunschweig unter die Römer

Braunschweigisches Landesmuseum (Foto: M. Kruszewski; CC-BY-SA 3.0)

Kommendes Wochenende reisen rund 20 Wikipedianer nach Braunschweig, um im Vorfeld der großen Landesausstellung “Die Römer kommen! Roms vergessener Feldzug” alles über das römische Schlachtfeld am Harzhorn zu erfahren.
Die Veranstaltung findet im Rahmen des Projekts GLAM on Tour statt, das lokale Kulturkooperationen mit Wikipedia-Gruppen fördert. Drei Tage lang öffnet das Braunschweigische Landesmuseum für die Wikipedianer seine Pforten, um einen Überblick über die sensationellen Funde der Grabungsstelle bei Kalefeld zu geben, die in der Fachwelt für Aufsehen sorgen. 2008 wurden hier Fundstücke entdeckt, die auf ein Gefecht zwischen Römern und Germanen im 3. Jhd. n.C. hindeuten.

Ein willkommener Anlass, um GLAM-Aktivisten und Wikipedianer aus dem Raum Braunschweig einzuladen, die Grabungsstelle im Vorfeld zu erkunden, mit Artikelarbeit zu beginnen, zu fotografieren und mit Wissenschaftlern, Archäologen und Museumsmitarbeitern ins Gespräch zu kommen. Im Zentrum der dreitägigen Veranstaltung stehen ein Vortrag zur Wikipedia und ein Musketiertreffen für Interessierte und Wikipedia-Neulinge. Besonders vergnüglich und ertragreich für die Artikel- und Fotoarbeit wird sicherlich die gemeinsame Bus-Exkursion zum Schlachtfeld (einige Plätze sind noch vorhanden, bei Interesse hier anmelden). Das Programm ist umfangreich, die Fachliteratur für die Quellenarbeit und die Fundstücke zum Fotografieren im Museum bereitgestellt, WLAN und Hashtag eingerichtet, die Sinne geschärft. Man darf gespannt sein!

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Keine Wundertüte: Urheberrechtspaket auf dem Weg

100 Tage vor der Bundestagswahl bzw. 11 Tage vor dem Beginn der Parlamentsferien schließt sich das Fenster, um noch Gesetzgebungsvorhaben über die Bühne zu bringen. Ein solches Vorhaben ist das Gesetz zur Nutzung verwaister und vergriffener Werke und einer weiteren Änderung des Urheberrechtsgesetzes, das von der Bundesregierung eingebracht wurde. Hierin enthalten sind zwei Themen des Urheberrechtes, die uns die ganze Legislaturperiode über begleitet haben:

  1. Die Umsetzung der Richtlinie 2012/28/EU zur Nutzung verwaister Werke
  2. Die Einführung eines unabdingbaren Zweitveröffentlichungsrechts

Wikimedia Deutschland hat zu beiden Themen in der Vergangenheit öffentlich und insbesondere auch in Stellungnahmen gegenüber dem Bundesministerium der Justiz seine Haltung deutlich gemacht. Für alle Neudazugekommenen gibt es dazu folgende stark verknappte Zusammenfassung:

  1. Verwaiste Werke sind urheberrechtlich geschützte Werke, deren Rechteinhaber nicht auffindbar sind und die daher bislang nicht genutzt (z.B. digitalisiert bzw. im Netz veröffentlicht) werden dürfen. Die EU-Richtlinie bestimmt, unter welchen eng gezogenen Bedingungen eine solche Nutzung dennoch möglich sein soll. Die EU-Mitgliedsstaaten erhalten Zeit bis Oktober 2014, diese Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Nach der Richtlinie wird es nicht möglich sein, verwaiste Werke in Wikimedia-Projekten zu nutzen, weil die erlaubten Nutzungshandlungen zu restriktiv sein werden.
  2. Ein unabdingbares Zweitveröffentlichungsrecht ist das Recht eines Autors, auch dann sein eigenes Werk z.B. auf seiner eigenen Homepage zu veröffentlichen, wenn er im Rahmen eines “Total Buyout”-Vertrages alle Nutzungsrechte an einen Verlag übertragen hat. Je nach Lesart soll dieses Zweitveröffentlichungsrecht es ermöglichen, die Zahl der Open-Access-verfügbaren Forschungspublikationen zu erhöhen.

Am 10. Juni fand im Rechtsausschuss des Bundestages eine Anhörung von Sachverständigen zu dem Gesetzesentwurf der Bundesregierung und den Entwürfen der Oppositionsfraktionen statt. Die Stellungnahmen der Sachverständigen sind – mit einer Ausnahme – ebenfalls online verfügbar.

Während es bei den Verwaisten Werken vorwiegend um die Umsetzung einer EU-Richtlinie in nationales Recht geht und daher die Gestaltungsmöglichkeiten stark begrenzt sind, entzündete sich bei dem zweiten Thema ein teilweise quer zu Regierungskonstellationen verlaufender Streit über das Ob und die Frage, wer hier nun davon profitieren werde. Unstrittig unter allen Sachverständigen war, dass der vorgeschlagene §38 Abs. 4 UrhG nur einen sehr kleinen Kreis an Urhebern betreffen wird, ohne dass handfeste Gründe für eine solche enge Definition vorliegen.

Von Oppositionsseite ist kein Widerstand mit Händen und Füßen gegen dieses Gesetz zu erwarten, insbesondere für den Bereich Verwaiste Werke ist sogar von einigen redaktionellen Formulierungen und Präzisierungen abgesehen Konsens zur Regelung. Beim Zweitveröffentlichungsrecht ist die Situation bizarrer, da es ja insbesondere ein Wunsch der Oppositionsfraktionen war, Urheber gegenüber Verlagen in ihrer Position zu stärken und etwas zur Förderung von Open-Access-Publikationen zu unternehmen. Dass die Regierung die Forderungen der Opposition in einer Schmalspurvariante übernimmt, die nahezu keine praktische Relevanz entfalten wird, ist mehr als ein Kuriosum. Es offenbart vielmehr die völlig entgegengesetzten Vorstellungen über den Freiheitsbegriff und die Waffengleichheit zwischen Urhebern und Verlegern.

 

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Live: Zedler-Preis 2013 im Ticker

Ab 19 Uhr wird heute im Palais der Berliner Kulturbrauerei der Zedler-Preis 2013 verliehen. Ausgezeichnet wird in drei Kategorien: Wikipedia-Artikel des Jahres, Community-Projekt sowie Externes Wissensprojekt des Jahres. Hier gibt es die Verleihung im Live-Ticker mit allen Nominierten, den Gewinnern und Eindrücken vor Ort.

20:42 – Dann bleibt mir nur noch, an den Geräten auch noch einen schönen Abend zu wünschen. Morgen findet in der Geschäftsstelle von Wikimedia Deutschland der Offene Sonntag statt. Vielleicht bis dann!

20:37 – Der Zedler-Preis 2013 ist offiziell beendet. Herzliche Glückwünsche an dieser Stelle noch einmal an alle Gewinner:

20:36 – Ein großes gewaltiges Gruppenfoto wird angekündigt. Pavel Richter fasst den Abend kurz zusammen.

20:33 – In der Eile kann man weder den Gewinnern noch den vielen Nominierten gerecht werden. Mehr Informationen und alle notwendigen Links gibt es auf der Zedler-Projektseite:

http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Zedler-Preis

20:32 – Großer Applaus für wheelmap.org und alle Nominierten.

20:31 – In wenigen Jahren haben die ehrenamtlichen Mithelfer 340.000 Orte im Projekt markiert, sagt Raul Krauthausen.

20:31 – Externes Wissensprojekt des Jahres ist wheelmap.org!

20:29 – Die letzten Nominierten des Abends sind die Vertreter des Berliner Open Data Portals. Bescheidenheit: “Unser Ziel ist nicht, das Wissen der Welt verfügbar zu machen. Die Verwaltung ist schwierig genug ;-)”

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Erkenntnis kommt durch Teilen.

Druckfrisch liegt sie vor mir auf dem Tisch: die neue, verbesserte Auflage der so genannten GLAM-Broschüre, eine Handreichung für Kultureinrichtungen und Gedächtnisinstitutionen im deutschsprachigen Raum zu den Potenzialen der Zusammenarbeit mit Wikimedia-Projekten. Auf dem Cover –  jetzt in einer höheren Auflösung – teilt Eva mit Adam die Frucht der Erkenntnis. Das ist die zentrale Botschaft der Broschüre: Erkenntnis kommt durch teilen. Gerade weil Albrecht Dürers Werk seit Jahrhunderten gemeinfrei ist, konnten wir das Motiv variieren und für unser Cover neu interpretieren. Der im Hintergrund durchschimmernde Wikipedia-Ball schlägt den Bogen von Adam und Eva zu uns in die Gegenwart.

Wir möchten Kulturinstitutionen ermuntern, und hier besonders diejenigen, die unter dem englischen Akronym GLAM für Galleries, Libraries, Archives und Museums zusammengefasst werden, sich aktiver in die Wikimedia-Projekte einzubringen. In fünf kurzen Kapiteln beleuchten wir verschiedene Aspekte. Besonderen Wert haben wir auf die Darstellung der unterschiedlichen Formen der Zusammenarbeit gelegt. Angefangen von einer einfachen Beratung, wie man Inhalte durch Freie Lizenzen im Netz sicht- und nutzbarer machen kann, über die Herausforderung, wie man sich als Institution regelkonform und konstruktiv in die Wikipedia einbringt, bis hin zu den Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Real-Life-Modus, wo Menschen in Fotoexkursionen oder Schreibwerkstätten einander begegnen. Wohlgemerkt immer vorausgesetzt, dass es gelingt, für die Gemeinschaft der Wikipedianer und Wikimedianer attraktive Angebote zu machen. Dafür haben wir den Text der Vorjahresauflage, die unter großem zeitlichen Druck für die Veranstaltung “Zugang gestalten!” entstand, vollständig neu geschrieben. Inhalte wurden gestrafft und stringenter in der Argumentation dargestellt. Beibehalten haben wir das durch viele Fotos und ein luftiges Layout aufgelockerte Design. Den Abschluss bildet ein kurzer Selbsttest zum Ankreuzen: “Wie halten Sie es mit der Wikipedia?” Die Broschüre ist eine Einladung an Mitarbeiter und vor allem Führungskräfte in den GLAM Institutionen, mit uns direkt Kontakt aufzunehmen. Alles weitere erwächst dann im gegenseitigen Dialog.

Die Broschüre ist ab sofort  als PDF verfügbar. Gern schicken wir sie aber auch postalisch. Alle Bestandteile der Broschüre stehen unter der Lizenz CC-BY-SA 3.0. Der Text der Broschüre kann in der Wikipedia weitergeführt werden.

Sie erreichen uns telefonisch unter 030 219 158 26 – 44, per email unter kultur@wikimedia.de oder hinterlassen Sie einen Kommentar. Wir kommen gern mit Ihnen ins Gespräch.

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Aus einem Hashtag einen Imperativ machen: Open NRW!

Die seit 2012 mit eigener Mehrheit regierende Rot-Grüne Regierung von Nordrhein-Westfalen hat die Umsetzung einer umfangreichen Öffnungsstrategie angekündigt, wie sie bereits im Koalitionsvertrag beider Parteien vereinbart wurde. Die bisher konkreteste Verschriftlichung der Vorhaben zur “Open Government-Strategie Open.NRW” stehen in einem Eckpunktepapier, dem das Landeskabinett im April 2013 zugestimmt hat. Keine der dort getroffenen Aussagen soll in Stein gemeisselt sein, jede Aussage soll diskutier- und veränderbar sein. Nun denn, lasst die Diskussion beginnen!

Auf Einladung der Landesregierung habe ich an einer eintägigen Verstaltung im Landtag teilgenommen. Lob und Dank  gilt den Organisatoren für eine dicht bepackte Veranstaltung.

Mein besonderes Augenmerk galt dem Bereich Open Data. Das Eckpunktepapier hält als tautologisch fest, dass alle offenen Daten mittelfristig offen (im Sinne der meistverbreiteten Definition) sein sollen. Und mit dieser Tautologie ist das Grundproblem von Open Data in NRW hervorragend umschrieben; es darf nicht wehtun. Gerade für die Nachnutzung spannende Daten (z.B. Geodaten des Landes) sollen nicht als Open Data freigegeben werden. Als Lizenzen für die Open Data-Strategie des Landes sind zwei Lizenzen im Spiel, die uns seit Monaten Kopfschmerzen bereiten: Die Datenlizenz Deutschland Namensnennung – Version 1.0 und Datenlizenz Deutschland Namensnennung – nicht kommerziell – Version 1.0. Während letztere ausdrücklich gar nicht erst als Open Data-Lizenz gedacht ist, enthält erstere so viele handwerkliche Mängel, dass sie derzeit auch als Freie Lizenz ausscheidet. OKFN und Wikimedia haben an der letzten Sitzung einer Arbeitsgruppe im Bundesinnenministerium teilgenommen, die zumindest die gröbsten Mängel dieser Lizenz beseitigen wird. Zumindest nach den Formulierungen des Eckpunktepapieres ist derzeit unklar, ob das NRW-Open Data-Unterfangen seinen Namen verdienen wird.

Unsere Empfehlungen an das Land NRW sind daher relativ wenig überraschend:

  1. Open Data soll nur heissen, was auch Open Data ist; dazu gehört der Verzicht auf unfreie Lizenzen und deutsche Sonderwege bei der Wahl entsprechender Lizenzen.
  2. Gerade Geodaten gehören nicht von vornherein aus der Open Data-Strategie des Landes ausgenommen. Im Gegenteil, sie gehören zu den naheliegendsten Freigabekandidaten
  3. Neben die Freigabe von Datensätzen durch die Verwaltung selbst gehört ein subjektives Recht des einzelnen Bürgers, Daten von der Verwaltung einzufordern, wenn es keine durchschlagenden Gründe gegen eine Freigabe gibt

Weiterführende Links:

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Latet enim veritas, sed nihil pretiosius veritate #ZDFcheck

Die Wahrheit ist verborgen, aber nichts ist schöner denn die Wahrheit. Hinter uns liegt eine aufregende Woche der re:publica in Berlin samt einstündiger Paneldiskussion zum Projekt ZDFCheck (wir berichteten darüber). Die re:publica-Veranstalter haben in Windeseile den Mitschnitt dieser Diskussion auf Youtube und unter die Lizenz Creative Commons CC BY-SA 3.0 gestellt, von dort erfolgte dann auch der Upload auf Wikimedia Commons.

Ab heute ist der zdfcheck.zdf.de mit einem ersten Faktencheck-Angebot online und die Einladung an die Netz-Community zur Beteilung an der Recherche steht.

Ebenfalls heute beginnt der “Wikipedian in Residence” seine Arbeit im Rahmen des Online-Angebots des ZDF. Nach dem Abschluss der Bewerbergespräche freuen wir uns, Tim Moritz Hector vorstellen zu dürfen. Tim ist Student der Politologie und Kommunikationswissenschaft in Münster und seit 2007 Wikipedianer, von 2008 bis 2012 als Admin. Seit 2012 ist er außerdem für das Referentennetzwerk tätig.

Presseschau:

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Jedem Zauber wohnt ein Anfang inne: Bericht vom Brüsseler Kick-off

Graphic Thinking. Foto: Lilli Iliev, CC-BY-SA

Wie beginnt man etwas, wofür es keinerlei Vorbild gibt? Wie findet man Zutrauen für eine Sache, die skeptische Beobachter als “zu ambitioniert” betrachten? Wie wird man Teil einer Gemeinschaft, die niemals geschlossen, sondern immer zugangsoffen und transparent sein soll?

Die Grundvoraussetzungen des Projekts “Roadmap nach Brüssel”, von dem ich hier erstmals im März berichtete, unterscheiden sich auf den ersten Blick nicht so sehr von den Startbedingungen der Wikipedia 2001. Auch damals hätte es niemand für möglich gehalten, dass eine einfache Internet-Plattform zu einem international anerkannten Umschlagplatz des Wissens werden könnte.

Heute, über eine Dekade später, ist deshalb die Frage legitim: Wieso sollte es nicht auch möglich sein, dieser sozialen Bewegung auch einen politischen Arm zu verleihen, der die europäische Gesetzgebung auf ihre möglichen Restriktionen für Freies Wissen abtastet und – wann immer nötig – auf den Plan tritt?

Das Vorhaben klingt nicht nur ambitioniert, es ist es auch. Denn die Zeit hat das Wikimedia-Universum komplexer gemacht, in unterschiedliche Rollen, Territorien und Interessensgebiete auseinandergefaltet, ein unübersichtliches Gewimmel erzeugt, das für jedes (auch abseitige) Thema eine eigene Seite oder gar eine Mailing-Liste bereithält. Let’s face it: Wir sind ein riesiges Netzwerk, das gerne kommuniziert. Zuweilen etwas zu viel mit sich selbst, aber immer auch mit der Gewähr auf spannende Ideen.

Vor diesem Hintergrund erschien es uns nur konsequent, Wikimedianer zu einem direkten Gespräch am 6./7. April nach Brüssel zu laden, um intensiv über die Struktur und Arbeitsweise einer künftigen Arbeitsgruppe zu sprechen, die Freiem Wissen gegenüber der EU eine Stimme verleiht. Der Grundgedanke ist beileibe nicht neu und hat bei diversen Wikimania-Konferenzen schon eine Rolle gespielt, sich bislang allerdings nie in eine nachhaltige Struktur übersetzt.

Einen ersten Anlauf in Brüssel dazu gab es bereits im Juli 2009, der leider weitgehend folgenlos blieb. Umso mehr freut es uns, dass neben Vertretern aus Belgien, Niederlande, Italien, Estland, Bulgarien, Frankreich und Deutschland mit Lyzzy und Lodewijk eben auch zwei äußerst engagierte Wikimedianer einfanden, die seit Jahren für das Thema werben. Eine von WMDE beauftragte Studie half zudem dabei, bereits im Vorfeld die möglichen Anknüpfungspunkte für die EU-Gesetzgebung zu identifizieren und unterschiedliche Handlungsoptionen zu erörtern.

Wie das umfassende Protokoll (Danke, Lilli!) zeigt, ist es schwierig, den gesamten Diskussionsverlauf pointiert wiederzugeben. Angeleitet von der grandiosen Anna Lena Schiller hatten wir uns eben sehr viel vorgenommen. Es ist aber sehr wohl möglich, die drei wichtigsten Richtungsentscheidungen festzuhalten:

  • Die Gruppe wird in einem ersten Schritt das Monitoring laufender EU-Initiativen zu verbessern helfen und den Wikimedia-Verbund regelmäßig mit Informationen versorgen. Dabei hilft uns die professionelle NGO-Arbeit von “European Digital Rights” sowie eine eigene Kontaktperson vor Ort, die v.a. mit der Pflege der Meta-Seite, des Kalenders sowie der Wahrnehmung von lokalen Terminen betraut werden soll.

  • Neben der eher reaktiven Tätigkeit soll es in einem zweiten Schritt darum gehen, gegenüber der EU-Gesetzesgeberungsmaschine bereits 2014 (Neuwahl des EU-Parlaments sowie Einsetzung neuer Kommissare) den Handlungsbedarf bei urheberrechtspolitischen Themen zu verdeutlichen, die eng mit der Erschaffung und Verbreitung Freien Wissens verknüpft sind: Panoramafreiheit, Staatliche Werke und Verwaiste Werke. Hinsichtlich dieser drei Kernthemen gibt für jede/n Interessierte/n die Möglichkeit, sich an einer “Task Force” zu beteiligen, die Ideen sammelt und entsprechend verschriftlicht. Informationshub ist auch hier die Meta-Seite.

  • Ein solches “Liquid Lobbying” (TM) kommt natürlich nicht ohne die Unterstützung von europäischen Chaptern oder der Wikimedia Foundation aus. Deshalb werden wir in den nächsten Monaten auch noch einige Anstrengungen unternehmen, um für das Vorhaben zu werben. Dass dies nötig sein wird, hat uns die Mailänder Chapter-Konferenz gezeigt, bei der das Projekt zwar auf viel Neugier, aber auch einige Skepsis aufgrund knapper Ressourcen stieß.

Mir persönlich gibt ein Satz Hoffnung, den Stephen LaPorte (WMF) in Mailand äußerte: “We have no choice than getting engaged.” Auch Kat Walsh vom Board of Trustees signalisierte, dass es auf Seiten von Creative Commons ebenfalls großes Interesse am Aufbau einer solcher Arbeitsgruppe gibt. Die Vernetzung mit anderen “like-minded” Akteuren wird eben auch ein Weg sein, um effektiver arbeiten zu können.

Indes: Nicht jede Beteiligung an der EU-Policy-Group muss unweigerlich in “Arbeit” ausarten  – auch kurze Hinweise auf relevante Ereignisse innnerhalb und außerhalb des Movements, interessante Texte, Tweets und selbst Gerüchte helfen dabei, den Informationsaustausch über Ländergrenzen hinweg zu intensivieren. Um unkompliziert mit der Gruppe in Kontakt zu treten, haben wir auf der Meta-Seite eine Art Briefkasten eingerichtet, mit dem man entweder direkt an uns herantreten oder einfach etwas hinterlassen kann. Eine offizielle Schneckenpostfachadresse (etwa für EU-Aussendungen oder Einladungen anderer Akteure) wird es dann hoffentlich auch irgendwann geben.

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Was Wikipedianer besonders gut können

„Wir werden als Bundesrepublik Deutschland keine Waffen liefern“, versicherte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Katars Ministerpräsidenten Scheich Hamad bin Jassim bin Jabor al Thani in Berlin. So stand es am 16.4. im Berliner Tagesspiegel.

Wie wäre es, wenn wir Leser, mündige Bürger und Wähler, die Möglichkeit bekämen, solche Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen?

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mainzelm%C3%A4nnchen_walking_act.jpg

Mainzelmännchen
Foto: Johann H. Addicks, CC-by-sa-nd/3.0

Stimmt diese Aussage von Merkel, und wenn ja unter welchen Prämissen? Seit einigen Wochen unterstützt Wikimedia Deutschland das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) bei der Erstellung einer Plattform, auf der solche Aussagen gecheckt werden können.

Wer kennt das nicht: In einer Talkshow behauptet ein Politiker wortgewaltig, die Welt sei “rosa” und die Aussage bleibt unwidersprochen. Im Gegenteil, sie entwickelt ein Eigenleben und scheint mit jedem Tag, der vergeht, wahrhaftiger zu werden. Im Zeitalter des medienkompetenten Netzbürgers ein Ärgernis. Das ZDF richtet daher gemeinsam mit dem Nachrichtensender Phoenix einen Online-Faktencheck zur Bundestagswahl ein und alle Wikipedianer sind eingeladen, Aussagen zum Faktencheck vorzuschlagen, sowie selbstmitzuhelfen, die Richtigkeit der Fakten zu überprüfen. Gerade weil Wikipedianer ihre Aussagen stets neutral und belegt machen, bürgt ihre Arbeitsweise für eine hohe Qualität. Das können gerade Wikipedianer besonders gut.
Deshalb möchte das ZDF in dem geplanten Online Faktencheck, der auf der re:publica am 6.5. in Berlin öffentlich unter dem Label #ZDFcheck vorgestellt wird, gern mit der Wikipedia-Community zusammenarbeiten. Die im Rahmen des Faktenchecks erarbeiteten Mediendateien, wie Infografiken, Bilder und kleine Filmbeiträge, stehen unter einer Freien Lizenz der Nachnutzung offen. Ein erster Meilenstein in der Zusammenarbeit mit einem öffentlich-rechtlichen Sender. Diese Zusammenarbeit soll durch einen so genannten “Wikipedian in Residence” koordiniert werden. Ihre oder seine Aufgabe wird es sein, aktiv die Community anzusprechen. Die Ausschreibung ist seit heute online.
Nach einer Pilotphase im Frühsommer startet das Projekt in der heißen Phase des Bundestagswahlkampfes ab August richtig durch. Geplant ist, dass alle Arbeitsschritte des Faktenchecks live mitverfolgt und mitgestaltet werden können. Die Moderation und Redaktion obliegt dem ZDF Redaktionsteam. Die Ergebnisse der #ZDFcheck werden crossmedial aufbereitet und finden Eingang in die verschiedenen ZDF-Sendungen. Zum ersten Mal würde damit das Wikipedia Arbeitsprinzip in einem gänzlich anderen Rahmen unter Beweis gestellt werden. Aus meiner Sicht auch eine Wertschätzung des digitalen Ehrenamtes im Spektrum der Wikipedia.
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