Archiv für die ‘Freies Wissen’ Kategorie



Wahlprüfsteine zur Landtagswahl in Hessen

Zeitgleich zur Bundestagswahl am 22. September dürfen etwas über vier Millionen Wahlberechtigte in Hessen auch über die Zusammensetzung ihres Landtages entscheiden. Wahlumfragen aus Hessen bestätigen den Ruf des Landes, es in Sachen Mehrheitsfindung spannend zu machen. Wikimedia Deutschland hat allen in Hessen antretenden Parteien Wahlprüfsteine mit 10 Fragen geschickt; die Antworten haben wir nun veröffentlicht.

Insgesamt haben wir Antworten von sechs Parteien erhalten: CDU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und Piratenpartei. Umfang und Form der Antworten unterscheiden sich ganz erheblich. Bemerkenswert ist, dass es auch für größere Parteien mitunter nicht möglich ist, auf eine Frage auch eine inhaltliche Antwort zu geben. Wir sind insbesondere für Meinungen und Vorschläge dankbar, wie wir als Verein mit solch einer Situation umgehen sollen, ohne zu tief in den Bereich der politischen Wertung zu gehen.

Open Data:

Zwei Fragen beschäftigen sich mit Open Government Data: Erstens mit der generellen Lizenzpolitik und der Einhaltung z.B. der Principles of Open Governemnt und zweitens konkret mit dem Umgang mit denjenigen Datensätzen, die nicht unter Freien Lizenzen veröffentlicht werden. Aus dem Antworttext der CDU lassen sich keine Aussagen zu beiden Fragen finden, statt Richtlinien bevorzugt man hier die Einzelfallbetrachtung. SPD, FDP, Grüne, Linke und Piraten benennen klarer die Kriterien, nach denen Daten freigegeben werden sollen, zum Teil mit deutlichen Abstufungen. Nur Linke und Piraten sprechen sich explizit dafür aus, Inhalte unter unfreien Lizenzen aus “Open Data”-Portalen fernzuhalten, sie aber dann separat zu veröffentlichen.

Staatliche Werke:

Wir fragen – über Open Government Data  hinaus – zu allen staatlichen Werken nach der von der Partei befürworteten Lizenzierungspraxis. Die Antworten sind hier relativ heterogen und enthalten quer durch alle Parteien Aussagen zu anderen Themen oder zum Urheberrecht insgesamt. Zur Frage der Notwendigkeit einer Ausweitung des §5 UrhG (Gemeinfreiheit amtlicher Werke) gibt es hingegen eine erfrischende Klarheit: CDU und SPD sehen dazu keine Notwendigkeit, Grüne, Linke möchten dies prüfen, die Piraten sind dafür und die FDP möchte diesen Punkt in den Koalitionsverhandlungen klären.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: 

Nicht nur der Staat schafft Werke, auch der aus einem Gebührensystem finanzierte Öffentlich-rechtliche Rundfunk finanziert die Erstellung von primär audiovisuellen Medien. Von Einzelfällen abgesehen erhalten die Gebührenzahler keine Rechte zur Nutzung, die über den privaten Konsum hinausgehen. Wenn wir nach der Lizenzierung von Öffentlich-rechtlichen Inhalten unter Freien Lizenzen fragen, erhalten wir von SPD und CDU nur allgemeine Ausführungen über den Rundfunk selbst, die FDP sieht Probleme in der Umsetzung, die Grünen in Hessen befürworten immerhin unfreie CC-Lizenzen. Linke und Piraten sind für Freie Lizenzen. Auch bei diesem Thema war es wieder hilfreich, eine sehr klare und binär beantwortbare Frage zu stellen: Abschaffung der Depublikationspflicht. Zustimmung zur Abschaffung kommt von Grünen, Linken und Piraten, von der CDU kommt das Verständnis zum Problem und der abstrakte Wunsch zur Anpassung. Die SPD möchte prüfen, die FDP möchte genau prüfen.

Transparenzgesetz:

Von allen Parteien sticht die CDU mit einer konsequent ablehnenden Haltung zur Informationsfreiheit heraus, sie hält Informationsfreiheit insgesamt für bürokratisch, kostenintensiv und unverhältnismäßig. Zudem reichten laut CDU einzelne spezialgesetzliche Zugangsrechte aus. Alle anderen Parteien sprechen sich für ein Informationsfreiheitsgesetz aus, die FDP allerdings mit einigen Einschränkungen. Linke, SPD und Grüne bieten jeweils Drucksachen für Gesetzesinitiativen der abgelaufenen Legislaturperiode an. Auf die gestellte Frage konkret geantwortet haben hingegen ausschließlich die Grünen. Die Hamburger Regelung zur Nachnutzung unterstützen Grüne, Linke und Piraten.

Werke unter Freier Lizenz:

Unser Fragenkatalog endet mit zwei sehr konkreten Beispielen zur Lizenzpolitik eines Landes. Wir knüpfen hierbei an die Thematik Open Educational Ressources an. Konkret fragen wir nach der Bereitschaft, sich dem im Koalitionsvertrag von NRW festgestellten Modellversuch für OER anzuschliessen. Die Antwort der CDU bezieht sich hingegen auf die Verhandlungen zwischen Kultusministerkonferenz und Verwertungsgesellschaften über die (vergütete) Schranke zur Vervielfältigung von Werken für Unterrichtszwecke. Alle anderen Parteien möchten prüfen bzw. sprechen sich im Fall der Linken und der Piraten für OER aus. Unsere konkrete Frage nach der (freien) Lizenzierung von Luftbildern der Landesvermessung wird positiv von Grünen, Linken und Piraten beantwortet, CDU und FDP lehnen ab.

Fazit:

Es lässt sich für Hessen ein gewisses Gefälle in der Qualität der Antworten im Vergleich zu den (identischen) Fragen für die Parteien zu den Landtagswahlen Bayern und Niedersachsen erkennen. In der Tendenz bleibt es bei inhaltlich ähnlichen Antworten der einzelnen Parteien. Keines der Themen wird für sich genommen in der kommenden Legislaturperiode ein Selbstläufer sein, jedoch sind bei allen denkbaren Wahlausgängen Verbesserungen der jetztigen Situation möglich.

 

 

 

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Wikidata Qualität und Quantität

Eines der Ziele des Wikidata-Entwicklungsprojektes ist eine Community, die stark genug ist, die Inhalte in Wikidata zu pflegen. Die Community ist – wie für alle anderen Wikimedia-Projekte auch – der einzige Garant für Qualität und Nachhaltigkeit.

Keines der Ziele des Wikidata-Entwicklungsprojektes ist es, die größte Sammlung von Daten im Netz zu werden. Die schiere Anzahl der Aussagen in Wikidata ist keine Metrik, die auf gesunden Wachstum oder Qualität schließen lässt. Da sie eine leicht berechenbare und verständliche Zahl ist, wird sie dennoch gerne genannt, aber wir sollten ihr nicht zuviel Bedeutung beimessen.

Das führt zu der Frage, welche Metriken denn aussagekräftig für Qualität in Wikidata sind? Und da muss ich zugestehen: wir wissen es nicht. Das mag besonders ironisch erscheinen, da meine Dissertation das Thema Qualitätsmessung von Wissensstrukturen hatte. Aber es ist nicht überraschend: die Möglichkeit, Aussagen in Wikidata zu machen, gibt es seit etwa einem halben Jahr. Die Seite ist in stetiger Entwicklung, und manche Herzstücke der Qualitätssicherung wie sie in Wikidata geplant sind, sind noch nicht entwickelt – dazu gehören zum Beispiel Ränge für Aussagen, Weblinks als Datentyp, der Schutz einzelner Aussagen und aggregierte Sichten auf die Daten. Wie man Qualität in Wikidata messbar macht, welche Metriken mit Qualität korrelieren – es wurde schlicht noch nicht hinreichend untersucht. Ich setze hier sehr darauf, dass in den kommenden Monaten und Jahren die Wissenschaft ein paar Antworten liefern wird.

Um überhaupt einen Überblick über die Entwicklung Wikidatas zu haben, müssen wir vorläufig Annahmen darüber treffen, welche Zahlen wahrscheinlich auf Qualität hinweisen. Ich will hiermit auch die Community aufrufen, Vorschläge zu machen und zu diskutieren. Ein paar erste Gedanken diskutiere ich im Folgenden.

Die Anzahl der Datenelemente (Items) scheint kein brauchbares Maß. Diese Zahl ist bislang fast ausschließlich dadurch gegeben, dass die Items für das Speichern von Sprachenlinks notwendig sind. Entsprechend gab es zunächst ein starkes Wachstum, während die Links übertragen wurden, und seit einigen Monaten ist die Zahl relativ stabil.

Deutlich aussagekräftiger scheint die Zahl der Bearbeitungen pro Seite zu sein. Die hat letzte Woche 5,0 überschritten, und steigt recht schnell. Die Zahl der Bearbeitungen alleine ist in Wikidata weniger aussagekräftig als in vielen anderen Wikimediaprojekten, da ein außerordentlich hoher Anteil der Bearbeitungen von Bots erledigt wird. Bots sind Programme, von Benutzern geschrieben, die automatisch oder halb-automatisch Änderungen vornehmen. Die Bots werden von einer Gruppe von etwa 80 Benutzern gesteuert. Das führt bei vielen Beobachtern zu dem Gedanken, dass Wikidata nur von Bots geschrieben wird. Aber das stimmt nicht: jedem Monat werden zwischen 600,000 und 1 Million Bearbeitungen durch menschliche Benutzer durchgeführt. Das sind Zahlen, die nur von den aktivsten Wikipedien erreicht werden – inklusive ihre eigenen Botbearbeitungen. Warnrufe darüber, dass Wikidatas Wachstum viel zu schnell sei und die Qualität der Daten auf der Strecke bliebe, wurden bislang, außer durch Anekdoten, nicht belegt.

Die vielleicht einfachste Metrik ist die Zahl der aktiven Benutzer. Aktive Benutzer werden in Wikimediaprojekten definiert als die Benutzer, die zumindest fünf Bearbeitungen im Monat beitrugen. Wikidata hat knapp 4000 aktive Benutzer, und ist damit mit der Japanischen und Russischen Wikipedia auf Rang 6 der aktivsten Wikimediaprojekte, nur hinter der Englischen Wikipedia, Commons, der Deutschen, Französischen und Spanischen Wikipedia. Oder anders gesagt: Wikidata hat mehr aktive Benutzer als 100 kleinere Wikipedien zusammengezählt! Wann auch immer die kleineren Wikipedien auf Wikidata zugreifen, greifen sie auf eine Wissensbasis zurück, die von einer deutlich größeren Community gewartet wird als ihre eigene Wikipedia. Aber damit erschöpft sich der Vorteil noch nicht: durch das Darstellen der Inhalte von Wikidata in den Wikipedien werden die Inhalte sichtbarer, erhalten mehr Aufmerksamkeit, und Fehler werden wahrscheinlicher gefunden (auch wenn es noch an der technischen Möglichkeit fehlt, die Fehler dann auch leicht aus der Wikipedia heraus zu korrigieren – aber auch das steht im Entwicklungsplan). Das nutzt vor allem den kleineren Wikipedien.

Aber auch die größeren Wikipedien haben jetzt schon handfeste Vorteile: eine spannende – und für mich vollkommen unterwartete – Möglichkeit zur Qualitätssicherung ergab sich, als die Englische Wikipedia entschloss, IMDB IDs nicht einfach aus Wikidata zu übernehmen, sondern vielmehr aus Wikidata zu laden, mit den vorhandenen Zahlen in Wikipedia zu vergleichen, und im Fall einer Inkonsistenz den Artikel mit einer versteckten Kategorie zu versehen. Dadurch könne gerade schwer zu entdeckende Fehler und leicht vandalisierbare Daten mit einem mehrfachen Sicherheitsnetz versehen werden: es kann ja sein, dass man einen Zahlendreher in der Englischen Wikipedia hat, oder das ein Spaßvogel in der Französischen Wikipedia die ID für Hanna Montanas neuesten Film mit der von Natural Born Killers vertauscht – aber nun werden solche Situationen schnell und automatisch erkannt. Diese mehrfach validierten Daten können dann auch mit wenig Bedenken von den kleineren Wikipedien genutzt werden.

Wie anfangs erwähnt, vieles fehlt noch, und Wikidata ist ein sehr junges Projekt. Viele der Aussagen in Wikidata stehen ohne Quelle da. Auch in der Deutschen Wikipedia hat die Aussage, Paris sei die Hauptstadt Frankreichs, keine Quelle. Verlangen wir von einem viel kleineren Projekt strengere Regeln nach so kurzer Zeit? Aber, mag man dann einwerfen, wenn eine Aussage keine Quelle hat, kann ich sie in meiner Wikipedia nicht verwenden. Und das ist vollkommen in Ordnung: es ist jetzt bereits möglich, Daten aus Wikidata nur zu übernehmen, wenn sie eine Quelle einer bestimmten Art haben.

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Qualität der Wikipedien langfristig zu sichern: Benutzer effektiver werden lassen oder mehr Benutzer gewinnen. Beide Wege sollten wir weiterhin verfolgen, und Wikidata verfolgt beide Wege sehr effektiv: die oben beschriebenen Mechanismen zielen daraufhin, den Benutzern die Mittel zu geben, mächtigere Werkzeuge und Prozesse zur Qualitätssicherung aufbauen zu lassen, gleichzeitig hat Wikidata bereits mehr als 1300 neue Benutzer zu den Wikimediaprojekten geführt, die bislang nicht in den anderen Wikimediaprojekten editierten.

Wikidatas Hauptziel ist die Wikimediaprojekte zu unterstützen: es soll eine höhere Qualität der Inhalte ermöglichen und gleichzeitig den dafür benötigten Aufwand senken. Wir brauchen mehr Metriken, die dieses Ziel erfassen, und die zeigen, wie wir uns dahingehend entwickeln. Die einfachen Metriken deuten alle darauf hin, dass der anfängliche Wachstum in der Breite seit Monaten zu einem Abschluss gekommen ist, und dass das Projekt in Tiefe und Qualität gewinnt. Es gibt nützliche Anwendungen sowohl für die kleinen wie auch für die großen Projekte. Aber es ist auch klar, dass ich ein eifriger Verfechter Wikidatas bin, damit einen Bias habe, und deswegen einen Aufruf starte, nach Möglichkeiten, Wikidatas Effekt kritisch und genau verfolgen zu können.

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Konsultation der Europäischen Kommission

Vom 30. August bis zum 22. Januar 2013 läuft ein Konsultationsverfahren der Europäischen Kommission zur Anwendung der überarbeiteten Public Sector Information Directive (Richtlinie über die Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors), die im Sommer 2013 verabschiedet wurde und in den kommenden Jahren in nationales Recht überführt werden muss.  Privatpersonen, Verbände und staatliche Einrichtungen können bei dieser Konsultation einen Onlinefragebogen ausfüllen; dieser erstreckt sich über vier Seiten. Eine gewissenhafte Beantwortung des Fragebogens ist in weniger als 30 Minuten möglich, wir bitten um rege Teilnahme.

Warum ist die PSI-Richtlinie und diese Konsultation wichtig?

Unter dem Stichwort “Open Government Data” wird nach neuen Möglichkeiten gesucht, die von der Öffentlichen Hand erstellten Werke für die Nachnutzung durch Dritte zur Verfügung zu stellen, wenn bestimmte Bedingungen (darunter Schutz von personenbezogenen Daten und Betriebs- oder Staatsgeheimnissen) erfüllt sind. Wenn beispielsweise eine Behörde eh auf der Grundlage einer Verordnung von allen deutschen Tankstellen die aktuellen Spritpreise erhebt, sind viele naheliegende Anwendungen möglich, die weit über den ursprünglichen Zweck zur Aufdeckung von Preiskartellen hinausgehen. Der Anbieter eines Navigationssystems könnte einen Autofahrer also genauso so zu seinem Ziel leiten, dass er an einer Tankstelle mit derzeit günstigen Preisen vorbeikommt. Ein schlaues Navigationssystem würde zudem schauen, ob der Mehrverbrauch für einen Umweg noch in Relation zur Ersparnis (oder gar dem zeitlichen Mehraufwand) stünde.  Überall dort, wo der Staat Werke schafft, besteht die Möglichkeit, dass diese bereits vom Steuerzahler finanzierte Arbeit auf eine zusätzliche Weise nachgenutzt werden kann, wenn es entsprechend einfachen Zugang zu diesen Werken gibt. Die Europäische Union schuf 2003 mit der Public Sector Information Directive ein Instrument, um zumindest den gleichen und geregelten Zugang zu diesen Werken bzw. das Verfahren zur Einräumung von Nutzungsrechten daran festzulegen. Mit der alten PSI-Directive war noch kein besonders starker Druck verbunden, diese Werke tatsächlich auch für jedermann für beliebige Zwecke nachnutzbar zu machen. Mit der überabeiteten Richtlinie wird Open Government Data zum Normalfall, von dessen Abweichung her es einer Begründung bedarf. So darf eine Stelle z.B. gewisse Gebühren einfordern, deren Höhe allerdings gedeckelt ist und die sich an den Kosten zur Erstellung dieser Werke orientiert.

Realistisch gesprochen ist für den weitaus größten Teil der Regierungsdaten eine Refinanzierung über den freien Markt unrealistisch. In den meisten Fällen dürfte der administrative Aufwand zur Verwertung für die Öffentliche Hand teurer sein als die zu erwartenden Gewinne. Darum ist es ein Zeichen von vernünftigem wirtschaftlichen Handeln, geeignete Daten der Verwaltung grundsätzlich kostenfrei zur rechtssicheren Nachnutzung bereitzustellen.

Wikimedia Deutschland befürwortet kurzfristig den Einsatz von Standardlizenzen wie CC-by oder CC Zero für die Einräumung von umfangreichen Nutzungsrechten an staatlichen Werken. Gleichzeitig setzen wir uns für die Reform des Urheberrechts ein, um den Kreis der nach §5 UrhG gemeinfreien Werke zu erweitern. Beide Ansätze sind nicht deckungsgleich, überschneiden sich aber in der Praxis.

PS: Die Verordnung zur Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-Kraftstoff-Verordnung) ist ein gutes Beispiel dafür, wie Open Government Data nicht geht. Ohne Not wird hier in der Verordnung und in den schriftlich fixierten Hinweisen zur Umsetzung die Nachnutzbarkeit der erhobenen Daten eingeschränkt.

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Frei wie in Freibier, Freistaat und Freies Wissen

Wir haben heute Antworten auf die Fragen in unseren Wahlprüfsteinen veröffentlicht, die wir an die in Bayern zur Landtagswahl kandidierenden Parteien verschickt haben – nebst einer kleinen Auswertung zu Inhalt und Form.

Geantwortet haben innerhalb der gesetzen Frist die Christlich-Soziale Union in Bayern e.V. (CSU), FREIE WÄHLER Bayern (FREIE WÄHLER), Freie Demokratische Partei (FDP), DIE LINKE (DIE LINKE), Piratenpartei Deutschland (PIRATEN), die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (GRÜNE), DIE REPUBLIKANER (REP) und die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP). Wenn gewünscht, haben wir auf Nachfrage zusätzliche Tage für die Beantwortung der Wahlprüfsteinfragen eingeräumt, davon haben zwei Parteien Gebrauch gemacht.

Wie in einem früheren Blogeintrag geschrieben, sind die Fragen zur Bayerischen Landtagswahl identisch zu den Wahlprüfsteinfragen, die wir am Anfang des Jahres nach Niedersachsen und quasi zeitgleich mit Bayern an die hessischen Parteien geschickt haben. Damit haben wir zum ersten Mal drei Bundesländer mit drei im gleichen Kalenderjahr stattfindenden Landtagswahlen und vergleichbarer Ausgangslage. Es galt, je zwei Fragen aus fünf Themenbereichen zu beantworten, von denen eine eher allgemein gehalten und eine andere möglichst konkret formuliert war. Im Einzelnen:

Open Data:

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“My beautiful life thanks to PLV” bei 91 Dezibel

Auf der diesjährigen Wikimania in Hongkong war die Zukunft der Wikipedia eines der großen Themen. Unter dem Titel “Imagine the Wikipedia in 2022” luden Dirk Franke und die Autorin die anwesenden Zukunftsforscher unter den Wikipedianern ein zu visionieren.

Rote Plüschsitze, goldene Tressen, Marmor und auf Hochglanz lackiertes Holz. Wir befinden uns im kühlen Jockey Auditorium der Politechnischen Universität in Hongkong. So scheint es. In Wirklichkeit ist dies die geheime Starbahn der Wikimania Zeitmaschine. Denn 10 Sekunden nach Beginn des Countdown landen geschätzt 200 Menschen im Jahr 2022.

Drei dominante Trends prägen die Online Welt: Personalisierung, Vernetzung und Visualisierung. Dabei steht Personalisierung für die tatsächliche oder scheinbare am User orientierte Ausrichtung aller IT gestützten Dienstleistungen und Produkte. Vernetzung umfasst nicht nur Personen und Institutionen, sondern auch in exponentieller Weise die Vernetzung mit dem Internet der Dinge. Ob Auto oder Fernseher, alle Dinge um uns interagieren mit uns. Sie senden Informationen, die wiederum unmittelbar auf unsere Umgebung zurückwirken. Schließlich wird das unbedingte Visualisierungsdiktat dazuführen, dass die Wikipedia in 10 Jahren 70% Bildanteil zu 30% Textanteil aufweisen und die Fähigkeit sich auf Texte einzulassen, die zwei Tweetlängen überschreiten, gegen Null tendieren wird.

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P für Personalisierung. Als einer der großen Online-trends.

Die Vision des Organisationssoziologen Benjamin Mako Hill

Das große Online Projekt in 2022 ist die NEWPEDIA. Nachdem in der Wikipedia ein siebenstufigen Wizard eingeführt wurde, dem jeder folgen muss, bevor er/sie  einen Artikel editieren darf, starteten ein paar Open Knowledge Fans ein neues Projekt: die NEWpedia. Hier kann jeder beitragen in der Art, wie er will. Die Wikipedia ist in die Bedeutungslosigkeit abgesunken und alle nutzen nur noch NEWpedia. Etwaige Parallelen zur Nupedia sind ganz zufällig.

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The Wikipedia Ltd. nach Christophe Henner

Als Reaktion auf sinkenden Spendeneinnahmen in Folge der steigenden Lebensmittelpreise nach den Turbulenzen auf den Finanzmärkten und Mißernten im Zuge der globalen Klimaveränderung beschloss die Wikimedia Foundation sich in ein kommerzielles Unternehmen umzuwandeln und verkaufte Werbeflächen in der Wikipedia. Dies war erst der Anfang des erfolgreichsten Medienunternehmens des vergangen Jahrzehnts. Im Jahr 2022 zahlt man nicht nur dafür, die Wikipedia werbefrei zu lesen, man zahlt auch dafür in der Wikipedia editieren zu dürfen, man zahlt für die Nutzung der Wikipedia und natürlich sind die Möglichkeiten der Werbung viel ausgefeilter als einfache Clips am Rande der Artikel. Der Börsengang steht unmittelbar bevor.

“Back to the Roots and have fun” meint Melissa Parisi

Die Wikipedia ist zu ihren Anfängen zurückgekehrt. Jeder kann einfach sich auf das Editieren konzentrieren, die Edit-Wars haben aufgehört und man hat einfach wieder Spaß daran in der Wikipedia mitzuarbeiten.

L für Linking up, der 2. große Online Trend. Hier dargestellt durch eine Kunstinstallation im Stromnetz von San Franzisko.

Alle Museen sind wikifiziert orakelt Glambora

GLAM Institutionen im Jahr 2022 begrüßen längst keine Besucher mehr, sondern interagieren mit Usern über die präsentierten Inhalte. Die gesellschaftliche Relevanz des kulturellen Erbes definiert sich nahezu ausschließlich über die Publikumsinteressen. Sinneserfahrungen, emotionale Narrative und Authenzitität sind zentrale Motive für einen Ausstellungsbesuch. Raumerfahrung und Kontextualisierung sind die entscheidenden Kriterien zum Erleben der Sammlungen vor Ort. Unterstützen lässt sich der emanzipierte User hierin durch einerseits seine sozialen Netzwerke, die ihm / ihr Orientierung im enormen Kultur- und Informationsangebot versprechen, andererseits durch Wissensaggregatoren wie die Wikipedia, die ihn / sie über geeignete Schnittstellen auf seine /ihre Bedarfe zugeschnittene Hintergrundinformation zum Objekt bieten. Im Netz stellt er / sie ganz individuell digitale Inhalte zusammen und generiert daraus neue Interpretationsansätze. Die Mitarbeiter der GLAM-Einrichtungen diskutieren in den jeweiligen Foren diese Interpretationen mit den Usern. Forschung im akademischen Sinne stellt nur einen Bruchteil der Arbeit dar, das Befüllen der Wikipedia Plattformen ist in das Zentrum gerückt. Entscheidend für die Wikipedia war es, dass interaktive Anwendungen sich einfach in die Wikipedia integrieren ließen.

Die Wikipedia wandert in den Untergrund glaubt Dirk Franke

In zehn Jahren editiert nur noch eine Elite tatsächlich in der Wikipedia. An der quirligen Oberfläche buhlen unzählige Apps ( ) und APIs um die Gunst des Lesers. Sie alle speisen sich aus der Wikipedia. Zum Beispiel: Bots lesen Artikelinhalte aus und lesen sie vor, wenn man etwa vor einem Denkmal steht. Den meisten Anwendern ist gar nicht bewusst, dass sie die Wikipedia-Inhalte nutzen und die meisten Wikipedia-Autoren sind darüber auch nicht unglücklich. So können sie ungestört von den immer wilderen und schrilleren Inhalten ihren Mikrokosmos der komplexen Regularien der Wikipedia pflegen. Es ist nur eine kleine Schar von Savants, die so zusagen im Keller des Wissens die Wikipedia in Reinkultur fortführen.

Stimmen aus dem Auditorium

Aus Indien: Es gibt nur noch eine Wikipedia und ein Übersetzungsprogramm für alle Sprachen dieser Welt.

Aus Hongkong: Wiki wird zum allumfassenden Lebensstil. Selbst das reale Leben ist wikifiziert.

Aus Südafrika: Der Regionalität des Wissens wird mehr Rechnung getragen und aus der Gegenwart fallendes Wissen wird multimedial in der Wikipedia konserviert.

Aus Deutschland: Wikipedia wird es zwar noch geben, aber der Bildungsaspekt wird sehr viel wichtiger sein als heute.

Aus Niederlanden: Wikipedia findet Eingang in die Grundschulen. Das Problem der nur kurzzeitig relevanten Artikel, die nicht aktualisiert werden, wird gelöst sein.

Aus Hongkong: Durch exzessives Crowd Sourcing werden alle verfügbaren Daten in die Wikipedia integriert und über entsprechende Schnittstellen so aufgearbeitet, dass ich mich über jedes Ding oder Thema meiner Wahl auf dem Niveau informieren kann, wie ich es in diesem Augenblick wünsche.

Aus den USA: Das Vorbild der Wikipedia als riesiges globales Projekt der Zusammenarbeit strahlt auf andere gesellschaftliche Bereiche aus.

Aus Deutschland: In der Zukunft werden nicht aktualisierte Artikel automatisch gelöscht.

Aus Argentinien: In zehn Jahren gibt es entweder eine chinesische Wikipedia oder gar keine mehr.

Aus Südafrika: Die Wikimedia Foundation muss gegebenenfalls in eine Region umziehen, wo Pressefreiheit wirklich garantiert wird.

Aus unbekannt: In der Zukunft können wir auch das verborgene Wissen auf den Diskussionsseiten für die Wikipedia nutzen.

V für Visualisierung. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, sprach Napoleon. Der 3. der Online Trends.

Jetzt kam der Applausometer zum Einsatz. Zwei Tendenzen standen zur Wahl.

Option A: Die Wikipedia bewahrt ihre Qualität und ihre Grundsätze.

Option B: Die Wikipedia öffnet sich. Sie wird bunt, multimedial und schließt interaktive Anwendung ein.

Ein Brausen, Trampeln, Klatschen und Johlen ließ den Staub der Ehrwürdigkeit des Jokey Auditoriums im Saal tanzen und dann stand das Ergebnis fest. 91 Dezibel wurden für die Option B gemessen. Das war doppelt so laut wie für Option A. Eine Mehrheit der Zukunftsforscher im Saal sieht die Zukunft der Wikipedia demnach in der Öffnung.

Und wie sehen Sie die Zukunft der Wikipedia? Schreiben Sie uns Ihren Kommentar oder nehmen Sie teil an der Umfrage “Predict Wikipedia’s future”.

Bildnachweise:

Bild 1: Katja Ullrich via Wikimedia Commons CC BY SA
Bild 2 Katja Ullrich vie Wikimedia Commons CC BY SA
Bild 3 Napoleon traversing the Alpes. Painting by J.L. David, Schloss 
Charlottenburg Berlin via Wikimedia Commons CC BY SA

 

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Gruselige Wikimania

Hongkong beherbergt die diesjährige Wikimania. Im folgenden Beitrag wird von der Konferenz berichtet. Es geht um Geister und um die Zukunft.

Ebenezer Scrooge (gemeinfrei, via Wikimedia Commons)

Der für mich ungewöhnlichste Vortrag der diesjährigen Wikimania begann damit, dass die Lichter gedimmt wurden. Alle Zuhörer mussten sich ganz nah an die Bühne heran setzen und zu Beginn der Präsentation kollektiv die Augen schließen. Erik Möller von der Wikimedia Foundation hatte zur Geisterstunde geladen. Er lehnte sich dabei an Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte an, in der die Hauptfigur Ebenezer Scrooge von drei Geistern heimgesucht wird. Bei Dickens zeigen die Geister jeweils Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf. Bei Möller sollte es gleich drei Mal ausschließlich um die Zukunft gehen, genauer gesagt um Wikipedia im Jahr 2040.

Der Geist der Relevanz

Die erste Zukunftsvision begann mit der Einstellung einer neuen Geschäftsführung für die Wikimedia Foundation. Und zwar im Jahr 2014. Diese neue Kraft hatte eine besondere Vorliebe für Augmented Reality, also für die erweiterte Wahrnehmung der persönlichen Umwelt durch technische Hilfsmittel. Kurz, sie oder er ließ eine Brille entwickeln, die Wikipedia-Artikel zu Orten einblendete, die man gerade sah. In einem ersten großen Schwung wurden 10.000 dieser Brillen an die aktivsten Wikipedianer weltweit verteilt.

Nun trug es sich zu, dass die Idee solcher Brillen nicht, nun ja, neu war. Parallel hatte ein gewisses Software-Unternehmen ebenfalls viel Aufwand in die Entwicklung ähnlicher Technik gesteckt. Man tat sich schließlich zusammen und konnte so weltweit erfolgreich sein. Menschen sahen überall die passenden Wikipedia-Artikel. Wenn sie etwas verbessern wollten, konnten sie das direkt per Sprachsteuerung auf der Straße tun. Tatsächlich war das alles so praktisch und einfach, dass über alles und jeden neue Artikel angelegt wurden. Nur ein Bruchteil davon entsprach den Relevanzkriterien der Enzyklopädie. Die Stammautoren wehrten sich lange gegen die aufkommende Flut, gaben aber irgendwann einfach auf. Sie verließen samt und sonders das Projekt. Zunächst tat das dem Erfolg keinen Abbruch. Ohne Relevanzkriterien wuchs Wikipedia weiter. Allerdings konnte der Bestand nicht gepflegt werden, und nach und nach sanken die Nutzerzahlen. Das gewisse Software-Unternehmen hatte zwischenzeitlich so viel Einfluss gewonnen, dass es seinen Nutzern im Jahr 2040 den simplen Hinweis schicken konnte: “Die Anwendung Wikipedia wird zum 1. Juli abgeschaltet.” Aus.

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Wikimania 2013: Wiki loves… a lot

Hongkong beherbergt die diesjährige Wikimania. In diesem Beitrag geht es um einen Workshop vor Ort zum Thema Wiki Loves Monuments (WLM). Und um eigentlich alles. 

Lusitana, CC-BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Während der Wikimania versammeln sich drei Tage lang Ehrenamtliche aus den verschiedenen Wikimedia-Projekten, Vertreter der Wikimedia Foundation, der einzelnen Länderorganisationen, Benutzergruppen etc. Sie tauschen sich über große Fragen und kleinste Details zu jedem denkbaren Thema aus, das mit den verschiedenen Projekten zu tun hat.

Etwa 40 Menschen trafen sich an Tag 1 in einem kleinen Seminarraum, um über die Zukunft von Wiki Loves Monuments[1] – so der Titel – zu sprechen. Durch die 90 Minuten führten Beat Estermann aus der Schweiz und Monica Mora aus Panama. Sie hielten es mit diesem Titel ein wenig wie das Chapters Village, das draußen vor der Tür im Freien aufgebaut ist: Dieses Village ist gar kein Dorf, sondern besteht aus vier zusammengeschobenen Metalltischen. Teilnehmer treffen sich dort während der Pausen und reden miteinander. Es gibt Infomaterial aus verschiedenen Ländern, Ansprechpartner erzählen über ihre Arbeit und die britischen Teilnehmer bieten Tee zum Gespräch an. Nichts Kompliziertes, einfach machen.

Und so haben auch Beat und Monica weder die Zukunft von Wiki Loves Monuments vorgestellt noch hinterfragt. Sie wollten einfach wissen, was Menschen aus allen Ecken der Welt darüber denken. Den Anfang machten geteilte Erfahrungen: Bei WLM werden Fotos von Denkmälern gemacht, die anschließend unter freier Lizenz in Wikipedia-Artikel eingebunden werden können. Jemand aus Israel beschrieb, dass er quer durchs Land fuhr, etwas fotografierte, und hinterher den Behörden unbekannte Denkmäler bescherte. Ein Fotograf aus Chile erzählte, es gäbe in seinem Land überhaupt nur 200 registrierte Denkmäler, aber natürlich viel mehr bewahrenswerte Objekte. Ganz ähnlich in Panama. Aus den Niederlanden gab es einen Rückblick auf die letzten WLM-Jahre, aus der Ukraine kam ein kurzes Video über den Wettbewerb Wiki Loves Earth, bei dem Naturschauplätze fotografiert werden. Beim schwedischen Wiki Loves Public Art wiederum geht es um öffentliche Kunstwerke – die oftmals gestohlen oder beschädigt werden.

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GLAM in Hongkong

Hongkong beherbergt die diesjährige Wikimania. In diesem Beitrag geht es um GLAM bzw. Kultureinrichtungen vor Ort.

Hongkong ist die schnellste Stadt der Welt, so sagt man. Hongkong hat eine hohe Luftfeuchtigkeit und Hongkong hat trotz seiner kleinen Fläche eine recht bewegte Geschichte. Vier Faktoren, die selten förderlich für die Entwicklung einer lebendigen GLAM Landschaft sind. GLAM steht auch in Hongkong für Galleries, Liberaries, Archives und Museums. Aber ich war selten in Museen, die von einem derart lebhaften Publikum besucht wurden.

 

Besucher aller Altersstufen interessieren sich für die Mitmach-Experimente im Museum der Wissenschaften in Hongkong.

 

Aber spannender fand ich als GLAM-Kuratorin die GLAM Session auf der diesjährigen Wikisym in Hongkong. Tatsächlich waren sowohl private als auch staatliche GLAM Institutionen da. Allgemein zeigte man sich interessiert, hielt sich jedoch mit konkreten Zusagen eher zurück. Ein wichtiger Aspekt sind natürlich auch hier Freie Lizenzen. Entscheidender waren die Fragen nach dem Aufbau von sinnvollen Metadatenstandards. Hier scheint man in der glücklichen Situation zu sein, dass man nicht verschiedene existierende Systeme harmonisieren muss, sondern die Chance hat, gleich von Anfang an einen gemeinsamen Standard zu entwickeln. Eine Herausforderung wird es sein, Wikipedianer aus Hongkong mit den GLAM Institutionen zusammenzubringen.

Auf der Wikisym traf ich Magdalene Lee. Sie arbeitet für die Terese Coleman Fine Arts Ltd. Diese kommerzielle Galerie hat angefangen, ihre wertvollen textilen Sammlungsstücke überwiegend aus der Qing Dynastie (1616 – 1911) zu dokumentieren. Interessanter Weise kommen die meisten Stücke nicht aus dem chinesischen Mutterland, wie man in Hongkong sagt, sondern aus USA und Europa. Herrlich farbig bestickte Mäntel von konfuzianischen Beamten des kaiserlichen Hofes, Satteldecken aus Tibet oder kaiserlich gelbe Thronpolster gelangten quasi als Souvenirs aus dem alten China in den Westen.

„Drachengewand“ eines kaiserlichen Beamten, blaues Atlasgewebe, bestickt mit Atlasstich, Knötchenstich und Anlegetechnik in Seide, „Pferdehuf-Manschetten“ und Verschluss mit Brokatborte; China, Qing-Zeit; spätes 19. Jh.; Museum für Angewandte Kunst Frankfurt am Main, Inv. Nr. 14629 (Schenkung Hermann Reich). Ein sehr ähnliches Drachengewand befindet sich auch in der Coleman Sammlung in Hongkong.

Heute, Generationen später, stehen diese „Mitbringsel“ auf Auktionen zum Verkauf und gelangen durch die Terese Coleman Ltd zurück nach China. Jedoch nicht für immer, denn die Galerie lebt vom Handel. Daher ist es besonders wichtig die gefährdeten Stücke zu dokumentieren, bevor sie wieder in privaten Besitz übergehen. Die sehr hochauflösenden und auch künstlerischen Aspekten genügenden Fotos werden bisher sehr aufwändig gedruckt oder für die Herstellung der Verkaufskataloge verwandt. Aber Magdalene würde gern eine frei zugängliche Datenbank aufbauen um damit das kulturelle Erbe tatsächlich zugänglich zu machen. Magdalene kam gleich auf die Wikimania, um sich weitere Informationen zu holen und um lokale Wikipedianer kennenzulernen, mit denen sie zusammenarbeiten kann. Die ersten Begegnungen haben bereits stattgefunden.

Die letzte chinesische Kaiserin Empress Dowager Cixi ( – ), 1890. Ein Gruß aus der Vergangenheit.

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Ihr habt gewählt! Der Wahlprüfsteineserviervorschlag zur Bundestagswahl

In der vorvergangenen Woche baten wir die Leser der Mailingliste des Vereins Wikimedia und Wikipedianer auf der Diskussionsseite des Kuriers um die Beteiligung an einer Umfrage. Wir wollten herausfinden, wie die Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl aufgebaut werden sollen, welche Themen sie umfassen sollen und welche Form sie haben sollten. Dank gilt den 51 Teilnehmern an der Umfrage und die nach unserer Einschätzung aussagekräftigen Ergebnisse. Mehrheitlich gewünscht war ein Fragenkorpus von 10 bis 14 Fragen, es sollen alle zur Wahl zugelassenen Parteien angeschrieben werden. Die Mehrzahl der Antwortenden bat um Fragen zur konkreten Umsetzung bzw. Begründung bestimmter Positionen mit hoher Konkretisierung.

Insbesondere die Themenpriorisierung lädt ein zu einer kleinen Visualisierung.

Die Rangliste der vorgeschlagenen Themen, sortiert nach Priosierung “sehr wichtig” bzw. “sehr wichtig” + “wichtig”.

Wir präsentieren daher nun unseren Entwurf für die Wikimedia-Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl. Wir wollen die finale Fassung zu Beginn der kommenden Woche an alle zur Wahl zugelassene Parteien schicken und bitten darum um Feedback, Vorschläge zur Verbesserung, allgemeine Kritik und alle sonstigen Hinweise. Es wurden insgesamt 11 Fragen, die jeweils aus einem der höchstgerankten Themen stammen. Bei zwei hochgerankten Themen (Geodaten und Verwaiste Werke) schlagen wir vor, keine Frage zu stellen, da nach den Gesetzgebungsaktivitäten der ablaufenden Legislaturperiode vorerst keine Reform- oder Änderungsdebatten zu erwarten sind und frühestens mit der Evaluation der Richtlinie zu Verwaisten Werken wieder eine solche Debatte auf breiterer Ebene geben wird. Zu diesem Vorschlag bitten wir um Euer Feedback.

Bitte verwendet dazu gerne den Kommentarbereich dieses Blogs oder schickt eine Email an: mathias.schindler@wikimedia.de. Danke.

Wahlprüfsteine Bundestagswahl 2013


Thema 1: Urheberrecht

Amtliche Werke

Artikel 2 Absatz 4 der Revidierten Berner Übereinkunft (RBÜ) erlaubt es den Vertragsstaaten, den Schutz amtlicher Texte zu bestimmen. Die derzeitige Fassung des §5 UrhG bestimmt, dass in Deutschland ein bestimmter Teil amtlicher Werke keinen Schutz genießt.

Frage 1: Befürworten Sie die Ausweitung des §5 UrhG auf alle amtlichen Werke?

Reproduktionen

In der Regel endet der urheberrechtliche Schutz kreativer Güter 70 Jahre nach Tod des Urhebers. Teilweise finden Versuche statt, den urheberrechtlichen Schutz eines Werks über seine vom Gesetzgeber vorgesehene Frist zu strecken, indem z.B. auf originalgetreue Reproduktionen zweidimensionaler gemeinfreier Vorlagen ein urheberrechtlicher Schutz nach §72 UrhG behauptet wird.

Frage 2:  Sehen Sie gesetzgeberischen Bedarf zur Klarstellung, dass durch simple Reproduktion eines gemeinfreien Werks keine neuen Rechte entstehen?

Panoramafreiheit

Das deutsche und viele andere nationale Urheberrechtsgesetze kennen die Schranke der Panoramafreiheit, welche es erlaubt Abbildungen von Werken, die sich bleibend an öffentlichen Plätzen befinden, zu vervielfältigen und zu verbreiten.

Frage 3: Wird sich eine Bundesregierung unter Ihrer Beteiligung auf europäischer Ebene dafür einsetzen, die in der Infosoc-Richtlinie (Richtlinie 2001/29/EG) verankerte Panoramafreiheit zum Zwecke der Harmonisierung obligatorisch statt wie bisher fakultativ zu machen?

Verwaiste Werke

In der abgelaufenen Legislaturperiode hat der Deutsche Bundestag die EU-Richtlinie zu Verwaisten Werken (Richtlinie 2012/28/EU) in nationales Recht überführt.

Wir stellen keine Frage, weil nach unserer Einschätzung in der kommenden Legislaturperiode noch nicht zu einer Reformdebatte kommen wird.

Thema 2: Zugang

Informationsfreiheits- und Transparenzgesetze

Seit 2006 existiert in Deutschland ein Informationsfreiheitsgesetz auf Bundesebene, das dem einzelnen Bürger den Zugang zu Informationen im Besitz der Verwaltung ermöglichen soll. 2012 erfolgte die Veröffentlichung der Evaluation des IFG.

Frage 4: Befürworten Sie die Modernisierung des Informationsfreiheitsgesetzes des Bundes bzw. die Einführung eines Transparenzgesetzes des Bundes? Wenn ja, welche konkreten Eigenschaften soll ein solches Gesetz haben?

Open (Government) Data

Open (Government) Data bezeichnet die proaktive Freigabe von Rohdaten der Verwaltung zur beliebigen Nachnutzung durch Dritte. Ausgenommen sind Daten, die aus datenschutzrechtlichen oder Geheimhaltungsgründen geschützt werden müssen. Eine Auflistung allgemein akzeptierter Kriterien für Open Data liefert die Sunlight Foundation in ihren Ten Principles for Opening Up Government Information (http://sunlightfoundation.com/policy/documents/ten-open-data-principles/)

Frage 5: Sprechen Sie sich für den Regelbetrieb des Portals govdata.de aus? Welche Fortführungsperspektive sehen Sie für Open Data-Portale des Bundes?

Geodaten

2011 und 2012 änderte der Bundestag das Geodatenzugangsgesetz (GeoZG), bzw. erließ die Bundesregierung die Geodatennutzungsverordnung (GeoNutzV), die die freie Nachnutzbarkeit von Geodaten des Bundes regelt. Wir stellen daher dieses Mal keine Wahlprüfsteinfrage, weil es derzeit keinen Anlass für Reformdebatten gibt.  Als nächstes geht es um die  Geodaten der Länder (von denen es deutlich mehr gibt). Siehe dazu die Geodaten-Fragen in unseren Landtagswahlprüfsteinen.

Thema 3: Netzpolitik

Netzneutralität

Netzneutralität umfasst unter anderem die Gleichbehandlung von Daten im Internet ohne Benachteiligung oder Bevorzugung bestimmter Diensteanbieter. Vor einigen Monaten kündigte ein großer Serviceprovider an, verstärkt durch Verträge über managed services einzelne Dienste in der Übertragung zu priorisieren.

Frage 6:  Sehen Sie im bestehenden § 41a TKG eine hinreichende Grundlage, um über eine Verordnung Regeln zur Sicherung der Netzneutralität aufzustellen? Wenn ja, wie sollen diese Regeln aussehen? Wenn nein, welche Änderung des TKG schlagen Sie vor?

Netzsperren

Zum Anfang der Legislaturperiode kam es zuerst zur Nichtanwendung, später zur Aufhebung des noch jungen Zugangserschwerungsgesetzes. Gleichzeitig wurde über die Errichtung von Netzsperren im Rahmen der Regulierung von Glücksspiel oder zum Jugendmedienschutz diskutiert. Unterschiedliche Formen der Sperrung von Netzzugängen sind ebenfalls Thema in internationalen Verhandlungen, unter anderem zur Durchsetzung von Immaterialgüterrechten.

Frage 7:  Wie beurteilen Sie den Erfolg der  nach der Aufhebung des Zugangserschwerungsgesetzes im Dezember 2011 durch die Bundesregierung beschlossenen Strategie “Löschen statt Sperren”? Fallen Ihnen Arten von strafbaren oder unerwünschten Inhalten ein, deren Zugang Ihrer Ansicht nach durch technische Hürden erschwert werden soll?

Datenschutz / Digitale Privatsphäre

Spätestens seit 2007 werden zumindest im Rahmen des NSA-Projekts XKeyscore auch (in internen Präsentationen wird dies hervorgehoben) Lesevorgänge in Wikipediaartikeln überwacht. Die Internetverkehrsdaten dazu stammen aus mehr als 150 Netzknoten, darunter solchen in Europa, inklusive Deutschland. Nach Presseinformationen wurde auch deutschen Behörden der Zugriff auf XKeyscore gewährt.

Frage 8:  Wird eine Bundesregierung unter ihrer Beteiligung die gesetzlichen Vorgaben (beispielsweise im BKAG, BVerfSchG, BNDG) dahingehend ändern, dass es deutschen Behörden untersagt wird,  Lesezugriffe auf Wikipedia durch Bürger zu überwachen?

Thema 4: Bildung

Open Access

Open Access bei wissenschaftlichen Texten bezieht sich auf ein Lizenzierungs- und Veröffentlichungsmodell, das den kostenfreien Zugang und bestimmte Formen der legalen Weiternutzung und Verbreitung gestattet.

Frage 9:  Wie beurteilen Sie den aktuellen Zugang der Allgemeinheit auf Forschungsergebnisse und Publikationen, die direkt oder indirekt mit staatlicher Unterstützung erstellt wurden? Befürworten Sie gesetzliche oder andere Maßnahmen, den legalen, dauerhaften Zugang zu verbessern?

Kulturelles Erbe

Seit November 2012 ist eine Vorschauversion der “Deutschen Digitalen Bibliothek” (DDB) online, die anteilig von Bund und Ländern finanziert wird. Das Portal ist als deutscher Beitrag zum europäischen Vorhaben Europeana gedacht und aggregiert derzeit noch eine verhältnismäßig kleine Zahl an Kataloginhalten und Vorschaubildern aus deutschen Kultureinrichtungen. Im Gegensatz zu Europeana gibt es keine Verpflichtung für teilnehmende Einrichtungen, die Objektmetadaten oder gar die Objekte selbst zur Nachnutzung freizugeben.

Frage 10:  Befürworten Sie die Einführung eindeutiger Vorgaben zur freien Lizenzierung aller digitalen Objekte im DDB-Bestand statt wie bisher nur die optionale Freigabe der entsprechenden Objektmetadaten?

Open Educational Resources

Open Educational Resources (OER) sind der allgemeine Begriff für solche Lehrinhalte, die von ihren Rechteinhabern zur Nachnutzung freigegeben worden sind und legal auch von Dritten verbreitet, modifiziert und veröffentlicht werden dürfen. Im Juni 2012 veröffentlichte die UNESCO in ihrer Pariser Erklärung die Aufforderung an Mitgliedsstaaten, OER-Strategien zu entwickeln und umzusetzen.

Frage 11:  Welche konkreten – die Prinzipien des Föderalismus berücksichtigenden –  Maßnahmen wird eine Bundesregierung unter Ihrer Beteiligung durchführen, um die Erstellung und Verbreitung von Lehr- und Lernmitteln unter Freier Lizenz (OER) im Bildungsbereich zu fördern?

 

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Ein Mann, ein Ort: Dimitar Dimitrov ist “Wikimedian in Brussels”

1st Wikimedian in Brussels (sailing at Neusiedlersee), Foto: dimi_z, CC-BY-SA 3.0

Wikpedianer sind immer auch Botschafter. Ob sie nun Enzyklopädieartikel erstellen oder Kulturdenkmäler fotografieren – immer repräsentieren sie damit als Individuen zugleich auch die große, gemeinsame Idee: die des Freien Wissens. Manche Wikipedianer beteiligen sich sehr umfassend an den Wikimedia-Plattformen, beraten Hilfesuchende im Support-Team, diskutieren auf Spezialseiten Urheberrechtsfragen oder kommentieren Policy-Richtlinienentwürfe der WMF. Und wieder andere Wikipedianer denken darüber nach, wie man denn die politischen und gesetzgeberischen Voraussetzungen dafür verbessern könnte, dass noch viel, viel mehr kulturelle und staatliche Werke frei verfügbar werden. Ein solcher Botschafter des Freien Wissens ist Dimitar Dimitrov. Er arbeitet im Epizentrum der europäischen Politikmaschinerie, in Brüssel. Und die gute Nachricht ist – er tut dies für uns.

Dimi, so sein bevorzugter Ruf- und Autorenname, kam über verschlungenen Wegen in die belgische Hauptstadt. Seine Biografie, die viel mit Ortswechseln zwischen europäischen Hauptstädten zu tun hat, macht ihn zu einem natürlichen Kosmopoliten. Neben der bulgarischen Muttersprache spricht er auch Englisch und Deutsch fließend, Französisch eignete er sich en passant an. Dies ist auch unerlässlich, um im babylonischen Sprachgewirr der EU-Institutionen zurecht zu kommen und sich Zugänge zu erschließen.

Harte Fragen statt halbgarer Lösungen

Dimi und WMDE fanden durch Zufall zueinander. Während der deutsche Verein gerade seine “Roadmap nach Brüssel” vorlegte, bastelte Dimi bereits im Stillen an einer Seite auf Meta, die in neuer Dringlichkeit darauf hinwies, wie notwendig ein verbessertes Monitorung der Brüsseler Abläufe für den gesamten Wikimedia-Verbund doch sei. Die weitgehende Untätigkeit bei der Urheberrechtsharmonisierung in dieser europäischen Legislaturperiode, die im Ergebnis zu einer ärgerlichen Schutzfristverlängerung und einer halbgaren Lösung für die Nutzung verwaister Werke führte, bedeuteten einen zusätzlicher Antrieb, endlich von der Theorie (“Man müsste mal…”) zur Praxis überzugehen. So kamen wir schnell überein, im April zu einem internationalen Treffen einzuladen, das Dimi hervorragend organisierte und das den Startschuss für die selbsternannte “Free Knowledge Advocacy Group EU” bildete.

Hinter dem Titel verbirgt sich eine virtuelle Gemeinschaft von einigen Wikimedianern aus unterschiedlichen europäischen Ländern, die vornehmlich an politischen Themen arbeiten, die einen direkten oder indirekten Einfluss auf die Rahmenbedingungen unserer Plattformen haben:

  • Wie kann der Unternutzung kultureller Werke durch eine “digitalisierungsfreundlichere” Gesetzgebung begegnet werden?

  • Welche im staatlichen Auftrag erhobenen Daten oder produzierten Dokumente sollte man vom Urheberrechtsschutz ganz ausnehmen?

  • Wie könnte eine für Fotografen leicht nachzuvollziehende Panoramafreiheit aussehen, die noch dazu in allen EU-Mitgliedsländern gleich gehandhabt wird?

  • Gibt es – auch angesichts von PRISM – den Bedarf, Datenschutz als Abwehrrecht gegenüber staatlicher Schnüffelei und kommerzieller Verwertung noch stärker auszugestalten?

  • Wie schärfen wir das allgemeine Bewusstsein für Netz-Intermediäre wie Wikipedia, die von Regulationen mitbetroffen sind, die z.B. auf eine verschärftere Haftung privatwirtschaftlicher Betreiber abstellen?

Diese Fragen – vielleicht abgesehen vom Datenschutz – sind gegenwärtig keinesfalls ganz oben auf der Agenda des Politikbetriebs. Es sind aber UNSERE Anliegen, die wir mittelfristig mit viel Geduld und klugen Aktionen bekannter machen möchten. Dabei ist es unerlässlich, Termine mit Beamten aus Generaldirektionen oder Ausschussvertretern des Europaparlaments wahrzunehmen, Stakeholder-Dialoge zu besuchen und die manchmal sehr komplexe Timeline der legislativen Abläufe im Auge zu haben. Eine der erste Maßnahmen, die Dimi eingeleitet hat, ist deshalb die monatliche Veröffentlichung eines kurzen Monitoring-Berichts auf der Mailingliste advocacy_advisors. Durch solch einen Botschafter, der nicht nur nach Außen agiert, sondern vor allem einen Informationsfluss zwischen Freiwilligen, Chapter-Angestellten etabliert, möchten wir eine bessere Grundlage schaffen, um gemeinsam Positionen zu erarbeiten, die in Brüssel Gehör finden. Dies ist sicherlich ein langer, mühevoller Weg – aber wir freuen uns darauf, ihn gemeinsam mit euch zu beschreiten.

Politische Arbeit ist Informationsverarbeitung

Denn mithelfen und sich einbringen kann wirklich jede/r. Ob man nun als Advocacy Advisor auf der entsprechenden Mailingliste seine Expertise preis gibt, für die inhaltlichen Task Forces Infoflyer erstellt oder in den jeweiligen Monitoring-Dossiers (z.B.: Netzneutralität) hilft, kurze Zusammenfassungen von Reden oder Reports zu schreiben – alles bringt uns voran. Politische Arbeit ist im wesentlichen Informationsverarbeitung und Schreibarbeit.

Daneben würde auch die Programmierung kleiner Tools helfen. Ein benutzerfreundlicher, kollaborativer Kalendar für Meta (mit Google-Funktionalitäten, aber free & open Wikicode) würde die alltägliche Arbeit enorm erleichtern. Auch ein Crawler, der die Mitglieder der jeweiligen Ausschüsse im Europaparlament samt Namen und Emails in Tabellen oder WP-Artikel rüberkopiert, wäre mehr als nur nützlich.

Bei einem jener hochprozentigen Biere, denen man bei einem anständigen Brüsselbesuch kaum ausweichen kann, sprach Dimi scherzhaft aus, was eigentlich der treffendere Name für die EU-Arbeitsgruppe wäre: “Wikimedia European Action System for Enthusiastic Lobbying” (W.E.A.S.E.L). Das Akronym passt wie die Faust aufs Auge. Denn ganz so, wie uns der entsprechende Wikipedia-Artikel den Nager präsentiert, stellen wir uns nämlich die Arbeit der nächsten Jahre vor: beharrlich, geschickt und ohne jede Beißhemmung.

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