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Archiv für die ‘Freies Wissen’ Kategorie



Citizen Science oder der Versuch dies zu übersetzen

Die Leibniz-Gemeinschaft (vollständigWissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e. V.) ist ein Zusammenschluss deutscher Forschungsinstitute unterschiedlicher Fachrichtungen. Schreibt die Wikipedia. Letzten Donnerstag und Freitag fand das Kick-Off zum Forschungsverbund Science 2.0 der Leibniz Gemeinschaft in Hamburg statt. Der Forschungsverbund, zu dem Wikimedia Deutschland (WMDE) auf Initiative von Dr. Daniel Mietchen eingeladen wurde, fokussiert die Fragestellung, wie Web 2.0 Konzepte in wissenschaftlichen Forschungs- und Publikationsprozesse integriert werden. 26 Forschungsprojekte stellten sich an zwei Tagen vor. Dr. Nils Weichert, Bereichsleiter für WMDE Bildung und Wissen, Dr. Daniel Mietchen, Wikimedian, und ich als  Kuratorin für Kulturpartnerschaften loteten in vielen dieser Projektrunden mögliche Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit aus. Zwei Projekte, die ich besonders spannend fand: Das Projekt des ZEW Mannheim widmet sich der Fragestellung “Ökonomie- und Sozialwissenschaften in der Wikipedia”. Es untersucht zehntausende von Artikeln über ihre Entstehung, Vernetzung und Dynamik und wie stark Ökonome und Sozialwissenschaftler der Leibnizinstitute selbst als aktive Editoren in der Wikipedia agieren. Das Projekt Scholarlib der GESIS Sozialwissenschaftler will ganz bewusst Bedingungen schaffen, um Soziale Netzwerke mit wissenschaftlichen Inhalten aus Fachportalen stärker  zu verschränken. Hier könnten Wikimediaprojekte auf beiden Seiten eine Rolle einnehmen, sowohl als soziales Netzwerk als auch als Wissensportal. Alle Projekte hier aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Lizensierungsfragen gehörten zu den wiederkehrende Fragen. Oft fiel der Begriff Citizen Science. Ist Wikipedia Citizen-Science per se? Warum greifen Übersetzungen wie Bürger-Forschung oder Zivil-Wissenschaft nicht, was wäre die adäquatere Übersetzung? Ist die Wikipedia ein wissenschaftliches Publikationsmedium? Und wer zitiert wann in seinen wissenschaftlichen Arbeiten die Wikipedia?

Warum sind diese Fragen wichtig für uns? In der Zusammenarbeit mit dem Forschungsverbund Science 2.0 können wir viele nach wie vor  bestehende Fehleinschätzungen der Wikimedia-Projekte korrigieren, wir können werben für einen freien Zugang und die offene Weiternutzung der Ergebnisse aus den Forschungsprojekten des Verbundes, aber  auch generell für eine Open Access Policy mit einer dezidierten freien Weiternutzung der Forschungseinrichtungen  werben. Und wie die obigen Fragen zeigen, können wir in der Auseinandersetzung auch lernen, uns aus anderen Perspektiven zu sehen und unsere Projekte fortzuentwickeln. Wir haben in Hamburg vereinbart, dass wir  einen Kooperationsvertrag anstreben. Kernstück soll ein Wikipedian in Residence als zentraler Vermittler zwischen den Forschungsinstituten und Kultureinrichtungen der Leibniz Gemeinschaft und den Wikipedia-Communities sein.

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Nach der Residence durch die Republik

Nach der stressigen Zeit als Resident hatte ich auf ein wenig Ruhe gehofft, doch so funktioniert Wikipedia bekanntlich ja nicht. Nach der Rückkehr aus Istanbul ging es relativ schnell mit den nächsten Terminen weiter. Vielfach ergeben sie sich mittlerweile aus der Tätigkeit als “WiR”, resultieren aber auch noch von der Tagung “Wikipedia trifft Altertum” oder von anderen Kontakten.

Academia Baltica

Als erstes war ich Mitte Dezember zu einer Tagung der Academia Baltica eingeladen. Vertreter der Akademie wurden gerade durch die Berichterstattung zum “Wikipedian in Residence” auf mich aufmerksam und so fuhr ich nach Plön in Schleswig-Holstein. Dort wurde diskutiert, wie man das anstehende “Ostseeprojekt” präsentieren sollte. Eine der Möglichkeiten, über die nachgedacht wird, ist dies im Rahmen der Wikipedia zu tun. Somit stellte ich Wikipedia  vor und gab ihnen einen Blick hinter die Kulissen, vor allem mit einem Schwerpunkt auf der internen Qualitätssicherung. Die, wie hinterher zurecht angemerkt wurde, weniger eine Qualitätssicherung denn eine Abfolge von Rettungsaktionen ist. Für Wikipedia wäre die Einbindung der Ergebnisse des Ostseeprojektes sicher äußerst positiv, der qualitative Gewinn wäre ohne Zweifel immens. Und auch das Ostseeprojekt würde durch die vielen zuarbeitenden Hände und beispielsweise auch die internen Verlinkungen dabei gewinnen.

Auch andere Formen der Darstellung wurden gezeigt, etwa das “Virtual Shtetl“, das “Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa“  und nicht zuletzt optisch sehr beeindruckend das “Institut für Raumdarstellung“. Der international besetzte Workshop fand in einem vergleichsweise kleinen Rahmen statt, der zu einer aktiven Diskussion einlud, an der auch ein Fachfremder wie ich folgen und teilnehmen konnte. Interessant ist sicher auch für die Wikimedia-Projekte, dass die Zeit nicht stehen bleibt und die veraltete Infrastruktur im Projekt leider langsam zu einem großen Hemmschuh der Entwicklung wird. Andere Projekte sind schon sehr viel weiter, fairerweise muß man aber auch sagen, dass diese meist einen weitaus kleineren inhaltlichen Fokus haben. Mit Entwicklungen wie Wikidata und dem für die Jahresmitte angekündigten “What-you-see-is-what-you-get-Editor” schafft Wikipedia aber hoffentlich wieder einen großen Sprung nach vorn.

Mainz und Wiesbaden

Marcus Cyron, CC-BY-SA 3.0

Danach folgte erst wieder im Januar der nächste Termin. Bei meinen ersten Veranstaltungen als Resident habe ich mehrfach Patrick Schollmeyer, den Kurator der Kunstsammlung der Universität Mainz getroffen, der mich zu einer Lehrveranstaltung einlud, in der ich einmal mehr die Wikipedia, dieses Mal mit einem Schwerpunkt auf der Archäologie und Kunstgeschichte, vorstellte. In der Veranstaltung sollte auf die Möglichkeiten der “Neuen Medien” in den angesprochenen Disziplinen eingegangen werden. Dabei mussten zwei Aspekte besonders deutlich heraus gestellt werden: Wikipedia ist weder ein Ort um reich und berühmt zu werden, andererseits ist es ein Ort, an dem man einer sehr großen Leserschaft wichtige Themen näher bringen kann. Ein glücklicher Zufall war, dass am Abend dieses Tages die Antikensammlung der Universität wieder eröffnet wurde und ich an der Veranstaltung teilnehmen konnte. Besonders freute mich, dass ich auf diesem Wege einmal Elke Böhr kennenlernen durfte, die mit ihren Forschungen zur attischen Vasenmalerei und insbesondere zum Schaukel-Maler bekannt wurde.

Kleines Schmankerl am Rand: Im ganzen Gebäude der Universität hingen Aushänge mit einem Hinweis auf ein Rededuell zwischen Studenten und Professoren, bei dem es darum ging, ob Wikipedia Weltkulturerbe werden solle. Wie das ausging kann man im Wikipedia-Kurier nachlesen.

Kurzfristig ergab sich Tags darauf noch ein weiterer Termin mit Reinhard Dietrich, Referatsleiter Denkmalschutz, Kulturgutschutz, UNESCO-Welterbe und Rechtsangelegenheiten im Kulturbereich im Hessischen Ministerium für Wissenschaft. Reinhard Dietrich, selbst aktiver Wikipedianer, wollte ursprünglich zu “Wikipedia trifft Archäologie” nach Berlin kommen, doch wurde die Veranstaltung bekanntlicherweise inhaltlich etwas verändert und um mehrere Wochen verschoben. Somit sprachen wir etwa über die für Herbst angedachte, bis dann neu konzipierte Veranstaltung “Wikipedia trifft Archäologie”, aber auch über die Strukturen in der Wikipedia und Aktionen wie “Wiki Loves Monuments” und die Grenzen, die selbst er als Referatsleiter hier hat. Eigentlicher Entscheidungsträger ist nämlich das Landesdenkmalamt, das jedoch – und das zum Teil aus nachvollziehbaren Gründen – etwa mit ihren Daten nicht immer so offen umgeht, wie sich die Wikimedia-Comunity das wünschen würde. Dennoch ist es sicher für Wikipedia alles andere als schädlich einen Mitarbeiter und Freund in einer solchen Position zu wissen.

HTW Berlin

Letzte Woche folgte auf Einladung von Dorothee Haffner an der HTW Berlin die nächste Einführungsveranstaltung in die Wikipedia. Die Verbindung zu Frau Haffner entstand schon im Mai 2012 bei der MAI-Tagung (MAI = Museums and the Internet) in Leipzig. Zwischen 20 und 30 Studenten der Museumskunde und ich hatten drei Stunden Zeit für einen Blick “hinter die Kulissen” der Wikipedia und zudem auch eine praktische Einführung. Spätestens bei solchen Veranstaltungen merkt man, dass das Leben als Neuwikipedianer heute doch nicht mehr so leicht ist wie 2005 als ich begann. Dennoch kamen wir vergleichsweise rasch vorwärts und ich denke und hoffe, dass bei vielen der Studenten die Grundlage gelegt wurde, zumindest theoretisch in der Wikipedia aktiv sein zu können. Fast obligatorisch war in der Diskussion die Auseinandersetzung mit den internen Relevanzkriterien. Manchmal ist es wirklich schwer zu erklären, warum nicht jede Garagenband einen Wikipedia-Artikel bekommen kann. Alles in allem war es aus meiner Sicht eine äußerst erfreuliche und ergiebige Veranstaltung.

Überlegungen

Was bleibt nach diesen Terminen, die in ihrer Ähnlichkeit doch alle unterschiedlich waren? Wikipedia “sickert” immer mehr und immer direkter in die verschiedenen Institutionen. Selbst wenn man Wikipedia nicht mag, kommt man mittlerweile schwerlich an ihr vorbei, ja selbst ein Engagement erscheint immer öfter als sinnvoll und wünschenswert. Vielfach weiß man aber noch nicht, wie das am besten geht. Hier müssen wir ansetzen. Ein für mich immer wieder interessanter Fakt: Die Kritik aus “der Wissenschaft” erfolgt häufig nicht zuletzt deshalb, weil man an Wikipedia den Anspruch stellt, den man auch an Fachlexika stellt, quasi das unterstellt, was Wikipedia ja immer verneint zu sein: zitierfähige Sekundärliteratur. Manchmal sind wir dem näher als wir es selbst glauben. Der Respekt für Wikipedia und die bisherige Leistung ist mittlerweile so groß, dass daraus auch Ansprüche an das Projekt erwachsen, die für die Autoren eigentlich bislang fremd waren. Wir sind schlicht so gut, dass die Ansprüche und Maßstäbe, die an uns angelegt werden, mittlerweile auch sehr hoch sind.

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CC PLAY – Das 20. Jahrhundert zum Puzzeln

Im Internet lagert ein Schatz. Hunderttausende von historischen Bildern – verschlagwortet, hochgeladen und dann meist vergessen. Marcus Bösch, einer  der Gewinner im WissensWert-Ideenwettbewerb 2011, will das mit dem digitalen Puzzle-Spiel CC PLAY ändern. CC PLAY ist kostenlos, webbasiert und speist sich aus mehreren tausend Bildern des Bundesarchivs, die mit Informationen der deutschsprachigen Wikipedia verknüpft wurden. 

CC PLAY, The Good Evil via Flickr, CC-BY
CC PLAY, The Good Evil via Flickr, CC-BY

“Spielerisch erfahrbar werden so weite Teile der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Historische und nicht ganz so historische Momente: Vom Hitlerputsch 1923 bis zur Birkensafternte in Colditz 1985. Egal ob Bangemann, Wehner oder Wischnewski – alle mit dabei. Nur eben ein bisschen durcheinander.

CC PLAY wird so zu einem historischen Foto-Puzzle mit angeschlossener Infothek für unterwegs. Egal ob Smartphone, Tablet oder klassischer PC, durch die HTML5-basierte Umsetzung lässt sich das Spiel ohne ergänzende Plugins in allen modernen Webbrowsern ausprobieren.

CC PLAY ist Preisträger des Wettbewerbs WissensWert und wurde von Wikimedia Deutschland e.V. finanziell unterstützt. Alle eigenen und alle verwendeten Inhalte stehen unter freien Lizenzen und können weiterverwendet werden. Möglich gemacht hat das unter anderem eine Kooperation von Bundesarchiv und Wikimedia aus dem Jahr 2008.”

Besonders erfreulich ist außerdem, dass die Entwicklung von CC PLAY für Marcus einer der Beweggründe war, weiter zu machen und direkt ein kleines Game Studio zu gründen: Gemeinsam mit Linda Kruse rief er im Januar 2013 die the Good Evil GmbH ins Leben, die sich auf die Produktion von so genannten Serious Games konzentriert – digitalen Spielen die nicht ausschließlich der Unterhaltung dienen.

Viel Spaß beim Puzzlen!

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Kulturaffin und weitgereist: Lilli Iliev verstärkt Bereich Politik & Gesellschaft

Lilli Iliev, Bild: Katja Ullrich, CC-BY-SA 3.0

Wir freuen uns sehr, Lilli Iliev als neue Mitarbeiterin bei Wikimedia Deutschland e.V. zu begrüßen. Um unsere Kooperationen im kulturellen Sektor und den Kontakt zum Politikbetrieb weiter auszubauen, wird Lilli zukünftig als Projektassistentin den Bereich Politik & Gesellschaft unterstützen. Zusammen mit Barbara Fischer wird sie die GLAM-Aktivitäten betreuen und sich etwa durch Recherchen und redaktionelle Tätigkeiten beim Ausbau der politischen Kontakte im Inlands- und EU-Kontext beteiligen.

Lilli ist Absolventin der Studiengänge Kulturwissenschaften und Literatur-Ästhetik-Philosophie. Sechs Jahre lang arbeitete sie als persönliche Assistentin der Vorsitzenden des Kulturausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus.

Zuletzt war sie bei irights.lab Kultur an der Organisation der Konferenz „Zugang gestalten! Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe“ beteiligt, die im Oktober 2012 in Kooperation u.a. mit Wikimedia Deutschland e.V. stattfand. Durch ihre langjährige Tätigkeit im kulturpolitischen Bereich sowie durch verschiedene Praktika, etwa im Goethe-Institut Sofia und in der Kulturabteilung der Deutschen Botschaft in Moskau, hat Lilli einen guten Überblick über die Breite der Kulturlandschaft und kennt die Arbeitsweisen unterschiedlicher Kulturinstitutionen. Über deren Perspektive auf die Free-Culture-Bewegung sagt sie:

Die Skepsis vieler etablierter Kulturinstitutionen gegenüber einer digitalen Öffnung ist häufig  größer als die Wahrnehmung der sich bietenden Chancen, die sich durch sie auch für die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit des eigenen Hauses bieten.

Wer mit Lilli direkt in Kontakt treten möchte, kann dies lilli.iliev@wikimedia.de tun.

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Flachland der Einigkeit: Die Wahlprüfsteinantworten aus Niedersachsen

Wikimedia Deutschland veröffentlicht heute die Antworten von sechs Parteien, die am 20. Januar 2013 zur Wahl eines neuen Landesparlaments antreten. Wir wünschen allen eine spannende Lektüre und möchten hier kurz die Highlights der Antworten und unsere Einschätzung aufschreiben. Wir bedanken uns bei bei allen, die durch ihre Mitarbeit zur inhaltlichen Qualität der Fragen beigetragen haben und bei den Parteien für ihre Beantwortung.

Nach der Veröffentlichung der Fragenentwürfe am 10. Dezember 2012 haben wir das eingehende Feedback eingearbeitet und am 14. Dezember die Fragen an die elf kandidierenden Listen verschickt. Unser inhaltlicher Schwerpunkt war diesmal einzig der Themenkomplex “Staatliche Werke”. Darunter fassen wir übrigens auch die gebührenfinanzierten Inhalte des faktisch (im Falle des ZDF nicht immer praktisch) staatsfernen Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks. Diese Fragen werden uns im Jahr 2013 auch bei den voraussichtlich zwei weiteren Landtagswahlen, Bayern und Hessen, begleiten.  Alle drei Bundesländer gehören derzeit noch zur Gruppe der Schlusslichter, wenn es um die Informationsfreiheit im Land angeht, es handelt sich zudem um bevölkerungsreiche Bundesländer unter schwarz-gelber Landesregierung.

  1. Open Data-Portal, verpflichtende Mindeststandards: In gewissen Abstufungen und mit unterschiedlicher Verbindlichkeit bejahen alle Parteien den Gedanken von Open Data, zumindest FDP, Linke, Piraten, SPD und Grüne beziehen sich zustimmend auf die von uns erwähnten Sebastopol-Kriterien, von denen eine Bedingung die Verwendung Freier Lizenzen ist. Die Veröffentlichung von unfrei lizenzierten Inhalten, wie es derzeit in vielen als “Open Data” gelabelten Portalen leidige Praxis ist, wird in der Regel als unerwünsche, zeitlich begrenzte und mit Begründungsaufwand versehene Notlösung angesehen, zusammengefasst “Lieber unfrei veröffentlichen als gar nicht”. Nach unserer Einschätzung müsse es in jeder denkbaren Regierungskonstellation nach den Wahlen möglich sein, ein Open Data-Portal zu starten, in dem Inhalte abgelegt und unter freien Lizenzen veröffentlicht werden.
  2. Lizenzpolitik staatlicher Werke, die NICHT schon wegen §5 UrhG gemeinfrei sind: In der Beantwortung dieser Fragen lässt sich ein gewisser Gesprächsbedarf bereits schon zu den Begrifflichkeiten ablesen. Gemeinfreie Werke sind Werke, die nicht urheberrechtlich geschützt sind. Eine Freigabe dieser Werke unter einer freien Lizenz wie beispielsweise Creative Commons ist überflüssig, aber auch unschädlich. Auf unsere Frage, wie die Landesregierung urheberrechtlich geschützte Werke des Staates, die nicht schon wegen §5 UrhG gemeinfrei sind, freigeben möchte, erhalten wir nicht nur von der FDP eine Antwort, die das Problem verkennt. Enttäuschend ist hier die Antwort der CDU, weil sie schlechterdings auf die gestellte Frage gar nicht direkt eingeht. Eine künftige Landesregierung wird aber ebenso in den meisten denkbaren Konstellationen ausgehend von den Antworten auf unsere Frage in der Lage sein, mehr staatliche Werke als bisher durch Verwendung Freier Lizenzen für Dritte nachnutzbar zu machen.
  3. Neuformulierung §5 UrhG:  Wir haben auf unsere Frage nach einer Bundesratsinitiative zweimal positive, zweimal abwartende und zweimal ablehnende Antworten erhalten. Im Jahr 2013 arbeiten wir daran, den Reformbedarf des §5 UrhG für Amtliche Werke deutlicher herauszuarbeiten.
  4. Freie Lizenzen im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk: Das Ausmaß an Zustimmung zur Verwendung Freier Lizenzen für Inhalte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks überrascht uns positiv, auch von der CDU gibt es eine Aussage, einer Prüfung offen gegenüberzustehen. Die Antwort der FDP lässt offen, wie sie zur Frage nach Freien Lizenzen steht, auch wenn es natürlich ein zulässiger Anlass war, auf die Staatsferne des ÖR hinzuweisen. Grüne, SPD, Piraten und Linke bieten eine klare Pro-Stimme, zusammen mit den richtigen Hinweisen auf diverse Hürden bei der Umsetzung, die es zu klären gilt. Eine künftige Landesregierung wird abgesehen durch gesetzgeberische Maßnahmen im Land und in Gemeinschaft der Länder den politischen Willen für Freie Lizenzen im Rundfunk artikulieren können, abhängig von den Mehrheitsverhältnissen nach der Wahl.
  5. Depublikationspflicht: Unsere geschlossene Frage wird von den Parteien jeweils eindeutig beantwortet: Piraten, Grüne, Linke und SPD sind gegen die Depublikationspflicht, FDP und CDU halten an ihr fest.
  6. Informationsfreiheits-/Transparenzgesetz: Die Antworten haben uns in ihrer Deutlichkeit und Detailliertheit erfreut und überrascht. Mit Ausnahme der CDU sprechen sich alle Parteien für ein eigenes Informationsfreiheits- bzw. Transparenzgesetz auf Landesebene aus. Es gibt in dieser Fünfergruppe sogar einen möglichen Konsens über die jeweiligen Stellschrauben bis hin zum Transparenzregister. Bereits nach den aktuellen Mehrheitsverhältnissen im Landesparlament vor der Wahl hätte es also ein Informationsfreiheitsgesetz geben können. Wir haben große Hoffnungen, dass eine der ersten Handlungen einer künftigen Landesregierung (gleich welcher Konstellation) die Einführung eines Transparenzgesetzes sein wird.
  7. Nachnutzungsrechte für freigegebene Dokumente: Alle Parteien außer der CDU befürworten eine solche Klarstellung, von einigen Parteien gab es kleinere Einschränkungen.
  8. OER-Modellversuch aus Nordrhein-Westfalen: Auch hier waren wir von dem Ausmaß der positiven Rückmeldungen erfreut und überrascht, eine künftige Landesregierung wird entweder selbst entsprechende OER-Initiativen starten können oder ihre Kräfte mit der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen bündeln können.
  9. Luftbilder/Orthofotos: Konsens ist ein häufig zu leichtfertig gebrauchtes Wort, in diesem Fall haben wir keine Probleme, es zu verwenden. Eine künftige Landesregierung wird keine Probleme bekommen, im Parlament Zustimmung zur Freigabe der landeseigenen Luftbilder und Orthofotos zu erhalten.

Was sind unsere nächsten Schritte? Zuerst sind die Wählerinnen Niedersachsens am Zug. Sie bestimmen am 20. Januar die Machtverhältnisse im Landtag von Hannover. Im Hinblick auf unsere Ziele als Verein für das Jahr 2013 werden wir mit jeder Fraktion des künftigen Landtages das Gespräch suchen und um Unterstützung für unsere Anliegen werben. Für Eure Unterstützung, Kritik, Mithilfe, Aufmerksamkeit sind wir dabei natürlich sehr dankbar.

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Wikimedia Commons erreicht Meilenstein von 15.000.000 freien Mediendateien

Peter Weis hat diesen Beitrag im Blog der Foundation gepostet und mit seiner und der freundlichen Erlaubnis der CC-BY-SA übernehmen wir den deutschsprachigen Text hier bei uns. Vielen Dank!

Tropical Depression Seventeen-W on August 14, 1996 (PD)

Am 4. Dezember hat Wikimedia Commons, das freie Medienarchiv, den Meilenstein von 15 Millionen Mediendateien erreicht. Der fünfzehnmillionste Upload zeigt ein Bild des tropischen Tiefdruckgebietes Seventeen-W, Teil eines tropischen Wirbelsturms, der sich in der Pazifischen Taifunsaison 1996entwickelte.

Die Aufnahme stammt von der United States National Oceanic and Atmospheric Administration, der Wetter- und Ozeanografiebehörde der Vereinigten Staaten. Das gemeinfreie Bild wurde von User:Supportstorm hochgeladen, der seit 2009 auf verschiedenen Wikimedia Projekten mitwirkt. Supportstorm trägt hauptsächlich zu Wikimedia Commons und zur englischen Wikipedia bei und hat sich auf tropische Wirbelstürme spezialisiert.

599 Tage sind seit dem letzten Meilenstein von 10 Millionen Mediendateien vergangen, der am 15. April 2011 erreicht wurde. Zu verdanken ist der erneute Erfolg der Community von Wikimedia Commons, die in einer Vielzahl von Projekten, Prozessen und Verhandlungen die öffentliche Verfügbarkeit von gemeinfreien und frei-lizenzierten Mediendateien steigert. In den letzten zwei Jahren hat eine zunehmende Anzahl von kulturellen Institutionen (GLAM) und anderen Organisationen Inhalte zur Verfügung gestellt, die ansonsten nicht zugänglich wären. In zwei Ausgaben des “Wiki Loves Monuments”-Fotowettbewerbs wurden zudem über 500.000 Bilder hochgeladen. Darüber hinaus erleichtern die konstanten technischen Verbesserungen – wie der im Mai 2011 eingeführte UploadWizard und die neue HTML5 Video Software – die Beiträge von jetzigen und zukünftigen Mitwirkenden und ermuntern sie dazu, sich verstärkt den Formaten Audio und Video zuzuwenden.

Dank gebührt den zehntausenden Mitwirkenden, die geholfen haben diesen Meilenstein zu erreichen. 480 Millionen Besucher, die die Wikimedia Projekte in mehr als 280 Sprachen aufrufen sind ein guter Grund weitere 15 Millionen Mediendateien hochzuladen. Lasst uns gemeinsam an diesem Ziel arbeiten.

Foto: “17W Aug 14 1996 0124Z” by The National Oceanic and Atmospheric Administration, in the public domain, from Wikimedia Commons.

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Sturmfest und erdverwachsen: Niedersachsen wählt (und wir stellen Fragen)

tl;dr: Ende dieser Woche verschicken wir Wahlprüfsteine. Bitte helft uns mit, unseren Entwurf zu überprüfen und Verbesserungsvorschläge zu machen!

Wikimedia Deutschland ist ein Verein zur Förderung Freien Wissens. Wie breit gefächert diese Förderung aussieht, beschreiben wir täglich in diesem Blog oder einmal im Jahr im Jahresbericht. Eines von vielen Mitteln, um dieses Satzungsziel umzusetzen, ist auch das Gespräch mit den politischen Akteuren. Seit 2009 setzen wir dafür ein allgemein akzeptiertes und relativ einfaches Instrument ein, die Wahlprüfsteine. In bislang vier Wahlprüfsteinen haben wir von den zur Wahl stehenden Parteien Positionen eingeholt und ihre Antworten veröffentlicht.

2013 steht vor der Tür und es wird (voraussichtlich) drei Landtagswahlen und eine Bundestagswahl in Deutschland geben. Den Anfang wird Niedersachsen schon im Januar 2013 machen.

Eine Besonderheit unserer Wahlprüfsteine für 2013 für die drei Landtagswahlen wird eine inhaltliche Fokussierung auf den Umgang mit staatlichen Werken sein. Unsere Wahlprüfsteine umfassen fünf Themenblöcke mit je zwei Fragen; einer sehr allgemeinen und einer sehr konkreten Frage. Wie üblich möchten wir Euch um Euer Feedback bitten, bevor wir die Fragen an die zur Wahl zugelassenen Parteien bitten. Bei einigen Fragen werden wir noch Einleitungstexte schreiben, außerdem gibt es noch ein Anschreiben mit redaktionellen Hinweisen an die Parteien zur Formatierung. Wenn Ihr Fragen findet, die nicht selbsterklärend sind, bitte darauf hinweisen. Ebenso auf Fragen, die wir im Kontext “staatliche Werke” noch stellen können.

  1. Grundprinzipien eines Open-Data-Portal

Parallel zur Digitalisierung von Verwaltungsvorgängen entwickelt sich unter dem Label “Open (Government) Data” die Praxis der Freigabe von maschinenlesbaren Rohdaten unter freier Lizenz. Diese Daten können in einem neuen Kontext eingesetzt, zum Beispiel in andere Anwendungen integriert werden.

1) Allgemein: Im Bereich Open Government Data hat sich seit 2007 durch die Principles of Open Government (Sebastopol Principles s. http://www.opengovdata.org/home/8principles) ein klarer Kriterienkatalog für die Open Government Data etabliert. Wird ein Open-Data-Portal einer niedersächsischen Landesregierung unter Ihrer Beteiligung diese Kriterien einhalten oder richten Sie den Begriff Open Government Data nach anderen Kriterien aus? Wenn ja, nach welchen?

2) Konkret: Setzen Sie sich dafür ein, dass in Open-Data-Portale der Öffentlichen Hand keine Datensätze aufgenommen werden, die nicht den (insbesondere lizenzrechtlichen) Kriterien von Open Data entsprechen? Wie soll mit solchen Datensätzen stattdessen umgegangen werden?

  1. Lizenzpolitik staatlicher Werke, die nicht schon wegen §5 UrhG gemeinfrei sind

§5 UrhG stellt klar, dass Gesetze, Verordnungen, Urteile, Erlasse und andere amtliche Werke, die im amtlichen Interesse zur allgemeinen Kenntnisnahme veröffentlicht wurden, gemeinfrei sind. Die Landesregierung verfügt über ihre Ministerien und nachgeordneten Behörden über Nutzungsrechte an urheberrechtlich geschützten Werken, die im Gegensatz zu den amtlichen Werken nach §5 UrhG nicht gemeinfrei sind und inbesondere wegen der sehr restriktiven Formulierung und Auslegung von §5 Abs. 2 nicht von dieser Aufzählung erfasst werden.

3) Allgemein: Werden Sie – z.B. durch Verwendung von freien Lizenzen aus dem Lizenzbaukastensystem Creative Commons – ermöglichen, dass jedermann diese Inhalte legal für beliebige Zwecke nachnutzen kann?

4) Konkret: Wird eine Landesregierung mit Ihrer Beteiligung eine Bundesratsinitiative zur Neuformulierung von §5 UrhG auf den Weg bringen, der das Ziel hat, den Kreis der von §5 UrhG erfassten Werke zu vergrößern?

  1. Lizenzpolitik im Öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Über staatliche Werke hinaus werden in Deutschland Text- und audiovisuelle Inhalte über die Allgemeinheit finanziert, z.B. im gebührenfinanzierten bzw. (im Fall der Deutschen Welle) steuerfinanzierten Öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Von wenigen Ausnahmen abgesehen stehen diese Inhalte der Öffentlichkeit nur für kurze Zeit und nicht nur Nachnutzung zur Verfügung.

5) Allgemein: Unterstützen sie die Forderung, Inhalte des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks durch Verwendung einer freien Lizenz für jedermann nachnutzbar zu machen? Welche konkreten ersten Schritte auf dem Weg zu einer solchen generellen Lizenzierungspraxis fallen Ihnen dazu ein?

6) Konkret: Wie wird sich eine Landesregierung mit Ihrer Beteiligung um die Abschaffung der Depublikationspflicht öffentlich-rechtlicher Inhalte im Internet bemühen?

  1. Ausgestaltung eines künftigen Transparenzgesetzes

Informationsfreiheitsgesetze gewähren jeder Person Zugang zu amtlichen Informationen. Niedersachsen zählt zur Minderheit der deutschen Bundesländer ohne ein Landes-Informationsfreiheitsgesetz.

7) Allgemein: Streben Sie für die kommende Legislaturperiode ein Landesgesetz an, das Bürgern den Zugang zu Informationen in behördlicher Hand ermöglicht? Wenn ja, wie sollen konkret Ausgestaltungen zu folgenden Aspekten erfolgen: a) pauschale Ausnahmen vom Geltungsbereich des Gesetzes nach Themen oder Einrichtungen, b) Kostenstruktur bei der Beantwortung von Anfragen, c) Überprüfungsinstrumente und Rechtsweg bei Verweigerung von Zugangsgewährung, d) Beantwortungsfristen, e) Proaktive Publikationspflichten (Transparenzregister)

8) Konkret: Wird ein niedersächsisches Informationsfreiheits-, bzw. Transparenzgesetz unter ihrer Mitwirkung eine Klarstellung enthalten, die analog zum  §10 Abs. 3 Hamburger Transparenzgesetz die Nachnutzungsrechte von freigegebenen Informationen für jedermann gewährleistet?

  1. Arbeit mit Werken unter Freier Lizenz

Rechteinhaber von urheberrechtlich geschützten Werken können diese unter einem Lizenzmodell verfügbar machen, das Dritten die Nachnutzung zeitlich und räumlich unbeschränkt zu beliebigen Zwecken ermöglicht. Wenn die Rechteinhaberin das Land Niedersachsen ist, ist eine Freigabe von geschützten Inhalten grundsätzlich auch ohne Änderung des Landesrechts möglich. Zusätzlich kann bei künftigen Inhalteerstellungen eine Freigabe der Inhalte von Tag 1 an beschlossen werden.

9) Konkret: Wird sich eine Landesregierung unter Ihrer Beteiligung am Modellversuch des Landes Nordrhein-Westfalen zur Schaffung von Lehr- und Lernmitteln für Schulen unter freien Lizenzen beteiligen, um auch solche Inhalte für das Land Niedersachsen verfügbar zu machen?

10) Konkret: Befürworten Sie die Freigabe von Luftbildern und Orthofotos der Niedersächsischen Landesvermessung unter Lizenzen, die jedermann die freie Nachnutzung dieser Inhalte ermöglicht? Welches konkrete Lizenzmodell bevorzugen Sie?

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Die beiden letzten Monate als Resident

Seit meinem letzten Beitrag sind nun doch zwei statt des geplanten nur einen Monat vergangen. Schuld war ganz simpel die Zeit. Aber ich denke, der folgende Bericht zeigt das letztlich auch recht gut:

Zuletzt berichtete ich vom Limes-Workshop. Von diesem kehrte ich nicht gleich aus dem Odenwald ins heimische Berlin zurück, sondern hatte ein paar Tage später eine Einladung zur EXAR-Tagung, dem Jahrestreffen der Experimantal-Archäologen. Die beiden dazwischen liegenden Tage überbrückte ich in Würzburg, wo ich mir einmal mit etwas mehr Ruhe als beim ersten Mal. Bei der EXAR-Tagung schließlich, die in Windisch bei Brugg im Kanton Aargau in der Schweiz durchgeführt wurde, sollte ich etwas über die Möglichkeiten der Experimentalarchäologie in der Wikipedia sagen. Um hier kurz zusammen zu fassen, was ich dort konstatieren musste: die Möglichkeiten sind immens, da es in dem Bereich bislang kaum Vorzeigbares in angemessenem Umfang gibt.

Fidiou 1 - Sitz der Abteilung Athen des DAI - Marcus Cyron cc-by-sa-3.0
Fidiou 1 - Sitz der Abteilung Athen des DAI - Marcus Cyron cc-by-sa-3.0

Der Oktober fand seinen Höhepunkt in einer Dienstreise an die Außenstelle Athen des DAI. Ich wurde ungemein freundlich aufgenommen und war auch mehrere Tage im Haus in der Fidiou 1 untergebracht. Ein Haus, das kein geringerer als Heinrich Schliemann nach Plänen Ernst Zillers und Wilhelm Dörpfelds erbauen ließ. Und noch vieles in diesem Haus atmete die Ideen, die diese drei Männer verfolgten. Dank Nils Hellner, dem Referenten für Bauforschung der Abteilung, erhielt ich auch einige Einblicke in dieses Thema. Zudem bekam ich eine kompetente Führung über den Kerameikos und besuchte das Archäologische Nationalmuseum, das Neue Akropolis-Museum, das Kerameikos-Museum und das Kykladenmuseum. Dabei entstand eine vierstellige Zahl an Bildern für Wikimedia. Meine Präsentation der Wikipedia war wie auch alle weiteren recht gut besucht und es entspann sich eine Diskussion im Anschluss.

In Deutschland zurück nahm ich aufgrund einer Einladung am Berliner Herbsttreffen zur Museumsdokumentation teil, wo ich das Residence-Projekt vorstellte. In der Woche darauf stellte ich es erneut vor, nun auf der Tagung Zugang gestaltenim Jüdischen Museum Berlin. Dieser Beitrag in einem vorgegebenen Format, bei dem man für 20 Bilder jeweils 20 Sekunden Zeit zum Erklären hatte, war der Fokus auf der Zusammenarbeit mit dem DAI.

Hapy, Gott des Nils, Vatikanische Museen, römisch - Marcus Cyron cc-by-sa-3.0
Hapy, Gott des Nils, Vatikanische Museen, römisch - Marcus Cyron cc-by-sa-3.0

Der letzte Monat brachte Reisen nach Rom und Madrid. Leider war hier in bedien Fällen eine Unterbringung im Gästebereich der DAI-Aussenstellen nicht möglich. Die wohl lebhafteste Diskussion überhaupt löste meine Vorstellung der Wikipedia in Rom aus. Besonders erfreulich war es, dass hier weniger mit mir diskutiert wurde, als sogar unter den Wissenschaftlern über das Für und Wieder eines Engagements in der Wikipedia. Wobei es von keiner Seite grundsätzliche Ablehnung gab, wie mir erschien, nur die Art und die Zielsetzung wurden diskutiert. Um einen Diskussionspunkt einmal zu nennen: soll man Studenten einen sehr guten, einfach zugänglichen Artikel präsentieren, und diesen damit die weitere Recherche abnehmen? Daneben war ich in den Vatikanischen Museen und auf dem Protestantischen Friedhof von Rom. Ein geplantes Treffen mit der italienischen Community scheiterte leider an der unterschiedlichen Auslegung des Kalenders. Auch in Rom entstanden wieder weit über 1000 Bilder.

In Madrid wurde ich von meinem Freund Michael Kunst erstklassig betreut. Im Ergebnis war Madrid vielleicht die ergiebigste meiner Reisen. Auch wenn Thomas Schattner, der zweite Direktor der Abteilung, etwas irritiert war, dass einfach so ein Artikel zu seiner Person in der Wikipedia verfasst werden konnte (und mit mir noch dazu auf den Urheber des Artikels traf), waren die Mitarbeiter doch sehr aufgeschlossen auch in der Wikipedia als Abteilung aktiv zu werden. Das betrifft nicht nur den Artikel zur Abteilung selbst, der bislang noch fehlt, sondern auch zu verschiedenen Ausgrabungen der Abteilung. Hierzu wird überlegt, die ohnehin zu schreibenden Artikel für die Jahresberichte in abgewandelter Form ein zweites Mal zu verwenden. In meinen Augen eine sehr gute Idee! Leider war das Fotografieren bei meinem doch recht kurzen Aufenthalt in der recht kalten spanischen Hauptstadt beim Besuch des Prado nicht erlaubt. Abschließender Höhepunkt war das Treffen mit einem Vertreter der spanischen Comunity. Eigentlich war es noch geplant, die Direktoren des DAI auf ihrer jährlichen Direktorenkonferenz analog zu Projekten wie dem Landtagsprojekt zu fotografieren, was allerdings kurzfristig an der Zeitknappheit der Archäologen scheiterte.

Blick aus meinem Fenster in Istanbul - Marcus Cyron, cc-by-sa-3.0
Blick aus meinem Fenster in Istanbul - Marcus Cyron, cc-by-sa-3.0

Obwohl eigentlich Ende November meine Tätigkeit offiziell beendet war, kam Anfang Dezember noch eine Fahrt nach Istanbul, die sich zuvor nicht realisieren ließ. Am Bosporus hatte ich wieder das Glück beim DAI, in diesem Falle dem Wolfgang Müller-Wiener-Kolleg untergebracht zu werden. Beim Gebäude handelte es sich um die ehemalige deutsche Botschaft, heute teilen sich das DAI und das Generalkonsulat das Gebäude mit einem fantastischen Blick auf den Bosporus. Dementsprechend kam man auch nur mit einem Besucherausweis problemlos am Pförtner vorbei. Die Aufnahme war einmal mehr äußerst freundlich, mit Jürgen Seeher und seiner Frau Ayşe Baykal-Seeher hatte ich einmal mehr äußerst nette und kompetente Ansprechpartner. Nach meinem “Blick hinter die Kulissen der Wikipedia” kam es wegen der schon recht fortgeschrittenen Zeit zu einer relativ kurzen Diskussion. Der Direktor der Abteilung, Felix Pierson, drückte neben seinem Lob für Wikipedia auch die Sorge aus, dass es durch diese mittlerweile übermächtig erscheinende Plattform Meinungspluralität immer schwerer hätte. Zudem war er besorgt, dass in der Zukunft Fachenzyklopädien einen schweren Stand haben könnten. Zumindest beim letzten Punkt wagte ich Widerspruch. Insgesamt muss ich gestehen, sind mir kritische Stimmen durchaus sehr lieb, da das bedeutet, dass sich Jemand mit der Thematik auseinander gesetzt hat. Kritik kam natürlich während meines halben Jahres als Resident immer wieder auf – ebenso wie auch Zuspruch. Für mich ein Zeichen, dass es auch in Zukunft mehr als nur eine Meinung geben wird. Und auch wer weiß, wie sehr manchmal hinter den Kulissen der Wikipedia um diese Dinge gerungen wird, wird mir hoffentlich zustimmen. Höhepunkt meines Nebenprogrammes war der Besuch des Archäologischen Museums – und hier entstanden wieder hunderte von Bildern – und einer Ausstellung zur Geschichte der Ausgrabungen in Hattuša. Aber auch sonst war diese wuselige Stadt sehr angenehm zu erleben, nur die Kälte und der Regen waren der Stimmung leicht abträglich. Ein weiterer Höhepunkt wurde am 6. Dezember das Winckelmannsfest. Dabei handelte es sich um den Höhepunkt im Institutsjahr, bei dem dem Mitbegründer der Archäologie als Wissenschaft, Johann Joachim Winckelmann, gedacht wird. Neben einem Festvortrag von Joseph Maran zu den Ausgrabungen in Tiryns, der sehr informativ und interessant, aber auch recht lang war, wurden drei türkische Archäologen zu korrespondierenden Mitgliedern des DAI ernannt. Sehr schön war auch die Bekanntschaft mit zwei Byzantinisten, die ich in Istanbul gemacht habe.

Vom Oktober bis in den November hinein gab es den Schreibcontest zum Antiken Olympia, bei dem die Teilnehmer motiviert werden sollten, zu einem der wichtigsten Projekte das DAI zu schreiben. Nach etwas schleppendem Beginn haben sich dann doch eine Hand voll Autoren beteiligt und sich zwei einen harten Kampf um die Spitze geliefert. Vor allem dank diesen Beiden kann man den Wettbewerb als für ein solchen Nischenthema durchaus achtbaren Erfolg bezeichnen.

Was bleibt nach sechs Monaten? Viel hat gut funktioniert, anderes weniger gut. Nicht alle Ziele konnten erreicht werden, dafür haben sich zum Teil andere Dinge ergeben, die zunächst gar nicht eingeplant waren. In der Öffentlichkeit wurde das Projekt mit Interesse aufgenommen. Vor allem in Berlin konnten leider nicht so viele DAI-Mitarbeiter erreicht werden, wie eigentlich erhofft, was verschiedene Gründe hatte. Aber hier kann man ja auch in Zukunft eng zusammen arbeiten. Überhaupt ist die Zusammenarbeit ja auch für eine längere Zukunft angelegt. Und ganz vorbei ist es sowieso noch nicht, denn im Februar wird es noch einen hoffentlich krönenden Abschluss mit “Wikipedia trifft Archäologie” geben. Viel Zeit habe ich zuletzt natürlich auch in die Vorbereitung dieser Veranstaltung gesteckt. Die “Befreiung von Inhalten” (diese Formulierung stößt nicht immer auf Gegenliebe bei Wissenschaftlern!) war problematisch, da etwa viele Fotos des DAI unter nicht bekannten Lizenzen stehen. Im Einzelfall war das DAI bislang immer sehr kooperativ und wird das sicher auch in Zukunft sein, doch wird man mittelfristig wohl so etwas wie eine größere Bilderspenden nicht erwarten können. Auch ein signifikant vermehrtes Auftreten von DAI-Mitarbeitern unter den “Wikipedia-Archäologen” ist eher nicht zu erwarten, denn wie ich bei jeder Diskussion zu meinen Vorträgen hören musste, ist Zeit eine äußerst knappe Ressource. Dennoch denke ich, dass allein das Wissen um die Sorgen und Nöte, um die Vorgänge in und hinter der Wikipedia, um Struktur und Autorenschaft wird etwas bringen. Unterstützung kann ja auf viele Arten erfolgen.

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Creative Commons wird 10 Jahre alt und wir feiern mit!

Creative Commons hat Geburtstag! Seit 10 Jahren gibt es die freien Lizenzen, wo wären wir nur heute ohne sie? 10 Jahre – wow! – das ist lange her und muss gebührend gefeiert werden. Wir gratulieren ganz herzlich, heute hier virtuell und am Samstag bei der großen Party in Berlin nochmal persönlich. Happy Birthday! \o/

Am 8. Dezember 2012 lädt Creative Commons Deutschland CC-Enthusiasten und Fans Freien Wissens zu einer großen Feier nach Berlin ein. Ab 20 Uhr geht es im neuen Homebase-Club (Nähe Alexanderplatz) los mit Kurzvorträgen und Interviews darüber, wie Creative-Commons-Lizenzen in vielen unterschiedlichen Bereichen dazu beigetragen haben, eine Kultur des Teilens von Wissen zu ermöglichen. Anschließend gibt es Creative-Commons-lizenzierte Musik von Kraftfuttermischwerk und Peter Withoutfield von den Blogrebellen zu hören und tanzen.

Im Dezember 2002 wurde die erste Version der Creative-Commons-Lizenzen von der gleichnamigen US-Organisation veröffentlicht. 10 Jahre sind vergangen und heute sind diese Lizenzen aus dem freien Internet nicht mehr wegzudenken. Unzähligen freie Projekte – darunter auch die Wikipedia – nutzen die Lizenzen, um Nutzern ihrer Inhalte von vornherein bestimmte Freiheiten einzuräumen. Das Programm für Samstag liest sich wie das Who-is-who des Freien Wissens in Deutschland:

  • Was ist Creative Commons? John Weitzmann über Geschichte und Organisationsstruktur
  • Leonhard Dobusch über “Unnützes (historisches) Wissen” aus der Entstehung
  • Till Jaeger über “Wie kamen die Lizenzen nach Deutschland?”
  • Pavel Richter, Vorstand von Wikimedia Deutschland über die Nutzung von CC durch die Wikipedia-Community
  • Julia Kloiber über OpenData
  • Cecilia Palmer über Mode
  • Christine Watty (DRadio/Breitband) über Kuration von CC-Musik und Nutzung im Radio
  • Philip Steffan über Maker-Culture
  • Constanze Kurz über Open Access
  • Thorsten Schilling über den Einsatz von CC bei der Bundeszentrale für politische Bildung
  • Mario Sixtus über den Elektrischen Reporter beim ZDF
  • Henrik Moltke über CC in Dänemark und die Dokumentation “Good Copy, bad Copy”
  • Michelle Thorne über CC-Einsatz bei Mozilla
  • Markus Heidmeier über Offene Bildungsmaterialien

Für die Gäste vor Ort gibt es außerdem etwas Freibier (wie in Freibier!) und eine große Torte; ein Livestream wird die Feierlichkeiten in die Wohnzimmer der Daheimgebliebenen übertragen. CC bittet um eine Spende am Einlass, um die Kosten der Party refinanzieren zu können.

Diese Feierei sollten sich Freundinnen und Freunde Freien Wissens nicht entgehen lassen. Kommt alle und feiert mit uns!

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Ein Meilenstein erreicht, 99 vor uns: Die Deutsche Digitale Bibliothek

Heute morgen um 11:50 Uhr wurde stilecht mit dem gemeinsamen Drücken auf einen roten Button die öffentliche Betaphase der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) begonnen. Damit endet eine vierjährige nichtöffentliche Entwicklungsphase, die von einer Vielzahl von Fachgremiensitzungen, Kooperationspartnersuchen, Kompetenznetzwerktreffen und Expertenanhörungen begleitet wurden und es beginnt der Austausch mit den Endnutzern.

Von Wikimedia-Seite gibt es ein paar Anmerkungen zum heutigen Tag, zum Stand der Entwicklung und zu dem, was jetzt kommen muss (ich empfehle das “Was bisher geschah-Blogsposting” für entsprechende Hintergründe):

  1. Wir beglückwünschen die Kolleginnen und Kollegen der Deutschen Digitalen Bibliothek und der Einrichtungen, die zum Beta-Start der DDB beigetragen haben. Ihr macht das Internet reicher an Inhalten, ihr beweist, welche konstruktive Kraft dem Netz innewohnen kann. Wir wünschen Euch eine erfolgreiche Zukunft und werden gerne weiter mit Euch arbeiten, aus einer großartigen Idee eine großartige Plattform zu machen.
  2. Wikimedia Deutschland weiss, welche Mühen und Konflikte es bei der Erstellung des DDB-Nutzungsvertrags für die teilnehmenden Einrichtungen gab. Wir wissen, dass es bereits eine enorme Anstrengung war, daß nun wenigstens als eine von zwei Möglichkeiten eine CC0-Lizenzierung der Metadaten der DDB gewählt werden kann. Aber. Nicht alleine wegen der Vereinbarkeit mit dem Lizenzmodell für Metadaten bei Europeana raten wir den Entscheidungsgremien der DDB dringend dazu, die Lizenzoptionen für Metadaten zu vereinheitlichen und alle Metadaten innerhalb der eingestellten Objekte unter einem einzigen freien Lizenzmodell verfügbar zu machen: Creative Commons Zero. Es wäre für die Möglichkeit der Nachnutzung fatal, wenn es bei Metadaten zu einem unfreien Gesamtwerk käme, dessen freie Teile mühsam herausgeschält werden müssten.
  3. Zur Wahl einer passenden Lizenz gehört es auch, diese Daten verfügbar zu machen, damit nicht nur theoretisch eine Nachnutzung möglich ist, sondern auch praktisch. Die beiden Instrumente der Wahl heissen API und Datendump. Beide Mittel sind komplementär (z.B. Wikipedia Datendumps und API) und brauchbar für unterschiedliche Zwecke. Ein Projekt, das beides durchaus prima umgesetzt hat, ist direkt vor der Haustür der DDB: Europeana. Ein Start einer Beta-Plattform wäre eine gute Gelegenheit gewesen, auch eine Beta-API anzubieten. Wir raten dringend dazu, API und Downloadmöglichkeit der freien Metadaten schnellstmöglich umzusetzen und den Fortgang offen mitzuteilen.
  4. Wenn die Lizenzfragen zu Metadaten schwierig sind, sind es erst die Lizenzfragen für die eigentlichen Inhalte erst recht. Bei der Pressekonferenz wurde betont, dass die DDB derzeit nur gemeinfreie Objekte enthalte. Dies ist mehrheitlich richtig, erzählt aber nicht die komplette ganze und traurige Geschichte eines bunten Wildwuchses aus Leistungs- und Urheberschutzrechten an den Objekten selbst und Abbildungen dieses Objekte. Wir raten dringend dazu, das Problem von Copyfraud anzugehen, bei dem Kultureinrichtungen Rechte an Objekten in der DDB beanspruchen, die so nicht existieren, beispielsweise bei Digitalisaten gemeinfreier zweidimensionaler Werke. Sofern noch ein urheberrechtlicher Schutz an eingestellten Objekten besteht, raten wir dazu, diese Werke unter Verwendung Freier Lizenzen für die Nachnutzung verfügbar zu machen. Ein DDB-Nutzungsvertrag könnte hier Mindeststandards für die Verwendung Freier Lizenzen definieren.
  5. Die DDB sollte frühzeitig seinen Nutzern erlauben, mindestens die Metadaten von Objekten mit unzureichend versehenen Beschreibungen und Normdaten selbst zu verbessern, damit insbesondere der Vernetzungscharakter einer gemeinsamen Plattform aller deutschen Kultureinrichtungen bzw. aller Kultureinrichtungen in Deutschland ausgespielt werden kann.
  6. Wir fordern die deutsche Politik auf, das Projekt DDB mit ausreichenden Mitteln auszustatten. Dies können Finanzmittel sein oder auch rechtliche Sicherheit im Umgang mit verwaisten Werken, Leistungsschutzrechten allgemein oder Schranken für die Verwendung von geschützten Werken in Wissenschaft und Forschung.
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