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Archiv für die ‘Allgemein’ Kategorie



Open Knowledge in Action: Es gibt noch viel zu tun …

GLAMbora report aus Helsinki: Man trifft sich in einem gepflegten Konferenzraum. Das Ambiente ist deutlich angenehmer gestylt als an vergleichbaren Orten in Berlin oder Dornbirn. Helsinki feiert seinen 200. Geburtstag und sich als Welthauptstadt des Designs. Davon profitierten die Besucher des Welt ersten Open Knowledge Festivals. Etwa dreißig Teilnehmer trafen sich zum Teilevent „Building Cultural Commons“ zu Gast bei der finnischen Stiftung Sitra . Neben finnischen Open-Access-Aktivisten und Vertretern von Kultureinrichtungen (nachfolgend GLAMs nach dem englischen Akronym für Galeries, Libraries, Archives and Museums) waren US-amerikanische und europäische Open-Data-Akteure da. Präsentationen wurden gezeigt, ein Etherpad zusammengeschrieben und eifrig diskutiert. Aber was bleibt?

Paul Keller von Kennisland machte in seinem Vortrag deutlich, wie schwierig die Zusammenarbeit mit GLAMs bis heute ist. Das zentrale Problem ist die oft schwierige Rechtslage. Wir alle sprechen mit den Kultureinrichtungen über die digitale Öffnung, aber sie sind nur selten tatsächlich die Lizenzeigentümer der Kulturschätze, die sie horten. Und selbst, wenn sie die Sachwalter von gemeinfreien Erbstücken sind, dann fällt es ihnen sehr schwer, auf ihre bisherige Souveränität als Doyen zu verzichten. Viele möchten die Kontrolle über die Interpretation und Verfügung ungern mit dem „Unbekannten“ im Netz teilen. Trotz der Fortschritte, die erzielt wurden, bleibe noch viel zu tun, klagt Keller. Sein Credo von mehr Austausch über Fallbeispiele und mehr konzertierte Lobbyarbeit die Lizenzrechtsfragen betreffend zog sich wie ein roter Faden durch die kommenden Sessions.

Auch Harry Verwayen von Europeana schilderte anhand des bald schon sprichwörtlichen Beispiels des inzwischen gelben Milchmädchens von Vermeer zwar die guten Fortschritte beim freien Zugang zu den Metadaten der GLAMs. Wissenschaftler und Laien können so schneller die Orte finden, an denen die Quellen gelagert werden, nach denen sie suchen. Nur müssten jetzt die nächsten Schritte unternommen werden, um diese Veröffentlichung für alle stärker nutzbar zu machen. Wie Keller sah auch er Wikipedia und ihre Schwesterprojekte als ein Vorbild, dessen Potenziale aber noch auszuweiten seien.

Auch die nachfolgenden Beiträge zeigten: Wir, die Open-Data-Akteure, müssen stärker und kontinuierlicher zusammenarbeiten, wenn wir tatsächlich das kulturelle Erbe in das digitale Zeitalter mitnehmen wollen. Dafür brauchen wir noch mehr Vermittler, die verständnisvoll zwischen beiden Welten– der der GLAMs und der der Netzaktivisten – vermitteln. Wir brauchen mehr Ideen und Geschäftsmodelle, die das digitalisierte Kulturerbe lebendig werden lassen. Ein Beispiel ist die Verlinkung von Metadaten der Deutschen Nationalbibliothek über die Personennamensdatei zu Wikipedia-Artikeln. Ein anderes die App eines Reiseführer-Verlages, die dem User denkmalgeschützte Bauwerke in seinem Umfeld anzeigt, diese mit ggf. vorhandenem Wikipedia-Artikel verlinkt und gleichzeitig den User einlädt, sein Foto des Denkmals auf Wikimedia Commons hochzuladen. Zur Entwicklung solcher und ähnlicher kreativer Geschäftsmodelle müssen Entwickler und Kultureinrichtungen aber enger vernetzt werden. Wir könnten als gemeinnützige Organisationen mit Brücken in die Freiwilligenarbeit diesen Dialog befördern. Und Michael Edson von der US-Smithsonian Institution forderte die Kultureinrichtungen auf, die dafür nötigen Ressourcen durch Umschichtung freizumachen. Die Organisatoren des Festivals für den GLAM-Bereich, Sam Leon und Joris Pekel von der Open Knowledge Foundation, haben es dankenswerter Weise übernommen, alle engagierten Mitstreiter u.a. zu nachfolgenden Arbeitskreisen einzuladen:

* Lobbyarbeit für Urheberrechtsliberalisierung und Verwaiste Werke

* Dokumentation der Fallbeispiele

* Verbesserte Erforschung der Bedarfe der GLAM (Screening)

* Ideen für Veranstaltungsformate für mehr Vernetzung

Wer weiß, vielleicht machen wir zusammen in Brüssel eine WG auf und nennen sie Commune ouverte 3.0. Dort feiern wir mit den Kulturleuten GLAMouröse Liberationparties. So machen es doch die Wirtschaftslobbyisten! Wäre nicht das schlechteste Ergebnis einer ganztägigen Session im regnerischen Helsinki.

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Wiki Loves Monuments – Auto statt Denkmal

Kein Denkmal, aber eine denkwürdige Entdeckung für Wikipedia. (Foto: Pappnaas666, CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Wer kennt das nicht? Eigentlich sollte ja nur diese eine Sache in der Wikipedia nachgelesen werden, aber eine halbe Stunde später studiert man immer noch. Gesucht wurde vielleicht die Biografie eines Musikers, nach ein paar Klicks geht es nun plötzlich um das Sonnensystem. In der freien Enzyklopädie kommt man trotzdem nicht vom sprichwörtlichen Hölzchen aufs Stöckchen, eher von Tür zu Tür. Das gilt für die Leser, die gerne durch die mittlerweile 1,4 Millionen Artikel in deutscher Sprache stöbern, aber auch für die zahlreichen Artikelschreiber selbst. Manch einer beginnt durch Zufall einen Artikel, obwohl er ein ganz anderes Thema bearbeiten wollte. Und so kann es auch passieren, dass ein Teilnehmer von Wiki Loves Monuments 2012 ein Denkmal fotografieren will, dann aber mit dem Schnappschuss eines besonderen Autos nach Hause kommt:

Nach der hartnäckigen Entdeckung der Zirkelwand hier eine weitere Geschichte der ehrenamtlichen Helfer des größten Fotowettbewerbs der Welt.

 

Da schlich ich doch um eine alte Wegekapelle in Köln Esch/Auweiler herum und wurde prompt von einem Anwohner angesprochen, was ich denn da machen würde. Also habe ich meinen Spruch brav aufgesagt, von wegen ein Bild von jedem Denkmal für die Wikipedia etc. Nein, ich dürfe die Kapelle nicht fotografieren, meinte er, …und ich hielt eine theatralische Brandrede dagegen. Nun machen in diesem frühen Stadium Unterhaltungen unter Rheinländern manchen Auswärtigen des Öfteren Angst und lassen sie schon nach dem Handy nesteln, um schneller den Notruf wählen zu können; aber weit gefehlt, denn “so simmer halt”. Das ist “normaaal”.

Wir haben uns wirklich klasse unterhalten und nun kommt es: Der Herr zeigte mir ungefragt seinen größten Schatz, welcher unter einer Plane im Hof verborgen war. Ein tiptop restaurierter Opel Typ 1397 von 1937! Und er ließ ihn für mich auch mal an. Was für ein Sound!

So kann es einem ergehen, beim Denkmalfotografieren für Wiki Loves Monuments!

Für Wiki Loves Monuments endet die Geschichte dieses Fotos hier, für Wikipedia beginnt sie erst. Im Austausch mit einem Wikipedianer aus dem Themenportal Auto und Motorrad wird erst die Anekdote geschildert, dann über den Typ des abgebildeten Opels diskutiert. Seitennotiz:

“Die horizontalen Sicken in den hinteren Kotflügeln könnten auf den Einfluss von Ford hindeuten.”

Schließlich der entscheidende Schritt: Zwei Anfragen bei Experten in der Wikipedia bestätigen, dass es sich um den Opel Typ 1397 handelt, von dem es bislang noch keine Fotos für Wikipedia gegeben hat. Prompt werden die Bilder der unverhofften Entdeckung in einer eigenen Bildersammlung zum passenden Artikel eingebunden. Diese so genannten Galerien werden im freien Medienarchiv Wikimedia Commons angelegt und sind in der Regel im Abschnitt “Weblinks” von Wikipedia-Artikeln anklickbar. Nachgucken lohnt sich!

 

Mitgemacht!

Selbst für Wiki Loves Monuments auf der Suche nach Denkmälern, die noch nicht in der Wikipedia abgebildet sind? Wir freuen uns, wenn Ihr Eure Geschichten hier im Blog teilen wollt. Eine kurze E-Mail an michael.jahn@wikimedia.de genügt!

Und natürlich: Noch bis zum 30. September kann jeder bei Wiki Loves Monuments mitmachen. Weitere Informationen gibt es auf der deutschsprachigen Wettbewerbsseite.

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Wiki Loves Monuments: Halbzeit mit 150.000 Bildern

Es gibt sie eben doch, die Zirkelwand in der Wilhelma. (Foto: Brücke-Osteuropa, CC0 1.0, via Wikimedia Commons)

In der Wikipedia steht, worin der Unterschied zwischen einem Bergfest und einer Halbzeit liegt. So oder so, der größte Fotowettbewerb der Welt geht in die zweite Hälfte. Noch bis zum Monatsende machen Ehrenamtliche bei Wiki Loves Monuments 2012 Fotos von Denkmälern, mit denen die Wikipedia bebildert werden kann. Bereits heute wurde die Zahl von 150.000 hochgeladenen Dateien erreicht. Offensichtlich kann die Rekordmarke aus dem vergangenen Jahr bis zum 30. September noch einmal übertroffen werden. Das ist schon jetzt ein toller Erfolg für die Aktion der Fotografen aus über 30 Ländern. Herzlichen Glückwunsch!

Wenig offensichtlich ist, wie viel Engagement eigentlich in diesen 150.000 Fotos liegt. Die Zahl ist so groß, dass sie weder vorstellbar ist noch richtig gewürdigt werden kann. In ganz Deutschland, europaweit und quer durch die Welt machen sich Menschen in ihrer Freizeit auf, um von Denkmal zu Denkmal zu ziehen. Manchmal finden sie nicht, was sie suchen. Manchmal kommt es ganz anders als geplant. Oft treffen sie andere Menschen, mit denen sie ins Gespräch kommen. Das ist, was hinter der ständig steigenden Zahl von Fotos steckt. In diesem Blogbeitrag teilen wir deshalb eine erste Geschichte von vielen, die Fotografen für Wiki Loves Monuments erleben, bevor ihre Arbeit zu einer von 150.000 und mehr Dateien wird. Weitere folgen in den nächsten Tagen.

 

Ein Wikipedianer auf der Suche nach der “Zirkelwand”:

Besonders spannend wird es für mich, wenn ich nach ungewöhnlichen Denkmalen suche, so zum Beispiel in den letzten Wochen in der Gegend von Pirna (Sachsen) nach einem bei königlicher Jagd genutzten “Trogbrunnen” im Walde von Graupa, nach einer “Pestplatte” im Wald von Hinterjessen, nach einem einzigartigen “Dampfschiff” auf der Elbe oder einer “Milchrampe” in Pratzschwitz. Am häufigsten fotografiert man ja Wohnhäuser, was ja auf die Dauer auch langweilig werden kann. In der Denkmalliste von Stuttgart fand ich neulich ein neues Objekt meiner Begierde. Dort ist verzeichnet: “‘Zirkelwand’ (Teil der Wilhelma)”. Also bewegte ich mich in einen der schönsten Zoos, die Deutschland hat und erkundigte mich bei der Einlasskontrolle nach jener denkmalgeschützten “Zirkelwand”. Der jüngere Mitarbeiter der Wilhelma antwortete, er habe davon noch nie etwas gehört. Der ältere Kollege, der schon 20 Jahre bei der Wilhelma arbeitet, musste auch passen. Aber er gab mir einen Tipp:

 “Schauen Sie doch mal bei Wikipedia nach.”

Da musste ich doch innerlich sehr lachen. Ich ging also – was die Zirkelwand betrifft – mit leeren Händen nach Hause und wollte mal googlen, um doch noch den Standort zu finden. Aber nur diese Stuttgarter Denkmalliste kennt dieses Objekt. Da sah ich ganz schön alt aus. Weil mir das aber keine Ruhe ließ, zog ich heute erneut in die Wilhelma und fand neben der geschützten Terrakotta-Wand eine andere bogenförmige Wand, die das Wilhelma-Theater rechts und links umgibt. Ich bin mir nun sicher, in wenigen Tagen werden Wikipedia / Commons und Google das Foto einer denkmalgeschützten “Zirkelwand” in ihrem Repertoire haben.

- (Anmerkung: geschafft, siehe Foto!)

 

Selbst für Wiki Loves Monuments auf der Suche nach Denkmälern, die noch nicht in der Wikipedia abgebildet sind? Wir freuen uns, wenn Ihr Eure Geschichten hier im Blog teilen wollt. Eine kurze E-Mail an michael.jahn@wikimedia.de genügt!

Und natürlich: Jeder kann bei Wiki Loves Monuments mitmachen. Weitere Informationen gibt es auf der deutschsprachigen Wettbewerbsseite.

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Bringing Education Staff and Wikimedia together- Welcome to the EduWiki 2012!

Daria (WMUK) und Cornelia (WMDE) vor der Stamford Hall, by Daria CYbulska, cc-by-sa 3.0

Nach einem spannenden Wochenende auf der WikiCon in Dornbirn folgte ich der Einladung von Wikimedia UK, auf der “first ever” EduWiki im mittelenglischen Leicester als Vortragende teilzunehmen. Schon am Vorabend der Konferenz, bei – für englische Verhältnisse untypischem – strahlendem Sonnenschein, traf ich auf erste Teilnehmende. Schon in diesem Moment freute ich mich auf die beiden kommenden Tage und die neuen Menschen, die ich im Rahmen der Konferenz kennenlernen würde.

Am folgenden Morgen entspann sich während des Frühstücks ein lockeres Gespräch zwischen Leigh Thelmadatter, einer der geladenen Speakerinnen, Martin Poulter, einer der Hauptorganisatoren der Konferenz und weiteren Konferenzteilnehmer/-innen. Ein erster Austausch signalisierte mir ein großes Interesse an unserem Bereich Bildung & Wissen.

 

Der Bereich Bildung & Wissen: Diversität erhöhen

Nach der feierlichen Begrüßung und Eröffnung der 65 Anwesenden ging es gleich zur Sache mit einem inhaltlich gut ineinander verzahnten und spannenden Programm. Mein Beitrag folgte der Keynote von Annie Lin, die das Global Education Program der Wikimedia Foundation vorstellte und die Vorzüge des auf Universitätsstudent/-innen zugeschnittenen Programms interaktiv mit den Teilnehmenden erarbeitete.

Publikum auf der 1. EduWiki Konferenz, by Daria Cybulska, cc-by-sa 3.0

Zahlreiche Nachfragen zu den drei Bildungsprogrammen von Wikimedia Deutschland und unserem Bestreben, mehr als nur eine Zielgruppen zu erreichen, um so die Diversität zu erhöhen, zeigten, auf welch großes Interesse die Bildungsprogramme bei den anderen Chaptern stoßen. Viel Anerkennung erhielt das Konzept unseres Referentennetzwerks, das diese Arbeit erst ermöglicht und durch dessen Einsatz wir in der Lage sind, auf breiter Ebene zu agieren.

Die unterschiedlichen Ansätze unseres Hochschulprogramms im Vergleich zum Global Education Program wurden als spannend und denkbar für den eigenen, britischen Kontext diskutiert. Auf größtes Interesse stieß unser Programm Silberwissen, wobei man die Zielgruppe der “Älteren” gern auf 60+ erhöhen wollte. Erneut schien das Programm “Wikipedia macht Schule” das einzige zu sein, das gezielt Schüler und Lehrer anspricht, um diese wichtigen Zielgruppen über den Umgang mit der Wikipedia aufzuklären und auf die Grenzen der Nutzung hinzuweisen.

Im Anschluß folgten in der Reihe der ausländischen Bildungsbestrebungen rund um das Thema Wikipedia die Präsentation von Leigh Thelmadatter aus Mexiko Stadt, die innerhalb des Kurses “Academic Writing” Wikipedia Artikel mit kulturellem Bezug zu Mexiko ins Englische übersetzt und schreiben lässt (siehe dazu den Blogbeitrag von der Wikimania).

 

Vernetzung als Schlüssel für die Zukunft

Am Nachmittag stellten verschiedene Gäste ihre Ansätze, Wikipedia im Hochschulkontext in die Lehre einzubinden, vor. Berichtet wurde u.a. auch über den Einsatz von Wikibooks und Wikiversity in diesem Kontext. Alannah Fitzgerald berichtete von der linguistischen Analyse der Wikipedia-Texte und wies noch einmal auf die variierende Qualität und Schreibstile der Artikel hin. Der Abend klang kulturell mit einer gemeinsamen Besichtigung und Führung durch Leicesters Guildhall aus.

Am zweiten Tag der Konferenz ging es vor allem um die Vernetzung von Wikipedia im nationalen Bildungskontext, bzw. die Feststellung gemeinsamer Schnittstellen und Ansatzpunkte für den Einsatz der Wikipedia und anderen Wikis im Bildungs-und Forschungsbereich, wie zum Beispiel das Projekt WikiVet, das Veterinärmedizinern verschiedener Länder als Lernplattform dient. Zu erwähnen ist auch die Keynote von Amber Thomas (Projektmanagerin im Bereich OER von JISC), die Ideen des Austauschs zwischen Bildung, Forschung und Wikipedia vorstellte. Neue Ansätze für die Bewertung  informellen Lernens, wie das Mozilla Foundation Open Badges Projekt, wurden kontrovers diskutiert.

Zusammenfassendes Fazit ist: Großbritannien ist nicht das einzige Land, das Wikipedia in verschiedene Bildungskontexte einbindet. Besonders die Bedeutung, die der Wikipedia als “accessible reference point”, d.h. als Ausgangspunkt für viele Forschungsvorhaben und wissenschaftliche Arbeiten zukommt, wurde betont. Und damit gilt: Bessere Vernetzung hilft allen, um freien Zugang zu Wissen für möglichst viele Menschen sicherzustellen.

 

 

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Alle reden vom Wetter. Wir nicht. Open Data für die Bahn. [update: Antwort der Bahn]

Manche Gespräche beginnen in einem Cafe, in einer Sbahn, einem Konferenzraum, manche Gespräche beginnen auf Twitter:

Und weil 140 Zeichen nicht für alle Belange des Lebens ausreicht, kommen wir der Bitte der Bahn zum Medienwechsel gerne nach:

 

Sehr geehrte Damen und Herren, lieber Kai (/ki),

gerne möchten wir unser auf twitter begonnenes Gespräch hier fortsetzen und Ihnen kurz das Anliegen schilden, damit Sie es an die zuständige Stelle bei Ihnen im Haus weiterleiten können.

Im Interesse ihrer Kunden und zur Verbesserung der Qualität ihrer Dienstleistung schlagen wir der Bahn (wieschonvielevoruns) vor, umfangreiche Datensätze über den Fahrplan und die aktuellen Fahrinformationen zum Download und zur freien Nachnutzung bereitzustellen. Freie Nachnutzung bedeutet hier die Einräumung von Nutzungsrechten, die die nichtkommerzielle wie kommerzielle Speicherung, Verarbeitung, Bearbeitung und Weitergabe der Daten ermöglicht.

Wir gehen davon aus, dass diese Daten auf viele Arten genutzt werden, die weit über das Leistungsspektrum der bisherigen, u.a. auch durch die Verkehrsbetriebe angebotenen Webservices hinausgehen; von Visualisierungen über hochpersonalisierte Fahrempfehlungen über die Integration in andere Dienstleistungen, und sei es die Immobiliensuche, auf der Wohnungen nach Kriterien wie “maximal 30 Fahrminuten von X (z.B. dem Arbeitsplatz) nach Potsdam Charlottenhof, erreichbar bis mindestens 22:30 Uhr auch an Samstagen” gefiltert werden können.

Wir gehen insbesondere davon aus, dass eine Reihe von Anwendungen so entwickelt werden, an die keiner von uns bislang gedacht hat, von denen aber jeder nach einer Woche sagen wird, es sei unmöglich, ohne sie zu leben. Nichts sollte die Bahn davon abhalten, auf diesen Pool an Ideen, Mockups und Implementierungen zuzugreifen und ihr eigenes Angebot auf ihren eigenen Seiten damit anzureichern, wenn sie darin einen Mehrwert sieht.

Die Daten liegen der Bahn bereits vor, sie müssen nicht erst extra erhoben werden. Sie sind aus datenschutzrechtlicher Sicht unbedenklich, erkennbar schon daran, weil sie – konfektioniert als Einzeldatensätze über die entsprechenden Masken auf bahn.de – abrufbar sind.

Folgende Datensätze bieten sich insbesondere an, um vielfältige Nachnutzungen zu ermöglichen:

* Basisdaten über Bahnhöfe und Stationen (Geokoordinate, Bezeichnung)
* Fahrplandaten
* Live-Daten über die aktuelle Situation, Verspätungsmeldungen, zusätzliche Halte, etc, analog der von bahn.de/ris angebotenen Daten

Diese Liste ist nicht abschließend.

Wie die zuständigen Fachabteilungen schon wissen sollten, ist das Interesse an der Freigabe dieser Daten hoch und es arbeiten bereits jetzt schon engagierte Menschen an Alternativen, solange es hier von DB-Seite noch keine eigene Bereitstellung gibt. Eines dieser Projekte ist openPlanB, sie sollten dieses Team unterstützen.

2007 wurden in einem sehr gut lesbaren Dokument definiert, was die Voraussetzung für Open Data sein sollte, es gibt neben dieser Sebastopol Open Government Data-Definition noch ein weiteres Dokument, das die insbesondere lizenzrechtlichen Mindestvoraussetzungen für das Label Open erklärt: Die Open Definition.

Als Betreiber einer systemrelevanten Infrastruktur unserer Republik sähen wir gerne die Bahn als Vorreiterin einer innovationsfreundlichen Kultur des Austausches zwischen ihr und ihren Kunden. Wir stehen für Rückfragen jederzeit zur Verfügung,

Jens Best (@jensbest)
Mathias Schindler (@presroi)

 

[update 12. September 2012, 15 Uhr:]

Die Bahn hat auf das twitter-vermittelte-email-blogposting mit einer Email geantwortet, ich gebe diese Antwort aus dokumentarischen Gründen ungekürzt wieder:

Hallo Herr Schindler,

ich habe heute die Rückmeldung unserer Kollegen erhalten, die ich Ihnen –wie angekündigt- weiterleite. Hier nun die Rückmeldung des Fachbereichs:

Wir haben das Projekt “openPlanB” noch nicht abschließend bewertet. Dazu ein paar grundsätzliche Bemerkungen. Reine Rohdaten (Open Data) helfen eigentlich nicht wirklich weiter, da ja ohne den entsprechenden Algorithmus damit wenig angefangen werden kann. Dass wir Crowd-Sourcing (also die vielen freien Ideen) zwar nicht offiziell unterstützen, aber üblicherweise tolerieren, zeigen ja die zahlreichen Apps und Anwendungen, die es zu bahn.de gibt. Diese parsen die entsprechenden Daten auf bahn.de aus. Für uns stellt sich die Frage, welchen Mehrwert “openPlanB” bietet. 

Die Deutsche Bahn (DB) investiert einen hohen Aufwand in die Pflege und die Aufbereitung der Fahrplandaten, um daraus für die Kunden optimale Fahrplanauskünfte für den jeweilig konkreten Reiseanlass anbieten zu können. Entsprechende Anwendungen wie die Fahrplanauskunft auf bahn.de oder den DB Navigator entwickeln wir ständig weiter und sind dabei für Anregungen von Kunden und Dritten offen. Bahn.de arbeitet seit einigen Jahren auch mit einer großen Anzahl an Partnern in verschiedenen Kooperationsformen (Schnittstellen, Widgets, etc.) zusammen, auch hier evaluieren wir regelmäßig weitere neue Modelle. Hierbei ist für die DB die Qualitätssicherung der Auskünfte für ihre Kunden immer von besonderer Bedeutung. 

Lieber Herr Schindler, da dieses Thema auch für uns und unsere Kunden interessant ist, werde ich die Information auch als Service-Notiz auf www.bahn.de/dbbahn einstellen.

Viele Grüße vom Twitter-Team und mir, /to

Ihr Twitter-Team (http://twitter.com/DB_Bahn)

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Klicksafe: Fünf Tipps für den Umgang mit Wikipedia im Unterricht

Der Startschuss für die Zusammenarbeit mit Klicksafe und dem Bereich Bildung und Wissen ist gefallen: Ziel ist die gemeinsame Erarbeitung von Unterrichtsmaterialien.

Unter dem Stichpunkt “Suchen und Recherchieren im Netz” finden sich nun fünf Artikel in anschaulicher Form zum Thema Wikipedia:

  • Wie verlässlich ist Wikipedia?
  • Woran erkenne ich einen guten Artikel?
  • Wie funktioniert Wikipedia?
  • Wie recherchiert man mit Wikipedia?
  • Wie setzt man Wikipedia im Unterricht ein?

Diese neuen Seiten geben einen guten Einblick in die Vielschichtigkeit von Wikipedia und bieten neue Ansätze für die Einbindung dieser Aspekte in den Unterricht. Speziell wird z.B. die Historie der Artikel, thematisches Arbeiten und Quellenumgang in kurzer und überischtlicher Art erläutert. Dieser zweite Schritt ebnet den Weg zu einer weiteren Zusammenarbeit für das kommende Jahr. Zusammen mit den Teilnehmenden der Wikipedia-AG, die ab Ende September mit dem niedersächsischen Kultusministerium in Hannover startet, werden dann 2013 Materialien erarbeitet, die Lehrern im Unterricht den Einsatz von Wikipedia erleichtern werden.  So lange hier schonmal ein kleiner Vorgeschmack.

 

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Wikipedia mit deinen Augen

Dgultekin, CC-BY-SA 3.0

 

Für die Suche nach Geschichten für die kommende Spendenkampagne war uns eins klar: Wir müssen zur WikiCon. Wo, wenn nicht dort, finden wir en Masse Freiwillige, die mit viel Herzblut Wikipedia jeden Tag neu erschaffen? Unsere Erwartungen wurden vollends erfüllt. Wir führten viele Gespräche und tauschten uns aus: Mit zahlreichen Personen haben wir einstündige Interviews geführt und weitere Autoren konnten wir für ein Interview zu einem späteren Zeitpunkt gewinnen. Für das Interesse und die Unterstützung möchten wir uns hiermit nochmal herzlich bedanken!

Während unserer Interviews erhalten wir einen sehr direkten Zugang zu den Motiven und Beweggründen des Ehrenamtlichen. Es sind Fragen nach Gefühlen und Handlungen, nach Innen- und Außenperspektiven. Es geht um persönliche Ansichten und Meinungen. Kurzum: Es geht um die Menschen hinter Wikipedia.

Wir vom Team Fundraising fühlen uns geehrt, im Rahmen der Gespräche, die persönlichen Ansichten eines Menschen zu Wikipedia und seinem Engagement zu erfahren. Es ist spannend zu erfahren, wie unterschiedlich die Perspektiven auf Wikipedia manchmal sind. In welchem anderen Projekt sonst kann ein Schüler aus Baden-Württemberg mit einem Wikipedianer aus Paderborn, dessen Geburt 86 Jahre zurück liegt, zusammenarbeiten? Nirgendwo sonst kommen so leicht so viele unterschiedliche Menschen für eine gemeinsame Sache zusammen. Das ist einer der Gründe, wieso Wikipedia so faszinierend ist.

Die Aufgabe von uns als Fundraiser ist es, diese verschiedenen Perspektiven im Rahmen der Spendenkampagne wiederzugeben. Die wunderbaren Erfahrungen auf der WikiCon belegen, dass jeder Mensch eine spannende und eigene Geschichte hat. Es ist wichtig, dass während der größten jährlichen Öffentlichkeitskampagne für Wikipedia so viele Geschichten wie möglich präsentiert werden. Es geht nicht nur um die Perspektive des Gründers, es geht gerade um die Perspektiven der Autoren, Wikimedianer, Sympathisanten, Leser und Spender. Kurzum: Es geht um Wikipedia aus der Multiperspektive, es geht um Wikipedia aus deinen Augen.

Seit einigen Tagen ist unsere neue Portalseite zur Spendenkampagne 2012 fertig. Hier gibt es aktuelle Neuigkeiten, Hintergründe und bald auch wieder Testergebnisse zu sehen. Die Portalseite soll ein Ort des Mitmachens sein. Wenn du deine Geschichte erzählen möchtest, Fragen und Anmerkungen oder Kritikpunkte hast, dann bist du dort genau richtig. Wir freuen uns auf deine Teilnahme.

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GLAM & QRpedia im Museum für Hamburgische Geschichte

Ein Gastbeitrag von Peter Weis zum Workshop im Museum für Hamburgische Geschichte im August 2012, gefördert von Wikimedia Deutschland.

Bereits Ende 2010 begannen die ersten Gespräche mit dem Museum für Hamburgische Geschichte ob einer möglichen GLAM-Kooperation zusammen mit der örtlichen Community und dem Museum.
Wenn von GLAM-Kooperationen (Galleries, Libraries, Archives and Museums) die Rede ist, ist die Zusammenarbeit von kulturellen Gedächtnisinstitutionen und Wikimedianern gemeint. Viele der freiwilligen Autoren haben berufliche oder private Verbindungen zu Institutionen und nutzen diese bereits seit langer Zeit um etwa die eigene Artikel- oder Bilderarbeit in der Wikipedia oder auf Wikimedia Commons zu verbessern. In Deutschland findet der Begriff und das Konzept hinter GLAM erst seit kurzem Verwendung, bekommt aber immer mehr Zulauf.

Die Zusammenarbeit mit dem Museum für Hamburgische Geschichte, die erste deutsche GLAM-Kooperation, ist durch eine ähnliche Zusammenarbeit mit dem Tropenmuseum in den Niederlanden inspiriert. Wichtigstes Ziel ist es eine Brücke zwischen Institution und Community zu schlagen, sowie das Verständnis für freies Wissen und die Herausforderungen von GLAM-Institutionen im digitalen Zeitalter auf beiden Seiten zu stärken. Um dieses Ziel zu erreichen, fand 24. – 26. August dieses Jahr zum zweiten Mal ein Workshop im Museum für Hamburgische Geschichte statt.

Absicht für diesen Workshop war es, die bestehende Kooperation mit dem Museum für Hamburgische Geschichte auszubauen, indem Artikel und Bilder für ein QRpedia Projekt im Haus geschaffen werden. Für die teilnehmenden Wikimedianer sollte am Workshop die Möglichkeit des gemeinsamen Arbeitens und Erfahrungsaustauschs rund um die Themen Photographie, Artikelarbeit und Hamburg im Allgemeinen geschaffen werden. Ein Workshop lebt von der aktiven Mitarbeit der Community: ohne die vielen freiwilligen Autoren, Photographen und sonstig Mitwirkenden wäre dieses Projekt nicht durchführbar gewesen.

“Im Gebet beim Laubhüttenfest” von Paula Gans. Fotografiert auf dem 2. Hamburger Workshop von Peter Weis.


Der Workshop selbst bot für die Teilnehmer sehr viele Freiräume. Neben den klar formulierten Zielen für das QRpedia Projekt, Photobitten aus der Community und einzelnen Anfragen, gab es kein festgezurrtes Programm. Selbstständigkeit und Initiative sind Teil des Konzeptes und ermöglichten den Teilnehmern einen individuellen Zugang zur Austellung und den Inhalten des Museum für Hamburgische Geschichte. Die organisatorischen Eckpunkte des Workshops in Verbindung mit einer freien Zeitgestaltung haben dazu geführt, dass die Atmosphäre wesentlich entspannter war und die Teilnehmer intensiv an ihrem Projekt im Rahmen des Workshops arbeiten konnten. Neben der Photographie in der Ausstellung und von ausgewählten Objekten aus der Sammlung des Museums konnten auch die Autoren dank eines bereitgestellten Handapparates an ersten Artikeln arbeiten.

Das QRpedia Projekt im Museum für Hamburgische Geschichte ist zunächst ein Pilotprojekt und dreht sich rund um die im Museum verbauten architektonischen Elemente aus ganz Hamburg. Einige dieser Elemente haben aufgrund des Hamburger Brandes von 1842 oder städtebaulichen Veränderungen ihren Eingang in das Museum gefunden und sind dort seit Beginn verbaut. Neben Portalen, Säulen findet man auch ganze Decken, die jetzt im Museum für Hamburgische Geschichte verbaut sind. Im Rahmen des Workshops wurde die Vorbereitung für die Installation der QRpedia QRcodes geleistet: erste Artikel wurden geschrieben, Bilder der Objekte wurden erstellt und die technischen Bedingungen vor Ort überprüft. Die Vorbereitung für die Installation der QRcodes ist also in vollem Gange.

Nach diesem ereignisreichen Wochenende können wir mit einer soliden Bilanz aufwarten, die die Erwartungen in einigen Punkten übertrifft: 25 neue Artikel auf Englisch, Deutsch und Katalanisch, 163 neue Bilder, etliche Detailanpassungen, sowie Wartungsarbeiten und ein neuer Wikimedianer. 16 Wikimedianer vor Ort und eine handvoll spanischer Wikimedianer, rund um Benutzer:Kippelboy, die nach dem Workshop anfingen alle bisher geschriebenen Artikel auf Katalanisch zu übersetzen, machten dies möglich. Selbstverständlich gibt es für’s nächste Mal auch Nachsteuerungsbedarf, den wir hier dokumentiert haben. Neben unseren Gästen von der Hamburger Kunsthalle, Freelens und Kulturwerk West konnten auch eingefleischte Wikimedianer, sowie die teilnehmenden Mitarbeiter des Museums für Hamburgische Geschichte einen besseren Einblick in die Arbeit der Community, die Kooperation mit dem Museum an sich und das System QRpedia gewinnen.

Wer Interesse an der Arbeit der Hamburger Wiki Community hat, kann sich auf Wikipedia:Hamburg über den nächsten Stammtisch informieren oder eine Nachricht hinterlassen. Informationen über GLAM gibt es auf Wikipedia:GLAM (deutsch) oder auf wikimedia.outreach (englisch). Details über die Kooperation mit dem Museum für Hamburgische Geschichte können auch per Mail oder Twitter angefragt werden.

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Frauen und Männer in Rot

Vom 31.8. bis zum 2.9. empfängt die WikiConvention 2012 die ehrenamtlichen Helfer der Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte in Dornbirn. Wikimedia Deutschland ist mit einem Team ebenfalls vor Ort. Hier im Blog blicken wir zurück auf die Veranstaltungstage.

 

Tag Zwei der WikiConvention im Vorarlberger Dornbirn. Es ist eine Sache zu betonen, dass die dreitägige Veranstaltung mit über 200 Teilnehmern von ehrenamtlichen Wikipedianern organisiert wird. Was das eigentlich bedeutet, ist eine ganz andere. Ein kleiner Zwischendank.

Mit ihren roten T-Shirts sind die Frauen und Männer von allen Hilfesuchenden schnell zu erkennen. Sie haben eine Antwort auf jede Frage, vom Internetzugang bis zum Hoteltransfer. Man könnte meinen, sie schüttelten ihre Unterstützung einfach aus der Hand. Tatsächlich liegen aber Monate der Planung hinter ihnen. Gerade in den letzten Wochen vor der WikiConvention dürfte sich der eine oder andere von ihnen gefragt haben: Ist das noch Hobby?

Der Punkt am Ehrenamt ist natürlich, dass die Arbeit gerne und freiwillig gemacht wird. Sicher. Warum wir finden, dass Ehrenamtlichkeit eine gute Sache ist, hat aber einen anderen Grund: Die Arbeit kommt etwas oder jemandem zu Gute. Und so besetzen die Organisatoren heute den ganzen Tag lang den Eingangsbereich der FH Vorarlberg, damit jeder Neuankömmling einchecken und die Veranstaltungsunterlagen in Empfang nehmen kann. Zeit, die zahlreichen Vorträge und Workshops selber zu besuchen, bleibt ihnen wenig oder überhaupt nicht.

Die WikiConvention ist für die Anderen. Unter dem Motto Gemeinschaft finden nacheinander Veranstaltungen, insbesondere zu Partnerschaften zwischen Wikipedia und kulturellen wie wissenschaftlichen Institutionen statt. Da könnte es theoretisch schnell akademisch werden, aber nicht mit Wikipedianern. So verweist der Referent auf ein Museum, dessen Name per Beamer aus der Wikipedia an die Wand geworfen wird. Weil der Name nicht mit einem Artikel verlinkt ist, wird kurzerhand das Publikum gebeten, das mal eben einzubinden. Weiter im Text.

Aha-Effekte und Diskussionen gibt es im Themenstrang Technik. Klingt trocken, ist aber äußerst lebhaft! Im gut besuchten Vortrag zu RENDER haben die meisten Zuhörer noch gar nichts vom Projekt gehört. Kaum erklärt die Referentin einzelne Tools, mit denen Leser und Bearbeiter Hinweise zur Qualität von Artikeln erhalten, muss sie das Plenum auch schon beim Philosophieren über technische Details bremsen.

Auch die gestrige Diskussion über verbessertes Arbeitsklima in der Wikipedia wird in mehreren Workshops engagiert fortgesetzt. Überhaupt finden noch viele Veranstaltungen mehr statt, aber es ging ja um die Frauen und Männer in Rot. Die sind nicht dabei. Während all das Gesagte passiert, übernehmen sie die Kinderbetreuung, kümmern sich um Garderobe und Taschen oder bieten ihre Hilfe bei der Drahtlosverbindung an, bevor der oder die Bedürftige überhaupt bemerkt, dass die nicht geht (mir passiert). Jemand von ihnen bringt mit seinem Auto auf Zuruf Teilnehmer zum Bahnhof. Kein Problem. Wenige Minuten später hält derselbe Helfer die Tür zur Mensa für die wartende Essensschlange auf – und zwar, bis der letzte Hungrige nach einer halben Stunde drinnen ist. Nachfragen, ob das nötig ist, werden lächelnd und mit der Selbstverpflichtung eines Schiffskapitäns abgewiegelt.

Nichts davon müssten die ehrenamtlichen Organisatoren tun, aber all das gehört für sie zu diesem Projekt. Wenn es von den Teilnehmern nicht viel Lob gibt, dann weil sie sich voll auf das Programm konzentrieren können. Ein größeres Lob gibt es für Organisatoren vielleicht nicht. Trotzdem natürlich: Vielen Dank für diesen zweiten Tag! Der Sonntag kann kommen.

 

Orga-Team der WikiCon 2012
Michael Jahn, CC-BY-SA 3.0

 

 

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Als GLAM-Frau auf der WikiCon

Vom 31.8. bis zum 2.9. empfängt die WikiConvention 2012 die ehrenamtlichen Helfer der Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte in Dornbirn. Wikimedia Deutschland ist mit einem Team ebenfalls vor Ort. Hier im Blog blicken wir zurück auf die Veranstaltungstage.

 

WikiCon ist so wieder eine Gelegenheit, wo ich mir wünsche, dass ich eine Art Oktopus sein könnte. Nur hätte ich nicht acht Arme, sondern acht Köpfe, um all die Infos aufzunehmen, die Anregungen zu verarbeiten, die mir geschenkt werden, und schließlich auch wieder Inputs zu geben. Ich bin hier in der Funktion als Kuratorin für Kulturpartnerschaften im Auftrag von Wikimedia Deutschland.

„Paid Editing“ (bezahlte Wikipedia-Bearbeitungen), eine Open Space-Session am Samstag Morgen, zeigt mir wie wichtig es ist, dass Diskussionen über unsere Haltung als Verein und Community sowohl breit geführt, aber schließlich auch dokumentiert werden. Denn als GLAM-Kuratorin möchte ich im Dialog mit den Institutionen eine klare Linie zu der Thematik präsentieren können.

Mir schien es zwei wesentliche Positionen zu geben: an dem einen Ende „Grundsätzlich werden Wikipedia Autoren, die Artikel gegen Bezahlung schreiben, gesperrt.“ und am anderen „So lange es sich um keinen PR Text handelt, ist doch alles gut“. Aus meiner persönlichen Erfahrung im Dialog mit Kultureinrichtungen kommt vielleicht neu hinzu, dass wir auf Grund der gewachsenen gesellschaftlichen Relevanz der Wikipedia insgesamt eine Verantwortung haben für die Güte der Artikel, und es daher freizügiger erlauben sollten, dass Betroffenen möglich ist, schlechte oder unausgewogene Artikel selbst ausgleichen zu können. Denn diese Arbeit kann nicht dem einzelnen freiwilligen Autor auferlegt werden.

Science in GLAM, eine Session mit Dr. Mietchen, entführte höchst motivierend in das spannende Aktionsfeld der Zusammenarbeit zwischen naturwissenschaftlichen Einrichtungen und Wikimedia. Hier bekam man so viele Anregungen dafür, was man noch machen kann, – von wegen „low hanging fruits“ – Blumenartikel fehlen für das QR-Code-Projekt im Botanischen Garten in Graz. Einrichtungen öffnen sich für Wikipedianer und bezahlen sie, siehe oben, um ihre Sammlung zu digitalisieren. Wäre das nicht etwas, was man selbst mal versuchen könnte, mit dem Museum oder der Forschungseinrichtung in meiner Nähe?

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