Veröffentlicht von
Mathias Schindler am Montag, 30. März 2009, 23:45 Uhr
Via Ars Technica lernen wir, dass Microsoft sich offenbar endgültig von den Encarta-Produkten verabschieden will. In den letzten Jahren kam es bereits zu einer Ausdünnung der physischen Produktlinie, der Fokus lag spätestens seit 2007 auf dem ehemals stark mit der MSN-Suchmaschine verzahnten Onlineportal, das 2000 an den Start ging.
Laut MSN-FAQ gibt es für das Ableben von Encarta folgenden Zeitplan:
- Juni 2009: Ende des Verkaufs der Encarta-Produkte (“Microsoft Student”, “Encarta Premium”)
- 31. Oktober 2009: Die Onlineportale von MSN Encarta gehen offline (Ausnahme: Japanischsprachige Encarta)
- 31. Oktober 2009: Encarta-Produkte werden nicht mehr länger aktualisiert (Ausnahme: Japanischsprachige Encarta)
- 31. Dezember 2009: Die japanischsprachige MSN Encarta geht offline
- 31. Dezember 2009: Japanischsprachige Encarta wird nicht mehr aktualisiert
- Ende 2012: Ende des technischen Supports für die Encarta-Produkte
Ebenfalls in der FAQ findet sich eine eher allgemein gehaltene Begründung für die Einstellung der Produktreihe:
Encarta has been a popular product around the world for many years. However, the category of traditional encyclopedias and reference material has changed. People today seek and consume information in considerably different ways than in years past. As part of Microsoft’s goal to deliver the most effective and engaging resources for today’s consumer, it has made the decision to exit the Encarta business.
Dieser Einschätzung kann man durchaus zustimmen. Encarta war seit 1993 Teil dieses Wandels und hat durch technische Innovation, hartes Marketing und eine entsprechend massenorientierte Preispolitik über einige Zeit das Tempo vorgegeben, an vielen Stellen finden sich Fragmente dieser Geschichte bei wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten als Fallbeispiel für den Wandel schlechthin.
Der Rest ist pure Wiederholung und findet sich bereits in meinem Blogeintrag über das Ende des Meyers Lexikon Online. Eine Email an Microsoft ging heute heraus, vielleicht lässt sich ja hier eine Lösung für die (freie) Zukunft der Encarta-Inhalte finden.
Tags: Encarta, Freies Wissen
Veröffentlicht in Inhaltsbefreiung | 3 Kommentare »

Loading ...
Veröffentlicht von
Mathias Schindler am Donnerstag, 26. März 2009, 11:26 Uhr
Gestern stolperte ich über ein Interview mit Andreas Langenscheidt, gegenwärtiger Vorsitzender des Aufsichtsrates von BIFAB (Duden, Meyers, und derzeit noch Brockhaus). Dort geht es eigentlich um den Verkauf an Cornelsen, eine Frage spricht aber auch direkt die Wirrungen um “Brockhaus Online” an:
Kamen die Bemühungen mit Brockkaus online zu spät?
Brockhaus online war nicht der erste Versuch. Wir haben mit hohen Investitionen vor vielen Jahren mit dem Projekt Xipolis schon einmal einen Anlauf in Mannheim genommen, der aber leider gescheitert ist. Vor einigen Wochen konnten wir gerade in den Medien verfolgen, dass sowohl Wikipedia als auch z.B. Knol mit den Schwierigkeiten der Refinanzierung eines kostenfreien Portals konfrontiert sind. Im Bereich Wissen gab es in letzter Zeit mit Meyers Online Versuche, ebenso mit Brockhaus. Der entscheidende Punkt ist schließlich das Erlösmodell. Ich kenne im Moment kein Verlagsunternehmen, das mit kostenlosen Inhalten, ernsthaft Geld verdient.
Ich bin nicht sicher, auf welchen Medienbericht sich Langenscheidt bezieht, wenn es um die Refinanzierungsschwierigkeiten von Wikipedia geht, grundsätzlich liegt er aber richtig: Nicht nur in Bankenkrisenzeiten ist es nicht einfach, Spenden zu sammeln. Die Wikimedia Foundation und Wikimedia Deutschland erleben dies jeden Tag wieder. Erfreulich daran ist, dass es bisher immer gelungen ist, den Betrieb und den Ausbau der Infrastruktur zur Unterstützung von Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte sicherzustellen.
Weiterlesen »
Tags: Brockhaus, Presse
Veröffentlicht in Inhaltsbefreiung | 3 Kommentare »

Loading ...
Veröffentlicht von
Mathias Schindler am Dienstag, 24. März 2009, 13:22 Uhr
Am 31. März fahre ich nach Berlin und es ist jedes Mal eine schöne Sache, die Hauptstadt zu besuchen. Diesmal wird es eine ganz besondere Freude sein, denn die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek Dresden und mein Verein werden in den Räumen der Zentral- und Landesbibliothek Berlin eine Kooperation ankündigen, die es in sich hat – hundertausendfach.
Sichtbarster Teil dieser Kooperation ist die Freigabe von 250.000 Bildern aus den Beständen der Deutschen Fotothek unter Creative Commons cc-by-sa und der Upload dieser Bilder auf Wikimedia Commons, dem Bilderarchiv der Wikimedia Foundation.
Eingebettet ist dies in eine Verknüpfung von Personendaten, um die Inhalte dauerhaft auffindbar zu machen. Andere Arten der Verknüpfung und Anreicherung von Metadaten gehören dazu und werden ebenfalls am 31. März vorgestellt.
Dies ist die zweite Kooperation dieser Art, die Wikimedia Deutschland eingegangen ist. Seit Dezember 2008 kooperieren wir mit dem Bundesarchiv, das initial 100.000 Bilder ebenfalls unter cc-by-sa freigegeben hat. Viele dieser Bilder sind inzwischen in Wikipedia-Artikel an passender Stelle eingearbeitet.
Auf den Seiten der ZLB liegt seit heute die Einladung für die Pressekonferenz als PDF.
Weiterlesen »
Tags: Bilder, Creative Commons, Fotothek, SLUB, wikimedia
Veröffentlicht in Inhaltsbefreiung | 9 Kommentare »

Loading ...
Veröffentlicht von
Mathias Schindler am Dienstag, 24. März 2009, 07:22 Uhr
Im August 2006 stellte das Bibliographische Institut & F.A. Brockhaus (BIFAB) die Inhalte des Meyers-Konversationslexikons online – die Inhalte (weiterhin gedruckt für 150 Euro im Buchhandel) waren ab sofort kostenfrei auf lexikon.meyers.de einsehbar. Als Softwareplattform für dieses Projekt kam eine modifizierte MediaWiki-Version zum Einsatz, der man die öffentlich einsehbare Versionsgeschichte und die Möglichkeit zur öffentlichen Mitarbeit entfernt hatte. Zum einjährigen Relaunch “Meyers Lexikon 2.0″ führte der Verlag dann so etwas ein wie “gesichtete Versionen”: Angemeldete Nutzer konnten Vorschläge für Artikeländerungen einreichen, die dann von der BIFAB-Redaktion geprüft und ggf. eingearbeitet wurden.
Anfang 2008 wurde es dann etwas unübersichtlich: Mit dem Ausblick auf einen Millionenverlust und wegen der Absatzprobleme der gedruckten 21. Auflage der Brockhaus-Enzyklopädie kündigte der Verlag an, mit einer neuen Tochterfirma und einer neuen Seite namens “Brockhaus Online” ein Navigator der Wissenswelt werden zu wollen. Die Pläne klangen durchaus nicht uninteressant: Der komplette Bestand der Brockhaus-Enzyklopädie (und der diversen anderen Textsubstanzen, die auch schon auf dem Bezahlportal www.brockhaus-enzyklopaedie.de eingemischt waren), dazu ein starker Medienpartner für tagesaktuelle Inhalte und Millionen von Bildern, all das kostenlos und werbefinanziert. Der Starttermin im April wurde dann kurzfristig abgesagt, verschoben, abgesagt und zuletzt stillschweigend beerdigt.
Weiterlesen »
Tags: Brockhaus, Lizenzen
Veröffentlicht in Inhaltsbefreiung | 2 Kommentare »

Loading ...
Veröffentlicht von
Mathias Schindler am Donnerstag, 19. März 2009, 12:57 Uhr
Seit Dezember 2008 kooperiert Wikimedia Deutschland e.V. mit dem Bundesarchiv bei der Bereitstellung von Bildern unter Freier Lizenz. Ein wichtiger Teil dieser Kooperation ist die Verknüpfung der Personendaten des Bundesarchivs, der Wikipedia-Personendaten und der Personennamendatei der Deutschen Nationalbibliothek, unserem Kooperationspartner seit 2003. Dieses Matching erzeugt im Idealfall einen Datensatz, der anzeigt, dass
a Bundesarchiv) Okuma | Premierminister | Japan
b Wikipedia) [[Ōkuma Shigenobu]] – 8. und 17. Premierminister von Japan (* 1838; † 1922)
c PND) Ōkuma, Shigenobu (119096420) – Premier- und Außenminister; Japan. Politiker (Land: XB-JP; Lebensdaten: 1838-1922)
die gleiche Person bezeichnen. Wer also nach dem erfolgreichen Matching ein Bild im Bundesarchiv entdeckt, wird mühelos auf den Wikipedia-Artikel zur abgebildeten Person weitergeleitet und kann dort mit einem Klick nachschlagen, was diese Person in Deutschland publiziert hat oder was über sie publiziert wurde. Dank des Forschungsprojektes VIAF geht es dann sogar noch weiter in die Bestände der französischen, schwedischen und US-amerikanischen Nationalbibliotheken oder ihrer Äquivalente.
Seit heute sind von 59.073 Datensätzen des Bundesarchivs bereits 70% erfolgreich bearbeitet, das für Ende März erhoffte Ziel wurde also erfolgreich vorzeitig erreicht und allen Helfen von Bundesarchiv und Wikipedia/Wikimedia möchte ich meinen herzlichsten Dank aussprechen.
Für diese wie auch für alle nachfolgenden Kooperationen mit ähnlicher Konzeption werden wir auch weiter Helfer benötigen, die Lust und Zeit
haben, die Personendaten in der Wikipedia zu pflegen und gegen andere Datensätze abzugleichen.
Interessierte können sich vertrauensvoll an mich (mathias.schindler@wikimedia.de) wenden (Stichwort: Personendatenmatching).
Tags: Freies Wissen
Veröffentlicht in Inhaltsbefreiung | 3 Kommentare »

Loading ...
Veröffentlicht von
Mathias Schindler am Freitag, 5. Dezember 2008, 14:50 Uhr
Ungefähr ein Jahr lang haben drei Wikimedianer mit dem Deutschen Bundesarchiv diskutiert, argumentiert, Pläne geschmiedet und Vertragsentwürfe herumgeschickt, bis das Projekt spruchreif war: Wikimedia Commons erhält vom Bundesarchiv auf einen Schlag knapp 100.000 Bilder unter der freien Lizenz Creative Commons cc-by-sa, die eine umfassende Nutzug der Bilder für beliebige Zwecke erlaubt.
Am 4. Dezember fand in Berlin die Pressekonferenz dazu statt, um die frohe Kunde in die Öffentlichkeit zu bringen. Während die Journalisten also den Erläuterungen der Bundesarchiv-Vizepräsidentin Prof. Dr. Angelika Menne-Haritz, dem Leiter des Bildarchivs Dr. Oliver Sander, dem Geschäftsführer von Wikimedia Deutschland Sebastian Moleski und Mathias Schindler (der von der FAZ zum Wikipedia-Gründer und vom Tagesspiegel zum Wikimedia Commons-Projektleiter befördert wurde) lauschten, rauschte gleichzeitig die Bilderflut nach Commons.
Grundvoraussetzung für diese Zusammenarbeit ist die konsequente Arbeit von Wikimedia Commons, eine erstklassige Mediendatenbank zu schaffen und zu pflegen, mit größter Rücksichtnahme auf alle urheberrechtlichen Fragen. Hinzu kommt die Erfahrung von Wikipedia, personenbezogene Inhalte mit der Personennamendatei (PND) der Deutschen Nationalbibliothek zu verknüpfen. Dieses Projekt läuft schon seit 2005 und verschafft den Lesern der Wikipedia einen direkten Zugang auf weiterführende Literaturangaben. Auch hier reifen gerade Pläne für den Ausbau der Zusammenarbeit mit dem bibliographischen Zentrum Deutschlands.
Für diesen großartigen Moment waren viele helfende Hände zur Stelle, sowohl Wikimedianer als auch Bundesarchiv-Angestellte und die Dienstleistungsfirmen dieser Behörde und allen gebührt Dank für die Mitarbeit. In Koblenz und Berlin wurden ungezählte Stunden bei der nötigen Arbeit zum Abgleich der Personenlisten von Bundesarchiv, Wikipedia und Nationalbibliothek verbracht, in einer beeindruckend hohen Qualität und noch beeindruckenderen Schnelligkeit. Jetzt, da sich die Kategorien auf Wikimedia Commons füllen und erste Bilder ihren Weg nach Wikipedia finden, beginnt der spannendste Teil der Arbeit: Nutzt die Inhalte!
Weiterführende Links
Gemeinsame Pressemitteilung von Bundesarchiv und Wikimedia Deutschland: Bilder-Buch-Beziehung im Internet
Pressespiegelauszug
Tags: Freies Wissen, Presse
Veröffentlicht in Wikimedia Commons | 11 Kommentare »

Loading ...
Veröffentlicht von
Mathias Schindler am Dienstag, 18. März 2008, 18:28 Uhr
Drei Mitglieder des Vorstands von Wikimedia Deutschland werden sich zukünftig auch beruflich mit Wissensplattformen, der Wikipedia und Online-Communities beschäftigen.
- Kurt Jansson wird ab April 2008 als Redakteur für das Portal Spiegel Wissen tätig sein. Über das Portal sind alle Texte des Spiegel seit seiner Gründung im Jahr 1947 kostenlos abrufbar, hinzu kommen Artikel der Bertelsmann-Lexika und -Wörterbücher sowie der Wikipedia. Neben der redaktionellen Tätigkeit wird er vor allem mit der konzeptionellen Weiterentwicklung der Plattform beschäftigt sein. (Weitere Informationen)
- Frank Schulenburg leitet ab März 2008 den Bereich Public outreach der Wikimedia Foundation. Zu seinen Aufgaben gehört die Organisation weiterer Wikipedia Academies sowie die Entwicklung von Strategien zur Einbindung bislang in den Projekten unterrepräsentierter Gruppen wie etwa den Sprechern kleinerer Sprachen oder älterer Menschen. Darüberhinaus wird er neue Veranstaltungskonzepte und Materialien entwickeln, die die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Wikimedia-Projekte erhöhen und ihr Verständnis erleichtern. (Weitere Informationen)
- Tim Bartel ist seit Februar 2008 als Country Manager Germany für Wikia tätig. Das vom Gründer der Wikipedia, Jimmy Wales, und Angela Beesley Ende 2004 gegründete Unternehmen bietet einen kostenlosen Hosting-Dienst für Wiki-Projekte und arbeitet an der Weiterentwicklung der Suchmaschine Wikia Search, die Anfang Januar 2008 online ging. Neben dem Aufbau und der Betreuung der deutschsprachigen Wikia-Community gehören auch die Pressearbeit und die Koordination aller Aktivitäten im deutschsprachigen Raum zu seinen Aufgaben. (Weitere Informationen)
Veröffentlicht in Mitarbeiter | 2 Kommentare »

Loading ...