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Geschrieben von Mathias Schindler



Der Himmel über Haifa

2005 gehörte ich am Rand zum Organisationsteam, das in Frankfurt sich selbst die Aufgabe erteilt hatte, eine Konferenz von und für Wikipedianer und Wikimedianer zu veranstalten. Wir hatten damals nur eine diffuse Vorstellung, wer kommen würde und welche Themen in welcher Gewichtung vom Publikum angenommen werden würde. Wikimania wurde ein für damalige Verhältnisse großer Erfolg, wir hätten uns aber kaum träumen lassen, was für eine Tradition damit begründet würde.

Die Liste der Veranstaltungsorte Boston, Taipei, Alexandria, Buenos Aires, Gdanzig wird dieses Jahr ergänzt um die israelische Hafenstadt Haifa.

Daheimgebliebene erleben 2011 eine Premiere eigener Art, nämlich die zeitnahe Veröffentlichung von Mitschnitten der größeren Panels. Entsprechende Videos tauchen gerade schon auf. Sie werden aber nur schwer die vielen Kontakte und Gespräche und ad-hoc Hackingsessions nachvollziehen können, die außerhalb des Konferenzprogramms in den Fluren oder bei der grandiosen Versorgung mit Essen und Trinken stattfinden. Sie machen den Geist von Wikimania aus.

Wikimania hat einen offiziellen Starttermin (in diesem Fall der 4. August), allerdings muss man sich das nur als den ersten Höhepunkt in einer Kette von Aktivitäten vorstellen. Zum Vorprogramm der Wikimania zählen inzwischen obligatorisch die Entwicklerkonferenz und Besprechungen für die Chapter von Wikimedia.

Vorteil dieser Entzerrung ist, dass nicht erst um 8:30 am Tag der Eröffnung 600 (neuer Rekord!) Besucher die Anmeldung belagern, sondern die meisten schon an den Vortagen Ausweise, Informationsmaterial (über Wikimania, Haifa und den derzeit noch einzigen demokratischen Staat des Nahen Ostens) und eine schicke kleine Konferenztasche erhalten.

Ich bremse mich bei dem Versuch, das Tagungsprogramm des 4. August nachzuerzählen, zur Eröffnung nur eines: Die glückliche Hand bei der Auswahl von Prof. Yochai Benkler möge bitte auch in Zukunft Programmkommiteearbeit erledigen.

Wer ein Gefühl für die Wikimania, so, wie sie gerade passiert bekommen möchte, ist eingeladen, morgen (bitte die eine Stunde Zeitunterschied beachten) auf dem twitter-hashtag #wikimania zu surfen.

Ohne Abschluss und Vollständigkeit eine Sammlung von Fragmenten und Eindrücken aus dem Land mit einem der aktivsten Wikimedia-Chapter (relativ und absolut):

  • Wie Southpark richtig schreibt, zur vollen Dosis Israel gehört die Anreise mit El Al, der israelischen Fluggesellschaft. Der Rundumservice beginnt schon am Boden vor dem Start mit einer beeindruckend (und beeindruckend effizienten) Sicherheitskontrolle
  • Die 20°C Temperaturunterschied zwischen klimatisierten Räumen und der recht schwülen warmen Luft außerhalb sind das Bankenstresstestäquivalent für den eigenen Körper.
  • Meir Sheetrit ist Parlamentsabgeordneter und Vorsitzender des Ausschusses für Wissenschaft und Technologie. Als Kind wollte er eine Enzyklopädie und bekam schließlich auch etwas ähnliches; später als Finanzminister wollte er jedem Kind Israels (und bevorzugt der ganzen Welt) eine Enzyklopädie – auf CD-ROM – bereitstellen. Manche Geschichten sind so schön, dass sie noch nicht einmal wahr sein müssen.
  • 2012 findet die Wikimania in Washington D.C. statt, wir sollten dafür sorgen, dass noch mehr Wiki(p|m)edianer aus Deutschland dort teilnehmen können, unabhängig von Nationalität und Finanzstärke
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Hier editiert der Chef noch höchstpersönlich

Dmitri Medwedew ist amtierender Präsident Russlands und hat sich in den letzten Monaten das Thema Urheberrecht zur Brust genommen. Dabei sparte er nicht mit Lob für das Lizenzmodell von Creative Commons. Vielleicht erklärt das auch, warum die staatliche Nachrichtenagentur RIA Novosti heute mit gleich einer ganzen Batterie von Meldungen online geht, in der sie den Start der Zusammenarbeit mit unseren Kollegen vom russischen Wikimedia-chapter bekanntgeben: Bilder aus dem RIA-Archiv werden unter einer freien Lizenz veröffentlicht und auf Wikimedia Commons hochgeladen:

Meldung von heute, 14:22 (Russisch): Medwedew startet Projekt zur Zugänglichmachung des RIA Novosti Bildarchivs

Meldung von heute, 00:09 (Russisch): RIA Novosti öffnet Bildarchiv für Commons

In einer Aktion, die dem Wort “photo-op” eine neue Bedeutung zuweist, lud der Präsident höchstpersönlich unter einem für diesen Zweck angelegten Account auf  das Hunderste Bild auf Wikimedia Commons.

Weiterführende Informationen bietet die Pressemitteilung von Wikimedia RU. Eine Liste aller veröffentlichten Bilder liegt auf Wikimedia Commons.

 

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Wikipedian in Residence (w/m)- wir suchen Dich

Wer als Leser dieses Blogs nicht nur etwas über Wikimedia und Wikipedia lesen möchte, sondern auch aktiv die Zukunft der Wikipedia auf eine spanennde Weise mitgestalten möchte, ist herzlich eingeladen, nachfolgende Suche nach einem Wikipedian in Resicende (w/m) anzuschauen, den wir gemeinsam mit der Generaldirektion der Staatlichen Museen zu Berlin suchen.

Die Formulierung “Wikipedian in Residence” kennen einige von Euch vielleicht schon von einem gemeinsamen Projekt aus dem Vereinigten Königreich. Bitte weist Freunde und Bekannte, deren Profil passt, auf diese Ausschreibung hin oder schickt uns an folgende Email-Adresse Eure aussagekräftigen Unterlagen: WiR@wikimedia.de

Für Rückfragen steht Mathias Schindler (mathias.schindler@wikimedia.de) jederzeit zur Verfügung.

Wikimedia Deutschland. Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e.V. sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt auf sechs Monate befristet eine/einen

„Wikipedian in Residence“ (w/m)

Arbeitsort ist die Generaldirektion der Staatlichen Museen zu Berlin /Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Abteilung „Presse, Kommunikation und Sponsoring“.

Aufgabengebiet:

Der „Wikipedian in Residence“ erarbeitet in enger Zusammenarbeit mit den 15 Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin ein nachhaltiges Konzept zur

  • Nutzung von Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte innerhalb der Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin
  • Förderung der Erstellung frei lizenzierter Inhalte im Themenkreis der Staatlichen Museen zu Berlin
  • Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlichen Autoren der Wikipedia und Museumsangestellten bei der Pflege von Wikipedia-Inhalten
  • Werbung für die Idee Freier Lizenzen in der Museumslandschaft Berlins
  • Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit der Staatlichen Museen

Zu dieser Arbeit gehört die exemplarische Umsetzung, die Dokumentation und Evaluation dieser Maßnahmen.

Anforderungen:

  • Hochschulstudium, bevorzugt mit kunst- oder kulturwissenschaftlicher Ausrichtung
  • Interesse an den Einrichtungen der Staatlichen Museen zu Berlin, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz respektive der deutschen Kulturlandschaft
  • ausgezeichnete und vielfältige Kenntnisse von Wikipedia mit Autorenerfahrung
  • umfassende Kenntnisse im Umgang mit computergestützten Text- und Bildbearbeitungsprogrammen, umfangreiche Erfahrung mit modernen elektronischen Kommunikationsmitteln
  • hohe Affinität im Umgang mit Sprache (Redaktion und Lektorat anspruchsvoller Texte)
  • Fähigkeit zum eigenständigen Arbeiten
  • hohes Maß an Kreativität
  • sehr gute Organisationsfähigkeit, Zuverlässigkeit und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein
  • Teamfähigkeit und ein ausgeprägtes Kommunikationsvermögen in Wort und Schrift

Wikimedia Deutschland und die Staatlichen Museen zu Berlin unterstützen den Wikipedian in Residence mit einem monatlichen Pauschalbetrag von 1200€.

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Wikimedia und die Allmende: Panel zu Regierungswerken auf der FCRC

Am 8. und 9. Oktober veranstalten FU Berlin und das Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung die Free Culture Research Conference in Berlin. Wikimedia Deutschland unterstützt diese Veranstaltung, das Programm findet sich auf der Webseite der Veranstaltung.

Ganz besonders freuen wir uns über die Gelegenheit, auf dieser Veranstaltung in einem eigenen Panel am 8. Oktober von 14:00 bis 15:30 Uhr über den Lizenzstatus von Regierungswerken reden zu können. Hinter PD-GOV verbirgt sich das Konzept, urheberrechtlichen Schutz für amtliche Werke komplett zu verneinen. In Deutschland einschlägig ist §5 UrhG, der allerdings sehr eng gefasst ist und in der Regel nur auf Gesetze, Urteile und amtliche Verkündungsblätter Anwendung findet. Dass es auch anders geht, zeigen die Vereinigten Staaten, bei denen auch Fotos (z.B. des Weissen Hauses oder der NASA) ab dem Tag ihrer Erstellung gemeinfrei sind. Auf dem Panel werden wir mit Vertretern aus den USA, Israel und den Niederlanden reden und über ihre lokalen Initiativen, die Allmende zu vergrößern. Die Konferenzsprach ist Englisch, hier die Ankündigung zu unserem Panel:

“Government works in the public domain – All your tax-paid content are belong to us”
What does a proper GOV-PD definition include, what are the benefits and risks associated with a shift in copyright policy, what are alternative approaches to make government works accessible and usable to the public? We are looking into the mechanisms of “GOV-PD” – public domain works created by the government – and discuss the implications of rules that still prevent tax payers to use the works they already paid for.

Bisher haben sich 200 Teilnehmer angemeldet, die Registrierung ist noch geöffnet.

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Ein neues Sommerkleid für Wikipedia: Vector

Seit 2004, also ab der MediaWiki-Version 1.3, hatte die Wikipedia ein charakteristisches Aussehen, einen sogenannten “Skin”, der intern unter dem Namen Monobook firmierte.

Die Zeiten von Monobook sind nun vorbei – zumindest als Standardeinstellung für nichtangemeldete Benutzer und solche, die nicht in den Einstellungen ihr eigenes Skin ausgewählt haben. Herzlich Willkommen, Vector!

Vector ist das Zwischenergebnis der Wikipedia-Usability-Initiative (deutschsprachige Seite), die mit finanzieller Unterstützung der Stanton Foundation sich der leidvollen Aufgabe angenommen hat, Wikipedia benutzerfreundlicher zu machen.

Das neue Aussehen der Seite ist aber nur eine der Dinge, die sich verbessert hat. Eine Übersicht der Änderungen in deutscher Sprache listet die Hightlights auf:

Was sich geändert hat

  • Navigation: Wir haben die Navigation zum Lesen und zur Bearbeitung der Seiten verbessert. Die Reiter am Kopf jeder Seite zeigen klarer, ob du eine Seite oder eine Diskussionsseite liest und ob du eine Seite liest oder bearbeitest.
  • Werkzeugleiste: Wir haben die Werkzeugleiste einfacher bedienbar gemacht. Die Formatierung von Seiten ist nun einfacher und intuitiver.
  • Link-Assistent: Ein einfach zu bedienender Dialog ermöglicht das Hinzufügen von Links sowohl zu anderen Wiki-Seiten als auch zu externen Seiten.
  • Suche: Wir haben die Suchvorschläge verbessert, damit du schneller zu der von dir gesuchten Seite kommst.
  • Weiteres: Ein Tabellen-Assistent ermöglicht das einfache Erstellen von Tabellen und ein Suchen-und-Ersetzen-Dialog vereinfacht die Seitenbearbeitung
  • Wikipedia-Puzzle-Globus: wir haben den Puzzle-Globus erneuert, mehr Informationen im Wikimedia-Blog.

Die Vector-Entwickler bitten unter Wikipedia:Usability-Initiative/Softwarefehler um Rückmeldung, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es sollte.

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Wahlprüfsteine Landtagswahl NRW 2010

Ich habe heute die Wahlprüfsteine und die Antwort der Parteien zur Landtagswahl 2010 in Nordrhein-Westfalen online gestellt.

Wahlprüfsteine sind ein an sich sehr schönes Instrument im politischen Diskurs: Man stellt möglichst sinnige und gerne auch präzise Fragen an kandidierende Parteien im politischen Wahlkampf zu den eigenen Themen und veröffentlicht die Antworten für jedermann zum Nachschlagen. Es ist dabei möglich, auf eine eigene öffentliche Bewertung der Antworten zu verzichten und dies dem Wähler zu überlassen, ob und wie er seine Wahlentscheidung auf die Antworten stützt. Wikimedia Deutschland wählt ebenfalls diesen Weg.

Wikimedia Deutschland hat Anfang April die Fragen an alle in NRW kandidierenden Parteien verschickt und wir sind über die Quote der Rückmeldungen (darunter alle Parteien, die nach dem derzeitigen Stand der veröffentlichten Umfragen Chancen auf Einzug in den Landtag haben) sehr zufrieden. Wir laden jeden – vor allem jeden Wähler in NRW – dazu ein, sich die Wahlprüfsteine und die Antworten der Parteien anzusehen, zu twittern, bloggen und zu kommentieren.

2011 wird es mindestens sechs Wahlen auf Landesebene in Deutschland geben und Wikimedia Deutschland hat vor, die Reihe der Wahlprüfsteine fortzusetzen. Hierbei sind wir als Verein auf Hilfe durch unsere Mitglieder und Menschen mit einem Interesse an Medien-, Kultur- und Netzpolitik, insbesondere Urheberrecht angewiesen, präzise und länderspezifische Fragen zu formulieren. Bundespolitische Fragen sind natürlich auch zulässig, da über den Bundesrat eine Landesregierung hier Einfluss ausüben kann.

Auf dem Workshop Lobbying zur Mitgliederversammlung 2010 werde ich darum gerne mit Interessierten an einer erfolgreichen Fortführung der Wahlprüfsteine für das kommende Wahljahr basteln.

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Hearing in Brüssel: Wir bauen uns ein Waisenhaus

Am 26. Oktober hatte die Europäische Kommission (EC) zu einem öffentlichen Hearing über “Orphan Works” eingeladen. Dies steht in einer Reihe mit dem “Grünbuch“, an dem sich auch Wikimedia Deutschland und einige andere Schwesterchapter beteiligt hatten.
Für Wikimedia Deutschland war dieses Hearing eine gute Gelegenheit, vor Ort Eindrücke über solche Hearings zu sammeln, Kontakte zu knüpfen und zu sehen, wie wir unsere Interessen an geeigneter Stelle vorbringen können.

Orphan Works sind – und da verlasse ich bereits den Konsens über die Definition – Werke, die zwar noch urheberrechtlich geschützt sind, deren Rechteinhaber jedoch nicht ausfindig zu machen sind – zumindest nicht mit vertretbarem Aufwand. Praktische Relevanz haben diese Waisenkinder vor allem seit der Massendigitalisierung durch Bibliotheken.

Während bei gemeinfreien Werken die Lage halbwegs eindeutig ist und bei den noch verlegten Titeln ein Rechteinhaber einfach greifbar ist, gibt es im Zeitraum zwischen 1870 und 1970 eine große Anzahl an Werken, bei denen wir einfach davon ausgehen müssen, dass die Urheber noch nicht 70 Jahre tot sind und irgendjemand Nutzungsrechte hat – ob er oder sie davon weiß oder nicht. Faktisch ist deshalb das 20. Jahrhundert der effizienten Massendigitalisierung entzogen.

Die Europäische Kommission hat mit Europeana selbst ein Projekt am Start, dass durch diese Situation stark betroffen ist. Sie überlegt jetzt, ob und wie eine europaweite gesetzliche Regelung aussehen könnte, die Waisenkinder wieder für die Allgemeinheit zugänglich macht.

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FAQ zum Disput National Portrait Gallery / Derrick Coetzee / Wikimedia Commons

Worum geht es genau?

Die “National Portrait Gallery” (NPG) hat am 10. Juli 2009 einem Nutzer der Wikimedia Commons (Derrick Coetzee) durch eine Anwaltskanzlei eine Email zugeschickt, in der diesem rechtliche Schritte angedroht werden. Im Kern geht es um ungefähr 3.000 Bilder, die der Benutzer auf Wikimedia Commons hochgeladen hat. Die NPG fordert von ihm unter anderem, dass er diese Dateien von Wikimedia Commons löscht. Eine Kopie des Schreibens findet sich unter http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Dcoetzee/NPG_legal_threat

Was ist der aktuelle Stand dieses Disputs?

Seit dem 17. Juli 2009 gibt es direkte Kommunikation zwischen der Wikimedia Foundation und der NPG, um den Streit beizulegen. Derrick Coetzee wird anwaltlich durch Fred von Lohmann von der Electronic Frontier Foundation vertreten, die sich um Rechtsfragen im digitalen Kontext verdient gemacht hat. Es wurden bislang keine umstrittenen Bilder gelöscht. Wir können davon ausgehen, dass die NPG von Abmahnungen oder Prozessen absehen wird, solange noch verhandelt wird.

Worauf begründet die NPG ihren Anspruch?

Die NPG bestreitet nicht, dass die Werke aufgrund ihres Alters nicht mehr urheberrechtlich geschützt sind. Allerdings sieht sie in der Digitalisierung der gemeinfreien Werke eine Leistung, die nach britischem Recht geschützt ist. Das Digitalisat eines gemeinfreien Werkes ist damit aus der Sicht der NPG nicht mehr gemeinfrei. In dem anwaltlichen Schreiben verweist die NPG zudem noch auf den Schutz von Datenbankwerken und sieht in dem Zusammenfügen von Bildausschnitten (entstanden durch die Lupen-Funktion der NPG-Webseite) eine Umgehung von Kopierschutzmaßnahmen. [update 21. Juli 2009: Die NPG ist außerdem der Ansicht, dass durch den Besuch der Seite eine vertragliche Vereinbarung mit dem Besucher der Seite zustande kommt ("browse-wrap license"), deren Bestimmungen hier verletzt worden seien. Danke für den sachdienlichen Hinweis in den Kommentaren. ^ms]

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Heranwachsen mit dem Social Web

Die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) hat gestern mit einer Pressemitteilung und Pressekonferenz die ersten Ergebnisse einer Studie über die Nutzung des “Social Webs” durch Jugendliche vorgestellt. Befragt wurden 650 Jugendliche über ihr Mediennutzungsverhalten.

Auf den LfM-Seiten findet sich schon eine Zusammenfassung der Studie als PDF, der komplette Text wird im Sommer in Buchform erscheinen.

Wenig überraschend taucht auch Wikipedia in der illustren Runde der “Sozialen Webseiten” auf: 85% der Jugendlichen nutzen die Online-Enzyklopädie, nahezu ausschließlich lesend. Zur Passivität der Jugendlichen schreiben die Autoren der Zusammenfassung:

Aktive Teilhabe über das Verfassen oder Verbessern von Einträgen bleibt weniger aufgrund von technischen Hürden aus, sondern weil Anmutung und Leitbild den Eindruck vermitteln, dass es sich um ein thematisch umfassendes Lexikon handelt, das von Menschen mit spezialisiertem Wissen bereit gestellt wird. Paradoxerweise wirkt noch verstärkend, dass in (Hoch-)Schulen auf die mangelhafte, zumindest kritisch zu hinterfragende Qualität der Beiträge verwiesen wird und somit ein weiterer Anreiz für die aktive Teilhabe entfällt.

Deutlicher (außer als vielleicht noch auf Seite 17 der Zusammenfassung) kann man meines Erachtens kaum noch auf die Notwendigkeit des Wikipedia-Schulprojektes hinweisen, das ja zuletzt vor einem Monat sehr ausführlich in einem Spiegel-Artikel beschrieben wurde. Hierzu sei auch auf die laufende Stellenausschreibung verwiesen.

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Ein Heidelberger ruft zum Appell

Wer beispielsweise in Deutschland ein Buch schreibt und veröffentlicht, kann ohne weiteres Zutun rechtlichen Schutz für diese Arbeit beanspruchen. Als Autor darf er bestimmen, wer und zu welchen Konditionen dieses Buch gedruckt und verkauft wird. Wenn es sich für eine Verfilmung eignet, darf der Autor auch hier frei verhandeln und die Früchte seiner Arbeit einsammeln. Solange er lebt und 70 Jahre darüber hinaus darf mit diesem Werk nur jemand etwas anstellen, der sich vorher die nötigen Rechte dazu besorgt hat – entweder vom Urheber selbst oder von demjenigen, der sie vorher vom Urheber erworben hat. Ausnahmen regelt das Gesetz, beispielsweise im Hinblick auf die Verwendung von Texten in Schulbüchern oder bei Zitaten. Dieses Verwertungsmonopol, das automatisch dem Autor zugeschlagen wird, hat die erklärte Aufgabe, Kreativität zu fördern. Erst wenn der Autor über einen langen Zeitraum hinweg vollständige Kontrolle über sein Werk hat und daraus Profit schlagen kann, findet er nach dieser Überlegung den Anreiz, weitere Werke zu schaffen und damit den geistigen Reichtum des Landes, seinen wissenschaftlichen und technischen Fortschritt zu mehren. Ähnliches gilt für einen Verleger, der gerne sicherstellen möchte, dass nur er derjenige ist, der ein bestimmtes Werk auf den Markt bringen kann – zu Preisen, die ihm die Bezahlung des Autoren, der Angestellten und der nötigen Betriebsmittel sichert.

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