Geschrieben von Barbara Fischer



Hacker bringen Kulturdaten zum Tanzen

Resümee zur Preisverleihung von Coding da Vinci 2017 in Berlin in Zusammenarbeit mit Lars Zimmermann

2017 hat Coding da Vinci wieder viele faszinierende Ergebnisse hervorgebracht. Nach dem Ausflug in die Region mit Coding da Vinci Nord 2016 kehrte der Kultur-Hackathon 2017 zurück nach Berlin mit einem Schwerpunkt auf die Region Berlin-Brandenburg. 19 namhafte Kulturinstitutionen aus Berlin und Umgebung stellten insgesamt 30 neue Datensätze in diesem Jahr zur Verfügung, woraus die 180 anwesenden Teilnehmer bei der Auftaktveranstaltung 25 Projektideen generierten. Bei der gestrigen Preisverleihung im Jüdischen Museum Berlin präsentierten 15 Teams originelle wie technisch hoch ausgereifte Lösungen, die von Spielen über Apps bis hin zu VR- und AR-Realisierungen reichten und sowohl unsere Fachjury als auch die über 200 Besucher der Preisverleihung begeisterten. Damit setzt Coding da Vinci seine Erfolgsgeschichte fort und beweist erneut, welches enorme Potential in offenen Kulturdaten steckt.

Die datengebenden Institutionen zeigten sich durch die Bank beeindruckt von den teils unerwarteten,immer innovativen und oft überraschenden Anwendungen. Neugierig vertieften sich mit den Teams an den Projekt-Vorführtischen in Details und Zukunftspläne. Der Kultursenator von Berlin Klaus Lederer betonte in seiner Rede zur Preisverleihung: „Hier wird deutlich, welchen Wert es hat, Kulturerbe zu digitalisieren und es in einem zweiten Schritt auch noch open zu machen.“ Bettina Gries vom Deutschen Technikmuseum freute sich: „Das war das erste Mal, dass wir als Deutsches Technikmuseum Daten unter einer so freien Lizenz veröffentlicht haben. Diese entstandenen Projekte sind ein Segen für unser Haus. Wir werden sie weiter vorantreiben!“ Mehrfachprojektteilnehmerin bei Coding da Vinci und Motion-Desginerin Sabine Redlich betonte: “Ich war beeindruckt, wie viel man in so kurzer Zeit in einem spontan gegründeten interdisziplinären Team realisieren kann.” 5 Gewinnerteams wurden von der fünfköpfigen Jury gekürt – den 6. Preis „Everybody’s Darling“ vergab das Publikum.

 

21 stolze Gewinner bei Coding da Vinci 2017.
Foto von Wladimir Raizberg (WMDE), CodingdaVinci2017 Preisverleihung, CC BY-SA 4.0.

 

Die Ergebnisse

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Coding da Vinci – Die Preisverleihung kommt

Ein kleiner Ausschnitt des Hackdash auf dem sich die im entstehen begriffenen Projekte von Coding da Vinci vorstellen. Schauen Sie rein.

Es ist soweit. In wenigen Wochen enthüllen wir die Gewinner des diesjährigen Kultur-Hackathons Coding da Vinci. Der Programmierwettbewerb um die digitalisierten Kulturdaten des Landes läuft auf der Zielgeraden ein. Apps für das Smartphone, Twitterfeeds, Big-Data Visualisierung, interaktive Websites, Virtual Reality. Hochgesteckte Ambitionen der gut 100 Teilnehmer, die in ihrer Freizeit aus Fotos, 3D-Scans, Textdigitalisaten und Gemälden Neues erschaffen. Wir laden Sie ein, mit uns gemeinsam ca. zwanzig Digitalprojekte live zu erleben. Sie stehen im Wettstreit um die begehrten sechs Coding da Vinci Preise in den Kategorien:

  • The most technical
  • The most useful
  • The best design
  • The funniest hack
  • Out of competition
  • Everybody’s darling

Innovative Entwickler und Entwicklerinnen, Kulturinteressierte, Designer und Designerinnen haben dann 6 Wochen lang hart gearbeitet. Getragen allein von ihrem Wunsch aus den digitalisierten Kulturgut Berlins und Umgebung neue Produkte zu schaffen. Vielleicht reisen Sie in einem neuen Onlinespiel mit uns mit 80 historischen Fahrkarten um die Welt. Oder prüfen Sie, wieviel Spaß es macht, mit der App wOgus 1000 Käfer am Bildschirm nach Farbe zu sortieren. Der Algorithmus Deep Water verspricht, die Wasserzeichen der Papiersammlung der UB Leipzig in Ihr Lieblingsfotomotiv zu mendeln. Drei von 24 Ideen, die am 21. Oktober zum Kick-Off von Coding da Vinci an der HTW gepitcht wurden. Im Augenblick sind es nur ein paar Zeilen Code, kleine Skizzen und ein Menge Enthusiasmus. Der Hackdash gleicht einer Blackbox. Mit Spannung erwarten wir daher die Präsentation der fertigen Projekte. Welche Idee hat das Zeug ein Produkt zu werden? Wer hat im Sprint durchgehalten? Welches Projekt wird die Jury begeistern und welches das Publikum? Wer wird in einer der sechs Kategorien den Preis gewinnen? Fiebern Sie am 2. Dezember im Jüdischen Museum mit uns mit. 

Bitte vormerken:

  1. Dezember 2017, Samstag 12:00 bis 18:00 Uhr im Jüdischen Museum Berlin

Lindenstraße 9 – 14, 10969 Berlin

Der Eintritt ist frei. Bitte registrieren Sie sich hier. Die Plätze sind beschränkt.

 

Coding da Vinci – Der Kultur-Hackathon ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB), der Open Knowledge Foundation Germany e.V. (OKF DE), der Servicestelle Digitalisierung Berlin (digiS) und Wikimedia Deutschland e.V. (WMDE) und ein offizieller Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 in Deutschland (SHARING HERITAGE).

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Die Alten wissen es nicht immer besser oder coding da Vinci

Am Donnerstag letzte Woche in Frankfurt  beeindruckte mich Börries von Notz, Direktor der Historischen Museen Hamburgs, auf der Konferenz “Zugang gestalten” mit einem Seneca-Zitat (frei übersetzt): Wer den Hafen nicht kennt, dem weht kein günstiger Wind. Einleuchtende Weisheit der Altvorderen, dachte ich da noch. Doch nur Tage später wurde ich in Berlin Schöneweide eines Besseren belehrt: Wer dem Wind vertrauen kann, der wird mit Neuem belohnt. Denn wir, die Veranstaltenden des Kultur-Hackathons “Coding da Vinci”, können nie wissen, wohin die Reise geht. Am Samstag legten wir mit unserem Kahn voll beladen mit 31 wunderbaren Datensets aus 19 Kultureinrichtungen von den sicheren Ufern der Planung ab und ließen uns ein auf das Abenteuer der Kreativität. Doch was sind Abenteuer, wenn sie keine Geschichten erzählten?

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Coding da Vinci oder worauf ich mich schon freue

Am 21. Oktober startet zum vierten Mal Coding da Vinci. In diesem Jahr in der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin-Schönweide (HTW). Gemeinsam mit unseren Partnern, Deutsche Digitale Bibliothek, Servicestelle Digitalisierung, Open Knowledge Foundation Deutschland, Deutsches Nationalkomitee für Denkmalpflege, HTW, Jüdisches Museum Berlin und den Unterstützern Museum für Naturkunde sowie Anynines, freue ich mich auf den Kultur-Hackathon Coding da Vinci, der schon jetzt ein offizieller Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 in Deutschland ist.

Ich freue mich auf den Spaß

Der Austausch macht Spaß. Bild von OKF.de Heiko Marquardt, Coding da Vinci 2015 – Auftakt CC-BY 2.0 via Flickr Commons

Über die Grenzen des beruflichen Alltags hinweg treffen sich bei Coding da Vinci Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen kommen. Die Welt des bewahrenden Kulturerbes trifft auf die Community der Informationstechnologie.  Mitarbeiter/innen aus Museen, Archiven und Bibliotheken stellen ihre Kulturdaten vor. Coder/innen, Designer/innen und Kulturerbefans kommen neugierig aus den Hörsälen, aus der Schule und aus ihren IT-Jobs in ihrer Freizeit nach Schöneweide, um das digitalisierte Kulturgut zu entdecken. Alle reden von der notwendigen digitalen Transformation. Bei Coding da Vinci hat sie schon angefangen. Denn es geht nicht nur um Technik, nicht allein um urheberrechtliche Schranken, nicht nur um Formate und Schnittstellen. Vor allem geht es darum sich gegenseitig kennen zu lernen. Zu verstehen, welche Perspektiven für den jeweils anderen anregend und wichtig sind. Im Austausch gemeinsame Ideen wachsen zu lassen. Die Digitalisierung der Museumswelt ist kein einmaliger Vorgang, der mit dem Digitalfoto des Artefaktes abgeschlossen ist. Eine App allein reicht nicht, um dauerhaft Türen zwischen den Welten des Kulturerbes und der Informationstechnologie offen zu halten. Es braucht Menschen, die Spaß daran haben, miteinander zu arbeiten. Genau dafür bieten wir bei Coding da Vinci einen Raum. An zwei Tagen, auf geschätzt 500 Quadratmetern gestärkt durch insgesamt ca. 500 Essensportionen werden 200 Teilnehmende aufeinander zugehen und sich austauschen. Ich freue mich darauf, diesen Spaß am kommenden Samstag miterleben zu dürfen. Weiterlesen »

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Fürstlich tafeln – Besuch im Schloss Fürstenberg

Am vergangenen Wochenende machten sich im Rahmen einer GLAM on Tour-Veranstaltung über 20 Wikipedianerinnen und Wikipedianer auf den Weg ins Weserbergland. Sie wollten wissen: Woher kommt das weiße Gold?

Ein Gastbeitrag von Schlesinger und Holger Plickert (WMDE)

Im Rahmen der GLAM on Tour-Veranstaltung in Fürstenberg im Porzellan-Museum im Schloss Fürstenberg an der Weser trafen sich Wikipedianer vom 6. bis zum 8. Oktober 2017, dazu der Bericht aus der Perspektive eines Freiwilligen.

Das Porzellanmuseum im Schloss Fürstenberg. Bild von Clemensfranz CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

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#OpenGLAM? – Bitte warten Sie …

Spezial zur Bundestagswahl 2017 – Wohin steuert die Politik zur Förderung des Freien Wissens?

Anlässlich der bevorstehenden Bundestagswahl schauen wir uns in der Blogbeitrag-Serie „Spezial zur Bundestagswahl“ die Wahlprogramme der Parteien, Antworten auf unsere Wahlprüfsteine und Ansichten von Netz-Insidern zur politischen Gestaltung (oder Verwaltung) des Freien Wissens an.

Offener Zugang zu kulturellem Erbe – Blick auf ausgewählte Wahlprogramme

Zieht eine digitale Kulturpolitik am 24.9. in den Bundestag ein? Lizenzhinweis: Jürgen Matern, Reichstag building Berlin view from west before sunset, CC BY-SA 3.0

IN WENIGER als drei Wochen sind Bundestagswahlen. Zeit für Versprechungen und Zukunftsszenarien. Kulturpolitik ist in Deutschland eine der letzten Bastionen der Länder. Wikimedia Deutschland setzt sich für die Förderung des Freien Wissens ein. Danach soll digitalisiertes Kulturgut – zumal wenn es bereits gemeinfrei ist – frei nachnutzbar sein, sowohl für die Verwendung in Wikimedia-Projekten wie Wikipedia, aber auch darüber hinaus. Dazu braucht es in den Institutionen: Finanzinvestitionen, Ressourcen für die Klärung rechtlicher Rahmenbedingungen, spezielles IT-Know-How und neue Arbeitsprozesse. Ohne Unterstützung der Bundespolitik ist das von den Ländern und in den Institutionen allein nicht zu stemmen. Daher haben wir uns die Parteiprogramme aller im Bundestag vertretenen Parteien sowie der aussichtsreicheren Aspiranten für den Bundestag angeschaut, ob und wie hier über die Zukunft des Kulturerbes im Sinne von #openGLAM nachgedacht wird. Wobei der englische Hashtag #openGLAM für eine weitestgehende offene Nachnutzung digitalisierter Kulturgüter aus den Archiven, Bibliotheken, Museen und Kunstsammlungen im Netz steht.

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Datenfitness für Coding-da-Vinci-Datengeber

Wie kommen Kulturdaten in die Coding-da-Vinci-Apps?

Im Herbst startet Coding da Vinci, der Kultur-Hackathon. Wir erwarten viele neue spannende digitalisierte Kulturgüter aus den Museen, Archiven, Bibliotheken und Kunstsammlungen des Landes und sind ganz neugierig auf die Software-Projekte, die aus ihnen gebaut werden. Das kann man sich vorher gar nicht so vielfältig und fantastisch ausdenken, wie es nachher kommt. Das muss man erleben! Veranstaltet wird der diesjährige Programmierwettbewerb von der Deutschen Digitalen Bibliothek, der Servicestelle Digitalisierung des Landes Berlin und Wikimedia Deutschland. Unsere Partner sind DNK Sharing Heritage, die HTW, das JMB und die OKF. Kulturinteressierte Coder*innen, Entwickler*innen und Designer*innen treffen sich mit Museolog*innen, Archivar*innen und Bibliothekar*innen. Sie entwickeln gemeinsam neue Anwendungen auf der Grundlage der vorliegenden digitalisierten Kulturgüter. Das macht viel Freude und zeitigt erstaunliche Ergebnisse. Aber auch viel Arbeit.

Erst die Arbeit – dann das Vergnügen

Daten putzen ist harte Arbeit. Aber sie macht Spaß, mit Anna-Lena Nowicki von @digisBerlin. Lizenzhinweis: Jonas Sydow (WMDE) (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

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Die Kunst, sich modernen Kunstwerken zu nähern.

Wie kommen Wikipedianer in ein Museum und was machen sie dort?

Förmlich entrückt von der Enge des Wuppertales schwebt die Villa Herberts über der alten Industriestadt. Hier fand der seit Jahrzehnten an der Düsseldorfer Kunstakademie wirkende britische Bildhauer Tony Cragg einen geeigneten Rahmen für seine großen, organisch gedrängten Skulpturen und lädt seit 2008 andere Künstler in den Skulpturenpark Waldfrieden zu Ausstellungen ein.

Plastik nach einem Entwurf von Tony Cragg (* 1949), umgesetzt vom Künstler Joachim Eckl (* 1962) mit der Werkstatt Kollerschlag, 1994 auf dem Parkplatz der Merkurcity in Wiener Neustadt situiert Lizenzangabe: Anton-kurt, Tägliches Brot Wiener Neustadt 04, CC BY-SA 3.0

Im kommenden Jahr steht das zehnjährige Jubiläum des Skulpturenparks an. Herr Mader, Geschäftsführer der Stiftung Skulpturenpark Waldfrieden, plant die Feierlichkeiten. Zeit für einen prüfenden Blick auf den Wikipediaeintrag zum Skulpturenpark, der ebenfalls 2008 begann. Wikipedia-Einträge sind in Bewegung und veränderlich. Wer in den kommenden Tagen und Wochen den Eintrag häufiger besucht, wird feststellen, wie intensiv gerade jetzt an ihm gearbeitet wird. Doch nicht nur am Artikel zum Park, sondern auch zur Villa, mit ihrer harmonischen organischen Architektur, zu den Werken Tony Craggs und zu ihm selbst oder den anderen Kunstwerken im Park wird Hand angelegt. So kann der interessierte Wikipedia-Leser live miterleben, wie nach und nach Informationen aus unterschiedlichen publizierten Quellen und Sekundärliteratur von den freiwilligen Autorinnen und Autoren über die Enzyklopädie Wikipedia in Freies Wissen verwandelt werden. Ein scheinbar magischer Prozess.

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Der Kultur-Hackathon Coding da Vinci 2017 in Berlin

Ein Gastbeitrag von Lucy Patterson, Projektmanagerin von Coding da Vinci Berlin.

Coding da Vinci – der erste und größte Kultur-Hackathon Deutschlands – kehrt 2017 nach Berlin zurück. Entstanden aus einer gemeinsamen Initiative der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB), der Open Knowledge Foundation Germany e.V. (OKF DE), der Servicestelle Digitalisierung Berlin (digiS) und Wikimedia Deutschland e.V. (WMDE) zeigt Coding da Vinci seit 2014, welche Potentiale in offenen Kulturdaten stecken.

In den zurückliegenden Jahren hat Coding da Vinci bereits mit über 60 Kulturinstitutionen zusammengearbeitet und konnte über 100 offene Datensätze Datensätze für die Öffentlichkeit verfügbar machen. 54 interdisziplinäre Teams haben im Rahmen von Coding da Vinci aus diesen Daten beeindruckende und überraschende Kulturanwendungen geschaffen von mobilen Websites bis zu interaktiven Hardware-Prototypen.

Coding da Vinci sieht sich als Teil der weltweit wachsenden OpenGLAM*-Bewegung, in der sich Menschen in und außerhalb von Kultureinrichtungen für den freien Zugang zu und die offene Nachnutzung von digitalisierten Kulturgütern einsetzen.

In der schon legendären One Minute Madness von Coding da Vinci machen die Kultur- und Gedächtnisinstitutionen Reklame für ihre Datenpräsentation im Anschluss. Bild: Heiko Marquardt, Coding da Vinci Kick Off (25 & 26-04-2015) 028, CC BY 3.0

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Die digitale Transformation ist eine große Chance für das Kulturerbe

Vortrag zur 100. Jahresversammlung des Deutschen Museumsbundes (FG Geschichtsmuseen)

Osman Hamdy Bey Vieil homme devant des tombeaux d’enfants, Musée d’Orsay 1903, Foto von Sailko [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons


Unbestritten steht unsere Zivilisation auf den Schultern unseres kulturellen Erbes. Aus diesem Erbe schöpfen wir die Bausteine unserer Identität. Unsere Kulturgüter sind die geronnenen Artefakte unserer Ideen und Wertvorstellungen. Dem wird wohl niemand widersprechen. Nur wer befasst sich heute noch aktiv mit dem Kulturerbe? Noch vor hundert Jahren waren Hausmusik, Laientheater, Lesezirkel, das Zeichnen auf Reisen, das Sammeln von Märchen und Trachten übliche Freizeitbeschäftigungen mehr oder weniger quer durch alle Schichten. Museen waren Schaufenster in die Welt. Sie waren voller neugieriger und wissbegieriger, oft kulturschaffender Besucher. Die ausgestellten Dinge hatten einen Bezug zu den Handlungen in der eigenen Welt der Betrachter und sei es nur zu denen der Freizeit. Der aktive Umgang mit kulturellen Praktiken wurde spätestens im Wandel der Freizeitkultur von “Machen” zu “Machen Lassen” vom Freizeitkonsum verdrängt. Die Distanz des Individuums zu seinem kulturellen Erbe wuchs mit der Seltenheit der Momente, in denen er unmittelbar mit ihm umging. Statistisch geht der Berliner, die Berlinerin einmal im Jahr ins Theater und etwas öfter geht man in Deutschland ins Museum. Wie vernachlässigbar, gemessen an den zehn Stunden täglicher Mediennutzung. Wenn das kulturelle Erbe ein lebendiger Teil unserer Identität bleiben und damit einen tiefen Einfluss auf unsere Definition von Zivilisation behalten soll, dann müssen Kunstsammlungen, Bibliotheken, Archive und Museen (kurz im englischen Akronym: GLAM) die Chance der digitalen Transformation nutzen. Und wir, die Besucher und öffentlichen Eigner, sollten darauf drängen, dass sie einen ersten Schritt dahin tun. Die digitale Transformation geschieht zuerst im Kopf der Entscheidungsträger des GLAM-Bereichs. In meiner Rede anlässlich der 100. Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes in Berlin am 10. Mai 2017 vor der Fachgruppe der Geschichtsmuseen warb ich um Mut, diesen ersten Schritt zu tun.

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