170 Wikpediannerinnen und Wikipedianer stehen dicht gedrängt in zwei Bussen. Schauen auf ihr Smartphone, spielen Spiele und erobern Portale, schauen sich fragend an: „Wo fahren wir denn hin?“ – „Keine Ahnung. Aber wir werden sicher einen netten Abend miteinander verbringen.“ Und so dicht gedrängt hier im Bus lernt man sich ja gut kennen. Willkommen auf der Wikicon 2014 in Köln.

Teilnehmende (blau) am Projekt Persönliche Bekanntschaften und Zahl der Bestätigungen (rot). Deutlich lassen sich die Wikicons erkennen. Graphik: Euku. Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Kennenlernen – eines der wichtigsten Ziele der Wikicon. Dieses alljährliche Treffen der deutschsprachigen Wikipedianerinnen und Wikipedianner findet in verschiedener Form seit 2010 statt. Seit 2011 trägt sie dabei den Namen Wikicon und nach Lüneburg, Nürnberg, Dornbirn/Vorarlberg und Karlsruhe fanden sich die Community und ihre Freunde dieses Jahr in Köln wieder. Mit fast 230 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war es die größte Wikicon bisher und noch nie gab es die Gelegenheit so viele Menschen kennenzulernen, Ideen austauschen, Ideen zu entwickeln und sich über Wohl und Wehe der Wikipedia und der weiteren Wikimedia-Projekte Gedanken zu machen. Insgesamt nahm die Zahl Persönlicher Bekanntschaften um 3000 zu. Das heißt 30 Menschen lernten je 100 neue Menschen kennen. Oder 60 Menschen lernten je 50 neue Menschen kennen. Oder 200 Menschen trafen je 15 Menschen das erste mal. Ein Rekord im deutschsprachigen Wikiversum, der die Rekordzahlen aus den Vorjahren deutlich übertraf. Noch immer ist die Wikicon die Veranstaltung, bei der aktive in den Wikimedia-Projekten die Gelegenheit haben, nicht nur voneinander zu lesen, sondern auch tatsächlich miteinander zu reden.

Neun Menschen im Orgateam, zehn Monate Vorbereitung: vier Tage Konferenz, knapp 230 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, 58 Helferinnen und Helfer, fast 60 Referentinnen und Referenten, sechs Exkursionen, eine Preisverleihung, 22 WikiEulen, ein Übertragungswagen des Deutschlandfunks, und 67 Sessions. Sie war die größte, aufwendigste und nach überwiegender Meinung der Anwesenden auch die beste Wikicon aller Zeiten. Dazu trugen vor allem die großartigen, interessanten, intelligenten und neugierigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei, aber natürlich spielte auch das Programm eine Rolle.

Einer der Vorträge beim Workshop von Redaktion Medizin und IQWIG auf der Wikicon. Autor: MBq Lizenz: CC-BY-SA 4.0

Sessions fanden mehrere Dutzend statt, und an dieser Stelle einen fairen Überblick zu geben, wäre unmöglich. Um deshalb ein paar zu nennen: die Diskussion mit dem Verlag C.H. Beck über das Verhältnis von Wikipedia und Wissenschaft. Das Weltcafe zum Thema „Neutral und diskriminierungsfrei?“. Die Spätabendsession über Pornographie und den Umgang damit in der Wikipedia, das Couch-Gespräch mit Fabrice Florin von der Wikimedia Foundation über technische Entwicklungen der Wikipedia Foundation, der gemeinsame Workshop mit der Redaktion Medizin der Wikipedia und dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), der Wikipedianische Salon zum Themal „Konflikte“, (Video hier), die Wohnzimmersessions in der in kleiner Runde intensiv über ein Thema beratschlagt werden konnte. Meist führte dies zu intensivem Austausch, manchmal aber auch zu direkten Resultaten: der kleine und eigentlich randständige Vortrag über „Exotik/Exotismus“ in der Wikipedia, bemängelte unter anderem, dass es in der deutschsprachigen Wikipedia keine einzige Biografie über eine Frau aus Turkmenistan gäbe. Bereits wenige Tage später konnte man sich in der Wikipedia über Aida Steshenko, Akja Täjiýewna Nurberdiýewa, Aksoltan Töreýewna Ataýewa, Annagul Annakuliyeva, Aýgül Täjiýewa, Gurbansoltan-eje, Gülbadam Babamyratowa, Gülşat Mämmedowa, Laçyn Mämmedowa und Mähri Geldiýewa informieren.

Festlicher Höhepunkt war die Verleihung der Wiki-Eulen: nachdem die Wikipedianerinnen und Wikipedianer nach einer kurzen Fahrt durch Köln ihren beengten Bussen entstiegen waren, wurden sie resolut und entschlossen an den Rhein gewartet und an Bord eines Schiffes gelotst. Auf dem Rhein vergab die Wiki-Eulen Academy dann unter dem Beifall der Community Eulen in 12 Kategorien von der ArtikelEule über die AutorenEule, die OutdoorEule und und die UrEule, sowie zusätzlich zehn EhrenEulen . Dafür hatte sie zuvor hunderte Benutzerseiten, Funktionsseiten, Kandidaturseiten für Preise & Wettbewerbe durchforstet und in einem ebenso geheimnisvollen wie aufwendigen Prozess die Sieger gekürt. Zu den ausgezeichneten gehören unter anderem Magnus Manske, der die UrEule bekam, das Lokal K für die Projekteule, Dr. Cueppers für seine Mitarbeit in diversen Portalen und Redaktionen, Kritzolina als Newcomerin des Jahres oder der Relevanzcheck für seine unermüdliche Unterstützung der inhaltlichen Wikipedia-Arbeit anderer.