Der erhobene Zeigefinger ist keine Lösung – Datenschutz als Digitale Kompetenz

Am Montag den 23. Juni war es soweit: Unter dem Titel „Datenschutz – eine unterschätzte Digitale Kompetenz“ fand die Auftaktveranstaltung der Reihe „Digitale Kompetenzen“ statt, die Wikimedia Deutschland als Partner des Wissenschaftsjahres 2014 – Digitale Gesellschaft durchführt und die durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Die Veranstaltungsreihe widmet sich an insgesamt fünf Abenden jenen Fähigkeiten und Kenntnissen, die im Digitalen Zeitalter immer wichtiger werden und die natürlich auch die Basis für die Mitarbeit in den Wikimedia-Projekten bilden. 

Los ging es mit einer Veranstaltung zum Thema Datenschutz und der Frage „Ist Datenschutz eine Kompetenz, der wir noch nicht genug Aufmerksamkeit gewidmet haben?“. Dass die Fähigkeit zum richtigen Umgang mit den eigenen Daten ein hochaktuelles Thema ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass Bundesinnenminister Thomas de Maiziére just am Tag der Veranstaltung eine Rede hielt, in der er die Bundesbürgerinnen und -bürger zu mehr Sensibilität im Umgang mit persönlichen Informationen im Internet ermahnte. Das Interesse an der Thematik war dementsprechend groß und trotz der parallel stattfindenden Fußball-WM fanden sich über 50 interessierte Gäste in der Wikimedia Geschäftsstelle ein, um den Vorträgen der eingeladenen Referentinnen und Referenten zuzuhören und anschließend mit ihnen zu diskutieren.

Ist Datenschutz eine unterschätzte Digitale Kompetenz? Diese Frage stand im Zentrum der Auftaktveranstaltung der Reihe „Digitale Kompetenzen“, Foto von Sebastian Horndasch (WMDE), CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Nach der Eröffnung der Veranstaltungsreihe durch Präsidiumsmitglied Prof. Dr. Jürgen Friedrich folgte zunächst eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation durch Dr. Imke Sommer, ihres Zeichens Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit in Bremen. Sie widersprach der verbreiteten These, dass die Kompetenz zum sensiblen Umgang mit den eigenen Daten bei den Bürgerinnen und Bürgern zu wenig ausgeprägt sei, schließlich hätte rund ein Viertel der Bevölkerung seit der Snowden-Affäre ihr Nutzungsverhalten im Internet geändert. Natürlich sei es wichtig und wünschenswert, das Bewusstsein für den Umgang mit Informationen bei den Nutzerinnen und Nutzern weiter zu schärfen, dies betreffe angesichts der Vielzahl unterschiedlicher Nutzergruppen aber eben nicht alle gleichermaßen. In der Debatte um Datenschutz als Digitale Kompetenz könne der von vielen Datenschützerinnen und Datenschützern pauschal erhobene Zeigefinger nach dem Motto „Wir sagen euch, wie ihr euch im Internet zu verhalten habt“ daher nicht die Lösung sein, sondern es bedürfe gezielterer Ansätze.

Diese Argumentation griff auch Prof. Dr. Karsten Weber auf, der an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg allgemeine Technikwissenschaften lehrt. Er beleuchtete das Konzept der Privatsphäre und dessen historischen Wandel. Dabei ging er auch auf die von der Post Privacy-Bewegung vorgebrachte Argumentation ein, der Schutz der Privatsphäre als Digitale Kompetenz werde heutzutage nicht mehr gebraucht, da man sich ohnehin nicht gegen die Datensammelwut von Konzernen und Behörden wehren könne, beziehungsweise die Preisgabe sämtlicher persönlicher Informationen sogar von gesellschaftlichem Nutzen sei. Dies bezeichnete er als ebenso große „normative Anmaßung“ wie die paternalistische Haltung, die von vielen Datenschützern vertreten werde. Auch für ihn sei der erhobene Zeigefinger daher der falsche Weg, denn letztendlich seien wir als Nutzerinnen und Nutzer selber dafür verantwortlich, zu entscheiden, wie und in welchem Umfang wir unsere persönlichen Informationen preisgeben.

Datenschutz ist nicht gerade sexy

Martin Müsgens, der als Referent bei der EU Initiative klicksafe tätig ist, beleuchtete das Thema anschließend aus der medienpädagogischen Perspektive. Im Zentrum stand dabei die Frage, wie speziell junge Menschen für das Thema Datenschutz interessiert werden könnten, denn: Datenschutz sei eben “nicht gerade sexy”. Es sei also wichtig, Schulen und Eltern bei der Vermittlung von Datenschutz, Datensparsamkeit und Datenvermeidung bestmöglich zu unterstützen. Dazu gehöre allerdings auch, Erwachsene, die häufig ihrerseits einen Nachholbedarf in dieser Hinsicht hätten, entsprechend zu sensibilisieren, damit sie eine Vorbildfunktion einnehmen könnten. Müsgens bezeichnete Datenschutz daher als “generationenübergreifende Schlüsselkompetenz” im Digitalen Zeitalter.

Die anschließende Podiumsdiskussion bot Raum für zahlreiche Fragen aus dem Plenum und auch online wurde unter dem Hashtag #DigiKompz fleißig über das Thema diskutiert. Insgesamt also ein gelungener und spannender Auftakt der Veranstaltungsreihe. Die nächste Veranstaltung findet am 1. September statt und wird sich mit dem Thema “Digital Natives” beschäftigen. Mehr Informationen über die Reihe “Digitale Kompetenzen” gibt es hier.

Den Mitschnitt der gesamten Veranstaltung gibt es hier zu sehen:

 

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Dieser Eintrag wurde geschrieben von am Donnerstag, Juni 26th, 2014 um 10:16 Uhr und ist zu finden unter Bildung. Sie können diesen Beitrag mit RSS 2.0 Feed abonnieren. Sowohl Kommentare als auch Pings sind derzeit geschlossen.
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