In den meisten Klassenzimmern herrscht immer noch Unklarheit darüber, was Wikipedia ist und wie man damit als Lehrer umgehen soll. Auch in Bezug auf die Auseinandersetzung mit dem Thema Freien Wissens wird das fehlende Verständnis für gemeinschaftlich erstellte Inhalte immer wieder deutlich. Am 1. Februar 2013 hat die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (Mabb) gemeinsam mit Partnern eine Veranstaltung zum Thema „Freier Wissenszugang im Internet“ durchgeführt, eine eintägige Fortbildungsveranstaltung für Lehrende und Multiplikatoren aus dem Bereich der schulischen Bildung. Etwa 80 Teilnehmende kamen zusammen und diskutierten über Fragen rund um das Themenfeld „Freie Inhalte“ und „Open Educational Resources“. Unter den Partnern waren, neben Wikimedia Deutschland, auch IRights, die Bundeszentrale für Politische Bildung und das Land Brandenburg. Die Veranstaltung gewann durch einen besonders innovativen Rahmen, der sich deutlich von üblichen Fortbildungsveranstaltungen abhob: Partner aus der Praxis und aus dem theoretischen Umfeld boten Themen-Tische an, zu denen sich die Teilnehmer gruppierten. Das Format ermöglichte eine Auseinandersetzung mit allen Themen und einen regen Austausch.

Wikimedia Deutschland hat sich in diesem Jahr das Ziel gesetzt, Akteure im Themenfeld der Open Educational Ressources (dt: Freie Inhalte im Bildungsbereich) zu vernetzen. In diesem Rahmen nutzten wir diese Chance dazu, uns zu Beginn gleich einmal den Input der Lehrenden direkt zu holen. Ein erster Schritt dazu fand hier statt! Weitere werden folgen. An unserem Tisch zu „Freiem Wissen im Unterricht“ wurde an diesem Tag, nach einem kurzen Input, im Wesentlichen über zwei Fragen diskutiert: Zum einen über das (fehlende) Problembewusstsein der Lehrenden und zum anderen über die Frage wo man denn nun diese „Freien Inhalte“ eigentlich finden kann.

Die „Kultur des Teilens“

Elly Köpf, CC-BY-SA 3.0

Bei vielen Lehrern herrscht noch immer die Vorstellung alles was im Internet stehe, sei doch „frei“ verfügbar und damit „frei“. „Wo sei denn da das Problem?“, fragte einer der Lehrenden. Alle Teilnehmenden zeigten sich jedoch sehr interessiert an den Merkmalen Freien Wissens und den Creative Commons Lizenzen. Fasst man die Beobachtungen zusammen, so wird deutlich, dass die Idee, Inhalte durch einen gemeinschaftlichen Prozess zu verbessern, immer noch nicht im schulischen Kontext angekommen ist. Im Kern bleibt somit die Feststellung, die sich in jedem Kontakt mit Lehrenden wiederholt, der Mehrwert kollaborativ erstellter Freier Inhalte bleibt der derzeitigen Lehrsituation fremd. Zu unserer Frage, wie „Freie Inhalte im Unterricht“ genutzt werden können, ergab sich eine Diskussion, die diese Beobachtung unterstrich. Unter dem Schlagwort „Wissen verändern, verändertes Wissen“ wurde deutlich, dass eine Auseinandersetzung mit Freien Lizenzen und Freiem Wissen immer auch zu der Frage führt, was Bildung eigentlich bedeutet und welchen Stellenwert der Bildung in der heutigen Zeit eingeräumt werden sollte. Ist es der „rote Faden“? Ist es Inhalt? Die Idee Freien Wissens kann für die Schule in jedem Fall bedeuten, sich für kollaborative Prozesse (ob mit oder ohne Internet) zu öffnen.

Vom Suchen und Finden

Aber auch wenn Lehrer bereit sind, Freies Wissen in den Unterricht einzubinden, so ergeben sich immer noch einige Hürden. Es ist sehr schwer für Lehrende, eine korrekte Angabe sicherzustellen und Freie Inhalte im Internet zu suchen. Gerade die Lehrenden, die sich gerne mehr mit Freien Inhalten beschäftigen möchten, bekommen hier bislang nur wenig Unterstützung. Erweiterte Sucheinstellungen, Wikimedia Commons oder CC-Search, sind kaum bekannt. Die Forderungen der Anwesenden waren eindeutig: Mehr Aufklärung zu Urheberrecht und Mediennutzung in der Lehrerausbildung und eine leichtere Handhabung freier Inhalte. Ein fehlendes Problembewusstsein der Lehrenden wird immer wieder sichtbar und damit auch die Frage danach, wie ein solches Problembewusstsein entstehen kann. So lange sich Lehrende in der rechtlichen Grauzone sicherer fühlen, als in der Nutzung Freier Inhalte, wird die Debatte nicht zu einer aktiven Umsetzung führen.

 

Was nimmt man aus einem so intensiven Tag mit? Im schulischen Bereich mangelt es an einem Verständnis für Quellennutzung, Recherche und Urheberrecht. So lange das nicht bereits in der Lehrerausbildung thematisiert wird und keine Förderung „kollaborativer Arbeitsformen“ in der Schule stattfindet, bleibt es für die Einbindung Freier Inhalte in der schulischen Bildung schwer.  Auf politischer Ebene muss sich zum einen die Fortbildung von Lehrenden auf einer breiten Ebene verändern, zum anderen ist der Themenschwerpunkt der „kritischen Medienkompetenz“ im schulischen Bereich ein wichtiger erster Schnitt für eine aktive Auseinandersetzung mit Inhalten im Netz. Die Förderung von Freiem Wissen und damit auch Open Educational Ressources darf damit nicht dem Einzelnen überlassen werden, sondern muss von staatlicher Seite unterstützt werden.