Am Wochenende zum Monatswechsel fand die WikiConvention 2012 in Dornbirn statt. Hier gesammelte Blogberichte dazu. Wikimedia Deutschland war mit Mitarbeitern vor Ort. Näheres darüber wird im kommenden Monatsbericht ausgeführt.

POLITIK UND GESELLSCHAFT

Leistungsschutzrecht vom Kabinett beschlossen

Das Sommerloch im politischen Berlin wurde unter anderem durch die anhaltenden Querelen um das geplante Leistungsschutzrecht für Presseverleger überbrückt. Nachdem der zweite Entwurf die gewerbliche Nutzung von Text-Snippets durch Suchmaschinen gebührenpflichtig machen wollte, schließt der dritte, vom Bundeskabinett am 29. August verabschiedete Entwurf auch News-Aggregatoren ein. Für Wikipedia ist – entgegen der begründeten Sorge, die man angesichts der frühen, teils abenteuerlichen Planspiele haben musste – kein direkter Schaden mehr zu befürchten, außer der möglichen Verknappung von journalistischen Referenzquellen. Laut Begründungsteil des Gesetzesentwurfs “werden Dienste nicht erfasst, die die verlegerische Leistung auf andere Weise nutzen, z. B. indem sie dem Internet-Nutzer aufgrund eigener Wertung eine Auswahl von Presseerzeugnissen anzeigen.” Dessen ungeachtet ist das ganze Vorhaben weiterhin ordnungspolitisch äußerst fragwürdig und wird, wenn es denn so Gesetz wird, vermutlich zu jahrelanger Rechtsunsicherheit führen.

Verwaiste Werke: Stellungnahme und Q+A

Verwaiste Werke sind Werke, deren Urheber und Rechteinhaber nicht gefragt werden können, ob und unter welchen Bedingungen sie mit der Nutzung ihrer Werke einverstanden sind, da sie entweder nicht ermittelbar oder nicht auffindbar sind. Bei Werken mit vielen Mit-Urhebern, wie zum Beispiel Filmen, ist die Situation besonders kompliziert. Vor einigen Monaten entstand auf europäischer Ebene deshalb ein neuer Vorschlag für eine zukünftige “Richtlinie über die zulässige Nutzung verwaister Werke”. Im Juli 2012 schickte das Bundesministerium der Justiz (BMJ) an seinen Verteiler der am Urheberrecht interessierten Kreise eine Aufforderung zur Stellungnahme über vier konkrete Fragen zur Umsetzung einer solchen Richtlinie in nationales Recht. Die vollständige Antwort von Wikimedia Deutschland haben wir online gestellt. Als Ergänzung haben wir ein Positionspapier und ein Q+A zu diesem etwas sperrigen Thema erarbeitet, die beide demnächst auf die Webseite gestellt werden.

Konferenz “Zugang gestalten” nimmt Form an

Das Dilemma der digitalen Verfügbarmachung kulturellen Erbes beschreibt Paul Klimpel so: “Im Alltag von Museen, Archiven und anderen Gedächtnisinstitutionen wird häufig bereits auf die Nutzung von Werken verzichtet, wenn die Recherche der Rechteinhaber zwar möglich wäre, aber befürchtet wird, dies sei mit größerem Aufwand verbunden.” Die von ihm initiierte Konferenz “Zugang gestalten”, unter anderem in Kooperation mit WMDE, Open Knowledge Foundation und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, soll am 22. und 23. Oktober 2012 im Jüdischen Museum in Berlin die unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten beim Zugang zum kulturellen Erbe aufzeigen. Weitere Infos dazu demnächst im Blog.

BILDUNG UND WISSEN

Der Bereich Bildung und Wissen hat sich im August erweitert. Wir begrüßen den neuen Bereichsleiter Nils Weichert. Bedingt durch die Ferienzeit fanden insgesamt weniger Workshops statt. Dennoch verging die Zeit nicht ungenutzt: Wichtig war die konzeptionelle Weiterentwicklung der Seminare und die inhaltlich-organisatorische Planung des Referentencamps in Bad Marienberg (21.-23.09.2012). Darüber hinaus nahmen Vertreter des Bereichs an der WikiCon in Dornbirn und der Edu Wiki Conference im englischen Leicester teil.

Silberwissen

Erfreulicherweise gab es eine Reihe von Nachfragen zu Silberwissen-Workshops für den Herbst. Bildung und Wissen ist mit den ersten Vorbereitungen für ein Auswertungstreffen zur Gewinnung von Senioren als Autoren für die Wikipedia mit unseren Kooperationspartnern in Hannover (08.11.2012) beschäftigt.

Schule

Im September fanden zwei Lehrerschulungen statt. Die Mitarbeiterinnen des FrauenComputerZentrumBerlin (FCZB) nahmen an einem Editierworkshop teil, der sonst für Kurs-Teilnehmerinnen am FCZB organisiert wird. Darüber hinaus wird die Weiterarbeit mit Klicksafe intensiviert.

COMMUNITY-BEZIEHUNGEN / FREIWILLIGENFÖRDERUNG

Redaktionstreffen

Wikimedia Deutschland unterstützte das Mitte August erstmals stattfindende Treffen des Wikipedia-Portals zum Thema Rechtsextremismus, das zur Verbesserung des Auftritts diente und um gemeinsame Literatur-Pools zu schaffen. Die 12 Teilnehmenden waren begeistert vom Treffen und möchten es nächstes Jahr wiederholen. Beim 2. Hamburger Workshop im Museum für Hamburgische Geschichte übernahm Wikimedia Deutschland ebenfalls die Fahrt- und Übernachtungskosten. Im Zentrum des Workshops stand die Befreiung von Inhalten des Museums und QRpedia.

Förderprogramme

Im August haben 13 von Wikimedia Deutschland zur Verfügung gestellte Werke im Rahmen des Literaturstipendiums neue Besitzer gefunden, Der Schwerpunkt der Anfragen lag auf guter Literatur zu Waffentechnik und Baudenkmälern. Die ausleihbaren Foto-Kameras waren im Dauereinsatz bei Sportveranstaltungen und auf Festivals. Im Rahmen des Programms Bilderschatz wurden hochwertige, gemeinfreie Bilder historischer Architekten und ihrer Familien digitalisiert und zur Verwendung auf Wikimedia Commons hochgeladen.

Frauen in der Wikipedia

Zum Ende des Monats haben wir uns in zwei Blogbeitragen mit Sexismus in der Wikipedia auseinandergesetzt. Die Beiträge sowie die dadurch entstandenen Diskussionen in den Kommentaren könnt Ihr hier (Zur Sexismus-Debatte in der Wikipedia) und hier (Gastbeitrag der femgeeks: Die deutsche Wikipedia unter der Lupe) nachlesen. Auch haben wir eine Gender Gap-Mailingliste eingerichtet, auf der sich alle Interessierten eintragen können.

Community-Projektbudget

Die Anmeldefrist für die aktuelle Runde des Community-Projektbudgets ist auf den 17. September verlängert worden, damit auch neue Ideen, die auf der WikiCon entstanden sind, noch für diese Runde eingereicht werden können. Sebastian Sooth beantwortet gerne Fragen zur Antragseinreichung und unterstützt den Ausschuss in seiner Arbeit. Bis zum 1. Oktober müssen die fertigen Anträge eingereicht sein. Aktuelle Infos zu den bereits laufenden Projekten sind auf der Projektseite zu finden.

Toolserver

Die Vorbereitungen für eine Toolserver-geeignete Umgebung auf den Wikilabs-Servern bei der Wikimedia Foundation gehen leider nicht so schnell voran wie ursprünglich geplant. Sebastian Sooth bereitet zur Zeit die Planungen mit denjenigen Wikimedia-Organisationen, die den Toolserver unterstützen, und den Toolserver-Nutzern und -Admins vor, um zu klären, wie die ständig steigende Auslastung des Toolservers aufgefangen werden kann.

Funds Dissemination Committee

Im Zuge der Suche nach potenziellen Kandidaten für das Gremium zur internationalen Mittelverteilung, das Funds Dissemination Committee (FDC), hat der Verein die wichtigsten Informationen übersetzt und eine Projektseite in der deutschsprachigen Wikipedia angelegt. Dort informieren wir über die Ziele und Aufgaben des Komitees sowie über aktuelle Termine und Fristen.

FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG

RENDER

Im Forschungsprojekt RENDER konzentrierte sich das Team darauf, auch in Vorbereitung auf die WikiCon 2012, auf die Entwicklung der Prototypen der beiden Unterstützungswerkzeuge für Wikipedia. Das erste dieser Tools, Der Statistik- und Qualität-Monitor, liefert einen schnellen Überblick über den Zustand eines Artikels. Mit Hilfe des zweiten Werkzeugs, dem Arbeitslisten-Generator, kann man sich Listen von Artikeln einer bestimmten Kategorie erstellen und diejenigen überprüfen, die einen bestimmten Mangel aufweisen. Dieses Werkzeug soll insbesondere die Arbeit von etablierten Wikipedia-Autoren erleichtern.

Beide Werkzeuge befinden sich noch in der Entwicklung. Aber Interessierte können den aktuellen Stand auf der Toolserver-Informationsseite mitverfolgen und vor allem Testen.
Wir freuen uns über eure Rückmeldungen, Verbesserungsvorschläge und Hinweise auf unserer Diskussionsseite, aber gerne auch direkt an das RENDER -Team!

Angelika Adam hat außerdem an der WikiSym 2012 – 8th International Symposium on Wikis and Open Collaboration – teilgenommen. Dieses Symposium fand in diesem Jahr vom 27. bis 29. August in Linz statt. Ein ausführlicher Bericht zu dieser spannenden Veranstaltung, deren Schwerpunkt in diesem Jahr auf Wikipedia lag, folgt demnächst.

Weitere Fragen oder Hinweise gerne an Angelika Adam.

Wikidata

Die Entwicklung von Wikidata geht rasant voran. Der aktuelle Stand kann wie immer auf dem Demosystem eingesehen werden. Mittlerweile gibt es auch ein Demosystem in Hebräisch. Für die Fans des semantischen Webs haben wir eine erste Spezifikation für den Export nach RDF veröffentlicht. Außerdem sammelt das Team Ideen, wie man mit einfachen Tricks die Anzahl der ungewollten Änderungen in Wikidata verringert beziehungsweise es leicht macht, diese zu beheben.

Das Wikidata-Team hat sich sehr gefreut, dass Joan Creus pywikidata, eine Pythonbibliothek zum Arbeiten mit Wikidata, veröffentlicht hat. Damit wird es in Zukunft einfach sein, zum Beispiel Bots für Wikidata zu schreiben.

Im August waren Wikidata-Vertreter natürlich auch wieder auf Veranstaltungen, um Wikidata vorzustellen; diesmal auf der Campus Party (video) und der FrOSCon.

Wer regelmäßig Neuigkeiten zu Wikidata auf die eigene Diskussionsseite in der Wikipedia bekommen möchte, kann sich dafür auf dieser Seite anmelden.

PR-/ÖFFENTLICHKEITSARBEIT

Pressemitteilungen

Im August erstellte und verschickte Wikimedia Deutschland zwei Pressemitteilungen. Die erste Mitteilung kündigte die Ende August im österreichischen Dornbirn stattfindende Konferenz WikiConvention 2012 an. Teil der Pressemitteilung waren auch Informationen dazu, wie Journalisten und alle Interessierten die Bilder, die im Laufe der Konferenz entstehen, und das Logo frei weiternutzen können.

Die zweite Pressemitteilung wurde zum Start des internationalen Fotowettbewerbs Wiki Loves Monuments verschickt. Hier natürlich ganz besonders wichtig: erneute Hinweise zur Weiternutzung der im Laufe des Wettbewerbs entstehenden Bilder. Zum größten Fotowettbewerb des Jahres gab es auch einen Blogbeitrag im Vereinsblog.

Wikimedium

Die dritte Ausgabe der kostenlosen Vereinszeitung Wikimedium in diesem Jahr wird Mitte September erscheinen. Dazu sammelten wir im August Themen, schrieben Artikel und gestalteten die Zeitung redaktionell. Es haben sich wieder zahlreiche Vereinsmitglieder und ehrenamtliche Wikipedia-Helfer an der Erstellung der Zeitung beteiligt. Dafür schon vorab großen Dank! Schwerpunktthema der Ausgabe wird das Thema Diversität in der Wikipedia sein.

Informationsmaterial

Im August produzierte der Verein drei neue Informationsbroschüren. Rechtzeitig zur WikiCon konnte der neue Flyer für den Bereich Freiwilligenförderung und das aktualisierte Wikidata-Mock-up finalisiert werden. Beide wurden auf der Konferenz in Dornbirn vorgestellt. Auch an einem neuen Flyer für den Bereich Bildung und Wissen wurde gearbeitet. Er ist in Kürze verfügbar.

FUNDRAISING

Zwei Höhepunkte sollen an dieser Stelle hervorgehoben werden. Der erste ist die neue Portalseite zur kommenden Spendenkampagne, die das Fundraising-Team in den zurückliegenden Wochen erstellt hat. Anders als bei der Portalseite 2011 wurde dieses Jahr ein sehr viel stärkerer Fokus auf die Relevanz von persönlichen Geschichten gelegt. Denn wir möchten, dass in diesem Jahr persönliche Aufrufe die Kampagne noch mehr prägen und das Team würde es begrüßen, wenn so viele Freiwillige wie möglich dabei sind – bei der größten öffentlichen Kampagne für Wikipedia! Übrigens wird es auf der Portalseite auch immer aktuelle Neuigkeiten rund um die Kampagne geben. Also, schaut auf unserer Portalseite vorbei, es lohnt sich!

Die bisher größte Versandaktion in diesem Bereich (abgesehen von den Zuwendungsbestätigungen) bildete den anderen Höhepunkt dieses Monats. Ende Juli wurde an 4.000 Spender die aktuelle Ausgabe der Wikimedium versendet. Parallel verschickten wir an ebenso viele Unterstützer ein E-Mailing mit Verweis auf das E-Paper. Wir wollten prüfen, was besser läuft: ein postalisches Mailing oder ein E-Mailing. Das Ergebnis ist durchaus erfreulich. Insgesamt konnten bisher knapp 100 neue Mitglieder gewonnen und rund 150 Menschen von eine Spenden überzeugt werden. Nach knapp einem Monat seit Versand können wir  Schlussfolgerungen aus dem Vergleich der beiden Kommunikationsformen ziehen. Die tolle Nachricht ist zunächst, dass auch ein E-Mailing gut funktioniert. Wenngleich weniger erfolgreich, da auf diesem Wege insgesamt weniger Menschen zur Unterstützung bewegt werden konnten, so ist die Anzahl der Spender doch sogar höher als beim Druckversand. Der große Unterschied der beiden Formen der Ansprache liegt in der Art der Reaktion. Im Zuge des Mailings wurden deutlich mehr Menschen zu neuen Mitgliedern des Vereins. Unsere Erkenntnisse belegen die Notwendigkeit einer differenzierten Kommunikation mit unseren Unterstützern.

STELLENANZEIGEN

Wikimedia Deutschland sucht zur Zeit einen Eventmanger/eine Eventmanagerin in Vollzeit. Außerdem sind auch noch weitere Stellenangebote offen.

Interessante Termine im September