Archiv für September, 2012



Deutsche Bahn an OpenplanB: “Wir werden das Gespräch mit anderen Open-Data-Förderern suchen.”

Vor zwei Wochen enstand aus einem Twitter-Austausch zwischen Jens Best, dem Social Media-Team der Deutschen Bahn und mir ein offener Brief über die Bitte um Freigabe von Fahrplandaten unter einer nachnutzungsfreundlichen Lizenz. Die Antwort der Bahn war schnell, freundlich und aus unserer Sicht nicht zufriedenstellend. Wir wissen, dass es hier nicht um ein primär technisches Problem geht, sondern eine Reihe von rechtlichen Fragen zusätzlich zu den Aspekten Qualitäts- und Imagesicherung zu klären sind. Solange Open Data mit der Gefahr verstanden wird, daß Onkel Ernst an einem Sonntag Abend an einem Regionalbahnhof strandet, weil er sich auf veraltete oder falsch formatierte Fahrplandaten verlassen hat, erscheint es für ein in der Öffentlichkeit stehendes Unternehmen als Risiko, nicht als Chance.

Wer nicht darauf hoffen will, daß die Bahn in Sachen Open Data ihren Kollegen in anderen Ländern folgt, kann Petitionen schreiben, sich für eine nationale Open-Data-freundliche-Gesetzgebung engagieren, mit ausländischen freigegebenen Daten experimentieren und mithelfen, die Vorteile greifbarer zu machen. Keine dieser Maßnahmen wird jedoch kurzfristig deutsche Fahrplandaten verfügbar machen. Diese Situation kann für jemanden so unbefriedigend wirken, dass Selbsthilfe legitim erscheint, zum Beispiel das Scrapen von Daten aus offiziellen Quellen. Der Wikipedia-Artikel listet bereits eine Reihe von Gründen auf, warum die Rekonstruktion von Datenbanken via Scraping problematisch sein kann.

Die Deutsche Bahn hat sich heute mit einem Offenen Brief an das Projekt openPlanB gewandt. Sie erklären dort, warum sie den von openPlanB gewählten Weg der Extraktion von Planplandaten aus einer CD-ROM für rechtlich unzulässig halten. Sie weisen auf das Risiko für Nachnutzer hin, die sich auf das von openPlanB gesetzten Label einer freien Datenbanklizenz verlassen und bringen die naheliegenden Qualitätsprobleme von alternden Daten an. In eindeutiger Sprache schreibt die Vorsitzende der Geschäftsführung der DB Vertriebs GmbH, Birgit Bohle, dass man auf rechtliche Schritte für die zurückliegende Aktion verzichte, sich aber rechtliche Schritte bei zukünftigen Verstößen vorbehalte.

Die Bahn schreibt, daraus die Konsequenz gezogen zu haben, in Zukunft auf die Mitarbeit von openPlanB verzichten zu wollen und kündigt an, das Gespräch mit anderen Open-Data-Förderern suchen zu wollen.

An diesem letzten Satz wird man die Deutsche Bahn messen können, denn mögliche Kooperationspartner für das Unternehmen sind bekannt und auch nach Abzug der Probleme, z.B. von Datensätzen anderer Verkehrsverbünde, gibt es weiterhin noch eine Reihe von Möglichkeiten, miteinander ins Gespräch und zur Zusammenarbeit zu kommen.

[update:

Weitere Presseberichterstattung zu dem Offenen Brief gibt es von

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (8 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...Loading...

Wikimedia:Woche 39/2012

Die Wikimedia:Woche ist die wöchentliche Zusammenfassung von aktuellen Nachrichten aus der internationalen Wikimedia-Bewegung. Der gemeinschaftliche Mailing-Newsletter von Freiwilligen und Wikimedia Deutschland wird immer donnerstags in Wikipedia, auf der Mailingliste des Vereins und auch hier im Blog veröffentlicht.

Interessierte sind herzlich eingeladen, bei der Zusammenstellung von interessanten Links und Themen mitzumachen. Bis zum jeweils folgenden Donnerstag wird hier gesammelt.

Viel Spaß beim Lesen!

 

= Wikimedia:Woche (39/2012) =

Frühere Ausgaben sind archiviert unter:

Die Liste der Beitragenden kann der Versionsgeschichte der jeweiligen Ausgabe im Archiv in Wikipedia entnommen werden.

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...Loading...

Bildung und Wissen – Ein herbstliches Referententreffen

By Raimond Spekking CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

Michael Schlesinger ist langjähriger Wikipedia-Autor und seit Oktober 2011 Referent im Bereich Bildung und Wissen.

Am Wochenende 21. bis 23. September 2012 trafen sie sich wieder, die Vertreter der Wikipedia mit ihren Rollkoffern und dem eiligen Schritt, die als Referenten für den Fachbereich Bildung und Wissen von Wikimedia Deutschland unterwegs sind. Sie kennen jeden ICE, jeden Bahnknoten und jede WLAN-Einstellung. Sie sollen und wollen die Idee der Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte überall im Land in Schulen, Vereinen und Institutionen aller Art verbreiten. Daher müssen sie sich hin und wieder zum Austausch ihrer Ratlosigkeit, ihrer Begeisterung und der Kritik in den Tagungshotels der Republik für zweieinhalb anstrengende Tage treffen. Diesmal war es ein vergessener westdeutscher Kurort im ablegenen Westerwald, einer herben und steinigen Gegend.

Im Vorfeld dieses sogenannten “Referentencamps” wurde eifrig und teilweise kontrovers über die zu behandelnden Themen diskutiert, man war mit der von den Organisatoren vorgeschlagenen Tagesordnung nicht ganz einverstanden, denn es bestand der Wunsch, mehr über die Perspektiven des Referentennetzwerks zu reden. Dafür wurde dann am Sonntag umso intensiver in Kleingruppen diskutiert. Es war nicht zu übersehen, dass es noch viel Spielraum zur Verbesserung gibt. Die kleinen Wikipedia-Vertreter an den Türklinken der Bildungseinrichtungen brauchen inhaltliche Hilfestellungen für ihren Musterkoffer. Natürlich werden auf diesen Treffen auch immer wieder die gleichen Dinge besprochen, aber diesmal war es konzentrierter und anstrendender als letztes Mal. Besonders erfreulich war, dass gleich drei neue Referentinnen hinzugekommen sind.

Verbreitung  Freien Wissens

Referenten sollen ihre Botschaft, in diesem Fall die Verbreitung des ”Freien Wissens” (nein, das ist keine Glaubensgemeinschaft), ihrem Publikum möglichst überzeugend darlegen, doch sie leiden oft unter Zeitdruck, kämpfen mit technischen Problemen und haben das Gefühl, dass die Zeit verrinnt. Nathalie Köpff, Trainerin für Rede- und Gesprächsrhetorik und angehende Referentin, analysierte die Unarten der armen Referenten, die teilweise mit Dialekt und dünnen Stimmen, immer zu schnell, zu laut, zu leise sprechen, auf den Boden blicken und nicht wissen wo sie die Hände lassen sollen. Andere Punkte dieses erbarmungslosen Bootcamps war, wie immer, die Suche nach Rezepten: Wie sieht ein gut gemachter Vortrag oder Autorenworkshop aus (Optimierung der Workshops für die Kunden), was kann hier im Detail verbessert werden? Immerhin ist festzustellen, dass die Referenten offenbar professioneller geworden sind.

“Neulingsloch” und mehr

Weitere Themen waren die stellenweise etwas holprige Kommunikation über die interne Mailingliste, die Verbesserung einer offenbar vorhandenen ”Anerkennungskultur”für Neulinge in der Wikipedia (Gummibärchen, Kätzchen und Barnstars) , sowie die praktizierte Evaluation der Programme im Bereich ”Bildung und Wissen”. Die Diskussion ergab, dass hier einiges verändert werden muss, denn eine ansatzweise wissenschaftliche Evaluation findet bislang nicht statt. Der Kern für Autorenworkshops bleibt, dass alle Bemühungen nur begrenzt nützlich sind, so lange der Wikipedia die neuen Autoren weiterhin fernbleiben. Der knackige Begriff ”Neulingsloch”, eingeführt von Tim Hector, beschreibt anschaulich die Lücke zwischen dem Erstkontakt neuer Autor/innen mit der Wikipedia, der beispielsweise durch Autorenworkshops deutlich wurde, und dem Wikipedia-Alltag. Mentorenprogramm, die Fachportale, so sie denn aktiv sind, könnten helfen dieses unschöne Loch zu stopfen, denn hier verschwindet offenbar einiges vom dringend benötigten Wikipedia-Nachwuchs.

Das Camp ging wie alle diese Camps zu Ende mit dem melancholischen Gefühl des Abschieds. Der ICE hat uns wieder, der Rollkoffer rattert über Bahnsteige und Rampen, die Gedanken sind schon beim nächsten Einsatz…

Michael Schlesinger

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (18 Bewertungen, Durchschnitt: 4,39 von 5)
Loading...Loading...

Free Knowledge across borders

(Deutsche Version des Textes hier)

Some of you already know me from my work as an event and project manager at Wikimedia Deutschland. I am writing this blog post to let you know that my working area will change within the next months: We are setting up an International Affairs Unit and I will become a liaison for the collaboration between Wikimedia Deutschland and the communities, the Wikimedia Chapters and the Wikimedia Foundation. The position will be officially launched on January 1, 2013, but I am already starting to work on the first ideas and tasks.

I would like to briefly introduce our plans and motives, and ask for your support and invite you to get involved.

From international events…

I have been working at Wikimedia Deutschland since March 2010, when my job started with two of my all-time favourite events: The Wikimedia Conference and the Hackathon aka Developers’ Workshop.

During the last 2.5 years, I have met many international Wikimedians and am so happy to learn so much about our global movement. I am still deeply impressed by the enthusiastic people from all around the world who work together for our shared goal: Free Knowledge!

When participating at Wikimedia events, the most interesting aspects for me are the active contribution and sustainable networking. In the future, I would like to work more focussed on these issues.

Wiki Loves Monuments 2011 meeting at the Wikimania 2011 – By Wikimedia Israel [CC-BY-SA-2.0] https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/, via Wikimedia Commons

…to international collaboration

The emphasis of my work within the new unit will lie in the following:

  1. Monitor the international activities, networks and contacts and make them available for reuse for our local activities and communities. Publish this information in German on our blog, on mailing lists and in the international portal (coming soon) on DEWP.
  2. Utilise international expertise from other chapters communities and the WMF for our work – and vice versa. For example, we can adapt topics like Open Educational Resources and Diversity in Wikipedia to our local acitivities, while the experience from our education department can be valuable for other chapters, too.
  3. Cooperate with other like-minded organisations for activities beyond a local scope. For example, we want to contribute to the European chapters’ visibility in Brussels and I will coordinate with other stakeholders to bundle their interests and concerns regarding international agreements or conditions for free and open projects.

My first steps

Within the next weeks and months, I will go more into detail about these first activities; but I would like to share a rough overview with you first. I do this at a very early stage of planning because I am really looking forward to your comments and ideas.

  • Wikimedia Deutschland is part of the international Wikimedia movement. We share our know-how, initiate international exchange programmes as well as events and support the development and collaboration among chapters and like-minded organisations.
  • We support the establishment of the Wikimedia Chapters Association (WCA) and work closely together with our council member, Markus Glaser.
  • Some of our info materials are already published in English (monthly and yearly reports, some brochures, annual plan. We will provide toolkits, best practises and reports and enable others to use them for their own work. Using channels like Meta and Outreach Wiki, Wikipedia Signpost, the WMF’s blog and publishing English articles on our own blog should help us spread the word and others to reuse our materials.
  • We help those interested in the development of the Wikimedia projects to make their voice heard. By making international issues more visible within the German language projects and facilitating the discussions, we hope to avoid potential conflicts and come up with constructive solutions.
  • Together with everyone interested in international movement affairs, I would like to establish a portal in the German language Wikipedia. This platform should provide background information and updates on topics like FDC, WCA, WMF, Board of Trustees as well as cool and bold projects from other chapters, organisations and communities.
  • As you might have already guessed, I am still very much into events. :) I am planning to invite all those interested in shaping our international commitment to a meeting (nice working title: “camp international”). The date is not yet fixed, more will be announced. Ideas welcome!

Be part of it!

If you ask yourself: Wow, how could can one person take care of all those tasks? I must admit: I won’t do this all on my own. My job is to enable and support the work of my colleagues and the internationally active community members.

This new unit is a great opportunity for Wikimedia Deutschland and for me personally. Whew! But it is also a huge challenge that we can only rise to meet with your collaboration, ideas and feedback. I am very curious about your expectations, comments and wishes. You can reach contact me via email, leave a comment on my talk page, find me on IRC (#wikimedia-de, Nicole_WMDE) or meet me in our office or at one of the future meetups. I am really looking forward to a productive and exciting teamwork!

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (5 Bewertungen, Durchschnitt: 4,80 von 5)
Loading...Loading...

Freies Wissen kennt keine Grenzen: Für mehr internationale Vernetzung und Zusammenarbeit!

(Find the English version here)

Viele von euch kennen mich von meiner Arbeit im Veranstaltungs- und Projektbereich. In Zukunft wird sich mein Aufgabenfeld in der Geschäftsstelle verändern. Bis Ende des Jahres werde ich die neue Stabsstelle Internationales für Wikimedia Deutschland aufbauen und die ersten Ideen umsetzen. Ab 1. Januar 2013 bin ich dann in Vollzeit für die internationale Arbeit zuständig. Mit diesem Blogpost möchte ich euch einen Einblick in die aktuelle Planung geben, euch um Mithilfe bitten und meine Unterstützungsmöglichkeiten vorstellen.

Von internationalen Veranstaltungen…

Seit März 2010 arbeite ich als Projektmanagerin bei Wikimedia Deutschland und konnte in der Zeit viele Kontakte im deutschen und internationalen Wikiversum knüpfen. Events wie die Wikimedia Conference, die Wikipedia Academy, der Zedler-Preis für Freies Wissen, WissensWert und der MediaWiki Hackathon sowie die Unterstützung der Communitys bei Wiki loves Monuments und WikiConvention sind Highlights meiner bisherigen Arbeit für den Verein.

Bei der Planung der vielen internationalen Veranstaltungen war es immer auch mein Ziel, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur gute Veranstaltungen besuchen, sondern sich aktiv einbringen und vernetzen können. Begeistert hat mich jedes Mal aufs Neue, wie enthusiastisch sich Menschen aus aller Welt gemeinsam für Freies Wissen einsetzen. Oft wurden auf den Events Ideen entwickelt und neue Bekanntschaften geschlossen, die dann aber im normalen Alltag wieder untergingen. In Zukunft möchte ich Gespräche wie „Hey, an welchen coolen Projekten arbeitet ihr denn gerade, wollen wir nicht mal was zusammen machen?“ oder „Ich muss dir unbedingt erzählen, was wir gerade planen, das wäre bestimmt auch was für euch!“ noch öfter erleben und vor allem sichtbarer machen sowie entsprechend weiter verfolgen.

“Wiki Loves Monuments 2011″-Treffen bei der Wikimania 2011 – Foto von Wikimedia Israel [CC-BY-SA-2.0] https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/, via Wikimedia Commons

…zu gemeinsamer internationaler Arbeit

Wir werden die Zusammenarbeit zwischen Wikimedia Deutschland, den Communitys, den Wikimedia-Chaptern und der Wikimedia Foundation bündeln und stärken. Dazu wird es bei Wikimedia Deutschland ab 1. Januar 2013 eine Stabsstelle Internationales geben, die ich leiten werde.

Diese Arbeit soll das Teilen unseres Know-hows verstärken, internationale Austauschprogramme ermöglichen, mehr gemeinsame Veranstaltungen anregen und die Entwicklung und Vernetzung der lokalen Chapter unterstützen. Wikimedia Deutschland wird dadurch noch intensiver als Teil der internationalen Wikimedia-Bewegung an der Erstellung und Verbreitung Freien Wissens mitwirken.

Wir helfen Interessierten dabei, sich in die Weiterentwicklung der Wikimedia-Projekte einzubringen. Die Stabsstelle wird internationale Themen frühzeitig in die deutschsprachigen Kanäle tragen, Diskussionen moderieren und Ergebnisse wieder international präsentieren. Frühe Hinweise auf Diskussionen sollen potentielle Konflikte entschärfen, zwischen verschiedenen Ansichten moderieren und dadurch konstruktive Lösungen ermöglichen.

Wir arbeiten eng mit unserem WCA-Ratsmitglied Markus Glaser zusammen. Die WCA (Wikimedia Chapters Association) hilft neuen und bestehenden Chaptern bei der strategischen und organisatorischen Entwicklung. An dieser wichtigen Initiative, die Freies Wissen international noch besser fördern wird, beteiligen wir uns sowohl finanziell als auch unterstützend.

Wir stellen unsere Monats- und Jahresberichte, manche Broschüren sowie den Jahresplan bereits auf Englisch zur Verfügung. Zukünftig wollen wir regelmäßig noch weitere Materialien (Toolkits, Best Practices, Erfahrungsberichte) veröffentlichen und andere dabei unterstützen, diese für ihre eigene Arbeit zu nutzen. Kanäle für diesen internationalen Dialog werden z.B. das Meta- und das Outreach-Wiki, die Wikipedia Signpost, das Blog der Foundation und englischsprachige Blogbeiträge bei uns sein. Damit machen wir unsere Erfahrungen auch international einfacher nutzbar.

Gemeinsam mit an internationaler Arbeit interessierten Community-Mitgliedern entsteht im Projektnamensraum der deutschsprachigen Wikipedia eine Projektseite, die als Informationsportal und Arbeitsplattform dient. In Ergänzung zur Wikimedia:Woche und ähnlich, wie ich es auf der Projektseite des Funds Dissemination Committee (FDC) in der deutschsprachigen Wikipedia bereits begonnen habe, möchte ich auf den deutschsprachigen Kanälen über internationale Themen informieren und damit noch mehr Dialog schaffen. Was genau macht eigentlich das WMF Board of Trustees? Wozu braucht es die Wikimedia Chapters Association und das Affiliation Committee? An welchen kreativen und mutigen Aktivitäten arbeiten die anderen Chapter oder Communitys?

Und auch in meinem neuen Arbeitsbereich kann ich meine vielfältigen Eventmanagementerfahrungen einbringen: Noch in diesem Jahr wird es ein Treffen (mit dem schönen Arbeitstitel „Camp International“) für alle geben, die sich für die Geschehnisse im internationalen Wikiversum interessieren. Dazu in Kürze mehr auf diesem Kanal.

Die ersten Schritte sind gemacht – wie machen wir weiter?

Drei Schwerpunkte  werden die Arbeit der Stabsstelle Internationales zum Start bestimmen:

  • Überblick über die weltweiten Aktivitäten, Netzwerke und Ansprechpartner haben und zur Verfügung stellen. Regelmäßige Veröffentlichungen der gesammelten Informationen im Blog, auf den Mailinglisten und dem neuen Portal Internationale Arbeit werden die ersten Schritte dazu sein.
  • Erfahrungen aus anderen Ländern und Sprachversionen für die Arbeit von Wikimedia Deutschland nutzbar machen – und umgekehrt. Zum Beispiel können wir bei Themen wie freie Bildungsinhalte oder Diversität in den Wikimedia-Projekten bereits auf internationale Erkenntnisse zurück greifen, die Erfahrungen unserer Bildungsprojekte wiederum sind für andere Chapter wertvoll.
  • Kooperationen mit anderen Organisationen für die Aktivitäten, die über die lokale Arbeit hinaus gehen, aufbauen. Wir werden z. B. dazu beitragen, dass die europäischen Chapter auch in Brüssel sichtbarer werden und ihre Interessen hinsichtlich internationaler Abkommen oder den besonderen Bedingungen von kollaborativen Projekten im Netz gebündelt vorbringen.

Mitmachen erwünscht!

Das alles klingt nach viel Arbeit – und das ist es auch. Deswegen werde ich nicht alles alleine machen. Vielmehr ist meine Aufgabe, Unterstützungsmöglichkeiten für die Kolleginnen und Kollegen in der Geschäftsstelle und die international Aktiven aus den Communitys zu schaffen.

Für den Verein und auch für mich persönlich ist die Stärkung unseres internationalen Engagements eine tolle Chance. Aber natürlich auch eine große Herausforderung, bei der ich auf Zusammenarbeit, Ideen und Rückmeldungen angewiesen bin.

Im Moment bin ich dabei, eine Bestandsaufnahme zu machen:

  • Wo und mit wem engagiert sich Wikimedia Deutschland bereits international?
  • Welches sind Schnittstellen, Kanäle und Tools bei uns und im internationalen Dialog?
  • Was erwarten oder wünschen sich die Beteiligten von unserem internationalen Engagement?

Dazu habe ich bereits viele Gespräche geführt, aber noch lange nicht genug! Deswegen bin ich sehr gespannt auf eure Reaktionen zu dieser neuen Stelle und freue mich über Rückmeldungen. Ihr könnt mich jederzeit per Mail an nicole.ebber@wikimedia.de kontaktieren, Kommentare hier im Blog hinterlassen, auf meine Benutzerseite schreiben oder Euch mit mit treffen, ob in der Geschäftsstelle, auf Veranstaltungen oder beim oben genannten Treffen. Auf eine gute und erfrischende Zusammenarbeit!

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (14 Bewertungen, Durchschnitt: 4,71 von 5)
Loading...Loading...

Wiki Loves Monuments – “Vergesst nicht die Steine!”

Endspurt! Die letzte Woche für Wiki Loves Monuments 2012 (WLM) läuft. Noch bis zum Sonntag, den 30. September, werden in der ganzen Welt Fotos von Denkmälern für Wikipedia im internationalen Wettbewerb gemacht. Hier im Blog berichten einige der ehrenamtlichen Fotografen von ihren Erlebnissen. Der regionale Wettbewerbsteil „Wiki Loves Monuments in Wuppertal“ wurde vom Wikipedia-Autor Atamari ins Leben gerufen. Ziel ist es, Wiki Loves Monuments in der bergischen Großstadt bekannt machen. Wie es ist, in der Freizeit so ein ehrenamtliches Projekt zu planen und durchzuführen, berichtet Atamari. Ein ermutigender Aufruf für alle, die im nächsten Jahr vielleicht auch ein regionales WLM-Projekt starten wollen:

Die Untere Denkmalbehörde von Wuppertal hat rund 4500 Bauwerke als Denkmäler ausgewiesen. Mit dieser Zahl wird sie in Nordrhein-Westfalen nur von Köln übertroffen. In den beiden Zentren Barmen und Elberfeld sind kriegsbedingt nur wenige alte Gebäude erhalten geblieben, und das Verständnis für den Denkmalschutz erwachte in dieser Stadt erst Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre.

Als der Organisator von Wiki Loves Monuments in Wuppertal meine ich, dass man die Wuppertaler Bürger mobilisieren sollte, die Stadt bei diesem Wettbewerb gut zu präsentieren. Eine Aktionsseite in der Wikipedia und eine eigene Facebook-Seite waren relativ schnell erstellt. Schwieriger war es, Mitstreiter zu finden und den Rahmen der Aktionen im September genau zu definieren. Kurz vor dem Monatswechsel zum September hatte ich eine entsprechende Mitteilung des Wettbewerbs an die lokalen Medien verteilt. Ein Onlinemedium hatte dies umgehend am nächsten Tag veröffentlicht und die Wuppertaler Rundschau, ein Anzeigenblatt mit einer Auflage von mehr als 350.000, dann kurz vor dem nächsten Wochenende auf der Seite 3.

„200 Jahre Allee“, der passende Rahmen für Wiki Loves Monuments. (Foto: Nicola, CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

In Wuppertal wurde am Wochenende des 8./9. September mit einem Straßenfest „200 Jahre Allee“ ganz groß der Geburtstag der Friedrich-Engels-Allee gefeiert. In dieser Straße im Wuppertaler Stadtteil Unterbarmen kam auch Friedrich Engels zu Welt, der thematisch in das Fest mit einbezogen wurde. Am Sonntag, dem 9. September 2012, gleichzeitig Tag des Denkmals, fand die Teilveranstaltung des 5. Wuppertaler Geschichtsfest im Hof des Gebäudeensembles des Museums für Frühindustrialisierung und Engels-Hauses statt. Hier hatten wir, also die Vertreter der Wikipedia, auch einen Stand.

Durch den Mitarbeiter des Historischen Zentrums Reiner Rhefus, der einen Teil der Gesamtplanung des Straßenfest „200 Jahre Allee“ beitrug, wurde uns die Teilnahme an ermöglicht. Dieses Geschichtsfest war eine Veranstaltung, an dem sich zahlreiche Wuppertaler Geschichts- und Bürgervereine beteiligt hatten. Beispielhaft ist hier die Bleichergruppe des Langerfelder Bürgervereins zu erwähnen, die mehrmals am Tag das Handwerk des Garnbleichens aus der Frühen Neuzeit demonstrierte. Herr Rhefus organisierte einen Pavillon inklusive zweier Stehtische für uns mit: Dafür möchte ich mich an dieser Stelle bei ihm noch mal herzlich danken.

Am Sonntagmorgen schmückte ich den Stand. Ich hatte mich mit drei Bildern aus Wiki Loves Monuments 2011 vorbereitet, die ich als Poster in einem Fotolabor entwickeln ließ. Weiter hatte ich zahlreiche Wikipedia- und WLM-Logos in DIN-A3-Größe und andere Blätter in der gleichen Größe mitgebracht. Mithilfe weiterer Wikipedianer konnte der Pavillon in einen attraktiven Zustand gebracht werden.

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (5 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...Loading...

Urheberrecht in der Medienbranche

Wer als Medienschaffender arbeitet, kommt mit dem Urheberrecht in Kontakt.
Als Autor geschützter Werke, die andere nutzen wollen, als Nutzer von Werken anderer oder durch die Berichterstattung über urheberrechtliche Themen.

Am Wochenende trafen sich in Mainz junge Medienschaffende beim JugendMedienEvent. Zum Podium mit dem Titel “Ist meins auch deins?” wurde ich eingeladen um über das Thema Urheberrecht zu sprechen. Mit dabei waren der Stellvertretende Justitiar des ZDF, Gregor Wichert und Kilian Trotier, Redakteur im Feuilleton der ZEIT. Moderiert wurde das Panel von Philipp Sümmermann.

Wie zu erwarten war, wurden dabei viele unterschiedliche Themen angesprochen: von der  Kulturflatrate und die Rolle von Verwertungsgesellschaften bis hin zur Frage, ob wir ein ganz neues Urheberrecht brauchen.

Die kritischsten Fragen kamen dabei von die jungen Medienschaffenden, die auch schon jede Menge eigene Erfahrungen mit dem Urheberrecht einbringen konnten.

Besonders Interessant war die Diskussion darüber, unter welchen Bedingungen die öffentlich rechtlichen Sender mehr Inhalte unter freie Lizenzen stellen könnten. Gregor Wichert betonte dabei, dass er sich eine größere Verbreitung der Inhalte durchaus wünsche, jedoch ein Problem in der Rechteklärung sähe, die dadurch noch komplizierter würde.

Lea Sophie Preusser hat einen schönen Bericht über das Podium geschrieben.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (2 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...Loading...

GLAMcamp London: Zwei Tage in der größten Bibliothek der Welt

Am 15. und 16. September fand in der British Library in London das GLAMcamp 2012 statt. Aus Deutschland reisten Peter Weis, Daniel Mietchen (Wikimedian in Residence on Open Science, Open Knowledge Foundation Deutschland) und Kilian Kluge (Wikipedian in Residence bei der Stiftung Stadtmuseum Berlin, Wikimedia Deutschland) in die britische Hauptstadt.


Die British Library ist mit mehr als 15 Millionen Sammlungsobjekten die größte Bibliothek der Welt

Photograph by Mike Peel (mikepeel.net), CC-BY-SA 2.5

Das GLAMcamp fand als Ersatz für eine GLAM-Konferenz statt, die ursprünglich zu diesem Termin geplant war, im Sommer allerdings auf April 2013 verschoben wurde. Das Camp diente zwar auch der Vorbereitung dieser Konferenz, im Mittelpunkt stand aber der interne Austausch der Community.

So kamen etwa 35 GLAM-Aktivisten aus den USA und Europa in London zusammen, darunter insbesondere auch viele „Wikipedians in Residence“, die zurzeit in einer kulturellen Einrichtung aktiv sind. Die Summe an Erfahrungen und Expertise, die in London zusammenkam, war außergewöhnlich, so dass um das Tagungsprogramm herum immer wieder spannende und vor allem für die Beteiligten lehrreiche Gespräche entstanden.

Das Conference Center der British Library (die mit Andrew Gray selbst einen „Wikipedian in Residence“ beschäftigt) erwies sich als hervorragender Veranstaltungsort, nicht nur durch die ideale Lage im Herzen der britischen Hauptstadt. Die Gruppe konnte sich flexibel auf drei Tagungsräume und ein großes Foyer verteilen, die technische Ausstattung und besonders die zahlreichen im Boden eingelassenen Steckdosen ließen keine Wünsche offen.

Wo steht die GLAM-Community?

Nach der Begrüßung durch Ashley Van Haeften, Mitglied des Boards von Wikimedia UK, und der Ankündigung, dass es im Rahmen des Tagungsprogramms keine Präsentationen und Projektberichte geben werde, ging es direkt mit einer Runde „Lightning Talks“ los. Thema war beispielsweise der Mangel an Audiomaterial in der Wikipedia, fast gänzlich fehlen etwa Höreindrücke von Orten („Wie hört es sich Mittwochmorgen am Piccadilly Circus an?“), Verkehrsmitteln oder Tieren. Insbesondere für Sehbehinderte und Blinde wären solche Ergänzungen zum Text äußerst wertvoll.

Nach diesem Einstieg teilte sich die Gruppe, um in kleinerer Runde inhaltlich zu arbeiten. Ein Diskussionsthema war hierbei die Frage, was eine internationale GLAM-Organisation, also ein imaginärer Dachverband der GLAM-aktiven Wikipedianer, leisten sollte. Dieses Brainstorming brachte schnell die Stärken und Schwächen der jetzigen „GLAM-Bewegung“ zutage. So ist zwar der interne Austausch gut organisiert, aber es fehlt an zentralen Anlauf- und Beratungsstellen sowohl für Wikipedianer als auch für kulturelle Einrichtungen. Gewünscht wurde beispielsweise ein „GLAM-Callcenter“, das bei kleineren Problemen selbst Unterstützung bieten und andernfalls an die richtigen Ansprechpartner verweisen kann.

Eine weitere Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit den unzähligen Aktionsformen, die im GLAM-Bereich genutzt werden und versuchte, diese auf möglichst greifbare, grundlegende Konzepte zu reduzieren. Zahlreiche Veranstaltungen haben beispielsweise zum Ziel, in einer konzertierten Aktion vor Ort eine Stadt oder Region zu dokumentieren, ein ähnliches Konzept wurde sowohl im Zusammenhang mit Wiki Loves Monuments als auch mit Museen schon erfolgreich umgesetzt. In London wurde nun versucht, aus den zahlreichen Erfahrungen die wesentlichen Schritte zu extrahieren und zu möglichst übersichtlichen Anleitungen zusammenzustellen. Diese Arbeit soll fortgesetzt werden, als Musterbeispiel sei hier auf das Edit-a-thon How-to verwiesen.

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (9 Bewertungen, Durchschnitt: 4,78 von 5)
Loading...Loading...

Der Jahresplan 2013 von Wikimedia Deutschland

Liebe Freunde des Freien Wissens,

“Die Communitys stehen im Mittelpunkt”
“Diversität des Wissens stärken”
“Freies Wissen in der Gesellschaft verankern”

Das sind die drei Leitmotive, die die Arbeit von Wikimedia Deutschland im Jahr 2013 bestimmen sollen. Sie haben uns, den hauptamtlichen Mitarbeitern des Vereins, dem Vorstand und den Mitgliedern des Präsidiums in den vergangenen Wochen als Richtschnur für die Erstellung des Jahresplans 2013 gedient. Was wollen wir, was will Wikimedia Deutschland im kommenden Jahr erreichen und machen? Wo liegen die Schwerpunkte unserer Arbeit, was sind unsere Ziele, welche Mittel stehen uns dafür zur Verfügung und wie wollen wir sie einsetzen?

Ergebnis dieses Prozesses ist der Jahresplan 2013, den wir gerade veröffentlich haben. Zu finden ist er im Forum des Vereins.

Im Mittelpunkt stehen vier Ziele, die wir uns für das Jahr 2013 gesetzt haben:

Ziel 1: Wikimedia Deutschland macht die Zusammenarbeit in und mit den Communitys dauerhaft einfacher und besser.
Ziel 2: Wikimedia Deutschland stärkt die Diversität des Wissens in den Wikimedia-Projekten.
Ziel 3: Wikimedia Deutschland ermöglicht es Lesern, ihre Perspektive in die Wikimedia-Projekte einzubringen.
Ziel 4: Wikimedia Deutschland verankert mit neuen Kooperationen das Konzept Freien Wissens auf breiterer Ebene.

Wie wir diese Ziele erreichen wollen, welche konkreten Veränderungen wir anstreben, welche Mittel und dafür zur Verfügung stehen und wie wir diese einsetzen wollen – dazu mehr im Jahresplan 2013.

Doch das ist erst ein Anfang – der Anfang einer hoffentlich intensiven Diskussion über diese Ziele 2013. Denn der Plan ist keineswegs fertig. Er kann und soll sich noch ändern –  wenn Ihr es wollt. Denn Wikimedia Deutschland geht auch bei der Jahresplanung einen völlig neuen Weg: Der Plan wird der Mitgliederversammlung des Vereins am 24. November zur Abstimmung vorgelegt, und bis dahin kann Jeder Ideen, Anregungen, Kritik und Änderungswünsche anbringen. Wie das genau geht ist ganz einfach, und wird am Anfang des Plans genau erklärt. Wer schon weiß wie es geht, findet die entsprechende Diskussionsseite auf Meta.

Und wer gerne vor Ort über die Planung 2013 sprechen möchtet, findet dazu auch Gelegenheit in den kommenden Tagen im Rahmen des Wikimedia Forum: Am Sonntag in Hamburg, am Montag in Frankfurt am Main, Dienstags in Köln, Mittwoch in München und Donnerstag in Berlin. Informationen zu Zeiten und Orten stehen hier: http://blog.wikimedia.de/2012/09/10/wikimedia-foren-zum-jahresplan/

Ich freue mich auf einen regen Austausch, spannende Diskussionen und tolle Vorschläge!

Pavel Richter
Vorstand
Wikimedia Deutschland e.V.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (17 Bewertungen, Durchschnitt: 4,65 von 5)
Loading...Loading...

Open Knowledge in Action: Es gibt noch viel zu tun …

GLAMbora report aus Helsinki: Man trifft sich in einem gepflegten Konferenzraum. Das Ambiente ist deutlich angenehmer gestylt als an vergleichbaren Orten in Berlin oder Dornbirn. Helsinki feiert seinen 200. Geburtstag und sich als Welthauptstadt des Designs. Davon profitierten die Besucher des Welt ersten Open Knowledge Festivals. Etwa dreißig Teilnehmer trafen sich zum Teilevent „Building Cultural Commons“ zu Gast bei der finnischen Stiftung Sitra . Neben finnischen Open-Access-Aktivisten und Vertretern von Kultureinrichtungen (nachfolgend GLAMs nach dem englischen Akronym für Galeries, Libraries, Archives and Museums) waren US-amerikanische und europäische Open-Data-Akteure da. Präsentationen wurden gezeigt, ein Etherpad zusammengeschrieben und eifrig diskutiert. Aber was bleibt?

Paul Keller von Kennisland machte in seinem Vortrag deutlich, wie schwierig die Zusammenarbeit mit GLAMs bis heute ist. Das zentrale Problem ist die oft schwierige Rechtslage. Wir alle sprechen mit den Kultureinrichtungen über die digitale Öffnung, aber sie sind nur selten tatsächlich die Lizenzeigentümer der Kulturschätze, die sie horten. Und selbst, wenn sie die Sachwalter von gemeinfreien Erbstücken sind, dann fällt es ihnen sehr schwer, auf ihre bisherige Souveränität als Doyen zu verzichten. Viele möchten die Kontrolle über die Interpretation und Verfügung ungern mit dem „Unbekannten“ im Netz teilen. Trotz der Fortschritte, die erzielt wurden, bleibe noch viel zu tun, klagt Keller. Sein Credo von mehr Austausch über Fallbeispiele und mehr konzertierte Lobbyarbeit die Lizenzrechtsfragen betreffend zog sich wie ein roter Faden durch die kommenden Sessions.

Auch Harry Verwayen von Europeana schilderte anhand des bald schon sprichwörtlichen Beispiels des inzwischen gelben Milchmädchens von Vermeer zwar die guten Fortschritte beim freien Zugang zu den Metadaten der GLAMs. Wissenschaftler und Laien können so schneller die Orte finden, an denen die Quellen gelagert werden, nach denen sie suchen. Nur müssten jetzt die nächsten Schritte unternommen werden, um diese Veröffentlichung für alle stärker nutzbar zu machen. Wie Keller sah auch er Wikipedia und ihre Schwesterprojekte als ein Vorbild, dessen Potenziale aber noch auszuweiten seien.

Auch die nachfolgenden Beiträge zeigten: Wir, die Open-Data-Akteure, müssen stärker und kontinuierlicher zusammenarbeiten, wenn wir tatsächlich das kulturelle Erbe in das digitale Zeitalter mitnehmen wollen. Dafür brauchen wir noch mehr Vermittler, die verständnisvoll zwischen beiden Welten– der der GLAMs und der der Netzaktivisten – vermitteln. Wir brauchen mehr Ideen und Geschäftsmodelle, die das digitalisierte Kulturerbe lebendig werden lassen. Ein Beispiel ist die Verlinkung von Metadaten der Deutschen Nationalbibliothek über die Personennamensdatei zu Wikipedia-Artikeln. Ein anderes die App eines Reiseführer-Verlages, die dem User denkmalgeschützte Bauwerke in seinem Umfeld anzeigt, diese mit ggf. vorhandenem Wikipedia-Artikel verlinkt und gleichzeitig den User einlädt, sein Foto des Denkmals auf Wikimedia Commons hochzuladen. Zur Entwicklung solcher und ähnlicher kreativer Geschäftsmodelle müssen Entwickler und Kultureinrichtungen aber enger vernetzt werden. Wir könnten als gemeinnützige Organisationen mit Brücken in die Freiwilligenarbeit diesen Dialog befördern. Und Michael Edson von der US-Smithsonian Institution forderte die Kultureinrichtungen auf, die dafür nötigen Ressourcen durch Umschichtung freizumachen. Die Organisatoren des Festivals für den GLAM-Bereich, Sam Leon und Joris Pekel von der Open Knowledge Foundation, haben es dankenswerter Weise übernommen, alle engagierten Mitstreiter u.a. zu nachfolgenden Arbeitskreisen einzuladen:

* Lobbyarbeit für Urheberrechtsliberalisierung und Verwaiste Werke

* Dokumentation der Fallbeispiele

* Verbesserte Erforschung der Bedarfe der GLAM (Screening)

* Ideen für Veranstaltungsformate für mehr Vernetzung

Wer weiß, vielleicht machen wir zusammen in Brüssel eine WG auf und nennen sie Commune ouverte 3.0. Dort feiern wir mit den Kulturleuten GLAMouröse Liberationparties. So machen es doch die Wirtschaftslobbyisten! Wäre nicht das schlechteste Ergebnis einer ganztägigen Session im regnerischen Helsinki.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (6 Bewertungen, Durchschnitt: 3,33 von 5)
Loading...Loading...