On the GLAMside of Wikimania

Das war also meine erste Wikimania! Drei, eigentlich vier Tage Konferenz, die beständig zwischen Klassentreffen und konzentriertem „business case“ changierte. Eigentlich begann es schon auf dem Flughafen in der Schlange vor der Einwanderungskontrolle. In der Warteschlange mischten sich Reisende aus der ganzen Welt. Jeder Flug trug neue Wikipedianer nach Washington, die sich über die Sperrbänder hinweg herzlich grüßten. Später im Hotel lernte man schnell, einander an den Laneyards und T-Shirts zu erkennen. Schon hilfreich, wenn man sich vielleicht noch etwas verloren zwischen Jetlag, Hitze und Straßennamen wie K-Street NW fühlt. Mich verschlug es gleich am ersten Abend mit Tim auf ein Openstreetmap Treffen in einer Bar. Beim Türsteher musste ich schmeichelhafterweise nachweisen, dass ich über 21 bin und stieg die schmale Treppe in den ersten Stock eines nach Hardrock riechenden Pubs hoch. Oben die bizarre Szenerie einer konzentriert lauschenden dicht an dicht stehende Menge, selbst der Barman flüsterte nur. An den Wänden vier Monitore mit drei unterschiedlichen lautlos laufenden Programmen, der vierte diente der jeweiligen Präsentation. Die Vortragenden sprachen zu uns 50 bis 70 Menschen in dem kleinen Raum ohne Mikro. Doch das machte nichts, denn alle verstanden, worum es ging und beklatschten die Ergebnisse. Dann war der letzte Vortrag vorbei und sofort schwoll der Barlärm an zu einer ohrenbetäubenden Lautstärke aus Gelächter, Musik, Bierbestellungen und Gesprächen in allen Sprachen der Welt. Zu müde vom Flug flüchtete ich bald.

Aber dieses Meeting war typisch für die ganze Wikimania. Der Wechsel zwischen aufmerksamen Vorträgen und hektisch herzlichen Pausen wurde für mich zum Puls der Veranstaltung. Dank der „Feuertaufe“ mit Speeddating am ersten Tag, kam ich rasch in meine Rolle als GLAM Kuratorin für Wikimedia Deutschland. Aus den vielen Gesprächen und Sessions, die in dichter Folge die Tage zu einem Filz aus Eindrücken und Ideen verwoben, ragen drei hervor, die ich gern gemeinsam mit Wikipedianern aus Deutschland umsetzen möchte:

– Im Austausch mit dem schwedischen Chapter (Link zu der Broschüre) und den Schweizern die Entwicklung eines qualitativen Fragebogens zu den Erwartungen, Wünschen und Befürchtungen der Kultureinrichtungen in der digitalisierten Öffnung ihrer Inhalte.

– Die Ergebnisse der Auswertung des Fragebogens fließen ein in eine gemeinsam mit dem schweizerischen, österreichischen und holländischen Chapter geplante Infobroschüre für Kultureinrichtungen. Geplant ist ein vorbereitendes Arbeitstreffen auf der WikiCon Ende August in Dornbirn.

– Zwei simultan stattfindende Edit-a-Thons gemeinsam mit dem englischen Chapter in Coventry und Dresden. Beide Städte waren im zweiten Weltkrieg schwer zerstört worden, sind heute aber Partnerstädte. Eine beherzte Initiative von Rock drum.

Wendet Euch mit Ideen, Fragen und Anregungen gern an mich.

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Dieser Eintrag wurde geschrieben von am Dienstag, Juli 17th, 2012 um 17:31 Uhr und ist zu finden unter Community, Konferenz, Kultur, Wikimania. Sie können diesen Beitrag mit RSS 2.0 Feed abonieren. Sowohl Kommentare als auch Pings sind derzeit geschlossen.
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ein Kommentar to “On the GLAMside of Wikimania”

  1. Wikipedia: So soll ein Redesign das Lexikon einfacher machen sagt:

    […] Wikimedia Blog:  On the GLAMside of Wikimania Sebastian Fiebiger (G+): Ich sehe Wikipedia sehr ambivalent. Einerseits ist es toll, ein freies und offenes Projekt zu haben, dass das Wissen der Menschheit sammelt. Andererseits kommt die Dominanz in den Suchergebnissen der Suchmaschinen einem Monopol gleich und verhindert jeden Wettbewerb. Dass das auf die Innovationsfreude drückt, sieht man daran, dass Wikipedia sich in den letzten Jahren kaum gewandelt hat. […]

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