Es berichtet der Wikipedia-Autor Tim Moritz Hector. Er ist einer von 20 Ehrenamtlichen, die Wikimedia Deutschland mit einem Reisestipendium für die Wikimania unterstützt.

 

Wikimania! Was für eine Vielzahl von Themen!
Um mehr mitzubekommen als ein allgemeines Wikimedia-Rauschen fokussiere ich mich bei meinem diesjährigen Wikimania-Aufenthalt auf mein Lieblingsthema: Die Neulingsfrage – wie können wir motivieren, erklären und nachhaltig neue Autorinnen und Autoren für Wikimedia-Projekte gewinnen?
Der meines Erachtens wichtigste Vortrag zu diesem Thema am Donnerstag wurde von Steven Walling und und Maryana Pinchuk gehalten. Der vielversprechende Titel lautete „Welcome to Wikipedia, now please go away: improving how we communicate with new editors“ und ich war sehr gespannt, was für Lösungsansätze man mir präsentieren würde.
Tatsächlich thematisierten die beiden die Ergebnisse einer statistisch hochwertigen Studie, in der die Wirkung von Vorlagen untersucht wurde, mit denen Neulinge angesprochen wurden. Dabei fokussierten sie sich auf die Sprachversionen auf Englisch, Deutsch und Portugiesisch.
Besonders interessant waren die Ergebnisse für mich, weil ich schon 2009 auf einem Mentorentreffen und im Mai diesen Jahres auf dem Treffen des WikiProjekts Vandalismusbekämpfung jeweils Workshops zur Überarbeitung der Begrüßungs- und Warnungsvorlagen initiiert hatte. Regelmäßig standen wir dabei vor der Frage: Was wirkt besser – eine kurze und knappe Ansprache oder eine sehr ausführliche? Wo ist der schmale Grat, der dem Angesprochenen die Kernaussage unmissverständlich deutlich macht und ihn dennoch nicht als Neuautoren abschreckt, sondern im Gegenteil sogar motiviert?
Die Zusammengefassten Resultate waren nicht besonders überraschend, sondern mehr eine Bestätigung: Kürzere Vorlagen sind effektiver als lange; Vorlagen, aus denen hervorgeht, dass die schreibende Person auch nur ein Benutzer ist, motivieren stärker als solche, die stark am Regularium entlang formuliert sind; je mehr Vorlagen sich auf einer Benutzerdiskussionsseite sammeln, desto weniger Reaktion zeigen die angesprochenen Benutzer. Gut zu wissen ist aber: Etwa die Hälfte der Nachrichten, die auf einer Benutzerdiskussion hinterlassen werden, werden auch von den Benutzern gelesen – hier sind anoyme Benutzer eingeschlossen.
Die Ergebnisse liegen für die drei unterschiedlichen Sprachversionen jeweils einzeln vor (wer interessiert ist: http://meta.wikimedia.org/wiki/Template_A/B_testing/Results). Spannend, wenn auch gleichfalls nicht überraschend, finde ich, dass die einzelnen Sprachversionen deutliche Abweichungen voneinander aufweisen sollen. Das motiviert mich, weiter verschiedene Projekte zu vergleichen: Wie reagieren Neulinge auf Ansprachen in unterschiedlichen Wikimedia-Projekten? Was wünschen sie sich an Support – was nicht? Gut an Wikimanias ist ja, dass über ein Thema so viele Leute Bescheid wissen. So erzählte mir Erik Möller von einem Tool auf der englischsprachigen Wikipedia, das sich „MoodBar“ nennt und über dessen Einsatz nun erste Ergebnisse vorliegen: Eine Funktion, mit dem Neulinge seit Sommer 2011 ihre ersten Erfahrungen zum Editieren über einen Smiley und seit Oktober 2011 einen Kommentar zur ihren ersten Erfahrungen abgeben können, auf den erfahrene Benutzer reagieren können. Die Erfahrungen sind fast durchweg positiv (wer interessiert ist: http://blog.wikimedia.org/tag/moodbar/). Ein anderer spannender Vortrag beschäftigte sich am Freitag mit der Schnittstelle zwischen Leserinnen und Lesern und Autorinnen und Autoren – „Lessons from Article feedback v5“, ein weiteres Tool, das auf der englischsprachigen Wikipedia zum Einsatz kommt und Lesern die Möglichkeit gibt, einen Feedback-Kommentar zum Artikel abzugeben. Auch hier gibt es überwiegend positive Ergebnisse, die eine genauere Untersuchung wert sind.
Von dieser Vielfalt der Teilbereiche, selbst wenn man sich nur auf nur ein einzelnes Thema beschränkt, kann ich mich immer wieder begeistern lassen und werde in diesem Sinne auch die nächsten beiden Tage Wikimania 2012 genießen.