Nein, es war kein Geheimnis. Der prominente Spiegel, der eine Wand des Konferenzraums komplett einnahm, ließ jeden Teilnehmer bereits ahnen: Auf der anderen Seite sitzen neugierige Beobachter. In Zusammenarbeit mit der Wikimedia Foundation hatten wir unsere Unterstützer eingeladen, an der ersten Fokusgruppe aus deutschen Spendern teilzunehmen. Das Treffen dient der Vorbereitung der nächsten Spendenkampagne und sollte wichtige Erkenntnisse für deren erfolgreiche Umsetzung liefern. Angeregt diskutierten die Teilnehmer miteinander über Banner, Aufrufe, Spenden und warum es wichtig ist Wikipedia zu unterstützen.

Ausgiebige Tests, umfangreiche Spender-Umfrage – das Fundraising von Wikimedia Deutschland beruht auf der Grundlage von gesicherten Erkenntnissen. Zu wissen, wie Spender unsere Spendenkampagne wahrnehmen und einschätzen, kann uns enorm helfen, unsere Kommunikation zu verbessern. Neue Einsichten sollten mithilfe der Fokusgruppe erzielt werden. Doch was versteht man darunter eigentlich? Mit dem Begriff wird eine sozialwissenschaftliche Forschungsmethode bezeichnet: In einer moderierten Gruppendiskussion werden Menschen zu ihren Einstellungen und Meinungen zu einem Sachverhalt befragt. Der Vorteil gegenüber Einzelinterviews besteht in der Lockerheit der gemeinsamen Gesprächssituation, die im günstigsten Fall dazu führt, dass die Befragten vergessen, dass sie interviewt werden. Die vielfältigen Perspektiven, die aufeinander treffen, können sich zudem gegenseitig anregen.

Mit der Durchführung beauftragt wurde das Marktfoschungsinstitut I+E Berlin Market Research. Rund 600 Spender luden wir zu einer Teilnahme ein. Damit möglichst unterschiedliche Meinungen in die gemeinsame Diskussion einfließen können, wurden mittels kurzer Vorabgespräche zehn geeignete Teilnehmer aus der Menge an Interessierten ausgewählt. Zusammen mit Megan und Bryony vom Fundraising-Team der Foundation stellten wir einen Fragekatalog zusammen, anhand dessen ein Psychologe des Instituts die zweistündige Diskussion der Gruppe moderierte. Eine sehr produktive Diskussion!

Was haben wir, die wir hinter dem Spiegel saßen, nun gelernt? Noch befinden wir uns mitten in der Auswertung. Zwar sind die Ergebnisse einer solch kleinen Gruppe nicht repräsentativ. Aber im Gegensatz zu einer standardisierten Umfrage fallen die Antworten detaillierter und umfangreicher aus – eine einmalige Gelegenheit für ein vertieftes Verständnis unserer Spender. So haben wir einen aufschlussreichen Einblick zum einen in Nutzung, Meinung und Wissen zu Wikipedia gewonnen, und zum anderen in Fragen rund ums Spenden. Die Befragten wussten etwa sehr gut Bescheid über die Ehrenamtlichkeit der Autoren und die Offenheit zur Mitarbeit. Darüberhinaus waren sie mit den Strukturen von Wikipedia aber kaum vertraut. Mehrfach war zu hören, dass es mindestens bezahlte Mitarbeiter geben müsse, die die Korrektheit der Einträge prüften. Von Wikimedia wissen die Spender, dass es eine gemeinnützige Organisation ist. Insgesamt wird dem Verein ein hohes Vertrauen entgegengebracht.

Es war spannend zu sehen, wie die Teilnehmer drei Spenden-Aufrufe, die ihnen vorgelegt wurden, gemeinsam besprachen und konstruktiv-kritisch bewerten. Wurde der Sprachstil der Aufrufe zum Teil als zu pathetisch empfunden, mochten die Teilehmer die Authenzität der Texte. Anhand Katrin Rönickes‘ erfolgreichem Aufruf aus der letzten Spendenkampagne wurde erneut deutlich, wie wichtig eine logische Struktur im Aufruf ist. Die Teilnehmer fanden den Zusammenhang zwischen Wikipedia und der Beteiligung von Frauen nicht sehr verständlich und sahen hier nicht die Notwendigkeit eines Engagements. Unsere Schlussfolgerung: Wichtig wäre hier gewesen zu vermitteln, dass die Qualität der Inhalte von Wikipedia eng mit der Partizipation von Wikipedianerinnen zusammenhängt.

Als Dankeschön erhielten die Teilnehmer neben einer optionalen Fahrtkostenentschädigung ein Exemplar des Buches „Alles über Wikipedia“ – der Wissensaustausch sollte schließlich nicht nur in eine Richtung verlaufen.