Archiv für April, 2012



Monatsbericht März 2012

POLITIK UND GESELLSCHAFT

Wahlprüfsteine für NRW

Die überraschenden Neuwahlen im bevölkerungsreichsten Bundesland, Nordrhein-Westfalen, bieten für die Vereinsarbeit eine große Chance. Unter den Augen einer mutmaßlich schon fast ins Hysterische gesteigerten Medienöffentlichkeit kann Wikimedia Deutschland seine Anliegen während des Wahlkampfs adressieren. Dabei möchten wir an der bewährten Wirkungskette festhalten, im Vorfeld Wahlprüfsteine zu veröffentlichen. Diese dienen in erster Linie zur Kontaktaufnahme und als Dialogangebot an die antretenden Parteien. Darauf aufbauend soll eine Abendveranstaltung in Düsseldorf oder Köln regionale Initiativen und Problemlagen im Umfeld Freien Wissens vorstellen, die dann zusammen mit Parteienvertretern diskutiert werden. Eine Betaversion der Wahlprüfsteine ist bereits online. Kritik, Verbesserungsvorschläge und Ergänzungen sind sehr willkommen, am besten per E-Mail an Jan Engelmann.

Leistungsschutzrecht für Presseverleger

Auch nach dem Bericht von Staatssekretär Dr. Max Stadler (BMJ) im Unterausschuss Neue Medien ist weiterhin unklar, ob durch die unscharfe Definition von “gewerblichem Handeln” das neue Schutzrecht nur auf kommerzielle Aggregatoren wie Google angewandt werden kann. Bei zu weiter Auslegung drohen Effekte auch auf die Blogosphäre und Open Content-Projekte wie Wikipedia. Darüber hinaus scheint innerhalb der Regierungskoalition noch ein Dissens darüber zu bestehen, ob man die Ansprüche der Presseverlage über die Einrichtung einer neuen Verwertungsgesellschaft (Modell Keese/CDU) oder aber als Fallrecht (FDP) durchsetzt. Letzteres würde faktisch eine große Rechtsunsicherheit erzeugen und wäre dann eine Quersubventionierung nicht nur für Großverlage, sondern auch für Anwaltskanzleien. Mehr Informationen zum Thema hier.

Open Educational Resources

Im Nachgang zur “Schultrojaner”-Diskussion haben wir bei mehreren Veranstaltungen erlebt, wie groß das Bedürfnis nach legalen Alternativen zu unfrei lizenzierten Lehrwerken ist. Solche unfreien Werke räumen den Nutzern keine Rechte für eine umfassende Nachnutzung ein und müssen noch zusätzlich vergütet werden müssen, wenn es zum Beispiel schon um Handlungen wie das Legen einer Kopie auf Videobeamer geht. Diese Alternative muss nicht erst noch erschaffen werden, es gibt sie bereits in vielen meist nicht-staatlichen Projekten unter dem Label Open Educational Resources, also frei lizenzierter Lehrmaterialien. Darüber hat der Bereich Politik und Gesellschaft mit Bildungspolitikern der Fraktion Die Linke im Bundestag gesprochen, darunter Rosemarie Hein, MdB und Petra Sitte, MdB.

 

PR-/ÖFFENTLICHKEITSARBEIT

Wikimedium

Um Wikimedia Deutschlands Vereinszeitung zu verbessern, haben wir ihre eine redaktionelle Frischzellenkur verordnet. Die neue Struktur richtet sich nach der Bereichsaufteilung bei Wikimedia Deutschland. Die vier Bereiche “Politik und Gesellschaft”, “Bildung und Wissen”, “Forschung und Entwicklung” und “Freiwilligenförderung” sollen kontinuierlich eine Seite füllen und bilden den Kern der Zeitung. Projekte aus Community, Verein und den anderen Wikimedia-Länderorganisationen finden sich auf drei Seiten am Anfang der Zeitung. Fundraising bekommt ebenfalls eine feste Seite im hinteren Zeitungsteil. Insgesamt wird der Umfang dieses Mal zehn Seiten betragen. Die Auflage beträgt 7.500 Stück. Erscheinen wird sie kommende Woche.

Pressemitteilungen

Die großen Themen des März hießen Wikidata und Wikimedia Conference. Eine Wikidata-Pressemitteilung in deutscher und englischer Version wurde über den Medienverteiler von Wikimedia Deutschland sowie international verbreitet und stieß auf große Resonanz. Die alljährliche Konferenz für Ländervertreter der Wikimedia-Bewegung wurde exklusiv angekündigt. Wie sich die Berichterstattung zu Wikidata in den ersten drei Tagen nach der Veröffentlichung unserer Pressemitteilung entwickelt hat, zeigt die folgende Grafik (über Meltwater News). Zu sehen ist die Zahl der deutschen und internationalen Artikel über das Projekt:

Pressegespräche / Presseanfragen

Durch die Wikimedia Conference 2012 konnten einige Artikel in großen Medien platziert werden. Die Berliner Zeitung sprach mit Wikimedia Deutschlands Vorstand, Pavel Richter, und brachte einen großen Artikel im Wissenschaftsteil. Lokale Pressebegleitung erfuhren die Lehrer- und Schülerworkshops von Wikipedia macht Schule in Gera und Berlin-Reinickendorf. Über die Schülerworkshops in Reinickendorf berichteten Berliner Woche und B.Z., ein Radiointerview folgt. Im Nachgang eines Treffens von Wikipedianern mit Journalisten im Berliner Axel-Springer-Haus erschien im März außerdem ein ganzseitiger Artikel auf Seite 3 der Berliner Morgenpost, der auf die ehrenamtlichen Autoren hinter Wikipedia aufmerksam machte. Er fand auch seinen Weg in die bundesweiten Ableger Welt und Welt kompakt. Gespräche über eine weitere Zusammenarbeit laufen.

Eine Auswahl der Presseberichte zu den hier genannten Themen und darüber hinaus findet sich im Pressespiegel von Wikimedia Deutschland.

Wikipedia-Buch

Am 16. März fand eine Lesung des Buchs Alles über Wikipedia in der Deutschen Zentralbücherei für Blinde in Leipzig statt. Vier Wikipedianer und gut 60 Gäste fanden sich in den DZB-Räumen in der Leipziger Innenstadt ein.

Tätigkeitsbericht

Im jährlichen Tätigkeitsbericht von Wikimedia Deutschland werden die Vereinsaktivitäten zusammengefasst. Die redaktionellen Arbeiten am Tätigkeitsbericht für das Jahr 2011 wurden im März fertig gestellt. Der Bericht befindet sich im Druck und wird Anfang April an die Mitglieder verschickt. Eine englische Übersetzung ist ebenfalls in Arbeit. Weitere Informationen folgen.

BILDUNG UND WISSEN

Referententreffen

Anfang März haben sich die Referenten aller drei Bildungsprogrammen erstmals zu einem gemeinsamen Treffen zusammengefunden. Rund 30 Teilnehmer kamen aus diesem Anlass zusammen, um sich über Wikipedia und damit verbundene Lehrmethoden auszutauschen. Näheres dazu findet sich in einem rückblickenden Blogpost. Im März beschäftigte das Team Bildung und Wissen zudem verstärkt das Thema frei lizenzierter Lehrmaterialien  (Open Educational Ressources, OER). Für Wikimedia Deutschland geht es in diesem Zuge besonders auch um die verwandte Frage der Weiternutzung freier Inhalte. Die Eindrücke aus den Gesprächen beim EduCamp und den Gautinger Internettagen sind in einem gemeinsamen Blogpost zusammengefasst. Generelle Anmerkungen und Ideen rund um diese Stichwort werden gerne unter bildung@wikimedia.de gelesen.

Silberwissen

Als Teil des EU-geförderten TAO-Projekts gehörte Wikimedia Deutschlands Projekt Silberwissen zur Zwischenbeurteilung der EU in Brüssel am 22.3. 2012. Zu Wikimedias Silberwissen wurde mit Interesse gefragt und es gab keine kritischen Bemerkungen oder spezielle Auflagen. Für das TAO-Projekt insgesamt wurde jedoch angeregt, dass es sich seiner breiten Aufstellung wegen stärker auf ausgewählte Ziele fokussieren sollte. Ein schriftlicher Bericht des Review-Teams folgt in den nächsten Wochen.

Im Rahmen von Silberwissen wurden im März Gespräche mit dem Senioren-Computerclub Berlin-Mitte über Möglichkeiten zur Gewinnung  neuer Wikipedia-Autoren geführt. Aktivitäten dazu werden im April starten. Gemeinsam mit dem Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Ulm wurde Arbeitsmaterial für Teilnehmer und eine Checkliste für Veranstaltungen mit Senioren abschließend bearbeitet. Ein von der Deutschen Seniorenliga durchgeführtes Mailing an Mitglieder erbrachte für Wikimedia Deutschland rund 40 Anfragen von interessierten Senioreneinrichtungen, wobei ungefähr 10 Einrichtungen mit dem konkreten Wunsch einer Veranstaltungsreihe im eigenen Haus an uns herantraten.

Wikipedia macht Schule

Vier bundesweite Lehrerschulungen konnten in diesem Monat realisiert werden. Erfreulich ist hier auch ein Großeinsatz in sechs Klassen der Bertha-von-Suttner Oberschule in Berlin. Auf den eingangs genannten Tagungen in diesem Monat konnten auch weitere Kontakte für Lehrerschulungen geknüpft werden. Das Interesse an Freien Lizenzen und der Umsetzung scheint bei Lehrern durch die Debatte um frei lizenzierte Lehrmaterialien immer stärker zu werden. Wer Ideen und Anmerkungen zum Thema Wikipedia im Unterricht- oder Fragen zum Programm hat, kann sich an schule@wikimedia.de wenden. Wir freuen uns über Anmerkungen!

Hochschulprogramm

Nach den Vorbereitungen der letzten Monate ist es nun soweit: Das Wikipedia-Hochschulprogramm läuft an. Die ersten Dozentenschulungen fanden in Stuttgart, München, Halle-Wittenberg und Potsdam statt. An der Stuttgarter Hochschule für Medien begann auch bereits die Arbeit mit den Studierenden. Die ersten Rückmeldungen sind vielversprechend. Die Dozenten fühlen sich gut vorbereitet und finden in den Referenten von Wikimedia Deutschland einen wichtigen Rückhalt. Ebenfalls im Rahmen des Hochschulprogramms wurden erklärende Kurzvideos, so genannte Screencasts, erstellt. Sie sollen den Wikipedia-Einstieg erleichtern.

COMMUNITY-BEZIEHUNGEN / FREIWILLIGENFÖRDERUNG

Zedler-Preis 2012

Die drei Jurys für den Zedler-Preis für Freies Wissen 2012 haben sich konstituiert und sich jeweils auf ihr Vorgehen im Bewertungsprozess geeinigt. Die Jurysitzungen finden Mitte April bis Anfang Mai statt. Bis dahin werden alle sich Juroren auf fünf Nominierte (plus mögliche Sonderpreise) geeinigt haben, die dann von Wikimedia Deutschland über ihre Nominierung und die Eckdaten der Preisverleihung informiert werden. In den Sitzungen (die in Berlin, Köln und Frankfurt stattfinden werden) bestimmen die Jurorinnen und Juroren den Gewinner pro Kategorie. Ansprechpartnerin rund um den Zedler-Preis ist Nicole Ebber.

Wiki Loves Monuments 2012

Christof Jackel besuchte als Vertretung von Wikimedia Deutschland das Kickoff-Seminar zur Planung des internationalen Fotowettbewerbs Wiki Loves Monuments in Dresden. Der Enthusiasmus der ehrenamtlichen Organisatoren  ist ansteckend. Es sind bereits zahlreiche organisatorische Vorarbeiten erfolgt und es konnte besprochen werden, wie Wikimedia Deutschland den Wettbewerb unterstützen kann. Nähere Informationen folgen demnächst. Der erste Pressebericht kam bereits und zwar aus Dresden, im Rahmen der Vorbereitungen.

WikiWomenCamp 2012

Auch im März war Wikimedia Deutschland weiter mit der Organisation des WikiWomenCamp beschäftigt. Noch besteht die Möglichkeit, sich auf Stipendien zu bewerben. Fragen oder Anregungen hierzu nimmt gerne Julia Kloppenburg entgegen.

Redaktionstreffen

Der Kurieraufruf zu Redaktionstreffen hat gezeigt: Der Bedarf für gemeinsame Treffen der Freiwilligen ist da! Zusätzlich zu den Redaktionen, die bereits in den konkreten Planungen stecken, überlegen nun drei weitere, sich dieses Jahr zum Teil erstmalig zu begegnen. Wikimedia Deutschland unterstützt das gerne und unkompliziert über treffen@wikimedia.de.

Community-Projektbudget

Bis Ende April finden die Wahlen zur nächsten Amtszeit des Community-Projektbudget-Ausschusses statt. Sebastian Sooth und Christoph Jackel von Wikimedia Deutschland haben die Vorbereitungen dazu unterstützt. Zur Mitgliederversammlung am 21.4. findet die Wahl der Vereinsmitglieder statt. Noch bis 15. April können Community-Mitglieder für die Abstimmung kandidieren.

Toolserver

Eine Verzögerung der Datenbankaktualisierung der englischsprachigen Wikipedia beeinträchtigt derzeitig die Aktualität abgefragter Daten auf dem Toolserver. Die Fehlerbehebungen erfordern großen Zeitaufwand. Die Adminstratoren des Toolservers, Daniel Baur und Marlen Caemmerer, entwickeln derzeit Verfahren, um ähnliche Beeinträchtigungen in Zukunft besser abfangen zu können. Die neue Hardware des Toolservers ist im Einsatz und die Datenbankserver werden in Zukunft von mehr Speicherplatz profitieren.

CommunitySpace

Da die Verhandlungen mit Vermietern und möglichen Partnern für die Räumlichkeiten des CommunitySpace und der WMDE-Geschäftsstelle in Berlin längern dauern als erwartet, verzögert sich auch die Eröffnung des eigentlichen CommunitySpaces. In den Räumen, die Wikimedia Deutschland gerade übergangsweise bezieht, werden wir das Konzept weiter vorantreiben. Am 20. April wird der Verein zu einem Tag der Offenen Tür in die Räume einladen. Genügend Schreibtische für temporäre Besucher werden vorhanden sein.

Vereinsmitglieder

Im März 2012 gab es 144 neue Vereinseintritte, davon 97 Fördermitglieder und 47 aktive Mitglieder. Insgesamt hat Wikimedia Deutschland nun 1.473 Mitglieder.

FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG

RENDER

Im Forschungsprojekt RENDER wurde im März weiter an Werkzeugen zur  Analyse der Aktualität und der thematischen Vollständigkeit von Wikipedia-Artikeln gearbeitet. Vor einigen Tagen konnte hier das RENDER Toolkit auf dem Wikimedia-Toolserver vorgestellt und die derzeit enthalten Werkzeuge kurz erklärt werden. Wir freuen uns sehr über Feedback und weitere Vorschläge auf der Diskussionsseite zu RENDER oder auch per E-Mail an render@wikimedia.de.

Wikipedia Academy 2012

Die Planung und Organisation für die Wikipedia Academy laufen auf Hochtouren. Im März wurden potenzielle Referenten für Eröffnungsreden, Workshops und Paneldiskussionen kontaktiert. Außerdem erfolgte die Veröffentlichung des ersten Entwurfs des Ablaufplans. Aufgrund der zahlreichen Nachfragen haben wir uns entschieden, den ‘Call for Papers’ bis zum 15. April zu verlängern. Rege Beteiligung ist mehr als willkommen! Alle Fragen und Anregungen gerne an Nicole Ebber oder academy@wikimedia.de.

Wikimedia Conference 2012

Am letzten Wochenende im März (29.03.-01.04.2012) war Wikimedia Deutschland zum vierten Mal Gastgeber der Wikimedia Conference, dem Treffen der Länderorganisationen der internationalen Wikimedia-Bewegung, dem Stiftungsrat sowie vielen Mitarbeitern der Wikimedia Foundation und verschiedener Arbeitsgruppen. Mit Unterstützung von Danny B. (Benutzername) und Maria Rößler hat sich Nicole Ebber im Vorlauf der Konferenz um die Anreise und Unterkunft der Teilnehmer sowie um Visaangelegenheiten gekümmert, mit dem Veranstaltungsort Cluboffice die Belegung und technische Ausstattung der Räumlichkeiten sowie das Catering organisiert, das Abendprogramm geplant und viele Fragen und Wünsche der Teilnehmenden beantwortet. Ebenfalls in diesen Aufgabenbereich fiel die Abstimmung mit dem Programmmanger Harel Cain und den beiden Moderatorinnen über Inhalte und Formate des Konferenzprogramms. Ein ausführlicher Bericht über die Wikimedia Conference 2012 folgt in Kürze.

FUNDRAISING

Ende März konnte der Versand der Zuwendungsbescheinigungen zur letzten Spendenkampagne abgeschlossen werden. Rund 50.000 Menschen, die im Jahr 2011 Spenden mit einer Gesamtsumme von mindestens 25 Euro tätigten, erhielten eine Bescheinigung. Leider haben wir es nicht geschafft, den anvisierten Termin Ende Februar für den Versand einzuhalten. Der unglaubliche Erfolg der letzten Kampagne (zur Erinnerung: über 160.000 Spender gegenüber ca. 70.000 Spendern im Jahr zuvor) hatte zur Folge, dass noch einige Wochen an der Datenkonsolidierung gearbeitet werden musste. Zudem erfolgte nachträglich das Einpflegen sämtlicher Daten von 2011 in die neue Spendendatenbank. Diese sehr zeitintensiven Prozesse hat das Fundraising-Team im März erfolgreich abgeschlossen. Umfangreiche Kontrollen des gesamten Druckprozesses, die beispielsweise auch einen Besuch des Dienstleisters zur Stichprobenentnahme beinhaltete, waren ein weiterer Grund für den verschobenen Versant. Doch nun ist es geschafft und die Spendenkampagne 2011/12 formal abgeschlossen. Die Vorbereitungen für die nächste Kampagne können also beginnen!

GESCHÄFTSSTELLENARBEIT

Die neue Adresse der Geschäftsstelle ist ab April: Obentrautstr. 72, 10963 Berlin. Über den Büroumzug wurde in diesem Blogposting berichtet.

Interessante Termine im April

  • Tag der offenen Tür bei Wikimedia Deutschland: 20. April 2012
  • Mitgliederversammlung des Vereins: 21. April 2012
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Die Wikipedianische Re:publik – Mitmachen bei der Berliner Netzkonferenz!

Alljährlich zwischen Ostern und Pfingsten blickt die sogenannte Netzgemeinde gespannt auf die re:publica. Die einstige Bloggerkonferenz ist mittlerweile zu einem der bundesweit wichtigsten Orte für die Behandlung von Fragen geworden, die sich im Hinblick auf das Internet und die digitale Gesellschaft stellen. Neben zahlreichen Initiativen, NGOs, Unternehmensvertretern und Wissenschaftlern nehmen dort auch zunehmend Politiker und Verbandsvertreter an den Debatten teil. Müsste man das bunte Treiben irgendwie auf den Punkt bringen, so wäre es wohl die goldene Mitte zwischen TED-Konferenz und fliegendem Klassenzimmer. Am neuen Standort STATION-Berlin erwarten die Veranstalter zwischen dem 2. und 4. Mai 2012 ca. 4.000 Teilnehmer.

Schon immer gab es auf der re:publica eine sichtbare Präsenz von Wikipedianern bzw. Wikimedianern. Im letzten Jahr wurde dort die Kampagne “Wikipedia muss Weltkulturerbe werden” der Öffentlichkeit vorgestellt. In diesem Jahr möchten wir nun einen Schritt weiter gehen und vielfältigste thematische Angebote an einem eigenen Info-Stand bündeln. Die aktuelle Planung sieht u.a. zielgruppenspezifische Commons-Workshops für Blogger und Bildjournalisten, eine Einstimmung auf Wiki Loves Monuments 2012, eine Diskussionsrunde zur Repräsentanz von Frauen in Wikipedia, einen Vortrag zum “Next Big Thing” Wikidata sowie ein kleines “Best of” der bisherigen Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit der deutschsprachigen Wikipedia vor.

Noch gibt es genügend Platz in unserem Spielplan, um weitere Ideen zu verwirklichen. Falls Ihr also ein Anliegen habt, das Ihr im Kontext der re:publica ideal aufgehoben seht, so würden wir uns über entsprechende Anregungen und vor allem aktive Beiträge von euch sehr freuen. Wichtig dabei ist, sich immer vor Augen zu halten, dass nicht jeder Konferenzbesucher notwendigerweise ein WP-Insider ist. Die re:publica ist nicht zuletzt ein interessantes Forum, um als aktive/r Autor/in Nutzerbedürfnisse besser kennen zu lernen und gleichzeitig für die Mitarbeit im Projekt zu werben. Nur so als Anregung: Gibt es Problemlagen bei der Redaktionsarbeit, die man auch gut öffentlich diskutieren könnte? Warum sind die Relevanzkriterien “von außen” nach wie vor so wenig nachvollziehbar?

Vorschläge könnt Ihr gerne posten oder auch direkt an mich (jan.engelmann@wikimedia.de) senden. Im Falle einer Teilnahme wird der Verein für euch den Eintrittspreis übernehmen und sich um die Akkreditierung kümmern.

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Der zweite Community-Projektbudgetausschuss sucht neue Mitglieder

Der Community-Projektbudgetausschuss geht bereits in die dritte Runde und es werden Kandidatinnen und Kandidaten aus der Wikipedia gesucht, um die Projektideen gemeinsam mit Mitgliedern von Wikimedia Deutschland im nunmehr zweiten Ausschuss  zu bewerten und interessante Vorschläge zur Umsetzung vorzuschlagen.
Diesmal wird die Dauer des Meinungsbilds analog zu anderen Kandidaturen gestaltet und es sind jeweils zwei Wochen für Kandidatur und Wahl der drei Community-Vertreter vorgesehen, so dass am die Wahl am 30. April abgeschlossen ist.

Mit dem Community-Projektbudget stellt Wikimedia Deutschland 250.000 Euro für die Umsetzung von Ideen zur Verfügung, die aus der Wikimedia-Community kommen und geeignet sind, Freies Wissen und dabei insbesondere die Wikimedia-Projekte zu unterstützen und zu verbessern.

In den beiden ersten Runden wurden 11 Projekte vom Ausschuss zur Förderung ausgewählt, die helfen, Freies Wissen zu verbessern, unter anderem durch die Erstellung von Videos zu verschiedenen Wissenthemen, Verbesserung der OpenStreetMap-Daten und -Karten, Fotoflüge zur Bebilderung der Nordseeküste mit Elbe und Wesermündung, Fototouren zum Fotografieren von Baudenkmälern und Projekte zur Befreiung von wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Metadaten.

Bitte tragt euch bei Interesse ab jetzt unter Wikipedia:Community-Projektbudget/Kandidaten ein. Viel Erfolg!

Bild: Ein Ergebnis des CPB 2011: Die Messstation des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres bei Spiekeroog von Ralf Roletschek,  CC-BY-SA 3.0 de

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Wahlprüfsteinprüfen: Deine Mithilfe zur Landtagswahl in NRW

Am 13. Mai ist das Wahlvolk in Nordrhein-Westfalen aufgerufen, einen neuen Landtag und damit indirekt eine neue Landesregierung zu wählen. Dieser vorgezogene Wahltermin folgt auf die Auflösung des Landtages, nachdem die Minderheitsregierung aus SPD und Grünen keine Mehrheit für ihren Haushaltsentwurf erhalten hatte.

Landtagswahlen im bevölkerungsreichen NRW gelten als “kleine Bundestagswahlen” und erhalten in der öffentlichen Wahrnehmung entsprechend große Aufmerksamkeit. Den Umständen entsprechend wird es zu einem sehr kurzen und auch sehr intensitven Wahlkampf kommen. Wikimedia Deutschland hat in der Vergangenheit bei einigen Gelegenheiten an die kandidierenden Parteien Wahlprüfsteine verschickt, darunter auch bei der letzten Landtagswahl in NRW.

Wir haben in die Entwicklung der neuen Wahlprüfsteine auch einfließen lassen, was uns beim letzten Mal (bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im September 2011) an kritischen Anmerkungen erreicht hat. So sollten diesmal stärker die Kernanliegen der Bewegung für Freies Wissen und klare landespolitische Anknüpfungspunkte im Mittelpunkt stehen. Angesichts der kurzen Zeit erschien es auch kaum erstrebenswert, wieder einen 40 Fragen starken Brief zu versenden.

Unser Vorschlag für NRW sind daher neun Fragekomplexe mit je einer sehr offenen und einer möglichst konkreten Frage. Wir wollen auf diese Weise sowohl den Parteien genügend Raum einräumen, weiter ausholen zu können und sie aber gleichzeitig dazu ermuntern, klar Stellung zu beziehen.

Jetzt seid ihr gefragt: Bitte schaut Euch unseren ersten Vorschlag an und gebt uns Rückmeldung. Welche Fragen müssen verständlicher formuliert werden, welche Themen fehlen noch, welche Fragen sind entbehrlich? Wer neue Fragen hinzufügen möchte, benenne bitte auch einen Streichkandidaten, da wir aus erwähnten Gründen nicht über 9×2 Fragen hinausgehen möchten.

Vielen Dank für Euer Feedback! Da wir die Fragen erst verschicken können, wenn die Landeswahlleitung die Liste der zur Wahl zugelassenen Parteien veröffentlicht hat, werden wir alle Rückmeldungen bis zum 10. April berücksichtigen können. Nutzt bitte dafür entweder die Kommentarfunktion in diesem Blog oder schreibt an mathias.schindler@wikimedia.de.

 

Bildungspolitik

Auch nach dem nordrhein-westfälischen Schulfrieden bleibt die Herstellung von Bildungsgerechtigkeit eine zentrale politische Herausforderung. Diese ist an soziale Durchlässigkeit und freie Zugänge zu Wissen geknüpft.

 

Offene Frage: Sehen Sie Chancen dafür, die Schulen technologisch besser auszustatten und Kindern und Jugendlichen einen kompetenten Umgang mit Neuen Medien zu vermitteln?

Konkrete Frage: Wird NRW sich an existierenden Projekten für die Bereitstellung von hardwarebasiereten Lernplattformen wie beispielsweise One Laptop per Child (OLPC, http://one.laptop.org/) oder Raspberry Pi (http://www.raspberrypi.org/)  beteiligen?

 

Freie Bildungsinhalte (Open Educational Resources)

Der §53 UrhG erlaubt die Herstellung von Kopien zur Unterrichtsgestaltung nur mittels photomechanischer Verfahren. Zulässig ist die Zurverfügungstellung von kleinen Teilen des urheberrechtlich geschützten Materials aus Schulbüchern. Bilder und Grafiken dürfen weder eingescannt noch mit anderen digitalen Inhalten verknüpft werden. So aber wird der Schulunterricht künstlich auf dem Stand des 20. Jahrhunderts gehalten.

Offene Frage: Wie wollen Sie die Erstellung und Verbreitung von solchen Lern- und Lehrmaterialien fördern, die unter einer solchen Lizenz stehen, welche  die freie Nutzbarkeit sicherstellt durch Dritte (z.B. Creative Commons cc-by)?

Konkrete Frage: Der Runderlass “Zulassung von Lernmitteln” des Schulministeriums enthält in Punkt 2 die Bedingung, dass nur solche Lernmittel zugelassen werden können, die eine kostengünstige Versorgung der Schulen ermöglichen. Welche Möglichkeiten sehen Sie, als weiteres Kriterium die zusätzliche Einräumung von analogen und digitalen Nutzungsrechten als Bedingung für die Zulassung von Lernmitteln aufzunehmen?

 

§53 UrhG und dessen Duchsetzung an Schulen

Der Gesamtvertrag zur Einräumung und Vergütung von Ansprüchen nach § 53 UrhG sieht die Entwicklung und den Einsatz einer Software zur Suche nach “digitalen Kopien von für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werken auf Speichersystemen” vor. Parlamentarische Anhörungen in Niedersachsen, Berlin und anderen Bundesländern ergeben, dass diese Software aller Voraussicht nach niemals hergestellt wird, da sie systembedingt unvereinbar mit Datenschutzvorgaben ist.

 

Offene Frage: Welche Lösung im Umgang mit dem §53 UrhG an Schulen soll auf den Gesamtvertrag folgen, der spätestens am 31.12.2014 außer Kraft treten wird?

Konkrete Frage: Die absehbare Nichtlieferung der in §6 Abs. 4 des Gesamtvertrags vereinbarten Software zur Durchsuchung von Speichersystemen wird einen Bruch der Vereinbarung seitens der Verlage darstellen. Welche Konsequenzen werden Sie aus dieser Vertragsverletzung ziehen?


Zugang zu Wissen und kulturellem Erbe

 

Offene Frage: Wie und mit welchem Ziel wollen sie die durch die verkürzte 15. Legislaturperiode nicht erfolgreich zu Ende geführten Initiativen zu einem Kulturförderungsgesetz bzw. zu einem Bibliotheksgesetz in Nordrhein-Westfalen wieder aufnehmen?

Konkrete Frage: Auf der Europäischen Aggregationsplattform für Digitalisate kultureller Einrichtungen “Europeana” sind Inhalte nordrhein-westfälischer Einrichtungen unterrepräsentiert. Welche Maßnahmen wird eine Landesregierung unter ihrer Beteiligung unternehmen, dass vom Land NRW geförderte Kultureinrichtungen sich verstärkt an Europeana und der Deutschen Digitalen Bibliothek beteiligen?


Gebührenfinanzierte Inhalteerstellung

Grundversorgung in der digitalisierten Wissensgesellschaft meint mehr als nur die Bereitstellung eines fixen Programmschemas durch die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Es geht zunehmend auch darum, eine bessere Nachnutzung von gebührenfinanzierten Inhalten zu ermöglichen.

 

Offene Frage: Welche Maßnahmen halten Sie für geeignet, damit die durch den WDR erstellten und von den Bürgern des Landes NRW finanzierten Inhalte auch durch jedermann wieder über die einfache Konsumption hinaus verbreitet, bearbeitet und geremixt werden können?

Konkrete Frage: Werden Sie sich für die Abschaffung der Depublikationsverpflichtung von gebührenfinanzierten Inhalten durch die Öffentlich-Rechtlichen Sender einsetzen?

 

Staatliche Werke und offene Regierungsdaten

 

Offene Frage: Welche lizenzrechtlichen Mindestvoraussetzungen im Hinblick auf freie Nachnutzbarkeit (siehe Open Government Principles http://www.opengovdata.org/home/8principles) sollen ein künftiges NRW-Open Data Portal und alle seine darin enthaltenen Datensätze erfüllen?

Konkrete Frage: Werden Sie eine Lizenzierung von Luftbildern aus der Landesvermessung unter Creative Commons cc-by, cc-by-sa oder cc0 veranlassen?

 

Offene Innovationskultur

Offene Frage: Innovationstreiber bei der Verwendung von Daten und Werken der öffentlichen Verwaltung kommen sowohl aus dem Bereich nichtkommerzieller Projekte wie auch aus einem hochdynamischen gewerblichen Umfeld der Kreativwirtschaft. Welche Maßnahmen planen Sie, beide Arten von Teilnehmer gleichsam zu unterstützen und die Vermehrung gesellschaftlichen Wohlstands zu fördern?

Konkrete Frage: Wird der Cluster “Kultur- und Kreativwirtschaft” Creative.NRW einen zusätzlichen Schwerpunkt zu sich entwickelnden Wertschöpfungsketten um Open Government Data erhalten?

Netzsperren

Über ein Jahrzehnt wurde in Nordrhein-Westfalen und später auch in ganz Deutschland über das Instrument von Internetsperren gegen illegale oder unerwünschte Inhalte gestritten. Diese Diskussion endete auf Bundesebene mit der Außerkraftsetzung und späteren Aufhebung des Zugangserschwerungsgesetzes.

Offene Frage: Wird eine Landesregierung unter Ihrer Beteiligung Gesetzesvorhaben im Land oder im Bundesrat unterstützen, die Ermächtigungsgrundlagen für Netzsperren beinhalten (z.B. bei Glücksspiel, Persönlichkeitsrechten, rechtsextremistischen Inhalten)?

Konkrete Frage: Welche Schritte wird eine Landesregierung in NRW unter Ihrer Beteiligung unternehmen, um die einzigen in Deutschland noch bestehenden Sperrverfügungen zu beenden?


Netzpolitik im Land

Mit der Einsetzung der Enquête-Komission “Internet und Digitale Gesellschaft” schuf der Bundestag ein ständiges Forum, um z.B. Fragen des Breitbandausbaus, des Datenschutzes oder der Medienkompetenz zu diskutieren. Auch auf landespolitischer Ebene erscheint eine Bündelung der Kompetenzen zu Folgewirkungen der Digitalisierung dringend erforderlich.

Offene Frage: Welche konkreten netzpolitischen Projekte wird eine Landesregierung unter Ihrer Beteiligung in der kommenden Legislaturperiode angehen, welche Erfolgskriterien setzen Sie dabei an und welchen Beteiligungsprozess der Durchführung stellen Sie sich vor?

Konkrete Frage: Werden Sie – wie in Berlin – die Netzpolitik zu einem eigenständigen Politikfeld in der Ressortaufteilung der Landesregierung aufwerten?

 

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