Archiv für Mai, 2009



Kirchentag und Web 2.0 – ein Widerspruch der Kulturen?

Am Rande des evangelischen Kirchentages in Bremen gab es dieses Jahr ein Barcamp zum Thema “Kirchentag und Web 2.0″, bei dem ich einen Vortrag über die Wikipedia gehalten habe.
Auf diesem Barcamp hatten sich eine Reihe von christlichen und zugleich netzaffinen Benutzern versammelt, um einem Publikum von bis zu 30 Leuten einen Tag lang Vorträge und Diskussionen (Programm) zu diesem Thema anzubieten. Zuvor war auf der Vereinsmailingliste angefragt worden, ob Wikimedia testweise vertreten sein wolle, wozu ich mich in diesem Jahr bereiterklärt hatte.
Das Publikum bestand vorwiegend aus jungen Kirchentagsbesuchern, die über Mundpropaganda von dem Barcamp erfahren hatten. Außerdem waren einige evangelische Theologen anwesend, die sich anscheinend schon mit dem Thema Web 2.0. beschäftigt hatten. Zudem waren Vertreter von anderen Einrichtungen, die den Dialog zwischen Kirche und Web 2.0 suchen, unter den Zuhörern.
Die anschließenden, sogar die Vortragszeit sprengenden Diskussionen offenbarten das geweckte Interesse des Publikums an Wikimedia und waren insofern erfolgreich, als dass ich einige neue Anregungen bekommen habe, wobei insbesondere der Umgang mit Neulingen aus eigener Erfahrung kritisiert worden ist.
In diesem Zusammenhang erhielt die Idee des Mentorenprogramms positive Resonanz.  Außerdem haben einige Besucher angekündigt, Vereinsfördermitglieder zu werden und sich Benutzeraccounts anzulegen, um selbst Artikel zu verbessern. Das stellt gerade für das theologische Themenfeld eine Bereicherung dar, weil so auch gebildete Theologen für fundiertes Wissen in den häufig umstrittenen Themenbereichen sorgen können. Ein Erkenntnisgewinn ist auch, dass das Wikimedium als Informationsquelle sehr ansprechend ist und gut angenommen wurde.
Der Austausch zwischen Kirche und Web 2.0 wirkt insgesamt aber noch recht holprig, da es sich nach wie vor um zwei sehr verschiedene Kulturkreise handelt. Das zeigt sich daran, dass das offizielle Kirchentagsprogramm dieses Themenfeld noch nicht aufgegriffen hat. Mir scheint dieser Dialog jedoch sehr wichtig zu sein, weshalb ich mich an Überlegungen und Planungen zu einem möglichen, auch im offiziellen Kirchentagsprogramm verzeichneten Auftritt auf dem ökumenischen Kirchentag 2010 in München, wieder beteiligen werde. Für Meinungen und Anregungen bin ich sehr dankbar.
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Arne Klempert im Board of Trustees

Arne Klempert, Gründungs- und langjähriges Vorstandsmitglied von Wikimedia Deutschland und bis September 2008 Geschäftsführer des Vereins, wurde in das Board of Trustees berufen, den Vorstand der Wikimedia Foundation.

Im Frühjahr 2008 beschloss das Board eine Erweiterung des Gremiums auf zehn Sitze.  Zwei der Sitze sind demnach von den nationalen Sektionen (Chapter) nach einem gemeinsamen Auswahlprozess zu besetzen. Neben Wikimedia Deutschland beteiligten sich 21 weitere Wikimedia Sektionen an der Auswahl und Nominierung. Neben Arne als neuem Mitglied wurde Michael Snow, der bereits seit Ende 2007 Mitglied im Board ist, aufgestellt. Jan-Bart de Vreede, der zweite Vorsitzende des Boards, bestätigte am Freitag auf der Mailingliste der Foundation die Bestellung beider bis Ende Juli 2010.

Herzlichen Glückwunsch zu deiner neuen Aufgabe, Arne!

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Der neue Vorstand konstituiert sich und setzt sich Ziele

Nachdem dieses Jahr bereits jede Menge über Projekte und Veranstaltungen berichtet wurde, möchten wir an dieser Stelle den Fokus auf die bisherigen Entwicklungen im Vorstand richten.

Mit der Wahl des neuen Vorstands, im Rahmen der am 21. März 2009 in Berlin stattgefundenen Mitgliederversammlung, ging eine wesentliche Änderung der Führungsspitze einher. In der Wahl zum Ersten Vorsitzenden unterlag der seit 2004 amtierende Mitbegründer des Vereins, Kurt Jansson, dem bisherigen Zweiten Vorsitzenden, Sebastian Moleski.

Erneut in den Vorstand gewählt wurden: Alice Wiegand (Zweite Vorsitzende), André Darmochwal (Schatzmeister), Tim Bartel und Philipp Birken; neu hinzugekommen sind: Jürgen Lüdeke (Schriftführer), Maria Schiewe, Jenny Grabe, Harald Krichel sowie Michail Jungierek, der bereits zum zweiten Mal Vorstandsmitglied ist. Wie in den Jahren 2004 – 2007 umfasst das Gremium nun wieder zehn Mitglieder.

Mit dem Ausscheiden Kurt Janssons geht eine Ära zu Ende, denn er war maßgeblich am Aufbau und der bisherigen Entwicklung des Vereins beteiligt. Und so mischen sich unter die Dankbarkeit für Kurts geleistete Arbeit auch Wehmut bei seinen langjährigen Vorstandskollegen. Nun ist es an Sebastian Moleski, den Verein erfolgreich weiterzuführen. Die personellen Veränderungen bringen frischen Wind in den Vorstand, allerdings auch die Aufgabe, sich als neues Team zusammenzufinden. Dieser stellen wir uns jedoch gern. Bedingt durch die Größe des Vorstandes bestand die erste Herausforderung darin, einen Termin für die traditionelle Vorstandsklausur zu finden.

Um möglichst schnell handlungsfähig zu sein, fand am 26. April ein erstes Treffen zur Konstituierung statt. Am 16. und 17. Mai war es dann soweit, der neu gewählte Vorstand traf sich zu seiner ersten Klausurtagung in Fürstenwalde (Spree). Ein Wochenende lang beschäftigten wir uns einerseits mit organisatorischen und strukturellen Fragen und andererseits mit der Ziel- und Schwerpunktsetzung für die Vereinsaktivitäten der nächsten Jahre. Ziel war es, eine gemeinsame Vision zu erarbeiten, wo wir Wikimedia Deutschland langfristig sehen. Das heißt, wir entwickelten eine Vorstellung davon, wie der Verein mit seinen Programmen und Initiativen, die Wikimedia-Inhalte sowie die Idee des Freien Wissens allgemein, zukünftig wahrgenommen werden sollen.

Im Rahmen umfangreicher Diskussionen erarbeiteten wir zunächst Vision Statements für die verschiedenen Interessensgruppen von Wikimedia (Leser, Autoren, Medien, Bildungswesen etc.). Um in einem nächsten Schritt konkrete Ziele festlegen und Maßnahmen ableiten zu können, definierten wir verschiedene Tätigkeitsbereiche. Im Einklang mit den Satzungszielen setzten wir Verantwortungsbereiche (Ressorts) fest und ordneten diese nach Fähigkeiten und Interesse den Vorstandsmitglieder zu. Mit der Festlegung von Ressorts wollen wir mehr Klarheit und Transparenz in den Verantwortlichkeiten schaffen. Nach außen soll sichtbar sein, welches Vorstandsmitglied für welches Themenfeld verantwortlich ist. Damit greifen wir auch einen oft geäußerten Wunsch der Mitglieder auf. Die Ressorts sowie deren Zuordnung zu den Vorstandsmitgliedern werden wir demnächst auf der Vereinswebsite veröffentlichen.

Die Entwicklung einer Vision, auf die wir gemeinsam hinarbeiten wollen, ist ein wichtiger Meilenstein für den Verein und Grundlage für seine weitere Entwicklung. Im Nachgang zur Klausur werden sich die Vorstandsmitglieder in kleineren Gruppen zusammenfinden, um für die Ressorts konkrete Ziele zu formulieren. Da es uns sehr wichtig ist, die Mitglieder und Freunde des Vereins aktiv in die Diskussionen einzubinden, freuen wir uns darauf, euch die Vision sowie die Zielsetzungen vorzustellen und diese gemeinsam zu diskutieren. Wir haben viel vor und möchten dies gern weiterhin zusammen mit euch realisieren. Details dazu werden wir im Juni bekannt geben.

Jenny & Harald

Fotos: Elke Wetzig und Jürgen Lüdeke

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Der Deutschlandfunk und das kommerzielle Missverständnis

Update: Ich hatte eben ein kurzes, aber nettes Telefonat mit Herrn Müller-Ullrich, der sich entschuldigt hat. Er hat wohl auch eine ganze Reihe von Mails bekommen. In der heutigen Sendung wird es eine kurze Richtigstellung geben, die auch dem Online-Artikel hinzugefügt wird. Vielen Dank für die prompte Reaktion.

Durch einen Hinweis von Mathias und dem kurz darauf folgenden Blogposting bei netzpolitik.org von Markus Beckedahl bin ich gestern auf den Beitrag “Freie Enzyklopädie?” von Burkhard Müller-Ullrich aufmerksam geworden.

Dieser wurde im Rahmen der Sendung “Kultur heute” des Deutschlandfunks ausgestrahlt (MP3) und hat mich so verärgert, dass ich meinem Unmut in einer E-Mail an den Leiter der Onlineredaktion Luft gemacht habe.

Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

mit wachsendem Unbehagen habe ich den Online-Artikel “Freie Enzyklopädie?” von Burkhard Müller-Ullrich (online abzurufen unter http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/965806/) gelesen, der in dieser Version ja leider auch ausgestrahlt wurde.

Der Beitrag scheint auf einer Reihe von Missverständnissen zu basieren und enthält Fehler. Es ist sehr bedauerlich, dass kein Kontakt zur Wikimedia Foundation oder zum Wikimedia Deutschland e.V. gesucht wurde.

Die wichtigsten Kritikpunkte:

  • Der Autor behauptet, dass alle Autoren der Wikipedia ihre Texte unter die GPL-Lizenz stellen. Das ist faktisch falsch. Sämtliche Texte unterliegen der GNU-Lizenz für freie Dokumentation (GFDL).
  • Die Wikipedia hat es sich seit ihrer Gründung zur Aufgabe gemacht, Freie Inhalte zu schaffen. Unser Verständnis von Freiheit umfasst die folgenden Punkte:
    • Die Wiederveröffentlichung der Inhalte und deren Verbreitung muss erlaubt sein. Eine Nachnutzung ist explizit erwünscht.
    • Die Veröffentlichung abgewandelter Inhalte muss erlaubt sein.
    • Die kommerzielle Nutzung muss erlaubt sein.
  • Auch die GFDL erlaubt selbstverständlich die kommerzielle Nutzung. Die Wahl fiel zur Gründung auf diese Lizenz, weil es 2001 keine sinnvollen und einfacheren Alternativlizenzen gab, die unseren Zwecken genügt hätten.
  • Es steht innerhalb der Wikipedia NICHT zur Diskussion, die ganze Palette der Creative-Commons-Lizenzen zu nutzen. Das wäre auch rechtlich überhaupt nicht möglich. Zur Diskussion steht einzig und allein die Doppellizenzierung der Inhalte unter der GFDL und der Creative-Commons-Lizenz “Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0″ (CC-BY-SA), die in Zusammenarbeit mit der Free Software Foundation (FSF) möglichst “GFDL-nah” ausgestaltet wurde. Beide Lizenzen streben genau das gleiche Ziel an, die CC-BY-SA ist für Nachnutzer aber deutlich praktikabler. Anstatt den gesamten Lizenztext beizulegen, reicht die Angabe eines Links, der auf diesen verweist.
  • Nur um das noch einmal zu betonen: Selbstverständlich war immer eine kommerzielle Nutzung der Inhalte der Wikipedia möglich und selbstverständlich wurde in der Vergangenheit die geltende, sehr unpraktikable GFDL-Lizenz – im Gegensatz zur im Artikel aufgestellten Behauptung – von den Nachnutzern in den meisten Fällen eingehalten. Als Beispiele seien nur die verschiedenen CD- und DVD-Ausgaben der Wikipedia oder das gedruckte Wikipedia-Lexikon in einem Band genannt, die alle von kommerziellen Nachnutzern erstellt und vertrieben werden.

    Die letzte Wendung des Beitrags ist schließlich für mich gar nicht mehr nachzuvollziehen. Hier werden munter unfreie Gratis-Inhalte ins Spiel gebracht und Wikipedia-Autoren unterstellt, dass sie eine Vergütung für die Schaffung Freier Inhalte wünschen oder erwarten würden, sofern die erstellten Inhalte kommerziell genutzt würden. Mir ist ja bewusst, dass die Gemeinschaft der Wikipedia-Nutzer oftmals für Außenstehende eine schwer zu durchschauende Masse darstellt – aber solche unbelegten Thesen aufzustellen, die mit der Realität augenscheinlich wenig zu tun haben, ist dann doch ein starkes Stück.

    Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich in diesem Artikel die im Gegensatz sonst beim Deutschlandfunk positiv hervorstechende Qualität der Beiträge *stark* vermisst habe.

    Enttäuscht, Tim Bartel.
    Mitglied des Vorstands Wikimedia Deutschland e.V.

Ich bin gespannt ob ich eine Antwort erhalte und ob der Artikel nachgebessert wird.

Die Veröffentlichung des Ergebnis der Abstimmung über die Änderung der Lizenzbestimmungen, an der sich über 18.000 Wikipedianer beteiligt haben, wird für heute in Kürze erwartet.

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Wikimedia Deutschland wird 5

Dieses Jahr wird Wikimedia Deutschland 5 Jahre alt. Dazu möchten wir euch gern einladen:

* Wann? – Samstag, 13. Juni 2009, ab 19 Uhr
* Wo? – c-base in Berlin
* Wie? – groß, lustig und mit einigen Überraschungen

Wir bieten eine Rallye/Schnitzeljagd durch Berlin, leckeres Barbecue (Motto: „Hier grillt der Vorstand!“) und eine entspannte Atmosphäre unter den Mitgliedern und Freunden des Vereins. Details gibt es unter http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:5_Jahre_WMDE.

Wir freuen uns auf euch!

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Was der Verein 2008 getan hat

Wikimedia Deutschland veröffentlicht, wie andere Vereine auch, jedes Jahr einen Tätigkeitsbericht. Darin stellen wir unsere Projekte und Aktivitäten des vergangenen Jahres vor und geben auch einen Ausblick für die Zukunft. Der Tätigkeitsbericht 2008 ist jetzt fertig und online verfügbar. Ein paar Highlights daraus:

  • der Verein hat das Schulprojekt zur Förderung von Medienkompetenz neu aufgelegt und das Projekt Generation 50plus zur stärkeren Einbindung älterer Generationen in die Artikelarbeit gestartet
  • auf der YOU präsentierten wir Wikipedia als freie Online-Enzyklopädie und klärten über die angemessene Nutzung auf
  • in Zusammenarbeit mit Wissen Media wurde eine einbändige Ausgabe der populärsten Artikel aus der Wikipedia gedruckt veröffentlicht
  • durch eine Kooperation mit dem Bundesarchiv sind über 100.000 Bilder unter einer freien Lizenz veröffentlicht worden
  • mit der Verleihung der Zedler-Medaille haben wir gemeinsam mit Spektrum der Wissenschaft und der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur wissenschaftliche Artikel für die Wikipedia ausgezeichnet
  • die Wikipedia Academy festigte im Rahmen des Jahres der Mathematik die Beziehungen zwischen Verein, Community und Wissenschaftsbetrieb
  • die in Zusammenarbeit mit Wikimedia France und der Wikimedia Foundation entwickelten Gesichteten Versionen sind in der Wikipedia live gegangen und haben dort zur Verbesserung der Qualität beigetragen
  • die Arbeit in den Wikimedia-Projekten wurde mit Literaturstipendien, einem Digitalisierungsbudget und Mitteln für Community-Veranstaltungen unterstützt
  • Investitionen in unsere technische Infrastruktur haben sichergestellt, dass Benutzern der Wikipedia und Commons wichtige Werkzeuge erhalten bleiben
  • die Mitgliederzahl hat sich um ca. 19 % und die Spendeneinnahmen haben sich um ca. 40 % erhöht

Details zu all diesen Punkten und vieles mehr gibt es im vollständigen Tätigkeitsbericht 2008. Eine gedruckte Version ist auf Anfrage erhältlich.

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