Archiv für April, 2009



Heranwachsen mit dem Social Web

Die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) hat gestern mit einer Pressemitteilung und Pressekonferenz die ersten Ergebnisse einer Studie über die Nutzung des “Social Webs” durch Jugendliche vorgestellt. Befragt wurden 650 Jugendliche über ihr Mediennutzungsverhalten.

Auf den LfM-Seiten findet sich schon eine Zusammenfassung der Studie als PDF, der komplette Text wird im Sommer in Buchform erscheinen.

Wenig überraschend taucht auch Wikipedia in der illustren Runde der “Sozialen Webseiten” auf: 85% der Jugendlichen nutzen die Online-Enzyklopädie, nahezu ausschließlich lesend. Zur Passivität der Jugendlichen schreiben die Autoren der Zusammenfassung:

Aktive Teilhabe über das Verfassen oder Verbessern von Einträgen bleibt weniger aufgrund von technischen Hürden aus, sondern weil Anmutung und Leitbild den Eindruck vermitteln, dass es sich um ein thematisch umfassendes Lexikon handelt, das von Menschen mit spezialisiertem Wissen bereit gestellt wird. Paradoxerweise wirkt noch verstärkend, dass in (Hoch-)Schulen auf die mangelhafte, zumindest kritisch zu hinterfragende Qualität der Beiträge verwiesen wird und somit ein weiterer Anreiz für die aktive Teilhabe entfällt.

Deutlicher (außer als vielleicht noch auf Seite 17 der Zusammenfassung) kann man meines Erachtens kaum noch auf die Notwendigkeit des Wikipedia-Schulprojektes hinweisen, das ja zuletzt vor einem Monat sehr ausführlich in einem Spiegel-Artikel beschrieben wurde. Hierzu sei auch auf die laufende Stellenausschreibung verwiesen.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (12 Bewertungen, Durchschnitt: 3,67 von 5)
Loading...Loading...

Neue Server für den Toolserver und OpenStreetMap

Gestern hat Wikimedia Deutschland fünf neue Server bestellt. Drei davon werden für das OpenStreetMap-Projekt verwendet, und drei werden den Toolserver Cluster erweitern. Müssten es dann nicht sechs sein? Nein, denn einer der Server wird für OpenStreetMap im Toolserver Cluster eingesetzt! Und das ist wohl auch der interessanteste:

Auf diesem neuen “Map-Toolserver” werden interessierte Programmierer die Gelegenheit haben, mit den Daten des OpenStreetMap-Projekts zu arbeiten und Werkzeuge bereitzustellen, die diese Daten nutzen. Zugang zu dem neuen Server wird, ähnlich wie bislang auch für andere Toolserverprojekte, auf Anfrage gewährt. Wir hoffen, der OpenStreetMap-Community auf diese Weise bei der Entwicklung neuer Werkzeuge helfen zu können.

Besonders interessant ist natürlich die Integration von OpenStreetMap in Wikipedia, die bereits beim Entwicklertreffen besprochen wurde. Sie soll automatisch Karten zu Ortsartikeln generieren und auch interaktive Karten bereitstellen, auf denen sich der Benutzer frei bewegen kann. Für diese Integration werden die übrigen zwei neuen OpenStreetMap-Server benutzt.

Die zwei verbleibenden Server für den Toolserver Cluster sind eine Investition in die Stabilität und Leistungsfähigkeit des Toolservers: ein Server wird unseren ältesten Datenbankserver ablösen, dem zunehmend die Puste ausgeht. Der zweite wird dafür sorgen, dass künftig mehr Rechenleistung für Bots zur Verfügung steht.

Insgesamt hoffen wir mit dieser Anschaffung die Stabilität des Toolserver-Projekts zu erhöhen, die OpenStreetMap-Community zu unterstützen und die Integration von interaktiven Karten in Wikipedia zu erlauben.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (17 Bewertungen, Durchschnitt: 4,29 von 5)
Loading...Loading...

Wenn man die Kamera im Nacken spürt…

“Behavioral Targeting” ist der Fachbegriff für die Auswahl möglichst passender und interessanter Inhalte (meistens Werbung), basierend auf dem Verhalten und den Nutzungsgewohnheiten eines Menschen.

Per se ist das eigentlich gar keine schlechte Idee. So sollte der Nutzen bei werbefinanzierten Angeboten nicht nur für den Anbieter, sondern auch für den Besucher größer werden, da die Werbung – zumindest in der Theorie – eher seinen Interessen entspricht. Gleichzeitig muss einem jedoch bewusst sein, dass dabei eine Menge Daten anfallen, die ein relativ genaues Bild von einem aufzeigen.

Unabhängig vom Nutzen sollte aber eines gewährleistet sein: Jeder sollte für sich selbst bestimmen können, ob er an dieser Form der Datenanalyse teilnehmen möchte oder nicht. Und nicht nur das: Er sollte sein explizites Einverständnis dazu geben.

Diese Grundannahme wird von dem Unternehmen Phorm unterlaufen. Phorm setzt nicht auf der Verbraucherseite an, sondern greift entsprechende Daten direkt bei Internetprovidern ab. In Großbritannien hat Phorm mit mehreren großen Providern eine Allianz geschlossen, so dass es sich Zugriff auf die Surfgewohnheiten von mehr als 70 % aller Haushalte mit Breitbandanschluss gesichert hat.

Im Gegensatz zu einem Anbieter, der auf seinen eigenen Seiten Behavioral-Targeting-Techniken nutzt, hat Phorm keinen Zugriff auf die Inhalte anderer Anbieter und die Klickstreams der Nutzer. Um dieses “Problem” zu umgehen setzten die mit Phorm zusammenarbeitenden Provider Deep packet inspection (DPI) ein und greifen damit tief in die Privatsphäre der Nutzer, sowie in die Funktionalität und die Freiheit des Internets ein.

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (18 Bewertungen, Durchschnitt: 4,33 von 5)
Loading...Loading...

Ein Heidelberger ruft zum Appell

Wer beispielsweise in Deutschland ein Buch schreibt und veröffentlicht, kann ohne weiteres Zutun rechtlichen Schutz für diese Arbeit beanspruchen. Als Autor darf er bestimmen, wer und zu welchen Konditionen dieses Buch gedruckt und verkauft wird. Wenn es sich für eine Verfilmung eignet, darf der Autor auch hier frei verhandeln und die Früchte seiner Arbeit einsammeln. Solange er lebt und 70 Jahre darüber hinaus darf mit diesem Werk nur jemand etwas anstellen, der sich vorher die nötigen Rechte dazu besorgt hat – entweder vom Urheber selbst oder von demjenigen, der sie vorher vom Urheber erworben hat. Ausnahmen regelt das Gesetz, beispielsweise im Hinblick auf die Verwendung von Texten in Schulbüchern oder bei Zitaten. Dieses Verwertungsmonopol, das automatisch dem Autor zugeschlagen wird, hat die erklärte Aufgabe, Kreativität zu fördern. Erst wenn der Autor über einen langen Zeitraum hinweg vollständige Kontrolle über sein Werk hat und daraus Profit schlagen kann, findet er nach dieser Überlegung den Anreiz, weitere Werke zu schaffen und damit den geistigen Reichtum des Landes, seinen wissenschaftlichen und technischen Fortschritt zu mehren. Ähnliches gilt für einen Verleger, der gerne sicherstellen möchte, dass nur er derjenige ist, der ein bestimmtes Werk auf den Markt bringen kann – zu Preisen, die ihm die Bezahlung des Autoren, der Angestellten und der nötigen Betriebsmittel sichert.

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (22 Bewertungen, Durchschnitt: 3,36 von 5)
Loading...Loading...

Neue WordPress-Version installiert

Dieser Blog läuft jetzt auf WordPress Version 2.7.1 – dieser Artikel ist auch ein Test, ob alles funktioniert. Sieht aber eigentlich prima aus, das Upgrade lief problemlos. Ich bin beeindruckt. Danke, WordPress!

Wenn es doch noch irgendwelche Probleme mit dem Blog geben sollte, schreibt mir eine E-Mail an Daniel Punkt Kinzler At Wikimedia Punkt De.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (13 Bewertungen, Durchschnitt: 2,77 von 5)
Loading...Loading...

Startschuss für Zedler 2009

Zum dritten Mal organisiert Wikimedia Deutschland in diesem Jahr die Verleihung der Zedler-Medaille für herausragende Artikel aus dem Bereich Geistes- und Naturwissenschaften. Als Start für die Bewerbung erscheint am 28. April im Spektrum Monatsheft Mai eine ganzseitige PR-Anzeige, die das Projekt kurz beschreibt und zum Mitmachen aufruft. Parallel dazu werden wir im Mai die erste Pressemitteilung verschicken.  In  Zusammenarbeit mit dem Spektrum Verlag und der Akademie der Wissenschaften und Literatur in Mainz (AdWM) versuchen wir in diesem Jahr das Projekt Zedler-Medaille bekannter zu machen und die Zahl der Teilnehmer zu erhöhen. Besonders freuen wir uns, dass uns das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt für die Preisverleihung am 8. Dezember 2009 (Achtung: neuer Termin!) die Dinosaurierhalle zur Verfügung stellt. Vielleicht können wir Joachim Miesbauer, der im letzten Jahr die Zedler-Medaille für seinen Artikel über die Dinosauriergruppe der Ceratopsidae erhielt, einladen. Geplant ist eine Abendveranstaltung mit Podiumsdiskussion und Volker Panzer vom ZDF Nachtstudio hat bereits heute zugesagt, als Moderator zur Verfügung zu stehen.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (9 Bewertungen, Durchschnitt: 3,44 von 5)
Loading...Loading...

Projektmanager und Werkstudenten gesucht

Wir suchen ab sofort:

Habt Ihr vielleicht Interesse, mit uns gemeinsam Freies Wissen zu fördern? Oder vielleicht kennt ihr jemanden, der sich für Freies Wissen begeistern kann und die nötigen Qualifikationen besitzt?  Wir nehmen ab sofort Bewerbungen an. Weitere Details gibt es unter http://wikimedia.de/jobs.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (10 Bewertungen, Durchschnitt: 3,20 von 5)
Loading...Loading...

Befreiung von Inhalten – wie geht es weiter?

Nachdem die Kooperation mit dem Bundesarchiv so erfolgreich funktioniert hat, gab es seit Ende letzten Jahres Gespräche, wie wir  solche Projekte weiter vorantreiben können. Wie finden wir geeignete Kooperationspartner, die über Inhalte verfügen? Wie können wir sie für die Unterstützung Freien Wissens gewinnen? Wie stemmen wir die damit verbundenen Arbeiten?

Ein erster Schritt in dieser Richtung war die Einstellung von Mathias Schindler als Projektmanager, zuerst für drei Monate. Sein Auftrag: Partner finden und Kooperationen auf den Weg bringen. Am 31. März konnten wir dann auch schon einen ersten großen Erfolg vorstellen: die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) gibt 250.000 Bilder aus der Deutschen Fotothek frei. Der Upload hat bereits begonnen, viele Bilder wurden schon thematisch kategorisiert, inhaltlich geprüft und in Wikipedia-Artikel eingebunden. Daneben liefen noch weitere vielversprechende Gespräche mit anderen Institutionen.

Wie geht es nun weiter? Es ist klar, dass freien Zugang zu Bildern und anderen Materialien schaffen zu unseren Kernaufgaben gehört. Die Erfolge bisher lassen kaum Zweifel, dass hier noch sehr viel mehr möglich ist. Die begeisterte Einbindung und Verwendung der Bundesarchiv- und SLUB-Inhalte durch engagierte Freiwillige zeigt ebenfalls, wie wichtig solche Projekte für die weitere Entwicklung unserer Inhalte sind. Um dem allen gerecht zu werden, haben wir beschlossen:

  1. Die Befreiung von bisher nur eingeschränkt nutzbaren Inhalten wird aktiv durch den Verein gefördert.
  2. Wir bieten Mathias Schindler eine Verlängerung des Vertrags als Projektmanager auf 12 Monate an. Seine exzellente Arbeit bisher und sein unermüdlicher Einsatz in diesem Bereich sind bester Beweis dafür, dass er diese Rolle ideal ausfüllt. Mathias hat das Angebot bereits angenommen und den Vertrag unterschrieben.
  3. Der Verein wird kurzfristig ein Spendenprojekt starten, um Mittel zur Befreiung von Inhalten anzuwerben. Damit sollen auch eventuell entstehende Kosten abgedeckt werden, wie sie zum Beispiel bei der Entwicklung neuer Software zum Bildupload und -verwaltung oder der Digitalisierung von Inhalten entstehen können. Details dazu werden wir in den nächsten zehn Tagen vorstellen.

Ich freue mich persönlich sehr, dass wir in diesem Bereich bereits so viel machen konnten, und sehe mit viel Spannung zukünftigen Kooperationen entgegen. Wir sind angetreten, das Wissen der ganzen Menschheit zu sammeln und jedem für jeden Zweck frei zugänglich zu machen. Bisher nicht zugängliche Inhalte zu diesem Zweck zu erschließen ist eine wichtiger weiterer Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (11 Bewertungen, Durchschnitt: 3,55 von 5)
Loading...Loading...

Die Wikimedia Bewegung wächst und entwickelt sich – Bericht zum Chapters Meeting

Eine geballte Ladung engagierter Unterstützer Freien Wissens kam aus aller Welt vom 3.-5. April anlässlich der ersten Wikimedia Conference in den Berliner T-Labs und der c-base zusammen. Die Konferenz umfasste drei parallel laufende Veranstaltungen:

Gemeinsam mit Alice Wiegand hatte ich das Vergnügen als Vertreterin des Vorstands von Wikimedia Deutschland hautnah beim Chapters Meeting dabei zu sein. An dieser Stelle nun ein kleiner Bericht und ein paar persönliche Eindrücke meinerseits.

Wikimedia Brasil stellt sich vor
Wikimedia Brasil stellt sich vor
Was sind eigentlich Wikimedia Chapter? Und was hat es mit dem Chapters Meeting auf sich? Die Chapter sind unabhängige Organisationen, die dazu dienen, die Idee des Freien Wissens durch die Wikimedia Projekte (wie z.B. die Wikipedia) in einem bestimmten Land zu fördern und zu unterstützen. Derzeit existieren weltweit 22 Chapter. Der Verein Wikimedia Deutschland ist das deutsche Chapter. Seit 2008 findet einmal im Jahr das Chapters Meeting statt. Ziel des Treffens ist es, die Chapter der verschiedenen Länder zusammenzubringen, um ihnen so Gelegenheit zu geben, ihre Erfahrungen bezüglich der Arbeit für die Wikimedia Bewegung auszutauschen, Idee zu diskutieren und gemeinsam Pläne zu schmieden, wie die Förderung Freien Wissens weiter vorangetrieben werden kann.

Nachdem die Repräsentanten der Chapter bei ihrem ersten Treffen (2008) in Nijmegen (Niederlande) zusammenkamen, übernahm dieses Jahr Wikimedia Deutschland die Gastgeberschaft. Dank der Unterstützung verschiedener Chapter ist es gelungen, Vertreter aller existierenden Chapter nach Berlin zu holen. Den weitesten Anreiseweg hatten dabei Patricio und Carlos als Repräsentanten des Argentinischen Chapters (11.900 km), Arief und Revo Arka Giri (Wikimedia Indonesia: 10.800 km) sowie Thomas & Alexandre von Wikimedia Brasil (10.000 km).

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (16 Bewertungen, Durchschnitt: 3,88 von 5)
Loading...Loading...

Rückblick auf das Entwicklertreffen

Während der Wikimedia Conference am 3. bis 5. April trafen sich MediaWiki-Entwickler und andere technisch Interessierte in der c-base in Berlin. Ziel der Veranstaltung war es, Kontakte zu knüpfen und neue (oder alte) Projekte ins Rollen zu bringen. Und ich denke, das ist uns auch gelungen.

Das wichtigste Thema war wohl die Integration von OpenStreetMap in Wikipedia (Notizen). Über dieses Projekt werden wir hoffentlich bald automatisch Karten für Artikel über Orte, Flüsse, Länder und so weiter erzeugen können, die sich dann auch dynamisch verschieben und zoomen lassen, ähnlich wie bei Google Maps. Auch das Markieren interessanter Orte und das Einbinden von Satellitenbildern ist angedacht. Wikimedia Deutschland wird für dieses Projekt Server anschaffen.

Ein weiteres prominentes Thema war die Usability Initiative (Notizen), die sich mit der Verbesserung der Benutzeroberfläche befasst. Zu diesem Zweck wurde gerade eine Untersuchung durchgeführt, die erforscht, womit unerfahrene Benutzer besonders Probleme haben. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden bald vorliegen und sollen unmittelbar zu Verbesserungen in der Benutzeroberfläche genutzt werden. Desweiteren arbeitet Wikia mit Hochdruck an einem WYSIWYG-Editor, der das Bearbeiten von Wikitext aber auch das Ausfüllen von Infoboxen oder das Erstellen von Tabellen deutlich vereinfachen soll. Auch wird daran gearbeitet, das Hochladen und Einbinden von Bildern und Videos zu erleichtern.

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (17 Bewertungen, Durchschnitt: 4,24 von 5)
Loading...Loading...