Archiv für Juni, 2008



Wikimedia-Vorstand verdoppelt Frauenanteil

Turnusgemäß fand heute die jährliche Mitgliederversammlung des Vereins Wikimedia Deutschland in Frankfurt am Main statt. Der Vorstand konnte auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken: sowohl Einnahmen- als auch Mitgliederentwicklung haben sich 2007 äußerst positiv gestaltet. So verdreifachte sich im zurückliegenden Jahr das Spendenvolumen; die Mitgliederzahl hat die 400er-Grenze deutlich überschritten. Das von Wikimedia Deutschland initiierte Veranstaltungskonzept Wikipedia Academy geht 2008 ins dritte Jahr und wird auch auf internationaler Ebene umgesetzt. Die Zedler-Medaille wird in diesem Herbst zum zweiten Mal verliehen, die Kommunikation mit den Vereinsmitgliedern konnte durch die Verstetigung des Newsletters und die Schaffung des neuen Wikimedia-Blogs verbessert werden (in Kürze erscheint eine neue Ausgabe des Newsletters mit Infos zum Community-Tag und zur Mitgliederversammlung).

Vor der Wahl des neuen Vorstandes beschloss die Mitgliederversammlung, statt sechs nur drei Beisitzer-Posten zu besetzen, um eine effektivere Arbeit des Vorstandes zu ermöglichen. Falls sich dieses Modell als erfolgreich erweist, soll die Vorstandsverkleinerung auf der Mitgliederversammlung im nächsten Jahr durch eine Satzungsänderung festgeschrieben werden.

Zum Ersten Vorsitzenden wurde erneut Kurt Jansson gewählt, neuer Zweiter Vorsitzenden ist Sebastian Moleski (der bisherige Amtsinhaber Frank Schulenburg steht vor seinem Wechsel zur Wikimedia Foundation und kandidierte deshalb nicht erneut), als Schatzmeister wurde mit grosser Zustimmung Andre Darmochwal bestätigt, neue Schriftführerin ist Alice Wiegand. Als Beisitzer wurden Philipp Birken, Tim Bartel und Juliana da Costa José gewählt. Und, oh wunder, trotz Verkleinerung des Vorstandes wurden diesmal zwei Damen in den Vorstand gewählt, was eine glatte Verdoppelung des weiblichen Elementes innerhalb des Vorstandes bedeutet. Die bisherigen Vorstandsmitglieder Elke Wetzig, Mathias Schindler und Michail Jungierek werden ihr bisheriges Engagement für Wikimedia Deutschland auch außerhalb des Vorstandes weiter fortsetzen.

P.S. Bilder vom neuen Vorstand und von der Mitgliederversammlung werden nachgereicht (Übertragungskabel vergessen ;-). Eine Galerie ist jetzt auch auf Commons zu finden.

P.P.S. Tschechien führt derzeit gegen die Türkei mit 2:1

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Wikimedia digitalisiert unveröffentlichten Augenzeugenbericht von Napoleons Russlandfeldzug

Scannen der Handschrift im Göttinger Digitalisierungszentrum
Scannen der Handschrift im Göttinger Digitalisierungszentrum

Gestern mittag war es soweit: der bislang unveröffentlichte Bericht eines Teilnehmers an Napoleons Russlandfeldzug wurde im Göttinger Digitalisierungszentrum digitalisiert. Die Scans der wertvollen Handschrift werden zunächst auf Commons hochgeladen und dienen anschließend als Grundlage für eine Veröffentlichung in der freien Quellensammlung Wikisource.

In seiner Schrift mit dem Titel Bemerkungen über den Feldzug gegen Rußland in den Jahren 1812 und 1813 mit Hinsicht auf Cultur, Sitten, Landesart und Gebräuche schildert ein Angehöriger eines unter Napoleon Bonaparte kämpfenden sächsischen Husarenregiments seine Erlebnisse auf dem Weg der Grande Armée ins russische Reich. Die der geschichtswissenschaftlichen Forschung bislang noch unbekannte Quelle gibt einen anschaulichen Einblick in die Erlebnis- und Gedankenwelt eines Teilnehmers des Feldzuges, an dessen Ende die Flucht und fast vollständige Zerschlagung von Napoleons Grande Armée stand.

Bilder vom Digitalisierungsvorgang sind auf Wikimedia Commons abrufbar.

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Kochen für die Wikipedia

Nilz Bokelberg (auf der re:publica 2007)
Nilz Bokelberg (auf der re:publica 2007)
Foto: heins-mit-z / Lizenz: BY-NC-SA

Wenn während der Europameisterschaft ein Deutschlandspiel im ZDF übertragen wird, haben es andere Sender schwer, dem etwas entgegen zu setzen. In diesem Fall zeigt man aufgrund der zu erwartenden niedrigeren Einschaltquoten lieber einmal eine Wiederholung.

Der Sender VOX zeigte so am vergangenen Sonntag eine Aufzeichnung der Sendung “Das perfekte Promi Dinner” vom 10. Juni 2007. Am Herd standen Nicole Belstler-Boettcher, Michaela May, Thomas Fuchsberger und Ex-VIVA-Moderator Nilz Bokelberg.

Ohne die Leistung der anderen Teilnehmer zu bewerten: Nilz beim Kochen zuzuschauen ist definitiv lustig. Er gehört zur “Internet-Generation” und so wird das Rezept auch schnell online auf dem neben der Spüle stehenden Laptop nachgeschlagen. Interessant für Wikipedianer wurde es aber besonders am Ende der Sendung – was wir letztes Jahr noch nicht bemerkt hatten: Nilz kündigte an, seinen Gewinn auf ein Obdachlosenprojekt und Wikipedia zu verteilen. Vielen Dank!

Grund genug, ihm ein paar Fragen zu stellen:

Tim: Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Teil deines Gewinns gerade für Wikipedia zu spenden?

Nilz: Ich glaube es ist wichtig für die Leute zuverlässige Wissensquellen zu haben. Nun kann in der Wikipedia ja auch immer alles geändert werden – man könnte sie also für unzuverlässiger als alles andere halten. Aber diese offene Struktur hat sich letzten Endes doch bewährt und das finde ich nicht nur großartig, sondern auch wichtig. Freies Wissen für alle, nur so kann das was mit dem mündigen Bürger werden.

Tim: Kannst du dich noch an deinen ersten Kontakt mit der Wikipedia erinnern?

Nilz: Puh… nicht wirklich. Aber ich war wohl ziemlich beeindruckt und habe wohl auch am Anfang nicht ganz verstanden, was das eigentlich sein soll. Müsste über Google da gelandet sein. Aber das ist ja auch das Schöne bei Anwendungen, die so wichtig im Alltag für einen selbst geworden sind: Es fühlt sich an, als seien sie schon immer da gewesen.

Tim: Hast du schon selbst Bearbeitungen vorgenommen oder neue Artikel verfasst?

Nilz: Ne gar nicht. Ich habe wohl mal einen Account angelegt und ich weiss auch noch das ich irgendetwas ändern wollte, was nicht stimmte, aber ich kann einfach nicht faktisch schreiben. Deswegen hab ich es lieber gelassen, anstatt das Thema einer Löschdiskussion zu werden…:)

Tim: Falls du die Möglichkeit hättest, dir drei beliebige Veränderungen an der Wikipedia zu wünschen, die direkt umgesetzt werden. Was würdest du ändern?

Nilz: So spontan fällt mir da gar nichts ein. Ich finde zu gewissen Zeitpunkten die Relevanzdiskussionen etwas übertrieben, denn ob der SV Hintertupfingen eine sportliche Relvanz in der Geschichte des Eisstockschiessens hat, sei erstmal dahin gestellt. Da er aber ein existierender Verein ist oder war, müsste das meiner Meinung nach schon reichen für einen Eintrag. Denn wenn das in 10 Jahren auch nur ein einziger sucht, dann hat sich der Eintrag schon gelohnt. Falls er hilfreich war. Privatpersonen brauchen wirklich keinen Eintrag.

Tim: Du bist ja mit deinem Blog Weltfrieden selbst seit geraumer Zeit im “Web 2.0″ aktiv. Wie siehst du die Zukunft von traditionell erstellten Medien im Verhältnis zu Angeboten, die auf UCG (=user generated content) aufbauen? Welche Vor-/Nachteile gibt es nach deiner Auffassung bei den jeweiligen Ansätzen?

Nilz: Ich denke das alles kann nur funktionieren, wenn es sich noch mehr verzahnt. Nur das eine oder das andere ist mittlerweile zu wenig. Allerdings bringt es auch nichts sich andauernd gegenseitig die Köppe einzuhauen. Von wegen Blogger-vs.-Journalismus-Debatte. Die deutsche Blogosphäre tut sich schwer mit ihrer Professionalisierung resp. Kommerzialisierung. Man kann manchen Leuten einfach nicht oft genug über den Kopf streicheln und sagen: Nein, es ist wirklich nicht schlimm, wenn jemand mit dem was er gerne macht Geld verdient. Die Diskussion zehrt an den Kräften deutscher Blogs und schwächt ihre Position im Ganzen. weil sie sich dann wieder auf dieses Thema einlassen müssen, das wirklich niemanden ausser Blogger selbst interessiert, und selbst da auch nur einen kleinen Teil. Ich habe mich zum Beispiel davon verabschiedet, übers bloggen zu bloggen, weil das “normale” User einfach mal so gar nicht interessiert. Trotzalledem: Ich möchte auf meine mogendliche auf Papier gedruckte Zeitung nicht verzichten. Die hat schon den absoluten Vorteil, das ich sie auch mit aufs Klo nehmen kann, was mit einem Laptop immer ein ziemlicher Act ist. Beide Medien können wunderbar nebeneinander exitieren, sie müssen sich nur aufeinander einlassen. Und vom anderen lernen. Deswegen lese ich zum Beispiel so gerne Niggemeier, weil der quasi “Best of both Wolds” verkörpert. Bloggender Journalist oder journalistischer Blogger. Desweiteren sollen alle aber auch das bleiben, was sie sind: Blogger oder Journalisten. Bitte nicht den anderen nachahmen…

Tim: Warum hat dein Wikipedia-Artikel noch kein freies Foto von dir? :-)

Nilz: Dann sollt ich wohl mal eins hochladen, aber ich habe immer Angst etwas zu dem Eintrag über mich beizusteuern, weil das dann immer so aussieht, als wenn ich den gepimpt hätte, um besser dazustehen…:) Und die Löschdiskussion um mein Foto würde ich wohl nicht ertragen…

Tim: “Nilz in 3 Sätzen”?

Nilz: Ich halte mich für stylischer, als ich bin. Ernähre mich, hauptsächlich, von Kommunikation, Musik, Nikotin, Wasser mit Fruchtgeschmack und Saté-Spiessen. Und ich kann nicht streiten.

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Qualifizierungsprogramm für ältere Ehrenamtliche zu “Wikipedia-Trainern” gestartet

Mit finanzieller Unterstützung von Wikimedia Deutschland startete am vergangenen Montag die weltweit erste Qualifizierung für ältere Menschen zu “Wikipedia-Trainern”. Langfristiges Ziel ist es, die bislang vergleichsweise geringe Beteiligung älterer Menschen an der Wikipedia zu erhöhen. Die zukünftigen Wikipedia-Trainerinnen und -Trainer sollen dazu befähigt werden, eigene Wikipedia-Autorenschulungen in Senioren-Internetcafés durchzuführen.

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung trafen sich im Diakonischen Werk in Düsseldorf rund 20 Ehrenamtliche aus Senioren-Internetcafés und Bildungseinrichtungen. In Vorträgen und Workshops konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen ersten Blick hinter die Kulissen der Wikipedia werfen.

Der Kurs unter dem Titel “Wikipedia in Senioren-Internetcafes” ist auf sechs Wochen ausgelegt und wird über die “Virtuelle Ideenschmiede” auf der Lernplattform des Forums Seniorenarbeit NRW angeboten. Auf eine Einführungsphase, in der Grundkenntnisse im Umgang mit der Wikipedia vermittelt werden, folgt eine Werkstattphase, in der gemeinsam Konzepte für Wikipedia-Einsteigerseminare entwickelt werden sollen.

Die im Anschluss an den Onlinekurs geplanten Angebote vor Ort sollen von älteren Ehrenamtlichen in Senioren-Internetcafés durchgeführt werden. Diese Senioren-Internetcafés sind mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen, Verbänden und freien Trägern in vielen Orten in Nordrhein-Westfalen entstanden.

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